Svenja Schulze: Innovationsregion Nordrhein-Westfalen: Antworten auf die Fragen von morgen

„Innovation unterscheidet den Vorreiter von den Verfolgern“. Dieses Zitat stammt zwar von Steve Jobs, es ist aber auch das Erfolgsrezept vieler Unternehmerinnen und Unternehmer in Nordrhein-Westfalen. Gute Ideen und innovative Produkte sind  der Treibstoff ihres wirtschaftlichen Erfolgs und die Basis unseres Wohlstands.  In Nordrhein-Westfalen finden Unternehmen den richtigen Nährboden für  ihre Ideen, können sie weiterentwickeln und in die Tat umsetzen.

Forschungsstandort Nordrhein-Westfalen. Von der Grund­lagenforschung bis zur Anwendung bietet Nordrhein-Westfalen ideale Bedingungen für innovative Ideen und deren Umsetzung. Alle Akteure leisten dazu ihren Bei­trag. 72 Hochschulen und mehr als 50 außeruniversitäre Forschungseinrichtungen machen Nordrhein-Westfalen zur dichtesten Wissenschaftsregion Europas. Hinzu kom­­men Forschung und Entwicklung in den Unternehmen, die fast ein Viertel des deutschen Bruttoinlandsprodukts erwirtschaften und vom DAX-Konzern über den mittelständischen Hidden Champion bis zum kleinen Start-Up alles zu bieten haben.

Die Landesregierung hat es sich zur Aufgabe gemacht, die wirtschaftlichen, wissenschaftlichen und sozialen Stärken unseres Landes zu wahren und auszubauen. Ein Instrument dafür ist unsere Forschungs­strategie Fortschritt NRW. Wir beschreiben darin die Leitplanken unserer Forsch­­ungs­­­­politik. Im Mittelpunkt steht dabei die Forschung für nachhaltige Entwicklung auf den Feldern der großen gesellschaftlichen Herausforderungen.

Ein zentrales Element moderner Forschungspolitik ist für uns die Frage nach dem „Wie“, also dem Weg zum Ziel. Wir werden verstärkt Projekte fördern, die inter- und transdisziplinäre Ansätze verfolgen, also über die Grenzen der eigenen Disziplin hinausdenken. Wir haben ein ganzheitliches Verständnis von Inno­vation, das nicht an Fachgrenzen haltmacht, die Träger praktischen Wissens aus Wirtschaft und Zivilgesellschaft in den Forschungsprozess einbezieht und vor allem auf Systeminnovationen setzt. Das bedeutet zum Beispiel auch, die soziale Dimension technischer Innovation in den Blick zu nehmen und Disziplinen wie die Geistes-, Gesellschafts- und Kulturwissenschaften stärker zu berücksichtigen.

schler mit lehrer in der uni

Entscheidend ist aber auch die Frage nach dem „Was“ in der Forschung. Wir sind auf der Suche nach Lö­­sungen, die dem Wohlstand und dem Wohlergehen der Menschen dienen und dabei die ökologischen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Lebensgrundlagen erhalten. Der Fokus liegt auf den großen ge­sellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit. Fragen wie zum Beispiel die Auswirkungen des Klimawandels, eine um­­weltverträgliche und bezahlbare Energiever­sorgung, Fragen der Mobilität oder die vielfältigen Folgen des demografischen Wandels werden wir nur mit inno­­va­tiven Lösungen bewältigen können.

Wir werden einen Förderschwerpunkt dort setzen, wo zu diesen Fragen geforscht wird. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um anwendungsorientierte oder um Grundlagenforschung handelt. Die Grenzen verschwimmen da ohnehin zusehends und es ist unbestritten, dass die rein neugiergetriebene Forschung ein unverzichtbares Fundament für wissenschaftlichen Fort­schritt und die Innovationskraft eines Landes darstellt. Für uns ist wichtig, dass die Forschung – mittelbar oder unmittelbar – einen Beitrag zur Lösung der großen gesellschaftlichen Herausforderungen leistet und das Leben der Menschen verbessert.

Wir stellen die großen Fragen von morgen bereits heute in den Mittelpunkt unserer Forschungsstrategie. Wer auf diese Fragen überzeugende Antworten liefert, leistet nicht nur einen großen gesellschaftlichen Beitrag. Er erschließt so auch die Märkte von morgen. Deshalb ist Fortschritt NRW eng mit der ressortübergreifenden Leitmarktstrategie sowie der Transferstrategie des Lan­des verzahnt. Die Landesregierung fördert die Ko­­opera­tion von Unternehmen, Forschungseinrichtungen und öffentlicher Hand und richtet ihre Politik auf die mit den großen gesellschaftlichen Herausforderungen verbundenen Leitmärkte der Zukunft aus. Dies sind für Nord­rhein-Westfalen vor allem die Märkte für neue Werk­stoffe, für Maschinen- und Anlagenbau und Produktions­tech­nik, Gesundheit, Informations- und Kommunikations­wirtschaft, Mobilität und Logistik, Energie- und Umwelt­wirtschaft, Life Sciences sowie Medien- und Kreativ­wirtschaft. Sie weisen ein besonders großes Potenzial für Wirtschaft und Beschäftigung auf und haben damit einen hohen Stellenwert für die wirtschaftliche Ent­wicklung des Landes.

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Nordrhein-Westfalen als living lab. Eine besondere Stärke Nordrhein-Westfalens als Standort, an dem inno­vative Ideen Wirklichkeit werden, sind seine geografischen, infrastrukturellen und ökonomischen Voraus­setzungen. Wie in einem Reallabor, einem living lab, können Ideen hier entwickelt, vor Ort getestet und um­­gesetzt werden. Mehr als 17 Millionen Menschen bilden den größten Absatzmarkt aller deutschen Bundes­länder und erwirtschaften ein größeres Brutto­inlands­produkt als die Schweiz. Nordrhein-Westfalen ist dichter besiedelt als Japan und somit ein Land der kurzen Wege: Die hervor­ragende Verkehrsinfrastruktur sorgt nicht nur dafür, dass man innerhalb des Landes schnell von A nach B kommt. Sie verbindet Nordrhein-Westfalen auch mit seinen Nach­­barn. Im Umkreis von 500 Kilo­metern leben 150 Millionen Menschen, die zusammen über rund 45 Prozent der Kaufkraft in der Europäischen Union verfügen. Eine inno­­vative, industriell geprägte Wirtschaft trifft hier auf die dichteste Wissen­schaftslandschaft Europas. Die hieraus resultierenden Netzwerke sorgen für einen schellen und zielgerichteten Transfer von Wissen und Ideen aus den Forschungslaboren ins wirkliche Leben – und umgekehrt. Die 72 Hochschulen legen mit der Ausbildung von aktuell über 670.000 jungen Menschen den Grundstein dafür, dass in Nordrhein-Westfalen auch in Zukunft For­­schung und Entwicklung auf höchstem Niveau betrieben werden können. Damit dies so bleibt und angesichts des demografischen Wandels der akademische Nach­wuchs in einigen Jahren nicht an allen Ecken und Kanten fehlt, haben Landesregierung und Hoch­­schulen die Ini­­tiative „Erfolgreich studieren“ gestartet. Wir können und wollen es uns in Zukunft nicht mehr leisten, studierwillige und studierfähige junge Talente zu übersehen. Das ist eine Frage sozialer Gerechtigkeit, aber auch eine Frage wirtschaftlicher Vernunft. Wir sichern so die Zu­­kunftsfähigkeit unseres Landes und die Inno­va­­tionskraft des Wirtschaftsstandorts Nordrhein-Westfalen.

Nordrhein-Westfalen bleibt innovativ. Das Motto „Inno­­vation unterscheidet den Vorreiter von den Verfolgern“ gilt bei uns in Nordrhein-Westfalen schon lange – vom Ottomotor über die Aspirin-Tablette bis zum Goldbären haben Unternehmen aus Nordrhein-Westfalen eine lange Tradition darin, als Vorreiter Weltmärkte zu erschließen. Politik, Wirtschaft und die hervorragend ausgebildeten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer werden dafür sorgen, dass dies auch in Zukunft so bleibt. Eine wichtige Voraussetzung dafür ist die Bereitschaft zu ständigem Wandel. Nordrhein-Westfalen und die hier leben­den Menschen haben im Laufe der Geschichte immer wieder gezeigt, dass sie bereit sind, Neues umzusetzen und Strukturen zu verändern. Diese Fähigkeit zum Wandel macht uns mit Blick auf die Vergangenheit stolz und mit Blick auf die Zukunft zuversichtlich.

DSC_2235-KopieSvenja Schulze
Die Autorin ist seit 2010 Ministerin für Innovation, Wissenschaft und Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen. Sie ist seit 2004 Mitglied des Landtags, dem sie auch schon von 1997 bis 2000 angehörte. Von 2000 bis 2004 war sie als Unternehmensberaterin tätig. Ministerin Svenja Schulze ist zudem Landes­vertreterin für den Senat der Max-Planck-Gesellschaft.