Stefan Voß: nur bei uns. Einfach einmalig

Halle ist die Stadt der vielen Allein­­stel­­lungsmerkmale. Georg Friedrich Händels Geburtshaus, die Himmelsscheibe von Ne­­bra, die Totenmaske Martin Luthers, das größte Flächenarchitekturdenkmal Euro­­pas, eine im Original erhaltene barocke Wunderkammer, der Sitz der Bun­­des­kul­­turstiftung und der Leopoldina – Nationale Akademie der Wissenschaften, drei Bur­gen sowie die älteste Universität, an der in deut­­scher Sprache unterrichtet wurde – das alles gibt es nur in Halle. Grund genug für die Stadtmarketing Halle (Saale) GmbH (SMG), daraus eine Kampagne zu formen, die die Marketingaktivitäten Hal­­les bündelt und bundesweit penetriert: „nur bei uns.“.
Die Geburtsstunde der Kampagne „nur bei uns. In Halle an der Saale“ war die Internationale Tourismus-Börse 2008 (ITB) in Berlin. Hierzu hat die SMG die sieben stärksten halleschen Kultur- und Wis­sen­­schaftseinrichtungen für eine ge­­meinsame Marketingkooperation ge­­win­nen können. Die halleschen Kultur­flagg­schif­­fe, die sich auch finanziell mit in die Kam­­pagne einbringen, vereinen ihre kul­turel­­len und touristischen Höhe­punkte seither unter dem Motto „nur bei uns.“ in Bro­­schüren, Anzeigen oder in bundesweiten Plakatserien.
Zur Kooperation zählen die Stiftung Hän­­­­del-Haus, die Stiftung Moritzburg – Kunst­­museum des Landes Sachsen-Anhalt, das Landesmuseum für Vor­­ge­­schichte, die Franckeschen Stiftungen zu Halle, die Burg Giebichenstein – Hoch­­schule für Kunst und Design Halle, die Martin-Luther-Universität Halle-Wit­­ten­­­­berg so­­wie die Theater, Oper und Or­­ch­­e­­s­­ter GmbH Halle, die sich aus der Oper Halle, der Staatskapelle Halle, dem Neu­­en Theater sowie dem Thalia The­­ater zu­­sammensetzt. All diese er­­folgreichen In­­­­s­­ti­tu­tionen ließen sich von der Er­­kennt­­nis leiten, dass es ihnen ein­­zeln nicht möglich wäre, in diesem Um­­fang und prominenten Umfeld für sich zu werben.


Stiftung-Moritzburg---Luftbild

Seit dem Kampagnenstart wurde eine Fülle einzigartiger Veranstaltungen als touristische Pakete vermarktet: das in­­terna­­tionale Festival „Theater der Welt“, die Dauerausstellung zur Him­­mels­­schei­­­­be von Nebra und die archäologische Aus­­­­­stellung „Fundsache Luther“ im Lan­­­des­museum für Vorgeschichte, die Hän­­­­del-Festspiele, die Wiedereröffnung des Er­­wei­­terungsbaus der Moritzburg, die Re­­­kon­­struktion des Wohnhauses von Au­­gust Hermann Francke in den Fran­­cke­­schen Stiftungen, die Sammlungen von Hermann Gerlinger, Einar Schleef und Lyonel Feininger, die Jahre­saus­stel­­lung der Burg Giebichenstein oder die langen Nächte der Wissenschaften.

Ziel der Kampagne, die sich an Kultur-, Kurz- und Städtereisende richtet, ist der nationale Image-Aufbau Halles als Hän­­del- und Kulturhauptstadt.
So informiert die 24-seitige Kultur­bro­schüre „nur bei uns. In Halle an der Saale“, die halbjährlich in einer Auflage von 20.000 Exemplaren gedruckt und unter anderem auf verschiedenen Mes­sen wie der ITB in Berlin, der Touris­musmesse „Horizont“ in Karls­­ru­­he oder der „Tourismus und Carava­ning Leipzig“ ver­­teilt wird, über die bevorstehenden kulturellen High­­­lights in Halle an der Saale.

Die nationalen Anzeigenschaltungen und Advertorials umfassen DIE ZEIT, ZEIT Kultursommer und ZEIT Reisen, DB mobil, das Kundenmagazin der Deut­­schen Bahn AG, Beilagen des Kul­tur­magazins im Focus und Spiegel so­­wie Anzeigen in Kulturmagazinen.

Fund

Die bundesweite Plakatierung erfolgte bisher in drei Staffeln im November, April und Mai/Juni in den Städten München, Hannover, Erfurt, Leipzig, Magdeburg, Halle und Weimar.
Wovon erfährt man in „nur bei uns.“? Die SMG deckt die ganze Bandbreite der Sonderstellungsmerkmale von Halle ab; so zum Beispiel, dass die Neue Re­­si­denz seit dem 15. Jahrhundert Sitz des Kardinals Albrecht von Bran­den­­burg, Erz­­bischofs von Mag­­deburg und Kur­fürsten von Mainz war; dass sich Martin Luther am 31. Oktober 1517 mit einem Brief ge­­gen den Ablass­handel an Albrecht wandte – mit 95 Thesen als Anlage; dass Kar­­­dinal Alb­recht die Stadt Halle 1541 unter dem Druck der Re­formations­be­wegung verlas­sen musste; dass Luther 1545 und 1546 dreimal in Hal­les Markt­kirche predigte, dort vom 20. bis zum 21. Fe­­bru­­ar 1546 – nach seinem Tod – aufgebahrt war und seine Totenmaske dort noch heute liegt; oder dass Halles Marien­­bibliothek die älteste evangelische Kir­chen­bi­blio­thek Deutsch­lands und das Glock­­­enspiel des Roten Turms das zweitgrößte der Welt ist. Das gibt es nur bei uns!

Was macht die 1694 in Halle gegründete Martin-Luther-Universität Halle-Witten­berg einzigartig? Sie ist nicht nur die älteste und größte Bildungseinrichtung in Sach­­sen-Anhalt. Die kurbrandenburgische Lan­­desuniversität war zu Be­­ginn und am En­­de des 18. Jahrhunderts über viele Jahr­­zehnte die führende und mo­­dernste deutsche Hochschule und hat­­te in den ersten Jahrzehnten ihres Be­­ste­­h­­ens die höchsten Studentenzahlen aller Uni­­ver­si­­tä­­ten im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation.
Was begründet den Ruhm der Francke­schen Stiftungen zu Halle? Der Theologe und Pietist August Hermann Francke (1663–1727) errichtete hier ein diakonisches Zentrum. 1698 wurde der Grund­­stein für ein neues Waisenhaus gelegt, binnen 30 Jahren entstanden Schul- und Wohngebäude, Werkstätten, Gärten und eine Apotheke. So wuchs eine christlich inspirierte Schulstadt heran, in der bis zu 2.500 Menschen lebten. Durch die Franckeschen Stiftungen erhielt Halle das erste Kinderkrankenhaus Deutsch­lands, das längste Fachwerkhaus Euro­pas sowie die einzige im Original erhaltene ba­­rocke Kunst- und Naturalien­kam­mer der Welt. Die 1710 von Carl Hilde­brand von Canstein gegründete Bibel­anstalt in den Franckeschen Stiftungen ist zu­­dem die älteste der Welt.
Und die Moritzburg in Halle? Einst als Residenz der Magdeburger Erzbischöfe errichtet, zählt sie zu den eindrucksvollsten spätmittelalterlichen Burgan­la­­gen Mitteldeutschlands.
Zu ihren vielen Besetzern gehörten auch Albrecht von Wallenstein und der kaiserliche Feld­­herr Tilly. Der Dreißig­jährige Krieg hin­ter­­ließ 1637 bis 1639 Spuren der Ver­wüst­­ung im gesamten West- und Nord­flügel sowie in der Süd-Westbastion.
Erst 2008 schuf ein internationaler Ar­­chitekturwettbewerb Abhilfe: Der groß­­artige Er­­weiterungsbau der Moritzburg, dessen moderne Dach­landschaft auf die bewegte Sprache der bestehenden historischen Sattel­dä­ch­­er und Giebel antwortet, ist Welt­ar­chi­­tektur pur, in der die im­­posanten Sam­­m­lungen von Hermann Ger­­linger, Einar Schleef und Lyonel Fei­­n­­inger eine würdigere Heimstatt finden.


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Der berühmteste Schatz der Stadt findet sich im Landesmuseum für Vor­­­ge­schich­te in Halle: die 3.600 Jahre alte Him­­mels­­scheibe von Nebra, ein bedeutender archäologischer Fund des 20. Jahr­hunderts. Die Himmels­schei­be ist die weltweit älteste konkrete Dar­­stellung astronomischer Phänomene und gibt Ein­blicke ins Wissen unserer Vor­fahren über den Weltenlauf und seine re­­­­ligiöse Deutung. Ferner verfügt das Lan­­des­mu­seum über eine der ältesten, mit mehr als elf Millionen Funden um­­fang­­reichsten und bedeutendsten ar­­chäo­logischen Samm­lungen Deutsch­lands und ist eines der wichtigsten ar­­chäo­logischen Museen in Mittel­eu­ropa.

Die Burg Giebichenstein aus dem 9. Jahr­hundert war im Erzbistum Magdeburg unter an­­derem Sterbe- beziehungsweise Auf­bah­­rungsstätte mehrerer Bischöfe und diente dem König als „Staats­ge­fängnis“ für Mitglieder des Hochadels. Auch Lud­wig der Springer, Landgraf von Thüringen, war wegen Mordes am Pfalz­grafen von Sachsen inhaftiert. Hein­rich IV. gas­­­tierte hier 1064, Friedrich I. Bar­barossa be­­rief 1157 die Fürsten­ver­sammlung auf die Burg ein, um den zur deutschen Ost­expansion geplanten Po­­len­feldzug vorzubereiten. Die heutige Burg Gie­bich­en­­­­stein Hochschule für Kunst und Design Halle hat sich aus der Tradition einer staat­­lichen Hand­wer­ker- und Kunst­ge­wer­­­­be­schule zur modernen Kunst- und Design-Hochschule mit universitärem Status entwickelt, an der über 1.000 Studierende aus über 20 Staaten studieren. Bekannt ist Halle auch als Ge­­burtsstadt von Georg Friedrich Händel (1685–1759), dessen Opern, Oratorien und Kan­­­taten ihn berühmt machten. Noch heute zeugt viel vom Leben und Werk Händels in Halle: sein Eltern-, Geburts- und Wohn­­haus mit dem neu eröffneten Händel-Museum, die Marktkirche, in der Händel getauft wurde, sowie die Händel-Fest­spiele, die die Stadt Halle bereits seit 1922 zu Ehren ihres großen Sohnes ver­­anstaltet – dazu zahlreiche Konzerte zum Beispiel des Händelfest­spiel­or­ches­ters. In­­­­mitten des Marktplatzes erinnert ein 3,20 Meter hohes Bronzestandbild Hän­­dels auf einem Marmorsockel an den großen Komponisten.

Ohne Händel hätte Halle heute nicht den ältesten welt­­lichen Knabenchor Deutsch­lands und ein weltweit anerkanntes Inter­na­tiona­les Kin­der­chorfestival. Tradition findet sich in Halle, wohin das Au­­ge blickt. Ge­­­bündelt unter „nur bei uns.“ entfaltet sie nun auch ihre Wirkung.

Stefan-Voß1Der Autor wurde 1965 geboren und stu­­dierte Geschichte und Politikwissen­schaf­­ten. Nach Stationen als Journalist beim „Holsteinischen Cou­­rier“ wechselte Voß 1999 ins PR-Fach und wurde 2004 Pres­­se- und Mar­ketingchef der Stadt Wolfs­­burg. 2006 war er als Ressortleiter Stadt­­marketing der Wolfs­burg Mar­­keting GmbH tätig und übernahm 2008 die Ge­­schäfts­­führung der Stadtmarketing Halle (Saale) GmbH.