Prof. Ulrich Klieber: Kunst und Design – Hier und heute

Kunst und Design sind Wirt­­schafts­­faktoren. Genauer: Kunst und Design sind auch Wirtschaftsfaktoren. Der Begriff „Creative Industries“ geistert seit geraumer Zeit durch die Medien. Ganz gleich, ob man diese Be­­griff­­lich­­keiten schätzt oder nicht, Kunst und Design haben in jedem Fall eine enorme Bedeutung innerhalb einer modernen Gesellschaft. Sinnfragen werden gestellt. Vielleicht beantworten wir zum Teil diese Fragen. Sinnstiftend. Viel­­leicht sind wir in Zeiten von Finanzkrise und Rezession noch wichtiger. Ge­­for­­dert sind wir allemal. Gängige Schemata greifen nicht mehr. Einbahnstraßen führen manchmal in Sackgassen. Ein­­gespielte Regeln und Wege erweisen sich als Irrwege. Gefragt ist Quer­­den­­ken, Weiterdenken, Visionen entwickeln. Wir müssen Szenarien erfinden und un­­bequeme Fragen stellen. Wir suchen nach ungewöhnlichen Antworten. For­­schung ist Teil unserer Lehre. Im Design wie in der Kunst. Beides gehört komplementär zusammen, bildet einen kre­­ativen Spannungsbogen.


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Das Design hat sich längst vom reinen Produktdesign verabschiedet. Es gilt in Zusammenhängen zu denken … Mo­­bilität, Stadterneuerung, erneuerbare Energie, Ressourcen und Um­­welt­­ver­­träglichkeit. Das sind einige unserer Themen. Im Shell-Eco-marathon ha­­ben wir im letzten Jahr zwei Preise bekommen: für das beste Design und für Ökologie und Nachhaltigkeit. In dem in­­ternational ausgelobten Wett­­be­­werb haben wir ein Experimental-Leicht­­fahr­­zeug entwickelt. Eine der Themen­­stel­­l­­ungen im Wettbewerb war, mit möglichst wenig Energie eine möglichst lan­­ge Strecke zu fahren. Ge­­mein­­sam mit der Fachhochschule Merseburg haben wir dieses Fahrzeug entwickelt. Es gilt, Netzwerke zu bilden in der Region und darüber hinaus. Das tun wir intensiv. Im kulturellen Bereich, mit der Wirt­­schaft, mit For­­schungs­­ein­­richtungen. Im letzten Jahr haben wir einen Kooper­­a­­tions­­ver­­trag mit dem Fraunhofer-In­­sti­­tut für Werk­­­­stoff­­me­­cha­­nik in Halle abgeschlossen. Im Rahmen der Händel­­­­fest­­spiele steuern wir in jedem Jahr kreative Beiträge bei. Mit den Franckeschen Stiftungen verbinden uns vielfältige gemeinsame Akti­­vi­­täten. Zum Beispiel machen un­­sere Medien­­be­­­reiche den jährlichen Trailer zum The­­menjahr der Francke­­schen Stif­­tun­­gen.

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Was wird aus unseren Absolventen? Wo gehen sie hin? Welches Rüstzeug geben wir ihnen mit? Es gilt, Existenzgründer zu unterstützen. Gerade haben wir das Designhaus Halle geschaffen als „Platt­­form“, „Nistkasten“ und „Kom­­pe­­tenz­­zen­­trum“. Es gilt, Existenzgründer hier zu halten.
Gleichzeitig müssen wir über den Tellerrand hinausschauen. Inter­­na­tio­­na­­ler Aus­tausch. Wir ha­­ben Ko­­oper­a­­tionen weltweit. Mit den Hoch­­schulen in Tokio/Japan, in Tianjin/­­Chi­­na, mit St. Peters­­burg/Russland, Ohio/­­­­­­USA, Ha­­vanna/Ku­­ba. Mit den meis­­ten europäischen Län­­dern unterhalten wir le­­bendige Kooper­­a­­tio­­nen. Jüngst lief ein gemeinsames Pro­­jekt der Innen­­ar­­chi­­tek­­tur mit der Gerrit Rietveld Acade­­mie Amster­­dam mit dem Thema „The co­­lours are a-changin’!“. Thema: „Eine Art Task Force Uni­­ver­­sity of Design and En­­gi­­neering könnte international zu­­sam­­men­­­­gesetzte Stu­­dien­­­­­­gruppen dort­­hin brin­­gen, wo konzeptioneller und gestalterischer Ideentransfer brennend gefordert ist und so an Ort und Stelle experi­­mentell und interdisziplinär initiativ werden.“


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Es gilt, die Region, die Wirtschaft zu stärken. Bei dem ego.-Existenz­­grün­­der­­­­­­­­wett­­­bewerb der Hochschulen des Lan­­des, ausgelobt vom Wirt­­schafts­­mi­­nis­­terium des Landes Sachsen-Anhalt, wa­­ren wir in den letzten Jahren regelmäßig unter den Preisträgern. Als kleinste Hoch­­schu­­le des Landes! 2006 und 2007 wurden wir mit dem ersten Preis ausgezeichnet. 2008 erhielten wir den dritten Preis.
Zum zweiten Mal wird der Design Preis Halle ausgelobt. Der Preis wird von ver­­schiedensten Partnern der Re­­gion ge­­tragen und unterstützt. Wir sind dabei Ideengeber, Mitbegründer und arbeiten aktiv mit. Die Stadt Halle und die Burg waren immer auch De­­sign­­­­stand­­ort. Das wollen wir unterstreichen, nach außen tragen, deutlich mach­­en. Der erste Design Preis 2007, international ausgeschrieben für junge Nach­­wuchs­­designer, hat uns ermutigt. 19.000 Be­­­­sucher sahen die Wett­­be­werbs­­er­­geb­­nisse im alten Um­­spann­­werk in Halle. Momentan sind wir da­­bei, den Design Preis 2010 vorzubereiten.
Parallel dazu haben wir zusammen mit der Saalesparkasse wieder einen Kunst­­preis für das beste Diplom im Fach­­be­­reich Kunst geschaffen. Kunst braucht Ermutigung und den langen Atem. Preise bedeuten Renommee und An­­er­­kennung. Eine hochkarätige Jury verleiht dem Preis zusätzlich Re­­pu­­ta­­tion. In diesem Jahr lief der Wett­­bewerb zum zweiten Mal.
Im Jahr 2008 haben wir uns auch mit jungen Absolventinnen der Kunst auf einer Kunstmesse in Berlin präsentiert. Kontakte knüpfen. Sich präsentieren. Sich der öffentlichen Diskussion stellen, nach außen gehen. Das ist elementar wichtig für junge Künstler und Künst­­ler­innen.
Daneben nimmt die Hochschule je­­des Jahr an vielen nationalen und inter­­na­­tionalen Ausstellungen und Messen teil. Auf der Möbelmesse Köln wur­­den wir ausgezeichnet, wir be­­spie­­len jedes Jahr die Leipziger und Frank­­furter Buch­­messe. Genauso die Mai­­länder Möbel­­mes­­se, Grassi open und die Hannover Messe. Häufig be­­gleitet von unserem Design-Shop on tour.
Künstlerische Vielfalt und eine fundier­­te, breite Ausbildung. Das sind wichtige Voraussetzungen, um im Be­­rufs­­leben bestehen zu können. Beides versuch­­en wir unseren Absolventen mit­­­­zugeben. Junge Künstler und De­­signer als Mo­­to­­ren, Beweger und Anreger. Der Weg ist das Ziel. Die Rich­­tung stimmt.

Klieber-Porträt-2008Der Autor wurde 1953 in Göppingen geboren, studierte an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart und am Royal College of Art in London. Seit 1995 ist Ulrich Klieber an der Burg Giebichenstein Hochschule für Kunst und Design Halle tätig, seit 1996 als Professor für Bildnerische Grundlagen. Seit Oktober 2003 ist er Rektor der Hochschule.