Sören Mohr & Ernst Kreppenhofer: IT und Logistik – Innovation, Technik und Dienstleistung für die Wirtschaft Nord

765919_original_r_k_b_by_kl-ai_pixelioIT und Logistik gehören zu den wichtigsten Querschnittstechnologien der Wirtschaft und gelten als eine der entscheidenden Wirtschaftskompetenzen in Hamburg wie auch in Schleswig-Holstein. Querschnittstechnologien beinhalten Serviceleistungen, die sie für andere Wirtschaftsbereiche zur Durchführung und Erfüllung originärer Aufgaben zur Verfügung ­stellen. Sie agieren z. B. als Dienstleister für eine Vielzahl von Aufgaben, sie initiieren oder sind Realisierungs-Grundlage für Innovationen, Prozessabläufe und ­Produktentwicklungen.

Um Status und Bedeutung der beiden Querschnitts­tech­no­­logien für die Nordländer Hamburg und Schleswig-Holstein etwas detaillierter zu betrachten, nachfolgend einige Zahlen: Schles­wig-Holstein verfügt aktuell über etwa 14.000 Unter­nehmen in der IT-Wirtschaft, was einem Anteil von etwas über sieben Pro­­zent an allen im Land gemeldeten Unternehmen entspricht.

Ein großer Anteil der IT-Unternehmen ist im Bereich der Soft­­ware­­entwicklung sowie im Bereich e-Commerce/Online-Marketing aktiv.

Im Bereich der Logistik kennzeichnen das nördlichste Bundes­­land die Tatsachen, als Transit-Gate für das Baltikum und Skandi­navien zu fungieren und einziges Bundesland mit einem Zugang zu zwei Meeren zu sein. Die Logistik hat einen Bestand von etwa 3.200 Unternehmen mit rund 53.000 Beschäftigten. Transport und Verkehr, Lagerwirtschaft sowie Handling und Umschlag sind die hauptsächlichen Tätigkeitsgebiete. Mit diesen Volumina zählt die Logistikbranche zu den wichtigsten Wirtschafts­­zweigen in Schleswig-Holstein.

Beide Wirtschaftsbereiche unterhalten im Lande zur Vernetzung der jeweiligen Betriebe, zum Ideen- und Innovationsaustausch, zur Kooperation mit den öffentlichen Institutionen und zur Projektrealisierung etc. jeweils Cluster- bzw. Netzwerke: Im IT-­Be­­reich ist dies die Digitale Wirtschaft Schleswig-Holstein, kurz DiWiSH genannt. Mit dem Leitsatz „Das Clustermanagement DiWiSH, der Verein Digitale Wirtschaft Schleswig-Holstein (DiWiSH e.V.) sowie die Design-Initiative Nord unterstützen gemeinsam die IT-, Medien- und Designwirtschaft im Land“, kennzeichnet die DiWiSH ihren Auftrag.

Im Bereich der Logistik fungiert die Logistik Initiative Schles­­wig-Holstein e.V. als innovatives Netzwerk für Logistik und Supply Chain. Als länderübergreifendes Netzwerk agiert die NordLogistik in der Transport- und Speditionsbranche in Schles­­wig-Holstein und Hamburg. Daneben gibt es noch regionale Agenturen bzw. Vereine, wie z. B. logRegio in Lübeck.

Zu Hamburg: Die Hamburger IT-Branche ist eine der wichtigsten Branchen für die Wirtschaft der Stadt. Knapp 10.000 Unter­neh­men aus dem IT- und Kommunikationsbereich beschäftigen etwa 50.000 Mitarbeiter. Mit diesem Marktpotenzial wird im Durch­­­schnitt eine Wertschöpfung von mehr als vier Milliarden Euro generiert. Dies macht den Wert der IT-Branche für die Wirtschaft Hamburgs klar. Aktives Netzwerk im Bereich ITK und Neue Medien ist „Hamburg@work“ mit mehr als 1.500 Mitgliedern (eigene Zahlen-Veröffentlichung).

531787_original_r_b_by_peter-kamp_pixelioDie Logistik prägt Hamburg und Hamburg prägt die Logistik, so der Grundtenor in diesem Wirtschaftsbereich. Als Deutschlands Tor zur Welt und mit Europas Hafen Nummer 2, ist mit etwa 170.000 Beschäftigten (Zahlen 2014) die Logistik natürlich ein (ge-)wichtiger „Player“.

Lead-Partner im Bereich Netzwerk und Branchen-Cluster ist die Logistik Initiative Hamburg, eine public-private-partnership (PPP) aus Verein und Senats-orientiertem Clustermanagement, mit nahezu 700 Mitgliedern (eigene Zahlen-Veröffentlichung).

Auf Grund der geografischen Situation und der Notwendigkeit der Einbeziehung des Umlandes ist die Metropolregion Ham­burg als Ganzes zu sehen. Sie ist gleichzeitig Partner und Leistungserbringer im Bereich Logistik und Hafenverkehre, mit einer Beschäftigtenzahl von etwa 370.000 Mitarbeitern (Zahlen 2014) in Stadt und Region, die bei ca. 11.700 (Zahlen 2014) Unter­­nehmen beschäftigt werden. Es ist sicherlich keine Fehl­­einschätzung, dabei von einer ausgesprochenen „WIN-WIN“-Situation für Stadt und Region zu sprechen.

Ein weiterer Faktor, beinhaltend den Status der Arbeits- und Studien­­qualität in Hamburg und Schleswig-Holstein, lässt sich mit den folgenden Zahlen verdeutlichen: Zwölf Universitäten und Hochschulen in der Stadt Hamburg und weitere acht Uni­­ver­­sitäten bzw. Hochschulen in Schleswig-Holstein stehen für zu­­kunftsorientiertes Studium sowohl in der Logistik wie auch im Bereich IT- und Kommunikationstechnologien.

Betrachten wir uns in diesem Zusammenhang einen der relevanten Zukunftsaspekte der Querschnittstechnologien IT und Logistik, nämlich die Digitale Transformation: Begriffe wie Industrie 4.0, Logistik 4.0 oder die Digitale Supply Chain sind nur wenige Stichworte für einen grundlegenden und differenzierten Einsatz von IT- und Kommuni­ka­­tions­tech­nologie in Ver­­­bindung mit innovativen Lösungen im Bereich der Logistik.

Und das Warum: Die Digitalisierung nimmt entscheidenden Ein­­fluss auf unsere Gesellschaft und verändert dabei die Lebens-, Unternehmens- und Arbeitswelt. Und was ist diese Digitale Trans­formation? Es sei eine einfache Variante der Erklärung ge­­stattet: Dinge – gleich welcher Art – sollen so konstruiert werden, dass sie bestimmte Aktivitäten und Aktionen selbst bzw. selbständig ausführen können. Sie sollen in der Lage sein, Daten im Rahmen einer „Netzwerk-Kommunikation“ vor diesen Ak­­tionen zu empfangen und nach diesen Ak­­tionen an weitere Netz­­werk­teil­­nehmer zu transferieren.

630891_original_r_k_by_tony-hegewald_pixelioIn Logistik und Supply Chain hat die Digitale Transformation zwischenzeitlich mehr oder minder stark Einzug gehalten. Dies mit grundlegenden Einflüssen auf die Unternehmensorgani­­sa­tion, das Handling und die Geschäftsprozesse. Auf der Basis des Internet der Dinge (IoT) werden intelligentes Verkehrs­man­age­ment und ebensolche Verkehrssteuerungs-Systeme realisiert. Autonome (selbst-aktive) Fahrzeuge und Ladungsträger sowie sensor-, licht- oder sprachgesteuerte Systeme sind Be­­stand­t­eile der sogenannten Smart Logistics, der intelligenten Lo­­gis­tik, die mit entsprechender Hard- und Software realisiert wird.

Nach dem kleinen Ausflug in das technische Umfeld von IT und Logistik und die Aufgaben und Herausforderungen von heute und morgen, schauen wir auf die Gegebenheiten und den IST-Zustand des Nordens: Hamburg hat, unter Federführung der Handelskammer, ein Forum 4.0 mit Kompetenzzentrum In­­dustrie 4.0 ins Leben gerufen. Industrie, Wissenschaft und öffentliche Institutionen suchen Wege und betreiben Entwicklungen, um mit innovativen Lösungen die Herausforderungen der Zu­­kunft in den relevanten Wirtschaftsbereichen zu gestalten.

Die Landesregierung Schleswig-Holstein hat mit dem neuen „Bündnis für Industrie.SH“ ein Modellkonzept entwickelt und Partner aus Wirtschaft, Wissenschaft und öffentlichen In­­stitutionen aufgerufen, sich an diesem Bündnis aktiv zu beteiligen. Bestandteil auch hier – die Realisierung eines Kompe­tenzzentrums Industrie 4.0 des Landes.

Der Norden stellt sich den Herausforderungen und Not­wen­dig­­keiten für eine aktive Gestaltung der Wirtschaft und für innovative Lösungen im technologischen Bereich und arbeitet unter Einbeziehung der diversen Akteure an der Realisierung. Mit interessanten und wirtschaftlich sinnvollen und erfolgreichen Konzepten – sowohl in den Kompetenzbranchen wie auch in den und für die Querschnittstechnologien – wird die Grund­­lage für eine gesicherte und lebenswerte Zukunft der Länder Hamburg und Schleswig-Holstein gelegt.

Sören Mohr
Sören Mohr wurde 1968 geboren und studierte Betriebswirtschaftslehre in Kiel. Von 1993 bis 1994 war er Pressesprecher im Hansapark Sierksdorf, bis 1997 Marketingleiter desselben. Anschließend übernahm er die Leitung der Kundenberatung der fluxx AG und gründete 2000 die Kieler Werbe- und Marketingagentur New Communication. Seit 2005 ist er im Vorstand des Vereins Digitale Wirtschaft Schleswig-Holstein e.V., seit 2007 dessen 1. Vorsitzender.
Ernst Kreppenhofer
Der Autor ist Leiter der Cluster DiWiSH Fachgruppe IT & Logistik SH.