Prof. Dr. René Ketting & Dr. Ralf Dahm: Das Institut für Molekulare Biologie gGmbH (IMB) in Mainz – Biowissenschaftliche Forschung mit internationaler Reichweite

Das IMB ist eine gemeinnützige Gesellschaft, die Grundlagenforschung in den Biowissenschaften betreibt. Sie wird durch eine großzügige Spende der Boehringer Ingelheim Stiftung gefördert, die für zehn Jahre 100 Millionen Euro für den Betrieb des IMB bereitstellt. Darüber hinaus hat das Land Rheinland-Pfalz rund 50 Millionen Euro für das 2011 eingeweihte Forschungsgebäude des IMB beigesteuert.

Die For­schung am IMB zielt da­­­­­­rauf ab, drei elementare Bereiche der modernen Biowissenschaften zu verstehen:

wie sich Organismen von einem befruchteten Ei zu einem erwachsenen Organismus entwickeln (Ent­wick­­­lungs­­biologie);

wie die Aktivität unserer Gene gesteuert wird (Epigenetik);

wie unser Genom über lange Zeiträume intakt ge­­halten wird (DNS-Reparatur und Genomstabilität).

Die Entwicklungsbiologie erforscht, wie die in unseren Genen enthaltenen Informationen interpretiert werden, um einen erwachsenen Organismen zu schaffen. Jüngste tech­­nologische Entwicklungen haben immense Fort­­schritte in diesem Bereich erzielt. Zum Bei­spiel ist es zu­­nehmend einfacher geworden, ganze Ge­­nome einzelner Organismen zu sequenzieren und fest­­zu­stellen, welche Gene wann und wo in einem Embryo aktiv sind. Dies hat es Naturwissen­schaftlern ermöglicht, Ein­­blicke in einen der komplexesten biologischen Prozesse zu erhalten: die Ereignisse, die einen Organis­­men bilden, wenn er sich aus einem befruchteten Ei entwickelt.

Die Epigenetik ist ein schnell expandierender Bereich, der untersucht, wie die Aktivität der Gene gesteuert wird. In den letzten Jahren wurde gezeigt, dass epigenetische Mecha­­nismen eine Schlüsselrolle in der Entwicklung von Orga­nismen spielen, sowie sie dabei altern und sie sich an ihre Um­­gebungen anpassen. Außerdem haben viele Krank­heiten eine epigenetische Komponente, wie zum Bei­­spiel Aller­­gien, rheumatoide Arthritis, Herz-­­Kreislauf Er­­kran­kun­gen, Stoff­­wechsel­­­­störung, psychische Erkran­kungen, neu­­ro­­de­­generative Krank­­heiten und Krebs. Ein besseres Verständnis epigenetischer Mecha­­nismen ist also von entscheiden­­­der Bedeutung, um einige der grundl­­egendsten offenen Fragen der Biologie und Medizin zu klären.

DNS-Re­pa­ratur und Ge­­nom­­stabilität ist der dritte Be­­reich der Forschung am IMB. Unser Genom wird ständig angegriffen. So schädigen beispielsweise Strahlung, UV-Licht und Schad­stoffe unsere DNS. Aber selbst unser normaler Stoffwechsel er­­­­zeugt reaktive Moleküle, die DNS-­­Läsionen verursachen. Im Schnitt erleidet die DNS jeder Zelle über 10.000 Lä­­si­­onen pro Tag. Um diese zu be­­heben, haben Zellen Mecha­­nismen zur Reparatur ihrer DNS entwickelt. Diese zu erforschen und wie sie mit den laufenden Prozessen der Gen­­regulation zusammenwirken, wird ein wichtiger Schritt zur Erkenntniss sein, wie Orga­nismen ihr Genom schützen und verwenden.

 

Am IMB forschen etwa 200 Natur­wissen­schaftler an diesen Themen. Über die Hälfte von ihnen kommt von außerhalb Deutsch­­lands. Mittlerweile engagieren sich Forscher aus über 20 Län­­dern an den verschiedenen Projekten. Bio­­­­che­miker, Ge­­netiker und Molekularbiologen führen Exper­i­mente in hoch­­­­mo­­dernen La­­boren durch. Sie arbeiten zusammen mit Bioinformatikern, die große Daten­­sätze analysieren, und mit Physikern, die neue wissenschaftliche Instrumente entwickeln.

Diese Vielfalt – in den wissenschaftlichen Ansätzen und in den Hintergründen unserer Forscher – fördert innovative Forschung. Außerdem sind Hierarchien am IMB absichtlich flach gehalten und unsere Forschungs­­gruppen genießen volle Unabhängig­keit. Projekte werden typischerweise von kleinen, agilen Teams durchgeführt, die auf neue Entwicklungen in ihren Bereichen schnell reagieren können.

 

Das IMB sorgt dafür, dass seine Naturwissenschaftler pro­­duktiv arbeiten können. Ein wichtiger Teil der Unterstützung  kommt von unseren zentralen Ser­vice-Einheiten (so­ge­nannten „Core Facilities“); zentrale Technologie­­platt­­formen und Ser­­vice-­­Einheiten, die moderne Ausstattung und Expertise in der Genomik, Proteomik und Protein­herstellung, Bio­infor­matik, Zyto­­me­trie sowie Mikroskopie anbieten. Sie ermöglichen es unseren Wissenschaftlern, sich schnell in neue Forschungs­­bereiche einzuarbeiten und in einer schnellen und dynamischen For­­schungs­landschaft wettbewerbsfähig zu bleiben. Zudem sind diese Einheiten auch für exter­­ne Nutzer offen und bieten somit An­­satzpunkte für Kooperationen.

Unsere Forscher und Technologiefachleute werden zudem von einem kom­­petenten Wissenschaftsmanagement unterstützt. Dies sorgt dafür, dass die Wissenschaftler am IMB die Freiheit haben, ihre Forschung mit möglichst wenigen Verwaltungs­aufgaben zu betreiben. Die angebotene Unter­stützung umfasst die strategische Planung, Forschungs-Bench­­marking, Finanz­­mittelbe­­schaf­­fung und das Management von extern finan­­zierten Projekten. Sie schließt darüber hinaus auch die Orga­ni­­sation eines breiten Spektrums von Veranstaltungen ein. Diese reichen von Seminaren und Workshops zu spezialisierten und neuen Themen bis hin zu großen inter­­­­nationalen Kon­­fer­­enzen. Indem führende Fach­leute aus aller Welt eingeladen werden, erhöhen diese Veran­stal­­tun­­gen die inter­­nationale Sicht­bar­­keit des IMB, integrieren unsere Forscher in das Netz­werk der Wissen­schafts­­ge­mein­schaft und sorgen dafür, dass sie über die neuesten wissenschaftlichen und tech­­no­­logischen Entwick­lungen auf dem Laufenden bleiben.

Die Aufgaben des Wissenschaftsmanagements umfassen eben­­falls innovative Anwerbungs- und Fortbildungspro­gramme. Diese locken herausragende Talente nach Mainz und sorgen dafür, dass sie ihr Potenzial voll ausschöpfen. Um unseren Forschern die Möglich­­keiten zu bieten, aus ihren Fähigkeiten das Beste zu machen, organisieren wir ein umfassendes, strukturiertes Fortbil­dungs­­programm sowohl in wis­­­­­­­­­­­­­sen­­­­schaf­­t­­­­­­­lichen und technischen Themen als auch in übertragbaren Schlüssel­­kom­­petenzen. Außerdem bieten wir ein Personal­ent­wick­lungs­­programm für unsere Nach­wuchs­­­­wissen­schaftler an. Diese Maß­nahmen zur Fortbil­dung und Karriere­­ent­wicklung werden von einer Reihe von Akti­vitäten ergänzt, die Forscher aus verschiedenen Be­­rei­chen zusammenbringen und die interdisziplinäre Koop­erationen fördern.

Obwohl noch ein junges Institut, hat das IMB ein starkes For­schungs­­­­programm aufgebaut und nimmt an einer Viel­zahl von Kooperationen mit wissenschaftlichen Partnern in Mainz, in Deutsch­­land und darüber hinaus teil. Auf diese Weise möchte sich das Institut zu einem exzellenten Zentrum in der modernen Biologie entwickeln und das Image von Rheinland-Pfalz als eine der besten Adressen für innovative Forschung stärken.

Prof. Dr. René Ketting
René Ketting studierte Chemie und molekulare Biologie an der Universität Leiden (NL). Nach Forschungstätigkeiten in den USA und den Niederlanden wurde er Gruppenleiter am Hubrecht-Institut in Utrecht. Von 2010 bis 2015 war er ordentlicher Professor an der Universität Utrecht. In 2012 kam René Ketting als Wissenschaftlicher Direktor an das Institut für Molekulare Biologie gGmbH (IMB) in Mainz. In 2015 wurde René Ketting Executive Director des Instituts.

Dr. Ralf Dahm
Ralf Dahm absolvierte seinen MSc und PhD in Biochemie an der Universität Dundee im Vereinigten Königreich. Nach seiner Tätigkeit als Postdoc und Wissen­schafts­­manager am Max-Planck-Institut für Entwicklungsbiologie in Tübingen arbeitete er als Forschungs­gruppenleiter am Zentrum für Hirnforschung der Medizinischen Univer­sität Wien in Österreich. Von 2008 bis 2010 arbeitete er als Director of Scientific Management am spanischen Nationalen Krebs­forschungszentrum (CNIO), Madrid, Spanien, bevor er in 2010 Director of Scientific Management am Institut für Molekulare Biologie gGmbH in Mainz wurde.