Xavier Kurt Naidoo: Mein Land, meine Stadt, meine Heimat – „Wir gehören zusammen“

In Mannheim geboren und aufgewachsen, ist Xavier Kurt Naidoo für das Engage­­ment in seiner Heimatstadt bekannt. Der Sänger hat die regionale Musikszene wesent­­lich geprägt und engagiert sich für die Nach­­wuchsförderung in der Branche.

Im Interview erläutert der Musiker, was Baden-Württemberg aus seiner Sicht für Investoren und Einwohner attraktiv macht. Er spricht über die liebens- und lebenswerten Vorzüge des Landes sowie der Menschen und erzählt von seinen persön­lichen Inspirationen.

Sie haben in der Schulzeit bereits in einer Band gespielt, die den Namen „Mannheim“ trug. Woher kommt Ihre tiefe Verbundenheit mit Mannheim?
Ich glaube, es gibt Menschen, die einfach sehr heimatverbunden sind, sich dem Ort verpflichtet fühlen, an dem sie geboren wurden und aufgewachsen sind. Und so ein Mensch bin ich. Jemand, der es sehr zu schätzen weiß, woher er kommt. Gerade wenn man viel unterwegs ist, ist es schön, seine Wurzeln zu kennen.


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Was ist das Besondere an Mannheim?
Die Stadt ist überschaubar. Sie bietet aber viele Dinge, die man sonst nur in Groß­städten findet; zum Beispiel den Hafen und die hier ansässigen internationalen Unternehmen. Wenn man 20 Kilometer weiter fährt, beispiels­­weise nach Heidelberg am Neckar, fühlt man sich an eine mediter­rane Um­­­­gebung erinnert. Ich fand in der Region rund um Mannheim die Möglich­keiten, die man als Musiker braucht. Für mich war dieser Groß­raum schon immer sehr attraktiv.

Was genau ist denn so attraktiv und lebenswert?
Zum einen haben wir hier in Mannheim und Umgebung einfach besseres Wetter als in anderen Teilen Deutschlands. Das Klima in der rheinischen Tiefebene ist medi­­terran und zudem sehr menschenfreundlich.

Es gibt ein breites Kultur- und Freizeit­angebot, das vielfältig genug ist, um auch junge Leute zu begeistern. Hier wird man nichts missen und das ist einfach fantastisch. Das kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen.

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Mannheim liegt zudem sehr zentral und bietet durch die gut ausgebaute Infra­­struk­­tur schnelle Anbindungen innerhalb Deutsch­lands sowie nach ganz Europa. Die Flug­häfen in Frankfurt oder Stuttgart sind von Mannheim aus in kurzer Zeit erreichbar. Außerdem haben sich zahl­­reiche inter­­na­tio­na­le Groß­kon­zerne hier an­­­ge­­sie­­­delt. Für Ge­­­schäfts- wie Privat­leute ist Mann­heim als Wohn- und Stand­­­ort optimal.
Sie erwähnten gerade die Geschäfts­leute: Warum sollten Unternehmen sich hier niederlassen?
Wenn Unternehmen sich einem Netzwerk anschließen möchten, dann sind sie in Mannheim sehr gut bedient. Es gibt hier stark vernetzte Firmen und Menschen, die in ganz Deutschland exzellente Kontakte haben und diese erfolgreich einsetzen.

Wie würden Sie Baden-Württemberg beschreiben?
Baden-Württemberg ist ein Muster­ländle. Die Baden-Württemberger sind innovativ. Dank der zahlreichen Patent­anmeldungen gilt das Land in der EU als Region mit der höchsten Innovationsfähigkeit. Die Baden-Württemberger sind sehr fleißig und haben einen langen Atem bei der Ent­wick­­lung und Fertigstellung von Produkten. Das zeichnet Baden-Württemberg aus.

In Baden-Württemberg haben außerdem namhafte internationale Konzerne ihre Wurzeln. Dies ist wohl der Welt­­offenheit der Baden-Württemberger zuzuschreiben.

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Das Land Baden-Württemberg grenzt an Frankreich und die Schweiz. Diese räum­­liche Nähe sorgt für einen regen wirt­schaft­lichen und kulturellen Austausch mit den Nachbarn. So kann man auch einmal über den Tellerrand blicken.

Wann haben Sie erkannt, dass die Musik auch ein Wirtschaftsfaktor sein kann – in Mannheim und Baden-Württemberg?
Als Künstler oder Musiker betrachtet man Musik erst einmal nicht als Wirt­schafts­faktor. Man macht die Musik nicht in erster Linie aus wirtschaftlichen Gründen, sondern aus Leidenschaft. Irgendwann erkennt man jedoch den wirtschaftlichen Hinter­grund. Vielleicht habe ich diesen ein bis­­s­chen früher gesehen als andere Musiker.

Mich hat sehr geprägt, dass aus Mannheim viele Industrieunternehmen abgewandert sind. In dieser Zeit sind sehr viele Jobs ver­­loren gegangen. Mein Vater war auch davon betroffen. Schon als Kind habe ich gedacht, dass man etwas tun muss, damit hier nicht irgendwann alle Leute arbeits­­los sind. Die hohe Arbeitslosenzahl in Mannheim war mir ein Dorn im Auge. Daher wollte ich das, was ich hier tue, zum Wirtschafts­faktor machen. Ich wollte etwas aufbauen, das den Leuten eine Zukunft gibt.

Für mich habe ich die Entscheidung ge­­troffen, dass in meinem Unternehmen die Aufgaben, die von Mannheim aus zu leisten sind, mit Leuten besetzt werden, die aus der Region stammen. Damals habe ich alle verfügbaren Freunde in die Firma integriert. Das hat natürlich nicht immer reibungslos funktioniert, aber es ist uns doch gelungen, das Unter­nehmen entsprechend aufzubauen.

Sie haben bei der Gründung des Kom­­petenz­­­­clusters „Mannheimer Modell“ mit­­gewirkt. Wie kam es dazu?
Ich hatte die Vision, in Mannheim die Musik­­branche zu stärken. Der Grund­stock ist gelegt: Die musische Tradition geht hier bei uns bis auf die Kurfürsten zurück. Im 18. Jahrhundert errang die Mannheimer Hof­­kapelle bereits europa­weite Anerkennung.


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Das Musische ist in der Stadt tief verwurzelt. Viele Musiker aus Mannheim, die in Deutsch­land gute Projekte starten, sind einfach nicht bekannt beziehungsweise niemand weiß, dass sie aus unserer Stadt kommen. Genau das möchte ich ändern.

Mannheim soll eine Stadt sein, die Musik zulässt; eine Stadt, in der man sich ent­­falten kann. Als es darum ging, dass in Baden-Württemberg eine Pop­aka­demie ent­stehen sollte, habe ich mich natürlich aktiv dafür eingesetzt, dass diese nicht in Stuttgart oder Karlsruhe entsteht, sondern hier.
Offensichtlich hat sich Ihr Einsatz gelohnt. Die Popakademie Baden-Württemberg ist in Mannheim und Sie dozieren dort. Was geben Sie persönlich den jungen Musikern mit auf den Weg?
Ich habe nicht mehr zu bieten als meine Erfahrung und meine Herangehens­weise an gewisse Themen.

Ansonsten geht es bei mir schlicht um Songwriting. Im Großen und Ganzen sollen die Studenten sich öffnen und lernen unter Druck, in kürzester Zeit, Songs zu schreiben. Meistens trägt man eine Sichtweise oder ein Gefühl schon in sich; man muss aber auch in der Lage sein, die passenden Worte dafür zu finden.

Woher kommen Ihre Ideen für Ihre Texte?
Es ist ein großes Geschenk, dass ich für jede Emotion Worte finde, die ich dann auch als Melodie aufs Papier bringen kann. Es ist wirklich erstaunlich, dass auf diese Weise immer wieder Lieder entstehen, die viele Menschen berühren. Auch das führe ich auf die geografische Lage meiner Heimatstadt zurück.

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… können Sie das näher erläutern?
Mannheim war schon immer eine Er­­finder­stadt. Hier sind viele Dinge erfunden worden, die die ganze Welt bewegt haben. Ob es sich um das Laufrad von Freiherr von Drais handelt oder die Erfindung des Automobils, die in Mannheim be­­gonnen hat. Der Kronkorken war zum Beispiel auch eine große Erfindung für die da­­­malige Zeit und kommt aus Mannheim. Sogar die deutsche Recht­­schreibung ist mit dem Duden-Verlag hier in Mannheim beheimatet. Das würde man nie denken, wenn man unseren Dialekt hört.

Den Erfindergeist Deutschlands führe ich teilweise auf die Sprache zurück. Die deutsche Sprache ist eine Schöpfer­sprache und bietet die Möglichkeit, neue Wortschöpfungen hervorzubringen. Unsere Sprache erlaubt es, Gedankengänge zu verfolgen und Neues zu entdecken. Es ist erstaunlich, was in unserem Wort­schatz alles verborgen ist.

Finden Sie in der Sprache auch Inspiration?
Ja, die Sprache inspiriert mich. Ich bin gläubig, aber ich bin kein dogmatischer oder religiöser Mensch. Wenn die Rede vom Wort Gottes ist, dann ist für mich nicht unbedingt die Bibel gemeint. Ich verstehe darunter jedes Wort, das gesprochen wird, mit dem man sich verständigen kann, mit dem man komplexeste Gedanken artikulieren kann. Das ist ein großes Wunder. Was wäre unsere Existenz, wenn wir nicht mitein­ander sprechen könnten.

Weitere Inspiration bringt das Leben. Die Dinge, über die man sich aufregt, was einen traurig macht – das ist schon Inspiration genug. Wenn man Soul-Musik macht, muss man Themen finden, die einen selbst berühren und betreffen. Im Endeffekt weiß jeder: Die Gefühle, die ich beschreibe, kenne ich aus eigener Erfahrung. Und darum geht es in der Musik, die ich mache.

Foto_Thommy-MradoDer Autor, 1971 geboren, ist in Mannheim aufgewachsen. Er ist seit mehr als zehn Jahren als deutscher Soul- und R&B-Sänger bekannt. Neben seiner Solo­­karriere ist er Mitbegründer der Band „Söhne Mannheims“, Mitglied der „Brothers Keepers“ sowie Dozent an der Pop­akademie Baden-Württemberg. Mit der Naidoo Records GmbH, Naidoo/Herberger Produktion, XN-­Tertainment und Söhne Mannheims GmbH hat er seine eigenen Unter­­nehmen gegründet.