Ulrich Fietz: Unternehmen Welt: Globale Qualitätsstandards sichern

„Made in Germany“ hat weltweit einen exzellenten Ruf.
Damit das so bleibt, damit Technologie auch im Langzeiteinsatz Standards erfüllt und auch Produktionsprozesse bestimmte Mindestbedingungen erfüllen werden, prüft und zertifiziert der TÜV Rheinland als unabhängige Instanz weltweit.

Welche Herausforderungen Unternehmen aus NRW im Welt­­­­markt meistern müssen und wie Standards und Zerti­fi­zierungen dazu beitragen, die Exportfähigkeit zu sichern.

Unternehmen aus Nordrhein-Westfalen haben im Jahr 2012 Waren, Produkte und Dienstleistungen im Wert von 182 Milliarden Euro exportiert, so die offiziellen Zahlen des Landes. Ein Plus von über drei Prozent gegenüber 2011. Exportstärkste Branchen waren die Chemieindus­trie sowie der Automobilbau, aber auch zahlreiche mittel­ständische Betriebe sind inzwischen auf internationalem Parkett tätig und erfolgreich. Rund zwei Drittel der Ex­­porte aus NRW gingen dabei in Länder der Europäischen Union, ein Drittel darüber hinaus.

Die Globalisierung hat dazu geführt, dass es heute mehr und andere Chancen für Unternehmen gibt, aber auch wesentlich veränderte rechtliche und unternehmerische Rahmenbedingungen sowie mehr und neue Risiken. Der Satz „Was interessiert mich, wenn in China ein Sack Reis umfällt.“ war vor zwanzig Jahren noch richtig, heute kann jede kleine Entwicklung am jeweils anderen Ende der Welt durchaus Folgen für Unternehmen in Nordrhein-Westfalen und die Wirtschaft des Landes haben.

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Ursache dafür sind insbesondere die anhaltende Inter­na­tionalisierung von Wertschöpfungsketten und die ra­­­­sante Digitalisierung unternehmerischer Prozesse, tech­­nische Innovationen in allen Branchen und immer kürzere Produkt­entwicklungszyklen, Kosten- und Wettbewerbs­druck. Zahlreiche solcher Trends geben Ausschlag über den dauerhaften Erfolg eines Unternehmens; soll dieser Erfolg international sein, müssen zudem die Spielregeln der Volkswirtschaft anderer Länder erfüllt werden.

Grundlage des internationalen Austauschs im Wirt­schafts­leben ist es, dass die Partner über Grenzen hinweg ein ge­­meinsames Verständnis haben, welche Eigen­schaften von Produkten und Dienstleistungen erfüllt sein müssen. Wichtig sind verbindliche Regeln häufig in Form von Nor­­men, die diese Eigenschaften beschreiben, Stich­­wort DIN, EN, ISO. Normen und international anerkannten Regelungen tragen dazu bei, Handelshemmnisse abzubauen oder im Idealfall sogar ganz zu überwinden. Produkte, die im europäischen Binnenmarkt zirkulieren, müssen zudem den gesetzlichen Anforderungen in der EU entsprechen. Die Übereinstimmung von Produkten mit solchen Regel­ungen die Konformität ist damit wesentliche Voraus­setzung für einen funktionierenden Binnen­markt und den funktionierenden weltweiten Handel. Konformitäts­bewertungen durch unabhängige Dritte, wie sie Prüf­dienstleister vornehmen, sorgen für das notwendige Ver­­trauen in die Produkte, Prozesse, Sys­teme, Diens­tleistungen und Anlagen. Sie basieren auf Komp­etenz und Unab­­hängigkeit, Neutralität und Objek­tivität und sichern ver­­lässlich die einheitliche Qualität internationaler Wert­­schöpfungsketten.

Die Einbindung von Prüfunternehmen als unabhängige Dritte führen sowohl für Hersteller als auch für Dienst­leis­­tungsunternehmen zu wesentlichen Kosten­­­reduk­tionen und steigern die Wettbewerbsfähigkeit. Je früher in der Wertschöpfungskette Konformitäts­bewertungen stattfinden, desto kosteneffizienter lassen sich Produk­tions­­prozesse gestalten. Durch die unabhängigen Prüf­ungen werden Produkte oder deren Komponenten bereits am Ort der Fertigung und damit zu einem frühen Zeitpunkt valide bewertet. Hierdurch können notwendige Korrek­turen im Fertigungsprozess rechtzeitig identifiziert sowie Nach­justierungen am Prototyp vorgenommen werden. Unfälle, aufwendige Rückrufaktionen und damit verbundener Ressourcen­aufwand sowie Imageschäden werden vermieden und Haftungsrisiken minimiert, die Qualitäts­sicherung erhöht.

 

Ähnlich wie die international erforderliche Normung von Produkteigenschaften ist die Entwicklung innerhalb der Prüfbranche gelaufen, die den Trend zur Globalisierung selbst mitgemacht und begleitet hat. So hat beispielsweise TÜV Rheinland als einer der größten deutschen und als der internationalste Prüfkonzern bereits Ende der sechziger Jahre die erste Auslandgesellschaft gegründet. Heute beschäftigt das Unternehmen weit mehr Menschen außerhalb Deutschlands als in Deutsch­land. Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Zu den Kunden von TÜV Rhein­­land zählen zwar auch regional verankerte kleine und mittelständische Unternehmen, aber ebenso weltweit tätige Konzerne aus Nordrhein-Westfalen und ganz Deutsch­­land. Entsprechend stark ist die internationale Ausrichtung bei dem Prüfunternehmen, um solche Kunden begleiten zu können. Weltweit geht das heute nur mit spezialisierten Expertennetzwerken, einheitlichen Prozessen, einem glo­­balen Netz von Prüf- und Laborzentren sowie den entsprechenden nationalen und internationalen Anerken­nungen für Prüf- und Zertifizierungsleistungen.

Vorteilhaft ist diese internationale Expertise von TÜV Rheinland für Unternehmen aus NRW nicht nur bei der Umsetzung internationaler Projekte, sondern beispielsweise auch beim Prinzip des so genannten One-stop-Testing: Der Prüfkonzern darf aufgrund seiner Aner­ken­­nungen den so genannten Akkreditierungen durch staat­­liche Stellen weltweit arbeiten und kann damit die Kon­­­­­­trolle und Zertifizierung von Produkten in allen relevanten Her­­steller- und Absatzmärkten gewährleisten. Dazu verfügt der Konzern über ein Netzwerk von Prüflaboratorien und Experten, das alle Kontinente umspannt. Darunter befinden sich Labore zur Schadstoff- und Umweltanalytik, für Werkstofftechnik, für physikalische und chemische Produkt- und Komponenten­prüfungen sowie für die Ana­­lyse von Lebensmitteln. Regionale Schwerpunkte bilden Europa, Asien und insbesondere Südamerika.

Ein weiterer Vorteil eines global aufgestellten Prüfdiens­tleisters für die Wirtschaft: Unternehmen, insbesondere kleine und mittelständische, können mit Hilfe von unabhängigen Prüfdienstleistern auf den ressourcenintensiven Aufbau und Unterhalt der notwendigen Prüfinfrastruktur und der damit verbundenen eigenen Wissensbasis gesetz­licher Bestimmungen und Standards verzichten. Die Ein­­bindung eines unabhängigen Dritten stellt eine wichtige Absicherung unternehmensinterner Qualitätsstandards dar und kann als Nachweis dienen, den eigenen Sorg­­faltspflichten entsprochen zu haben. Nach anerkannten Normen ausgestellte Zertifikate anerkannter, unabhängiger Prüf­­unter­nehmen sichern somit das unternehmerische Handeln ab und sorgen für mehr Berechenbarkeit auf den globalen Märkten, von der alle Wirtschaftsakteure profitieren können.

Ulrich_Fietz~1Ulrich Fietz
Der Autor ist seit 2002 im Vorstand der TÜV Rheinland AG für die Bereiche Finanzen und Controlling zuständig. Der Diplom-Volks­­wirt wurde 1951 in Bottrop geboren und begann seine berufliche Karriere als Projekt­­kaufmann für Großanlagenbau. Ab 1982 war Fietz für den Lentjes-Konzern tätig, bevor er 1998 zu TÜV Rheinland wechselte.