Sven Gerich – Zum Wohl der Gesellschaft: Gesundheitswirtschaft in Wiesbaden

Wiesbaden ist eine Stadt mit „Gesund­heitsgeschichte“. Die verdankt sie natür­lich ihren heißen Quellen, die bereits von den Römern zur Heilung und Linderung von Gelenkerkrankungen genutzt wurden. Über Jahrhunderte hinweg waren die „Aquae Mattiacorum“ – die Wasser der Mattiaker – die wirtschaftliche Basis für Hotels und Beherbergungsbetriebe, für Ärzte und Heilkundige. Auch der Auf­­stieg zur Weltkurstadt zu Beginn des 19. Jahrhunderts ist auf den mineralhal­tigen warmen Quellen gegründet. Heute spielt die traditionelle Badekur keine große Rolle mehr – dennoch ist Wiesba­den eines geblieben: Eine der wichtigsten deutschen Gesundheitsstädte mit einer hervorragenden internationalen Reputation. 

 

Es sind zweifellos mehrere Faktoren, die den guten Ruf Wiesbadens als Gesund­heitsstandort definieren: Zum einen si­­cherlich der hohe medizinische Versor­gungsgrad, zum anderen das fachmedizinische Kongresswesen und schließlich auch das außerordentlich dichte und funktionierende Netzwerk aller Partner, die sich in der hessischen Landeshaupt­stadt dem gesundheitlichen Wohl der Menschen widmen. Hinzu kommen zahl­reiche innovative pharmazeutische Un­­ter­nehmen mit internationalem Wir­­kungs­kreis.

Die Industrie- und Handelskammer hat vor einigen Jahren in einer sehr detaillier­ten Studie untersucht, welche wirtschaft­lichen Wirkungen der Gesundheitsbe­reich hat. Und sie hat dabei beeindruckende Zahlen ermittelt: Zum Zeitpunkt der Präsentation der Stu­­die – sie stammt aus dem Jahr 2008 – gab es in Wies­­baden rund 1.400 Insti­tu­tionen, die im Bereich „Gesundheit“ aktiv waren. Sie alle zusammen erwirtschafteten mit mehr als 22.000 Be­schäftigten einen jährlichen Umsatz von rund 1,1 Millionen Euro. Nicht eingerechnet sind dabei die Werte von Unternehmen und Aktivitäten, die indirekt profitieren, wie beispielsweise das Kongresswesen.

Innerhalb des Rhein-Main-Gebietes nimmt der Gesundheitsstandort Wiesbaden eine wichtige Position ein. Die drei Akut­­kli­niken Dr. Horst Schmidt-Kliniken (HSK), St. Josefs-Hospital und Asklepios Paulinen Klinik bieten medizinische Vollversorgung auf allerhöchstem Niveau. Bei den regel­mä­­ßigen Rankings großer Verlage finden sich stets leitende Ärzte der großen Kran­kenhäu­ser auf herausragenden Plätzen. Nicht zuletzt aus diesem Grund suchen immer mehr ausländische Patienten die medizinische Versorgung in Wiesbaden.


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Hohe Investitionen sichern diesen heraus­ragenden Standard. Dazu zählen der in Planung befindliche Neubau der Dr. Horst-Schmidt-Kliniken, die umfassende Gene­­ral­sanierung des St. Josef-Hospitals und der im vergangenen Jahr bereits abge­­schlossene komplette Neubau des OP-­Trakts der Asklepios Paulinen Klinik. Auch die geplante Verlagerung der Deut­schen Kli­nik für Diagnostik (DKD) an die HSK ist eine bedeutende Investition in den Gesundheitsstandort Wiesbaden.

Gerade die Krankenhäuser und Reha-Kliniken profitieren vom Erfahrungsaus­tausch. Aus ihrer Tradition heraus hat sich die hessische Landeshauptstadt zu einem der bedeutendsten medizinischen Tagungsplätze in Deutschland entwickelt. Wesentlichen Anteil daran hat vor allem auch die Deutsche Gesellschaft für Innere Medi­zin (DGIM), die seit 1882 in Wies­baden ihren Sitz hat. Sie veranstaltet all­­jährlich den Deutschen Internisten­kon­gress, bei dem mehr als 8.500 Me­­diziner in Vorträ­gen und Symposien über aktuelle medi­zinische Erkennt­nisse und Fra­­gen der Gesundheitspo­litik diskutieren.

Auch für die Wiesbadener pharmazeuti­schen Firmen ist der Messe- und Kon­gress­platz von Bedeutung, weil sie unter anderem einen intensiven Informationsaus­tausch mit Ex­­perten direkt am Ort er­­­­mög­­lichen. Für sie, die hier For­­schung, Ent­­wicklung und Produktion betreiben, ist die zentral in Deutschland ge­­le­­gene Stadt mit ihrer leis­tungs­fähigen Infra­struk­­tur und dem großen Poten­zial an gut ausgebildeten Mit­­­ar­beitern ein idealer Stand­­­ort für größere und kleinere Un­­ter­­neh­men mit enormen Ent­­wicklungs­chancen.

Beispielsweise ist Wiesbaden der weltweit zweitgrößte Abbott-Standort für Entwicklung und Produktion von Dia­gnostiktests und Laborsystemen. Mit die­­sen Produkten lassen sich Infektions­krank­heiten nachweisen und medikamentöse Therapien überwachen. Hoch­spezi­alisiert, zukunftsweisend und auch international ausgerichtet ist die seit vier Generatio­nen in Familienbesitz befindliche Firma Kreussler Pharma. Sie entwickelt, produziert und vertreibt in Wies­­baden na­­tional und international Arznei­mittel und Medizinprodukte, aber auch andere che­­mische Produkte.

Für die Qualität des Gesundheitsstand­orts Wiesbaden spricht auch, dass be­­reits an­­sässige Unternehmen der Stadt beispiels­weise auch nach Neustrukturie­run­gen treu bleiben, wie aktuell das for­­schen­de Bio­­pharmaunternehmen Ab­­bvie: Nach seiner Abspaltung von Ab­­bott wird Abbvie mit seiner Deutschland­zen­trale, also rund 500 Mitarbeitern im Innen- und Außen­dienst, Anfang 2014 von Del­­ken­heim in einen Neubau an der Mainzer Straße ziehen – direkt am Wies­­badener Kultur­park und nahe des Haupt­bahn­hofs.

 

Viele Faktoren prägen die Gesundheits­stadt Wiesbaden. Und gerade deshalb haben es sich der Magistrat und die Ver­­waltung zur Aufgabe gemacht, die ganz unterschiedlichen Aktivitäten der beteiligten Institutionen, Unternehmen, Ver­eine und Organisationen im Interesse der Bür­­gerinnen und Bürger zu vernetzen und für den Alltag nutzbar zu machen. Gera­de in diesem Bereich gibt es ein großes bürgerschaftliches Engagement, auf das ich als Oberbürgermeister sehr stolz bin. Allein 160 Selbst­hilfe­gruppen und An­­lauf­stellen für Ratsuchende listet eine Bro­­schüre des Gesundheitsamtes auf.


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Dort, wo es notwendig ist, initiiert die Stadt Gesundheitsaktivitäten selbst. Ich will hier nur einige Beispiele nennen: Seit 20 Jahren gibt es die Hessischen Ge­­sundheitstage, die alle zwei Jahre in Wies­­baden stattfinden. Sie werden von der Phar­­mazeutischen Industrie, Ärzten, Kran­kenhäusern, Krankenkassen, Selbsthilfe­­gruppen und weiteren Akteuren des Ge­­sundheitswesens unter der Koordinie­rung des Gesundheitsamtes veranstaltet und sind ein Forum der offenen Infor­ma­tion und Diskussion rund um das Thema „Gesundheit“. Beim Gesundheitsmarkt auf dem Schloßplatz und in einer Viel­zahl von Vorträgen haben die Besuche­rinnen und Besucher die Möglichkeit, sich umfassend zu informieren und auch ganz spezielle Fragen beantwortet zu be­­kommen. Das ist der eine Effekt dieser großartigen Veranstaltung. Der andere – und das ist genau so wichtig – ist die För­­­­­­de­­rung der Vernet­zung aller Be­­teiligten. Bundes­weit als Vor­­bild für viele ähnliche Pro­jekte gilt das Wiesba­dener Netzwerk für Geriatri­sche Rehabilita­ti­on – GeReNet.Wi. Es ist eine Kooperationsplatt­form für Dienste, Insti­tu­tionen und Akteure der Altenhilfe und des Ge­­sundheitswesens in Wies­­baden. Ziel ist es, eine umfassen­de und lücken­­lose Versorgung älterer, hilfs- und pflegebedürf­tiger Menschen zu Hau­­­se sicher zu stellen.

Gesundheitswirtschaft in Wiesbaden – sie ist das gute und vertrauensvolle Zu­­sammenwirken ganz vieler hochmotivier­­ter Akteure. Und sie ist ein ganz wesent­licher Aspekt einer Gesellschaft, in der sich die Menschen wohl und geborgen fühlen. Ich bin sicher, dass alle Beteilig­ten auch in Zukunft gemeinsam daran arbeiten werden, Wiesbaden als Gesund­heitsstandort weiter auszubauen. Und dafür danke ich allen ganz herzlich.

 

OB-Sven-Gerich---300dpi_ausschnittSven Gerich
Der Autor wurde 1974 geboren und ist im Wiesbadener Stadtteil Biebrich aufgewach­­sen. Seit 2000 führte er als Mit­in­haber und Geschäftsführer die seit 1882 im Fa­­milienbesitz befindliche Dru­­ck­­erei gemein­­sam mit seinem Vater. Sven Gerich trat 2003 in die SPD ein, wurde 2006 Stadtver­­ordneter und 2011 Vor­sitzender der Rat­­hausfraktion. Im März 2013 wurde er zum Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Wiesbaden gewählt.