Reimund Gotzel: Herausforderung Energiewende am Industriestandort Bayern

Die Bayernwerk AG mit Sitz im oberpfälzischen Regensburg spielt bei der Energiewende in Bayern eine maßgebliche Rolle. Das Unternehmen betreibt in weiten Teilen Bayerns – insbesondere auch im ländlichen Raum – die Stromnetze auf der Mittel- und Nieder­­span­­nungs­­ebene. Zudem ist das Bayernwerk seit vielen Jahren mit dem Tochterunternehmen Bayernwerk Na­­tur im Bereich der dezentralen, energieeffizienten und rege­­nerativen Energien aktiv. Seit Juli 2013 trägt das Bayernwerk diesen Namen als Nachfolgeunternehmen der E.ON Bayern AG.

Das Bayernwerk ist der größte regionale Verteil­­netz­­betreiber in Bayern. Das Netzgebiet erstreckt sich über Unter- und Oberfranken, Nieder- und Oberbayern sowie die Oberpfalz. Das Mittel- und Niederspan­nungs­netz des Un­­­­ter­­­­­­nehmens hat eine Länge von 180.000 Kilometern. Mit rund 2.500 Mitarbeitern sichert das Unternehmen mit seiner Netz­­infra­­struktur die Energie­versor­gung in weiten Teilen des Frei­­staats. Die dezentrale Unternehmensstruktur mit 19 Netzcentern in allen Regionen des Netzgebiets stellt eine wichtige Basis für die hohe Qualität der Ver­sor­gung dar. Denn eine Flächenregion mit weitläu­­figen Berg­­gebieten zu versorgen ist ungleich aufwän­diger als Versorgungssicherheit in engmaschigen, städ­­tischen Netzen zu gewährleisten. Vor allem für die ländlichen Regionen ist eine derart hohe Versor­gungs­sicherheit, wie sie das Bayernwerk gewährleistet, ein wichtiger wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Faktor.

Zu den Kernaufgaben des Bayernwerks zählen neben der sicheren Versorgung der Ausbau und die techno­logische Entwicklung der Netzinfrastruktur, die de­zen­trale Erzeugung und das Angebot unterschiedlicher Energiedienstleistungen.
Im regionalen Verteilnetz des Bayernwerks ist die Energiewende Realität. In unserem Netz fließt bereits jetzt über 50 Prozent regenerative Energie. Mittlerweile hat das Unternehmen über 240.000 Photo­­voltaik-Anlagen mit einer Leistung von rund 5.300 Mega­­watt im Strom­­versorgungsnetz. Die Gesamt­leis­tung der regenerativen Energien, die in das Netz des Bayern­­werks eingespeist werden, liegt bei rund 7.000 Megawatt. Der An­­teil der regenerativen Energien im Bayernwerk-Netz ist da­­mit höher als der Anteil des konventionell erzeugten Stroms. Wir sind stolz, dass wir trotz eines deshalb immer an­­spruchs­volleren Netz­­betriebs die Versorgungs­sicherheit auf höchstem Niveau halten können.

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Die weitere Gestaltung der Energiezukunft ist aber viel mehr als nur ein technologisches Projekt. Innovation und Technologie brauchen die Akzeptanz der Gesell­­schaft. Deshalb sind Bürgerinnen und Bürger, die in ihrem Umfeld eigene Impulse für die Energiezukunft setzen, wichtige Wegbereiter der Energiewende. Das Bayernwerk fördert daher im Rahmen seines gesellschaftlichen Engagements neben kulturellen und schulischen Projekten auch Impulsgeber für die Energie­zukunft vor Ort mit dem „Bürgerenergiepreis“.

Für das Stromnetz hat die Energiewende einen Para­dig­menwechsel zur Folge. Bisher agierten die Ver­­braucher so, dass sie Strom dann verbrauchten, wenn sie ihn benötigten. Diesem Verhalten mussten sich die Er­­zeu­­ger anpassen: Konventionelle Großkraftwerke wur­­den so gesteuert, dass Erzeugung und Verbrauch in Ein­­klang waren, die Netze waren so ausgelegt, dass ihre Kapazität dem Verbrauch entsprach. Das ändert sich nun grundlegend: Die hohe installierte Photovoltaik-Leistung mit ihrer stark schwankenden Einspeisung dominiert heute schon den Betrieb des Bayernwerk-Verteilnetzes. Da bei starker Sonnen­ein­strahlung die Stromerzeugung oft den zeitgleich anfallenden lokalen und regionalen Strombedarf übersteigt, muss der in der Nieder- und Mittelspannung überschüssige Strom auf die nächsthöhere Netzebene, die Hochspannung, abtransportiert werden. Das geschieht mit sogenannten Umspannwerken. Die heutige Um­­spannwerks­struk­tur ist dafür nicht ausgelegt. Um zu vermeiden, dass die Verbindung zwischen Nieder- und Mittel­span­nungs­ebene auf der einen und Hoch­­span­­nungsebene auf der anderen Seite zu einem Nadelöhr wird, das eine sichere Versorgung gefährden könnte, arbeitet das Bayernwerk seit 2012 mit Nachdruck an einer völlig neuen Dimen­­sionierung der Umspann­werks­­kapazitäten seines Netzes.

Um die Versorgungssicherheit und den EEG-bedingten Ausbau zu gewährleisten, hat das Unternehmen im Jahr 2013 rund 365 Millionen Euro aufgewendet.
Bis zum Energiesystem von morgen ist es noch ein weiter Weg. Die Veränderungen in der Energielandschaft erfordern neben einem umfangreichen Netzausbau inten­­sive Entwicklungen in der Speichertechnologie und bei innovativen Netzkomponenten. Wirkt man einer überhöhten Netzeinspeisung heute noch mit Netzausbau und Regelungsmechanismen für Einspeiseanlagen entgegen, werden in weiterer Zukunft clevere Steuerungssysteme („Smart Grid“) dafür sorgen, dass der nicht benötigte Strom in Speicher abgeleitet wird beziehungsweise dass der Verbrauch gezielt in diese Zeiten verlagert wird, in­­dem energieintensive Haushaltsgeräte oder die Auf­­la­­dung der Elektrofahrzeuge ferngesteuert gestartet werden.


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Das Bayernwerk forscht schon seit Jahren gemeinsam mit Hochschulen und Partnern aus der Wirtschaft am Netz der Zukunft. So tragen neuartige regelbare Orts­­netztransformatoren dazu bei, das Netz trotz schwankender Einspeisung stabil zu halten. In weiteren Pro­­jekten werden Energiespeicher erprobt, Ladetech­­no­­logien für Elektrofahrzeuge erforscht oder intelligente Wechselrichter getestet.

Mit diesen Projekten, dem kontinuierlichen Netzausbau und der ständigen Wartung und Instandhaltung der Netze leistet das Bayernwerk einen wichtigen Beitrag auf dem Weg zu einer sicheren Energiezukunft – und hält die Ver­­sorgungssicherheit im Netzgebiet trotz eines immer anspruchsvolleren Netzbetriebs auf höchstem Niveau.

Das Bayernwerk ist seit vielen Jahren Partner der Kom­­munen in Bayern. Es steht mit energiewirtschaftlichem Know-how beratend zur Seite, wenn es um die Energie­­wende vor Ort geht. Das Unternehmen hilft bei der Erstellung von Energienutzungsplänen, die Unternehmens­tochter Bayernwerk Natur kümmert sich um alle Be­­lange beim Bau und Betrieb dezentraler Erzeugungs­­anlagen oder bietet eine professionelle Gebäude­energie­beratung als Dienstleistung an. Auch die kommunale Straßenbeleuchtung ist ein wichtiger Bestandteil der Partnerschaft des Bayernwerks mit den Kommunen.

Reimund_Gotzel_hDer 1966 in Lübeck geborene Autor ist ausgebildeter Bankkaufmann und hat an der TU Berlin Betriebswirtschaft studiert. 1992 stieg Reimund Gotzel bei PreussenElektra ein und hatte diverse leitende Funktionen innerhalb des E.ON-­Konzerns inne. Seit Juli 2013 ist er Vorstandsvorsitzender der Bayernwerk AG.