Stefanie Frommann: Familienfreundliches Umfeld als wichtiger Standortfaktor

Städte und Regionen, in denen Familien sich wohl fühlen, sind gut für die Zu­­kunft gerüstet, denn Familien tragen wesentlich auch zur wirtschaftlichen Zukunftsfähigkeit der Kommunen bei. Diese Aussage wird im neuen Familien­atlas, den die Firma Prognos für das Bundesfamilienministerium erstellt hat, sehr deutlich und klar formuliert.

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Jena hat die Aufgabe, den Standort familienfreundlich zu gestalten, be­­reits vor Jahren erkannt und fördert das Thema in der stadttypischen Art und Weise – als Netzwerk.
„Wir wollen uns gemeinsam dafür en­­gagieren, dass Jena als kinder- und familienfreundliche sowie das Mitein­ander der Generationen fördernde Stadt wahrgenommen wird.“ Mit diesem Ziel haben sich alle derzeit 40 Partner des Jenaer Bündnisses für Familie, zu denen auch die Stadt gehört, auf den Weg gemacht, die Familienfreundlichkeit in der Saalestadt zu fördern. „Ob sich Fa­­­milien in Jena wohlfühlen, hängt da­­von ab, welche beruflichen und sozialen Bedingungen sie vorfinden. Ein familienfreundliches Umfeld stärkt die Lebensqualität und das menschliche Miteinander. Die Zukunftsfähigkeit und die Entwicklungsmöglichkeiten der an­­sässigen Unternehmen werden nachhaltig verbessert und die Attraktivität der Stadt Jena wird gestärkt.“
Seit nunmehr gut einem Jahr besteht das „Jenaer Bündnis für Familie“, das durch die Kooperation von verschiedenen Akteuren aus Wirtschaft, Wissen­schaft, Politik, Verwaltung, sozialen Ver­einen und Familien die Rahmen­be­dingungen für Familien in Jena und somit die Familienfreundlichkeit in der Stadt nachhaltig verbessern will. Durch ein starkes Netzwerk aller gesellschaftlichen Kräfte vor Ort sollen vorhandene Aktivitäten, Initiativen und Angebote für Familien gebündelt und Synergien erzeugt werden.
Nicht zuletzt durch das Engagement des Jenaer Bündnisses für Familie hat sich das Thema Vereinbarkeit von Fa­­milie und Beruf auch in Jenaer Un­­ter­nehmen von einer Nische zu einem wichtigen Themenfeld entwickelt. Das Zentrum für Familie und Alleiner­zie­hende eV spielt hierbei eine wichtige Rolle. Es bietet seit 2002 flexible Kin­derbetreuungsmöglichkeiten für Fa­­mi­lien an. Auch in Jenaer Unternehmen zeichnet sich diese Entwicklung ab. Vorreiter ist seit Jahren die Firma MAZeT, die im Jahr 2000 als familienfreundliches Unternehmen vom damaligen Bundespräsidenten ausgezeichnet wurde. Im vergangenen Jahr kamen weitere gute Beispiele hinzu, wie die Eröffnung der Betriebskindertages­stät­te der Jenoptik AG im Gewerbe­gebiet Gösch­witz. Firmen wie die Carl Zeiss Jena GmbH, Göpel Elektronik und die Stadtwerke Jena-Pößneck werden ihre Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen durch Zuschüsse zu den Kinderbe­treu­ungskosten unterstützen. Auch viele kleinere Unternehmen unterstützen ihre Mitarbeiter bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Beispiele hierfür sind unter anderem die Apotheke am Nollendorfer Hof und die mso jena mikroschichtoptik GmbH.

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Ein weiteres großes Handlungsfeld bie­tet das Thema Bildung, Ausbildung und Fortbildung. Die Stadt Jena besitzt ein außergewöhnlich breites Spektrum von Bildungskonzepten der Schulen und Kindertagesstätten bis hin zur In­­ter­na­tionalität und Mehrsprachigkeit. Die größte Fachhochschule Thüringens und die fast 450 Jahre alte Universität zählen rund 26.000 Studenten.
Kultur und Wissenschaft übernehmen in Jena eine identitätsstiftende Funk­tion für Bürger und Familien in der Stadt. So finden über das Jahr verteilt typische und wiederkehrende Höhe­punkte wie die „Lange Nacht der Wis­senschaften“, der „Zug der Jenaer Geis­ter“, die Kulturarena, der Lesemara­thon, die Jazzmeile aber auch das Ver­­eins- und Familienfest statt, was die Identifikation der Bürger und Familien mit „ihrer“ Stadt fördert. Neben den Projekten hat insbesondere das Selbst­verständnis der Stadt, alle ihre Bürger einzubeziehen und Wirtschaft und Wis­senschaft als Partner zu betrachten, den Stifterverband dazu bewogen, der Stadt Jena den Titel „Stadt der Wis­sen­schaft 2008“ zu verleihen – ein Titel, der Anspruch und Ansporn zu­­gleich ist.

Familienfreundlichkeit bietet beste­hen­­­den Unternehmen in und um Jena öko­nomische Entwicklungs­möglich­kei­ten, schafft positive Rahmen­beding­un­gen für Existenzgründungen, erhöht die Standortattraktivität und Wettbe­werbs­fähigkeit der Region und beeinflusst die kommunale Bevölkerungs­politik po­­sitiv.

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Zu den Schwerpunkten der familienfreundlichen Stadtentwicklung gehören:

• die bedarfsgerechte Erweiterung und Sicherung der vorhandenen Bildungs-, Kultur-, Sport- und Freizeitangebote, die für alle Bevölkerungsschichten nutzbar sind (Schulentwick­lungs­pl­a­nung, Kindertagesstätten­bedarfs­plan, Kinder- und Jugendförderplan beziehungsweise Altenhilfeplan reagieren auf die demografische Entwicklung),
• die Schaffung von vielfältigen Frei­raumangeboten mit hohem Aufent­halts­charakter, zum Beispiel die Ge­­staltung der Naturräume entlang der Saale, die auch zu einer besseren Erlebbarkeit des Flusses in der Stadt führen, insbesondere die Aufwertung des innerstädtischen Volksparks Ober­aue auf der Grundlage der vorliegenden, mit den Aspekten der Denk­mal­pflege abgestimmten Rahmen­pla­nung,
• die Maßnahmen der Wohnumfeld­ver­besserung in den Gebieten der „So­­zia­len Stadt“ Lobeda und Winzerla, die Vorrang haben (neben den beiden Stadtteilbüros gilt es, weitere Anlauf­punkte für Familien zu schaffen),
• Maßnahmen zur Schaffung familienfreundlicher Wohnungsangebote.

Familienfreundlichkeit ist einer der wichtigsten Aspekte der Zukunfts­fä­hig­keit von Kommunen. Kinder- und Fa­­milienfreundlichkeit ist einer der entscheidenden Faktoren dafür, dass Paare sich für Kinder entscheiden, in der Stadt bleiben oder zuziehen. Das haben wir in Jena erkannt und handeln entsprechend.

Steffi-PortraitDie 1965 geborene Diplom-Sport­leh­rerin leitete von 1992 bis 2003 das Familienzentrum Jena. Seit 2003 ist sie Geschäftsführerin des Zentrums für Familie und Alleinerziehende eV sowie seit 2006 die Koordinatorin für das Jenaer Bündnis für Familie.