Ralf J. Kutzner: Dresden – Wo Kunst Genuss umarmt

Das Fünfsterne-Superior-Relais & Châteaux-Hotel Bülow Palais Dresden zählt zu den ­erlesensten Häusern in Deutschland. Hoteldirektor und ­Top-50-Hotelier Ralf J. Kutzner erlebt seit 20 Jahren hautnah mit, wie sich Elbflorenz nicht nur als Kultur-, Wirtschafts- und Wissenschaftsmetropole, sondern auch als Hauptstadt der feinen Lebensart entfaltet.

Herr Kutzner, Sie sind seit über 20 Jahren als Hotelier in Dresden tätig. Sie haben das Wiedererblühen der Stadt nach der Wende, das Hochwasser von 2002, das Wunder der Frau­­enkirche und die Höhenflüge im Dresden-Tou­­rismus der letzten Jahre miterlebt. Welche war die spannendste Zeit?

Das waren sicher die Nachwendejahre. Die Aufbruch­­stimmung, der Tatendrang, der Aufschwung. Alles schien möglich. Ich bin froh, das hautnah erlebt haben zu dürfen. Auch für mich fing mit Dresden ein neues Kapitel an – ebenso für das Barockviertel, in dem die beiden Bülow Hotels stehen. Damals war das Areal grau und verfallen. Heute ist es eine der exklusivsten Lagen der Stadt.

Die Lust auf Dresden ist bei Gästen und Investoren aus dem In- und Ausland ungebrochen. Was ist das Geheimnis der Stadt?

Dresden hat diese traumhafte Lage an der Elbe. Und dann hatte sie das Glück, in der großen Blütezeit des Kur­fürsten­tums Sachsen Residenzstadt gewesen zu sein. Die Pracht der Alt­­stadt, die Schlösser, Parks und Gärten in der Stadt und in der Umgebung, der weltberühmte Kunstschatz: Das alles geht auf diese Zeit zurück. Die Lebensqualität ist einmalig. Man schlägt schnell Wurzeln. Und die Rekord­­geburtenrate zeigt, dass man hier offenbar auch gern eine Familie gründet. Die Dresdner lieben ihre Stadt. Und das überträgt sich auch auf die Gäste.

Wie hat sich die Hotel- und Gastronomielandschaft Dresdens in den letzten zwei Jahrzehnten verändert?

Als ich angefangen habe, hatte Dresden 3.000 Betten. Heute sind es über 23 000. Auch die gastronomische Landschaft hat sich enorm entwickelt. Dresden hat heute eine sehr bunte und dynamische Kulinarik-Szene – mit vielen spannenden Konzepten und sehr ambitionierten Küchenchefs. Unser Caroussel war jahrelang das einzige Sternerestaurant der Stadt. Heute sind es drei. Und Dresden könnte mit Sicherheit noch mehr vertragen.

Hotelportale machen es heute leicht, Preise zu vergleichen und Schnäppchen zu machen. Kann ein Haus wie das Bülow Palais im Preiskampf mithalten?

Ja, es gibt diesen Preiskampf. Wir können das aber einiger­­maßen gelassen sehen, da wir uns nicht allein über den Preis verkaufen. Unsere Gäste sind weniger an Schnäppchen, als an einem rundum perfekten Angebot für ihre knappe Freizeit interessiert. Und dazu bedarf es persönlicher Be­­ratung. Viele kehren aus diesem Grund wieder zurück zur Buchung im Reisebüro. Das beobachten wir zumindest bei unserer Zielgruppe.

Haben sich die Ansprüche der Hotelgäste gewandelt?

Die Wünsche sind auf jeden Fall individueller geworden. Der Charakter eines Hauses spielt eine größere Rolle, ebenso der kulinarische und kulturelle Rahmen. Man erwartet ein Erlebnis, das alle Sinne anspricht: angenehme Begeg­­nungen, anregende Unterhaltung, feine Genüsse, ein inspi­­rierendes Ambiente – und das Gefühl, wertgeschätzt und ehrlich willkommen zu sein. Uns kommt dieser Trend sehr entgegen, da wir als kleines Privathotel das schon immer gelebt haben.

Leipzig erlebt derzeit einen Hotelbauboom. Auch in Dresden öffnen in den nächsten zwei Jahren wieder mehrere große Häuser. Was bedeutet das für Gäste und Hoteliers?

Für die Gäste bedeutet das ein noch interessanteres Spek­­trum, bessere Preise und Verfügbarkeit. Für die Hoteliers heißt es vor allem stärkerer Wettbewerb. Das sollte ein An­­sporn sein, noch besser zu werden, das Profil weiter zu schärfen, neue Quellmärkte zu erschließen. Das praktizieren wir. Unser Anspruch ist es, einzigartig in unserer Klasse zu sein. Wir versuchen also nicht, Personal einzusparen, um Kosten zu senken, sondern bauen den Service und die individuelle Betreuung weiter aus.

Mit der Klassifizierung „Fünf Sterne Superior“ muss sich das Bülow Palais Dresden mit den besten Häusern der Welt messen lassen. Geht damit nicht ein großer Leistungsdruck einher?

Ich betrachte die Klassifizierung eher als einen Lohn für harte Arbeit, als Motivation. Gäste eines Fünf-Sterne-Superior-Hauses dürfen Perfektion erwarten. Und die bekommen sie auch. Für Management und Mitarbeiter ist natürlich ein gewisser Druck da. Aber es ist auch eine Freude, auf diesem Niveau die Profession zu leben und auszuüben.

Dresden wird auch als Stadt für Tagungen, Incentives, Konferenzen und andere Firmenveranstaltungen immer beliebter. Welche Möglichkeiten haben Firmen und MICE-Veranstalter in Ihrem Haus?

Wir sind kein großes Tagungshotel. Das wollen wir auch gar nicht sein. Aber für Tagungen mit bis zu 100 Teil­nehmern sind wir ideal. Wir werden vor allem von Firmen ge­­bucht, welche die gleichen Werte leben wie wir: Qualität, Indivi­­dualität, Exklusivität. Eben weil wir kein typisches Ta­­gungshotel sind, können wir Zusammenkünfte inszenieren und organisieren, die wesentlich mehr sind als trockener Wissenstransfer. Wir schaffen den Rahmen für erfolgreiche und inspirierte Kommunikation und sorgen zugleich für ein angenehmes Gesamterlebnis. Dabei spielt auch das unerschöpfliche Angebot der Stadt und ihrer Um­­gebung eine wichtige Rolle.

01_GM-Ralf-J-Kutzner-kopierenRalf J. Kutzner
Ralf J. Kutzner ist ein weitgereister Gastgeber. Als Küchenchef, Hotelbetriebswirt und Direktor verfügt er über fundierte internationale Erfahrungen. Als er vor mehr als 20 Jahren nach Dresden kam, war es sein Ziel, die Bülow Residenz als Luxushotel unter den besten Hotels im Lande zu platzieren. 2009 wurde er zum „Hotelier des Jahres“ gewählt (Gault Millau). 2015 wählte ihn die Redaktion des Hotelführers „Schlummer Atlas“ unter die fünfzig besten Hoteliers Deutschlands.