Univ.-Prof. Dr.-Ing. Michael Koch: Potentiale bündeln – Vernetzung der Akteure der Thüringer Kunststoffindustrie

Thüringen hat sich in den vergangenen Jahren zu einem dynamischen Standort für anspruchsvolle Kunststoffprodukte entwickelt. Eine Vernetzung der vorwiegend ­­klein- und mittelständischen Kunststoffunternehmen Thüringens ist unerlässlich, um die Wettbewerbsfähigkeit und Innovationskraft gegenüber dem Weltmarkt ­aufrechtzuerhalten und weiter auszubauen.

Die Kunststoffbranche in Thüringen ist ein Beispiel für den erfolgreichen Aufbau und die nachhaltige Positio­nierung einer mittelständischen Unternehmensstruktur in Ost­deutsch­­land. Mit über 700 Unternehmen die Kunst­stoff­­technik betreiben ist die Branche mit ca. 50.000 Ar­­beits­plätzen eines der wichtigsten Wirtschaftsstandbeine des Landes. Die meisten Betriebe der Kunststoffbranche sind klein- und mittelständische Unternehmen, sogenannte KMUs. Nicht zuletzt wegen dieser Branchenstruktur befindet sich die Thüringische Kunststoffindustrie in den kommenden Jahren vor einigen Herausforderungen, die eine enge Zu­­sam­­­­men­arbeit und gute Vernetzung der Unternehmen fordern.

Die Vernetzung der Unternehmen erfolgt durch landesweite Cluster, wie dem PolymerMat e.V. – Kunststoffcluster Thür­­ingen sowie durch themenspezifische, regionale Netz­­werke. Die jeweiligen Verbände unterstützen ihre Mit­glie­­der in di­versen Bereichen; das landesweite Netzwerk PolymerMat e.V. agiert als Kommunikationsplattform, Dienstleister, Wis­­sens­­transfer und Intermediär zwischen Unternehmen sowie zur Öffentlichkeit und Politik.

Das Wachstum der Branche fordert die KMUs aus ihrer Rolle als verlängerte Werkbank heraus und verlangt intensivierte eigene Entwicklungs- und Innovationsaktivitäten, um die Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig aufrechtzuerhalten – un­­abhängig von Standortvorteilen wie Regional­förder­ungen oder Lohnkostenvorteilen. Eine Mög­­lichkeit für die Inten­si­vierung der Entwicklungs­­aktivitäten wird den Unterneh­men der Thüring­ischen Kunststoffbranche durch die Teil­­nahme an Förder- und Forschungs­­projekten geboten, die vom Cluster begleitet werden. Hierbei er­­forschen und entwickeln Unter­­nehmen ge­­mein­­sam mit thüringischen und anderen Forsch­ungsinstituten in­­novative Materialien und Pro­duk­tions­­ver­fahren. Die Nutzung ge­­meinsamer F&E Plattformen und die Zu­­sammenarbeit mit anderen Unternehmen sichert den KMUs eine breite Kompetenzbasis. Die Kompetenzen der Kunststoff­unter­­nehmen werden zusätzlich durch ein großes Angebot an Fach­grup­­pen­­treffen und Leitveran­stal­tungen gestärkt, beispielsweise der Mittel­­deutschen Kunststofftag in Er­­furt. Bei diesen Veranstaltungen steht neben dem Wis­­sens­­­­transfer besonders die Vernetzung der Unternehmen untereinander im Fokus.


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Eine der Herausforderungen der kommenden Jahre wird darin bestehen, dass die KMUs in Thüringen wachsen. Hier steht nicht nur ein Ge­­schäftswachstum sondern auch ein Struktur­wachs­tum bevor, dem sich die Unter­nehmen stellen müssen. Weiterhin stehen viele Mittelständler in Thüringen vor dem Problem der Unternehmensnachfolge. Hierbei müssen thüringische Unternehmen der Kunst­stoffindustrie unterstützt werden. Primär erfolgt diese Unterstützung durch Infor­­ma­­tionsveranstaltungen, oftmals auch bran­­chen­über­grei­­fend, um praktische Lösungs­­ansätze anderer Unter­neh­men vorzustellen. In der Ver­gangen­­heit zeigte sich, dass besonders kleinere Infor­ma­­tions­­­ver­­anstaltungen wie ein „Unternehmer­stamm­tisch“ die Unter­­nehmer ermutigt haben, sich über die gegen­sei­­tigen Vorgehensweisen und Erfahrungen auszutauschen.

Die Sichtbarkeit der Branche, die öffentliche Argu­men­­ta­­tion zur Bedeutung und die Vertretung von Interessen der Kunst­­stoffindustrie spielt in der modernen Kommu­nika­­tions­­ge­­sellschaft eine große Rolle. Die Bildung von Netzwerken ist ein wichtiges Mittel um die Wahr­nehmung der Kunststoff­industrie in der Öffentlichkeit, gegenüber der internationalen Branche und der Politik zu erhöhen. Gerade in den letzten Jahren steigt das Interesse der KMUs an der Teil­nahme an Gemein­schafts­­ständen auf Fachmessen wie der FAKUMA; eine internationale Fachmesse für Kunst­­stoff­­verarbeitung. Die Gemein­­schafts­­stände gewährleisten den einzelnen Unter­­neh­­men eine deut­­lich höhere Auf­merk­samkeit und ermöglichen auch kleinen Unter­­nehmen eine finanziell günstige Teilnahme an solchen Messen.

Die Netzwerke pflegen kontinu­­ierlich eine positive Branchen­wahrnehmung in der Öffent­lich­­keit. Im Sinne der Kunststoff­bran­­che wird auf Messen und in den Medien der Stellenwert der Kunststoffindustrie in Thür­­ingen verdeutlicht sowie Vorur­­teile gegenüber dem Werkstoff Kunststoff aufgeklärt. Auch im Bereich Nachwuchs- und Fach­­­kräftegewinnung ist die öffentliche Darstellung der Branche ein wichtiger Faktor. Cluster wie der PolymerMat e.V. koordinieren für ihre Mitglieder die Bewerbung offener Aus­­bildungs- und Arbeits­plätze und stellen den Unternehmen geeignetes Informations­­material für die Bewerbung ihrer Stellen zur Ver­fügung. Letztlich ist die Zusammenarbeit der Netzwerke mit Ministerien und Landes­­institutionen ein wichtiger Faktor, um die Bran­­chen­­interessen bestmöglich zu vertreten.

Die genannten Beispiele zeigen, dass eine Vernetzung der Unternehmen unerlässlich ist, um die Wettbewerbs­fähig­­keit und Innovationskraft des Standorts Thüringen ge­genüber dem Weltmarkt aufrechtzuerhalten und weiter auszubauen.

Unbenannt-1 Univ.-Prof. Dr.-Ing. Michael Koch
Geboren im Jahr 1955 promovierte Prof. Koch 1987 im Fachgebiet Kunst­stoff­technik an der Universität Paderborn. Es folgten international leitende Stationen, unter anderem bei der Krupp Corpoplast Maschinenbau GmbH; Husky Injection Molding Systems in Canada und TetraPak Plastics Ltd. in der Schweiz sowie bei Ferromatik Milacron Maschinenbau GmbH. Seit 2009 ist Prof. Koch Fach­gebietsleiter der Stiftungsprofessur Kunststofftechnik; Fakultät für Maschinenbau an der Technischen Universität Ilmenau. Zudem ist er Leiter der Geschäftsstelle des PolymerMat e.V. – Kunststoffcluster Thüringen.