Wolf D. Meier-Scheuven: Maschinenbau-Cluster in NRW stärkt Standort

20130711_BOGE-NRW-Premiere_Quelle_eventfotografMit knapp 200.000 Beschäftigten in rund 1.600 Unter­neh­men ist der Maschinenbau in Nordrhein-Westfalen größter industrieller Arbeitgeber. ProduktionNRW ist der Cluster des Maschinenbaus NRW.

NRW-Maschinenbau: Zukunft fest im Blick. Nordrhein-Westfalen ist ein Industrieland mit Tradition und Zukunft. Rund 1,2 Millionen Menschen sind hier im ver­­arbeitenden Gewerbe beschäftigt und erwirtschaften einen Umsatz von knapp 340 Milliarden Euro. NRW liegt damit nicht nur an der Spitze der Bundesländer, sondern rangiert auch im internationalen Vergleich weit vorn. Hinzu kommt: Kaum sonst gibt es eine so große industrielle Bran­­chen­­vielfalt und eine so leistungsfähige, industrienahe Forsch­ungs­­landschaft auf engstem Raum.

Auf dieser starken Basis können die hiesigen Unternehmen erfolgreich auf den internationalen Märkten agieren. Der Maschinenbau nimmt eine Schlüsselstellung in der NRW-Wirt­­schaft ein. Er ist mit knapp 200.000 Beschäftigten größter industrieller Arbeitgeber und hat 2014 einen Umsatz von rund 43 Milliarden Euro erwirtschaftet. Damit ist er neben der Chemiebranche nach wie vor die umsatzstärkste Branche in Nordrhein-Westfalen.

Die Branche ist geprägt durch rund 1.600 überwiegend kleine und mittelständische Unternehmen, deren Ma­­schinen mit über 70 Prozent hauptsächlich für den Ex­­port bestimmt sind; viele der kleinen und mittleren Unter­nehmen sind auf ihren Spezialgebieten weltweit führend.

Besonders stark ist der Anteil Nordrhein-Westfalens an der deutschen Produktion von Hütten- und Walz­werk­s­ein­richtungen, Armaturen, Bergbau- und Gießereimaschinen. Die weltweite Führungsposition, beispielweise in der An­­triebstechnik oder bei den Armaturen, gepaart mit der lang­­jährigen Erfahrung und dem Erfindergeist, macht Nordrhein-Westfalen attraktiv für neue Ansiedlungen und In­­vestitionen im Maschinenbau. Nicht nur deutsche Unternehmen wählen Nord­­rhein-Westfalen als innovatives Bun­desland zum Standort ihrer Wahl, um international zu operieren. Auch zahlreiche internationale Unter­nehmen, insbesondere aus Japan und China, investieren in Nordrhein-Westfalen, um die Stärken und Qualitäten des Standortes zu nutzen.

Traditionell stark im Miteinander: Maschinenbau in NRW. Als Schlüsselindustrie und Systemintegrator arbeitet die Branche an vielfältigen Technologien und Produkten, die Antworten auf die Fragestellungen und Herausforderungen der Zukunft wie Ressourcenschonung und -effizienz, En­­er­­gie und Klimaschutz, Ernährung, Mobilität etc. geben. Unter Berücksichtigung von wichtigen Aspekten wie Re­­pro­­duziergenauigkeit, Produktlebenszyklus, Recycling, Effizienz und Komplexitätsbeherrschung entwickelt sie Lö­­sungen und Produkte, die exakt auf den Kundenbedarf zu­­geschnitten sind und oftmals eine Hebelwirkung auf andere Branchen ausüben. Der Technologieführer Ma­­schinenbau integriert neueste Erkenntnisse in Anlagen und Produkte und sichert die Wettbewerbsfähigkeit seiner Kunden.

Das stetige Streben nach Innovationen ist heute und zu­­künftig der entscheidende Faktor für die Spitzenstellung des nordrhein-westfälischen Maschinenbaus. Denn die Heraus­­forderungen auf den globalen Märkten werden nicht kleiner: Der Kosten- und Technologiewettbewerb gewinnt nochmals an Schärfe, die Produktzyklen verkürzen sich weiter, und die Kundenwünsche werden immer individueller. Nicht zuletzt schreitet die Digitalisierung auf allen industriellen Wertschöpfungsstufen mit großer Geschwindigkeit voran. Die Unternehmen des Maschinen- und Anlagenbaus sind hier­­bei mehr denn je als Enabler und Problemlöser gefragt.

„Der Erfolg des Maschinenbaus in Nordrhein-Westfalen basiert auf seiner Stärke, sich an den richtigen Stellen mit Zulieferern, Produzenten und Kunden zu vernetzen, ge­­meinsame Ressourcen und Synergien sinnvoll zu nutzen. Auch die Vernetzung von Wirtschaft und Wissenschaft und der damit einhergehende Wissenstransfer ist in NRW ge­­lebte Praxis“, charakterisiert Wolf D. Meier-Scheuven, Sprecher des Clusters ProduktionNRW, die Branche.


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Clusterbildung als Strategie für Nordrhein-Westfalen. Das Land Nordrhein-Westfalen hat die Bedeutung von Clustern erkannt und stärkt mittels Clusterpolitik und einer gezielten Innovationsstrategie die Zukunftsindustrien in Nordrhein- Westfalen. Im Rahmen der Weiterentwicklung der Clusterpolitik fokussiert sich das Land auf strategisch wichtige Märkte, die sogenannten Leitmärkte, die ein be­­sonders hohes Potenzial für die wirtschaftliche Entwicklung NRWs haben. Der Leitmarkt Maschinen- und Anlagenbau/Produktionstechnik ist einer von ihnen.

ProduktionNRW ist das Cluster des Maschinenbaus und der Produktionstechnik in Nordrhein-Westfalen und wird vom VDMA NRW durchgeführt. ProduktionNRW hat Ende 2008 als Gemeinschaftsprojekt des VDMA und des Landes Nord­­rhein-Westfalen seine Arbeit aufgenommen mit dem Ziel, den Maschinen- und Anlagenbau und die Produktionstechnik als tragende Säule der nordrhein-westfälischen Wirt­schaft zu stärken und den Leitmarkt Maschinen- und An­­la­­gen­­­­bau/Produktionstechnik weiter auszubauen. Produk­­tionNRW versteht sich als Plattform, um Unter­­nehmen, Institutionen und Netzwerke untereinander und entlang der Wertschöpfungskette zu verzahnen. Wesentliche Teile der Leistungen, die ProduktionNRW erbringt, werden durch das Ministerium für Wirtschaft, Energie, Industrie, Mittelstand und Handwerk des Landes Nordrhein-Westfalen gefördert.

Studien belegen, dass Clusterakteure signifikant höhere Mit­­arbeiter- und Umsatzzuwächse erzielen als Wett­­be­­werber, die nicht in Clustern engagiert sind. Gleichzeitig sind sie gegenüber negativen Einflüssen von außen wider­­standsfähiger. Für diesen Erfolg werden immer wieder vor allem drei Aspekte genannt: eine enge Verflechtung mit Zulieferern, Produzenten und Kunden, ein größerer Markt für spezialisierte Arbeitskräfte und der Wissensspillover, der durch den clusterinternen Austausch von Informationen ent­­steht – Kompetenzen, die Nordrhein-Wastfalen ausspielen kann.

ProduktionNRW forciert Industrie 4.0-Denken. Um die Position der Branche als Motor der nordrhein-west­­fälischen Wirtschaft auszubauen, ist ProduktionNRW auf den unterschiedlichsten Gebieten aktiv und fokussiert sich thematisch unter anderem auf das Megathema der Maschinen­­baubranche: Industrie 4.0.

„Bedeutende Innovationen gelingen selten im Alleingang“, erklärt Meier-Scheuven. „Vernetzung innerhalb und au­­ßer­­­­halb traditioneller Branchendefinitionen – national und inter­­­­national – ist insbesondere bei der Umsetzung einer In­­­dustrie 4.0 eine wichtige Erweiterung der eigenen Möglichkeiten.“

Dazu ist einerseits ein enger Schulterschluss mit den Ab­­nehmerunternehmen – beispielsweise aus der Stahl-, Auto­­mobil- und Kunststoffindustrie – notwendig. Andererseits ist es gerade der Maschinenbau, der nicht nur die neuesten IKT-Technologien in seine Produkte integriert, sondern auch Nano-Materialien, neue Werkstoffe oder innovative Logistikkonzepte in eine breite Anwendung bringt. Hierzu bedarf es einer engen Zusammenarbeit mit den jeweiligen Technologieanbietern. Dabei heißt es häufig auch, Vorbehalte, zum Beispiel hinsichtlich des Know-how-Schutzes, zu überwinden und die Vorteile einer solchen Zusammenarbeit in den Mittelpunkt zu stellen.

Neue Ressourceneffizienz in der Produktion. Ein solches Miteinander von Wirtschaft und Forschung, beziehungsweise von Anbietern, Zulieferern und potenziellen Anwendern, ist insbesondere auch geboten, wenn es um die Umsetzung einer Industrie 4.0 geht. Diese neue, dezentrale Wertschöpfungslogik kann nicht nur einen er­­heblichen Beitrag zur Sicherung von industrieller Wert­­schöpfung und Arbeitsplätzen in Nordrhein-Westfalen lei­sten, sondern auch zur Ressourceneffizienz in der Pro­­duktion.

Integrierte Ansätze in der Produktionstechnik, Auto­­ma­­tisierung und mechatronische Systeme gehören schon länger zum Repertoire der Unternehmen. Auf dem Weg zur Umsetzung einer Industrie 4.0 haben sich nord­rhein-westfälische Unternehmen eine hervorragende Aus­­gangsposition erarbeitet, die nun ausgebaut wird. Als Integrator von Cyber-Physical Systems und dem Internet der Dinge übernimmt der Maschinen- und An­­lagenbau eine entscheidende Rolle und ist einer der maßgeblichen Treiber für eine breite Durchdringung von Industrie 4.0.

Die nordrhein-westfälischen Landescluster, wie Pro­­duk­­tionNRW, fördern diese Entwicklung und geben dem Markt wichtige Impulse. Sei es durch Unterstützung des Technologie- und Wissenstransfers, das Aufzeigen von Möglichkeiten, das Schärfen des Erkennens von Her­ausforderungen und nicht zuletzt eine Vielzahl an unterschiedlichsten Veranstaltungen, die das Thema In­­dustrie 4.0 aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchten. Im Vordergrund stehen dabei die Handlungsfelder For­schung & Innovation, Safety & Security, Normen & Standards, Mensch & Arbeit sowie Produktionsorganisation & Geschäfts­­modelle. Gerade mit Blick auf das letzte Handlungsfeld wird Industrie 4.0 die Art des Denkens und Handelns im Ma­­schinen- und Anlagenbau verändern und einen großen Ein­­fluss auf die Branchenmechanik haben. „Mein Appell an die Branche lautet: Befassen Sie sich frühzeitig mit dem Thema Industrie 4.0. Identifizieren Sie Ihre Chancen, und wandeln Sie sie um!“, so Meier-Scheuven abschließend.

Portrait-MS-aktuell-2014-kopierenWolf D. Meier-Scheuven
Der Autor hat Betriebswirtschaft und Psychologie in Bielefeld und Trier studiert. 1990 war er Assistent des Vorstands der Dürkopp-Adler AG, bevor er die Leitung der Marketingabteilung bei Weidmüller übernahm. Seit 1995 ist er geschäftsführender Gesellschafter bei BOGE KOMPRESSOREN Otto Boge GmbH & Co. KG.