Thomas Mang: Sparkassen und Mittelstand – Eine starke und erfolgreiche Partnerschaft

Mobil_Kontaktlos_Reader-KopieDie deutsche Wirtschaft ohne Mittel­­stand? Undenkbar. Schließlich ist Deutsch­­­­­­land nicht umsonst als das „Land des Mittel­­­­­­stands“ bekannt. Nach den Schlüssel­­zah­­len des Instituts für Wirtschafts­­for­­schung lassen sich von den insgesamt 3,68 Mil­­li­­onen Unter­nehmen in Deutsch­­land 3,67 Millionen den klein- und mittel­­­­­­ständischen Unter­­nehmen (KMU) zu­­ord­­nen, also gut 99,7 Prozent. Zum Mittel­­­stand zählen dabei Unternehmen mit einem Jahres­­umsatz von bis zu 50 Millionen Euro.1

Damit sind die klein- und mittelstän­di­­­­schen Unternehmen das Fundament, auf dem die deutsche Wirtschaft baut, und in vielerlei Hinsicht auch deren Motor. „Zwischen 2005 und 2010 wurde der gesamt­­wirtschaftliche Be­­schäf­ti­­gungs­­­­­­­­­zuwachs von 1,8 Millionen Er­­­werbs­­­­­­­­­­­­tätigen ausschließlich vom Seg­­ment der mittelständischen Unter­­neh­­men getragen.“2 Erst kürzlich ergab eine Umfrage des Deutschen Industrie- und Handels­­kammertages (DIHK) einen regel­­rechten „Stellenboom“ im Mittel­­stand.3 Der Mit­­tel­­­­­­stand ist allerdings nicht nur hauptverantwortlich für die guten Nachrichten vom Arbeitsmarkt, sondern zudem wirt­­schaftlich besonders leistungsfähig, ver­­­fügt er doch unter anderem über eine sta­­bile Er­­trags­­­­­­­­lage und steigende Eigen­­­kapi­­­tal­­quo­­ten.4 Das ergab auch die dies­­jährige Diag­­nose Mittelstand des Deut­schen Spar­­­­­­kassen- und Giroverbands.5

Der Mittelstand ist in Deutschland so et­­­­was wie der Fels in der Brandung, schließ­­­­lich hat er sich auch in der Finanz­­markt­­­­krise als stabilisierender Fak­­tor erwiesen. In der Langfrist­be­trach­­­­­tung haben sich die Eigenkapitalquoten des deutschen Mittelstands stetig verbessert, und das sogar im Rezes­­si­ons­jahr 2009.6 Und die Eigenkapitalquote ist schließlich „eine Kenn­­ziffer und strate­­gische Zielgröße für die Robustheit eines Unternehmens.“7 Die Ertragslage ist in vielen Bereichen des Mittelstands sogar besser als bei großen Unternehmen.8

In Deutschland gab es während und nach der Finanzmarktkrise keine Kredit­­­­klemme, woran die Sparkassen und Genossenschaftsbanken einen erheblichen Anteil tragen. Sie haben sich als Stützpfeiler des deutschen dreigliedrigen Bankensystems erwiesen. Sparkassen sind zur Refinanzierung ihres Kredit­­geschäfts in der Regel nicht auf die Finanzmärkte angewiesen, denn sie re­­fi­­nanzieren sich über die Einlagen ihrer privaten Kunden. Liquiditätsengpässe im Interbankengeschäft haben daher keine Auswirkungen auf Sparkassen. So können und konnten die dezentralen Institute die Finanzierung des Mittel­­stands durchgehend sicherstellen.
Der Mittelstand spielt in allen Regionen Deutschlands eine wichtige Rolle, in Nie­­dersachsen allerdings eine besonders herausragende. Denn hier zählen rund 99 Prozent der Unternehmen zu den klein- nen und mittelständischen Unter­nehmen, in denen rund 72 Prozent der Beschäf­­tigten arbeiten und die etwa 80 Prozent aller Ausbildungsplätze stellen.9

Der Sparkassenverband Niedersachsen mit Sitz in Hannover.

Der Sparkassenverband Niedersachsen mit Sitz in Hannover.

Um bestmöglich agieren zu können, müssen für die kleinen und mittelständischen Unternehmen die angemessenen Rahmenbedingungen geschaffen werden. In Niedersachsen, wie überall in Deutsch­­­­land, sind die Sparkassen der wichtigste kreditwirtschaftliche Partner des Mittel­­­­stands. Mit einem Bestandsanstieg bei Unternehmenskrediten um 1,6 Prozent auf 32,5 Milliarden Euro im Jahr 2011 kamen die niedersächsischen Spar­­kassen einmal mehr ihrer Verantwortung als Mittelstandsfinanzierer Nummer eins nach und leisteten einen wichtigen Bei­­­­trag, Investitionen in Niedersachsen zu ermöglichen. Die Sparkassen haben das Ohr am Kunden, denn sie sind mit ihrer Präsenz in der Region immer nah dran an den Menschen. Darüber hinaus haben sie mit ihrem öffentlichen Auftrag die Verpflichtung, ihr Geschäftsgebiet mit kreditwirtschaftlichen Angeboten zu ver­­­­sorgen und die Region wirtschaftlich zu entwickeln. Wenn die kleinen und mittel­­ständischen Unternehmen erfolgreich sind, dann trägt das auch unmittelbar zur positiven wirtschaftlichen Ent­wick­lung der Region bei. Mit maßgeschneiderten Produkten stellen sich die Spar­­kassen daher auf die Bedürfnisse ihrer Kunden ein.

Eine große Bedeutung hat in Nieder­­sachsen etwa das jährliche Touris­mus­barometer. Der Tourismus ist ein enormer Wirtschaftsfaktor in Niedersachsen, man denke nur an die Nordseeküste, die Lüneburger Heide oder den Harz. Ins­ge­­samt generiert der Tourismus in Nie­der­­sachsen einen Umsatz von 15 Milli­­arden Euro und bietet rund 340.000 Menschen einen Arbeitsplatz – und das sind im­­mer­­hin neun Prozent aller Er­­werbs­­tätigen in Niedersachsen.10 Mit tief­grei­­fenden Ana­­­­lysen und erfolgreichen Praxis­­tipps ist das Tourismus­barometer mittler­­weile zu einem unverzichtbaren Lexikon der Branche geworden.

Mang_Standard1-KopieThomas Mang ist seit 2003 Präsident des Sparkassenverbandes Nieder­sach­­sen. Zu­­­­­­vor war er drei Jahre lang geschäfts­­füh­­rendes Vorstandsmitglied des Deutschen Sparkassen- und Giro­ver­bandes (DSGV). Der gebürtige Bremer wurde zudem im November 2011 zum ersten Vize­­präsi­den­­ten und Vorsitzenden der Verbands­­vorsteherkonferenz des DSGV gewählt.

Wenn man sich diese Fakten und vor allem die Bedeutung des Mittelstands für die deutsche Wirtschaft vor Augen führt, ist es umso unverständlicher, wes­­halb ausgerechnet die kleinen und mittel­­­­stän­dischen Unternehmen unter den auf­­­sicht­­lichen Anforderungen für Banken zu leiden haben. Die Geschäftspolitik aller Banken wird mehr denn je durch Regu­­lierung denn durch die Bedürf­­nisse der Kunden dominiert. Beson­­ders deutlich zeigt sich diese Tatsache an Basel III.

Denn in seiner derzeitigen Aus­ge­stal­tung ist Basel III vor allem eins: mittelstandsfeindlich.

Kredite für Unternehmen werden knapper und teurer und der Mittelstand wird bei der Kreditfinanzierung benachtei­­ligt. Denn aufgrund der erhöhten Kapi­­tal­quoten müssen Mittelstands­kredite nach Basel III künftig von Banken mit 30 Pro­­­­zent mehr Eigenkapital unterlegt werden. Darüber hinaus fördern die neuen Li­­qui­­­­di­­­tätsvorschriften eine ge­­samt­­­­wirtschaft­­lich nicht sinnvolle Kurz­­fristorientierung, da langfristige Kre­­­­dite knapper und teu­rer werden. Große Unter­­­­nehmen kön­nen ihren Kapi­­tal­­bedarf alternativ direkt über den Kapital­markt decken, aber mittel­stän­­dischen Unter­­nehmen ist das aufgrund zu geringer Volumina ihrer Kre­­dite nicht möglich. Der Grundgedanke, mit neuen Eigen­­kapital- und Liqui­di­täts­­vor­­­­schriften künf­­tige Krisen zu beherrschen, ist nicht verkehrt. Der Ruf nach strengeren Eigen­­kapitalvorschriften ist daher nachvoll­­ziehbar und höhere Eigen­kapi­­tal­­­­quoten können tatsächlich ein Mittel sein, um künftigen Krisen vorzubeugen. Wir brauchen stabile Finanzmärkte und regu­­latorische Konsequenzen aus der Finanz­­marktkrise. Allerdings müssen diese dann auch bei den Ursachen an­­setzen, das heißt, bei jenen Banken, die sich von der Realwirtschaft entfernt haben, sowie beim Handel mit komplexen und intransparenten Finanz­produkten. Vor allem ist eine Anerkennung der mit­­tel­­ständischen deutschen Wirt­­schafts- und Finanzstruktur erforderlich. Spar­­kassen sehen es als ihre Aufgabe, die Real­­­wirt­schaft mit modernen Finanz­dienst­leis­tun­gen zu versorgen, und kon­­zen­trieren sich mit ihrem Geschäfts­­modell auf die kleinen und mittelstän­­dischen Unter­­­neh­­men.11 Diese originäre Aufgabe wollen und werden die Sparkassen auch weiterhin erfüllen – denn schließlich ist der Mit­­telstand der Motor der deutschen Wirtschaft.