Thomas Schröter: Chancen und Perspektiven für Start-ups in der Hauptstadtregion

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Berlin ist deutsches Zentrum für Kreative und Gründer der IT-Branche. Die hohe Dynamik der Branche spiegelt sich in den Neugründungen von IT-Unternehmen wieder. Die Branche hat eine eigene Szenenkultur entwickelt, die von denen anderer Branchen deutlich abweicht.

 

Berlin/ Brandenburg. Dass es Gründer der IT in die Haupt­­stadtregion zieht, Berlin inzwischen der wachstumsstärkste Gründungshub Deutschlands ist und sich dies manifestiert, ist längst kein Geheimnis mehr.

Die Gründe sind so vielfältig und facettenreich wie die Stadt selbst. Denn keine andere deutsche Stadt bietet Gründern und Start-upern in der IT eine solche Szene und so exzellente Bedingungen für ihre eigenen Zwecke und ihre Entwicklung wie der Schmelztiegel Berlin. Zum einen ist dies in der ge­­schichtlichen Entwicklung und der damit verwobenen Di­­ver­­sität dieser Stadt begründet, speist sich die Anziehungs­­kraft auch aus der sich seit der Wiedervereinigung täglich verändernden Stadt und ihrem Gesicht.

Hier werden Geschichten erzählt. Hier werden Erfolgsge­schichten geschrieben. Hier sind die Möglichkeiten dank vieler Mini- und Mikrokulturen, die die Stadt bietet und einem ganz eigenen Szeneleben aller Couleur für junge Menschen scheinbar unbegrenzt. Hier können sie sich ausprobieren, hier dürfen sie, ja müssen sie sogar ihrer Kreativität freien Lauf lassen, wollen sie von dieser Stadt getragen werden. Bietet doch gerade die besondere Berliner Melange aus Arm und Reich jungen Menschen genau jene Freiräume, die sie beanspruchen, um kreativ sein zu dürfen, sich auszu­­probieren, auszutauschen, gemeinsame Ideen zu entwickeln und schlussendlich auch umsetzen zu können.

Bei allem ist diese Start-up-Szene in den vergangenen Jahren aus sich selbst heraus gewachsen und zieht damit auch immer wieder andere Talente in diesem „Berliner Brut­kasten“ nach. Ob in Tech-Communities, Meetups, Konferenzen, Cafés, Bars oder Restaurants – im „Silicon Valley an der Spree“ treffen sich die innovativen Jungunternehmer und jungen Kreativen miteinander oder mit Investoren oder erfahrenen Gründern auf unterschiedlichste Weise zu Business Meetings und Networking. Die temporären Arbeitsplätze und mobilen Büros mit Laptop und Handy gehören längst zum täglichen Bild. Und natürlich startet es sich von hier aus hervorragend ins Nachtleben der Stadt. Das Leben Berlins ist bunt, international und darüber hinaus auch noch immer erschwinglich bei der Anmietung von Gewerbeflächen.

Zudem verfügt die Hauptstadtregion über eine exzellente Hoch­schul- und Universitätslandschaft, aus denen schon in der Ver­gangenheit hervorragende Start-ups hervorgegangen sind und kreativen intelligenten Menschen alle Entwicklungs­möglichkeiten bieten, auch als Start-up erste Schritte gehen zu können.

Berlin als place to be mit seinem wachsenden internationalem Talentepool verfügt außerdem über den so wichtigen Nähr­­boden für das Akquirieren von Kapital. Immer mehr bedeutende Unternehmen orientieren sich nach Berlin. Business-Angel-Aktivitäten, professionalisierte Inkubatoren – privatwirt­­schaftliche wie institutionelle, IT-Gründungszentren geben der Start-up-Landschaft in der IT die Basis und notwendige Flexibilität, die es braucht, um Ideen zur Marktreife und als international taugliche Produkte zum Kunden zu bringen. Dank des wachsenden Engagements von Corporate VC´s als Inkubatoren von Großunternehmen, wie beispielsweise SAP, Google, Microsoft oder die Lufthansa, klassischer Venture Capital-Gesellschaften oder der vielfältigen Möglichkeiten öffentlicher Fördertöpfe öffnet die Capital Region die Türen für die Finanzierung von Junggründern bei gleichzeitig schnellem Know-how-Transfer.

Wer sich nach Berlin begibt, kommt nicht nur schnell an. Er wird auch schnell aufgenommen, kann die Inspiration, die die inzwischen stark verwobene Community bietet, als „Gratiszugabe“ in seine eigenen Ideen, Projekte und neuen Geschäftsmodelle einfließen lassen. Kostenfreie Mitglied­schaften im Branchenverband der IT-Wirtschaft in der Haupt­­stadtregion, dem SIBB e.V., ermöglichen beispielsweise schnellen Kontakt und liefern wichtiges Rüstzeug für Unter­­nehmensführung und –aufbau, Vernetzung mit Unternehmen der eigenen Branche oder interessanten Anwenderbranchen.

Ob Kreuzberg, Mitte, Charlottenburg, Prenzlauer Berg oder Adlershof – die Stadt ist so groß, dass es noch auf Jahre ausreichend Platz für neue Geschäftsideen und die Ansied­lung neuer junger Unternehmen gibt und sich diese Hot­­spots neu bilden oder verändern können.

Doch nicht nur die Start-up-Szene profitiert vom Gründungs­boom in der Hauptstadt. Für etablierte Unternehmen bieten sich ebenfalls hervorragende Chancen, junge Fachkräfte zu entdecken. Wer sich offen für neue Geschäftsmodelle zeigt, bereit ist, einzutauchen in diese junge Welt, kann daraus durchaus einen gewinnbringenden Know-how-Transfer ziehen. Im Übrigen liegt gerade im Bereich der Internationalisierung von Compagnien, ob nun von der oder in die Capital Region hinein, auch dank eines starken Berlin-Partner-Netzwerks und vielfältiger Vernetzungsmöglichkeiten, ein noch längst nicht ausgeschöpftes Wachstumspotential. Auch das ist ein Ansporn für all jene, die hier mit den entsprechenden Businessideen aufwarten können.

Bei aller Euphorie gilt es aber auch, dass Berlin die Chancen, die sich aus den Ansiedlungsaktivitäten dieser motivierten jungen Start-up-Generation ergeben, kontinuierlich pflegt und seine Attraktivität weiter steigert. Als Treiber der weiteren Internationalisierung muss daher so schnell wie möglich der Flughafen fertig gestellt werden. Es braucht bezahlbaren Wohnraum, um den besonderen historisch gewachsenen Charme dieser Stadt zu erhalten. Allen, auch denjenigen, die aus dem Ausland hierher kommen, sollte der Start so leicht wie möglich gemacht werden. Egal, ob sie nun ein Unternehmen gründen, hier studieren wollen oder sich als hochqualifizierte Arbeitskräfte in der Metropole sehen. Die betreuenden Units gilt es gut auszustatten, Talente ebenso wie beispielsweise die Professorenlandschaft an den Hoch­schulen und Universitäten. Von der damit verbundenen Sog­wirkung profitiert letztendlich die gesamte Capital Region.

8489-DruckThomas Schröter
Thomas Schröter, selbst einmal Gründer und Gesellschafter von Software­unternehmen ist Geschäftsführer der förderbar GmbH, eine auf die IT-und digitale Wirtschaft spezialisierte Fördermittelberatung. Thomas Schröter ist seit 2014 Vorstandsvorsitzender des IT-Branchenverbandes der Haupt­stadt­region, SIBB e.V.