Prof. Dr. Ralf B. Wehrspohn: Neue Energie aus Mitteldeutschland

The winner is: die Photovoltaik in Mit­­tel­­deutschland! Im Spitzencluster-Wett­­be­werb des Bundesministeriums für Bil­­dung und Forschung ist die länderüber­grei­fen­­de Initiative „Solarvalley Mit­­tel­­deutsch­­land“ als Gewinner hervorge­gangen. In­­­ner­­halb des Clusters „Solar­valley Mit­tel­­deutschland“ kooperieren 29 Solar­fir­men und 14 Forschungs­ein­richtungen aus Sachsen, Sachsen-An­halt und Thürin­gen. Der Zusammen­schluss der drei Län­der ist ein wichtiges Statement für die Zu­­kunft der Pho­­tovoltaikbranche, welch­­es durch den Wett­­be­­werbs­­zu­­schlag und die damit verbundene Förderung von 40 Millionen Euro nachdrücklich un­­ter­­stri­­ch­­en wur­de. Ziel des aus dem Cluster her­­vorge­gangenen Vereins „So­­larvalley Mit­tel­­­deutschland“ ist es, bis 2015 beim End­­verbraucher in Deutsch­land den So­­lar­­strom zu gleichen Prei­sen wie konven­­tionellen Strom anzubieten. Im „Solar­valley Mittel­deutsch­land“ kon­­zentrieren sich die regionalen Ak­­ti­vi­täten innerhalb der Solarbranche: Hier sind alle Pho­­to­­vol­­taikfirmen entlang der gesamten Wert­­schöpfungs­ket­te – vom Rohstoff Si­­li­­zi­­um bis zum integrierten Photovoltaik-Sys­­tem – mit eigenen For­schungsvorhaben eingebunden. Aus der Industrie beteiligen sich unter an­­derem die So­­lar­­größen Q-Cells, ersol, PV Crystalox Solar AG, Roth&Rau, So­­lar­World, sunways, Wacker Schott So­­lar und von Ardenne. Seitens der Wis­senschaft sind neben dem Fraunhofer-Center für Silizium-Pho­­to­­vol­­­­taik CSP in Halle auch For­­schungsinstitute und Hoch­­­­schulen aus Halle, Erfurt und Dres­­den ein­­ge­bun­­den.


Silizium,-Ausgangsstoff-zur-Herstellung-von-Solarzellen,-Fraunhofer-CSP

Die Mitteldeutsche Region hat sich in den vergangenen Jahren zu einem der wichtigsten Standorte für die Photovolta­ik entwickelt und belegt heute eine Spit­zenposition im internationalen Ranking. Mittlerweile stammen 18 Prozent aller weltweit produzierten Solarzellen aus Mitteldeutschland, dies macht fast 90 Prozent der deutschen Produktion aus. Alle derzeit am Markt befindlichen Pho­­to­­voltaik-Technologien werden von Un­­ter­­nehmen entwickelt oder eingesetzt, die mit ihren Produktionsstätten in Mit­­tel­deutschland ansässig sind. Diese Bal­­lung an Firmen und For­­schungsein­rich­­tungen ist tatsächlich einzigartig. In der Branche, die jährlich mit bis zu 50 Pro­­zent wächst, sind bereits jetzt mehrere tausend Menschen in den Bundes­län­dern Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thü­­ringen beschäftigt. Damit sind beste Vor­­aussetzungen gegeben für weitere Unternehmensansiedlungen und schnel­­les Wachstum der Branche. „Solarvalley Mitteldeutschland“ möchte den Tech­­no­lo­­gievorsprung weiter ausbauen und sich neue Märkte durch die Groß­­pro­duktion innovativer Solarsysteme er­­schlie­­ßen.
Die Dynamik des Marktes ist nicht zu unterschätzen und die weltweite Dif­fu­sion neuer Photovoltaik-Technologien schnell. In Perspektive kann daher nicht nur auf den Produktionsstandort Mit­teldeutschland gesetzt werden. Um im internationalen Wettbewerb zu bestehen, ist die Forschung und Entwicklung von zentraler Bedeutung. Daher werden die gemeinsamen Forschungs- und Ent­­­wicklungsprojekte zur Aufrechter­hal­tung des wissenschaftlich-technologischen Vor­­sprungs gegenüber ausländischen Wettbewerbern vorangetrieben. Hierbei ist das Fraunhofer-Center für Silizium-Photovoltaik CSP als größter For­schungs­­­partner eng im Cluster eingebunden. In dem einzigartigen Kris­­tal­­lisations- und Materialanalyse­zen­­trum wird gezielt For­­schung und Entwicklung zu Silizium-Ma­­terial durchgeführt. Die Initiatoren des in Sachsen-Anhalt angesiedelten For­­schungszentrums sind die Fraun­­ho­­fer-Institute für Werkstoff­me­cha­nik IWM und für Solare Energie­sys­te­me ISE. Das Center wird Forschungs­leis­tun­­gen für die regionalen Solarunter­neh­men anbieten und frühzeitig die Vernetzung mit der In­­dus­­­­trie und den weiteren For­­schungs­­ein­­richtungen der Region herstellen. Am Standort weinberg campus in Halle ent­­­­steht bis Ende 2010 ein neu­­es For­­schungs­­gebäude für die Themen Kris­tallisation sowie Materialcharakter­isie­rung und im Dow ValuePark® Schko­­pau wird bis Ende 2009 ein Modul­tech­­no­­logie­­zen­­trum errichtet.

Solarvalley001_Quelle_BMBF

Wichtig ist ebenfalls die Schaffung ei­­ner regionalen Ausbildungsstruktur für hochqualifizierte Ingenieure und Wis­­senschaftler. Daher ist die Aus- und Wei­­terbildung ein Grundpfeiler im Spit­zen­­cluster. Zur Deckung des Personal­auf­wuchses von jährlich circa 40 Prozent sind kurzfristige Maßnahmen zur Wei­terbildung und mittelfristige Maß­nah­men im Bereich der Ausbildung im So­­lar­­­val­­ley erforderlich. Die verschiedenen Maßnahmen wie der duale Ba­­che­­lor-Studiengang „Solartechnik“ an der Hoch­­­schule Anhalt (FH), der Mas­ter­stu­dien­gang „Photovoltaik“ in der Physik an der Mar­­tin-Luther-Uni­versität in Halle oder auch die berufliche Weiterbildung für In­­­ge­nieu­­re und Naturwissenschaftler „Fit für So­­lar­­technik“ werden durch den Ver­­ein „So­­­lar­­valley Mitteldeutschland“ ko­­ordiniert.

www.solarvalley.org
www.csp.fraunhofer.de

 

Prof.-Ralf-BDer Autor wurde ge­­meinsam durch die MLU und die Fraun­­­­hofer-Gesellschaft nach Halle berufen. Als jüngster Ins­ti­tutsleiter in der Fraun­­hofer-Gesellschaft leitet er seit 2006 das Fraunhofer IWM in Halle. An der MLU hat er einen Lehr­stuhl für mikro­struktur­basiertes Ma­­te­ri­al­­­design inne. Seine Arbeiten wurden mehr­­­­fach international ausgezeichnet.