Unternehmer fordern in Salzburg langfristige Wettbewerbsfähigkeit durch verbesserte Bildungspolitik

Österreich gehört mit seiner gesunden Wirtschaftsstruktur neben Deutschland, den Niederlanden und Finnland zu den Stabilitätsträgern in der Europäischen Union. Ist der Standort damit gut gewappnet für die Zukunft? ebn24 diskutiert mit Topmanagern aus Österreich.

China und Indien verfügen über hochdynamische Märkte und wettbewerbsfähige Industrien mit geringsten Lohnstückkosten. Während Europa in der Krise steckt, entwickeln sich die Schwellenländer weiter. Diese Verschiebungen in der globalen Wirtschaftstektonik zu Gunsten aufstrebender Industriestaaten zeigen, dass der Standort Österreich ohne fortgesetzte Bemühungen um Forschung und Entwicklung zur Förderung der Innovationsfähigkeit nicht auf Ewigkeit gesichert ist.

Der Europäische Wirtschafts Verlag hat vor diesem Hintergrund in Zusammenarbeit mit der Bundesregierung und Partnern in der österreichischen Wirtschaft eine Kampagne ins Leben gerufen, mit der für den Standort, seine Kompetenzen und Unternehmen geworben wird.

 

Im Rahmen eines Wirtschaftsdialoges, auf dem auch die Kampagne vorgestellt worden war, wurden nicht nur die Vorteile des Standortes hervorgehoben, sondern auch dringend notwendige Herausforderungen wie der Fachkräftemangel angesprochen.

Wenn Österreichs erster Standortvermarkter René Siegel etwa über die Vorzüge seines Landes spricht, erwartet man Lobeshymnen über die Stabilität und die Wettbewerbsfähigkeit des Landes. Auf dem Salzburger Wirtschaftsdialog am 22. 05.2013 übte der Geschäftsführer der ABA Invest Austria allerdings auch Kritik an der Bildungsmisere.

Gut ausgebildete Fachkräfte sind für die meisten Investoren ein herausragender Grund für eine Standortentscheidung. Das ist die Schlussfolgerung aus einer Umfrage unter Managern im Dezember 2012. Um die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Österreich langfristig zu sichern, müsse, so René Siegl, ein Umdenken im Bildungssystem stattfinden. Es könne nicht sein, dass Österreich 23 Prozent mehr Ausgaben für Bildung wie etwa Finnland aufweise, aber nicht entsprechende Effekte erziele. Es gebe Universitäten die absichtlich Studenten aus den wichtigen MINT- Studiengängen herausprüfen, um Planstudentenzahlen zu erreichen.

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Siegel untermauert den bildungspolitischen Handlungsbedarf mit schlagkräftigen Zahlen. So sei Österreich nach dem World Competitiveness Yearbook in der Frage der Wettbewerbsfähigkeit des Standortes unter Berücksichtigung der Ausbildungssysteme seit 2003 von Platz 2 auf Platz 18 abgerutscht. Bestätigt wird dies durch eine weitere Statistik in dem Jahrbuch über die Verfügbarkeit von Fachkräften. Hier ist der Standort in dem gleichen Zeitraum von Platz 4 auf Platz 50 abgerutscht.

Standortmarketingexperte Christian Kirk, der aus Anlass einer zweijährigen Standortkampagne zu dem Wirtschaftsdialog geladen hatte, verweist dennoch auf die guten Potenziale Österreichs. Das Land sei „natürlich auch in der Lage, den Bereich Bildung, Wissenschaft und Forschung wieder nach vorne zu bringen“, zeigt er sich überzeugt.

 

Gregor Wasle von der Salzburger Aluminium Group, der auf dem Wirtschaftsdialog im Salzburg Congress über den Innovationsbereich der Leichtbautechnologie sprach, bestätigte den Fachkräftebedarf und damit indirekt auch die Bildungsmisere des Landes. Dennoch sei der Standort fähig, mit innovativer Technologie etwa im Bereich Automotive, sich auf den weltweiten Märkten zu gut zu platzieren.

 

In die Kerbe „Fachkräftebedarf und Forschung“ schlug auch Klaus Oberreiter von der Upper Austrian Research. Innovation könne langfristig nur gelingen, wenn die drei Säulen Bildung, Forschung und Wirtschaft im Gleichgewicht seien. Es werde zwar viel geforscht, doch im Vergleich zu anderen Forschungsregionen Europas, sei die Geschwindigkeit von der Forschung bis zur Marktreife noch verbesserungsbedürftig.

Der Darmstädter Verleger Christian Kirk stellte Buch und Film zum Standort vor und erntete für sein Projekt, in das neben der heimischen Wirtschaft auch die große Politik mit eingebunden war, viel Lob. So würdigte die Zweite Präsidentin des Salzburger Landtages, Gudrun Mosler-Törnström, den Faktenreichtum der Vorträge und das offene Wort der Referenten bzgl. der politischen Handlungsnotwendigkeiten.

 Bernhard Knapstein