Schäuble: Steigendes Vertrauen in Banken am Finanzplatz

Dr. Wolfgang SchäubleDie Finanzkrise der Jahre 2008 und 2009 und ihre Auswirkungen auf die reale Wirtschaft haben uns deutlich vor Augen geführt, welche immense Bedeutung die Finanzwirtschaft heute für die Weltwirtschaft insgesamt besitzt. Befördert durch die enormen Fortschritte der Informationstechnologie der letzten 20 Jahre haben sich internationale Finanzmärkte gebildet, die aufgrund ihres großen Vernetzungsgrades ein wesentlich größeres Risiko systemischer Krisen in sich tragen – mit den erlebten massiven Verwerfungen und hohen ökonomischen wie sozialen Kosten.

 

Auch in Deutschland trägt der Finanzsektor mit einem Anteil von etwa vier Prozent des Bruttoninlandsprodukts mittlerweile maßgeblich zur Bruttowertschöpfung bei und beschäftigt rd. 1,2 Millionen Menschen. Dabei ist der Finanzsektor in Deutschland relativ klein im Vergleich beispielsweise zu den Vereinigten Staaten (8 % des BIP) oder Großbritannien (9 %). Was in den ersten Jahren des neuen Jahrtausends als komparativer Nachteil für die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland erschien – nämlich der noch große Anteil industrieller Produktion – erwies sich in der Krisensituation als Vorteil: Kaum ein westliches Industrieland ist wirtschaftlich besser aus der Krise herausgekommen als Deutschland.

 

Um nachhaltiges Wachstum zu generieren, sind funktionierende Finanzmärkte unverzichtbar. Die Finanz- und Wirtschaftskrise hat gezeigt, dass die bisherigen Finanzmarktregeln diese Funktionsfähigkeit nicht gewährleisten konnten und deshalb ein neuer Ordnungsrahmen für die Finanzmärkte notwendig ist. Genauso wie ein hoch entwickeltes und innovatives Finanzsystem unerlässlich für stetiges Wirtschaftswachstum ist, birgt es jedoch gleichzeitig ein inhärentes Risiko der Übertreibung. Es gilt deshalb, bei den Regulierungsbemühungen einen „goldenen“ Mittelweg zu finden, d. h. Übertreibungen frühzeitig einzudämmen, ohne dabei die unbestritten positiven Kräfte des Finanzsystems zu unterdrücken.

 

Wichtige Schritte hierzu sind erfolgt – in enger internationaler Abstimmung, die aufgrund der Vernetzung der Märkte erforderlich ist. Vieles ist auf dem Weg und weitere Schritte werden folgen. Klar ist, dass alle Regulierungsmaßnahmen, die dazu beitragen, das Vertrauen der Marktteilnehmer in das Funktionieren der Märkte und damit das Vertrauen der Bürger in unser marktwirtschaftliches System wiederherzustellen, auch dem Finanzsektor zugutekommen – hier in Deutschland wie weltweit.

 

Ich bin davon überzeugt, dass wir dabei auf dem richtigen Weg sind. Umfragen zeigen, dass das Vertrauen der Deutschen in ihre Banken angesichts der Finanzkrise in den Jahren 2008 und 2009 stark gelitten, sich jedoch zwischenzeitlich wieder erholt hat. Das ist eine gute Basis für einen starken und wettbewerbsfähigen Finanzplatz Deutschland.

 

 

Dr. Wolfgang Schäuble

Bundesminister der Finanzen

(Geleitwort zum Medienprojekt „Finanzplatz Deutschland. Chancen und Perspektiven“)