Prof. Dr. Karlheinz Töchterle: Wissen schafft Arbeit – Durch Forschung den Standort stärken

Forschung und Innovation sind der wich­tigste Wachstumsmotor, schaffen Ar­­­­­beits­plätze, stärken den Wirtschafts- und For­schungsstandort und geben Ant­­­worten auf die großen gesellschaftlichen Heraus­forderungen wie Klimawandel, Res­­­­­sour­cen­­­­­­knappheit oder alternde Gesell­schaft. Die EU unterstützt dabei in ih­­rer Europa-2020-Strategie einen breit ange­legten An­­satz für Innovation, der gesell­schaft­liche Innovationen ebenso um­­fasst wie Forschungs- und Innova­tions­stra­tegien.

Starke Innovationsleistungen und das damit verbundene Bestehen im internationalen Wettbewerb setzen voraus, dass stetig neues Wissen geschaffen und von den Akteuren der Wirtschaft rasch aufgegriffen wird. Auch zeichnen sich hoch entwickelte Volkswirtschaften wie Österreich dadurch aus, dass der eigene Wissensschatz ständig vermehrt wird, da es zunehmend darum geht, neues Wissen, neue Technologien und neue Organisationsformen zum Wohle der Gesellschaft selbst hervorzubringen und nicht nur durch Innovationsimport Wissen zu absorbieren.

Für erfolgreichen Wissens- und Tech­no­­logietransfer ist es unabdingbar, dass sowohl in den Unternehmen als auch auf der Wissenschafts- und Forschungs­seite bestimmtes Innovations- und Wissens­ma­nagement, unternehmerische und inhaltliche Kompetenzen, FTI-Aktivi­tä­ten und organisatorische Vorkehrungen vorhanden sind. Speziell kleine und mittlere Unternehmen müssen ihre Kern­kom­­pe­tenzen den schnellen technologischen Entwicklungen und den damit verbundenen Marktveränderungen an­­pas­sen. Das Nutzen von Wissen aus ex­­ternen Quellen muss dabei künftig durch eine noch stärkere Integration der (wis­­sen­schaftlichen) Forschungsbasis, einen leichteren Zugang zu Wissensquellen und durch eine rasche Verwertung von Forschungsergebnissen gelingen.

Starker Wissensstandort bewirkt star­ken Wirtschaftsstandort. Eine stabile Ver­bin­dung zwischen dem Unter­neh­mens­­sek­tor und den Universitäten b­e­­­­wirkt aka­­de­mische Spin-off-Grün­dun­gen, da jene aufgrund ihrer For­schungs­­orientierung üblicherweise auch eine dauerhafte Ver­­bindung (zum Beispiel durch For­­schungs­koope­rationen) mit ih­­­rer Inku­bator­­u­ni­­­ver­sität aufweisen und da­­her für den regionalen Wirt­schafts­standort von größ­ter Be­­deu­­tung sind. Denn for­schungs­­­starke Unter­nehmen siedeln sich verstärkt im Umfeld von forschungs­star­ken Universitäten an.



Die Zahl der Spin-off-Unternehmens­grün­dungen ist in Österreich in den vergangenen Jahren gestiegen. Derzeit kann deren absolute Anzahl auf jährlich circa 500 Gründungen geschätzt werden.
Ge­­ne­rell lässt sich für Österreich eine Zu­­nah­­­­me der Zahl von Gründungen in foschungs- und technologieintensiven Bran­chen beobachten. Von den knapp 20.000 originären Gründungen pro Jahr finden sich 4.730 (das heißt ein knappes Viertel) in forschungs- und wissen­sintensiven Bran­chen. Von diesen wurden wiederum 1.990 (circa 42 Pro­zent) durch Aka­de­mi­kerInnen gegründet.

Eine Studie der Universität Linz („Nut­zen und Effekte der Grundlagen­for­schung“, Joa­n­­neum Research, Andreas Schibany und ­Helmut Gassler, Juni 2010) über die regionalen volkswirtschaftlichen Wert­schöp­­­­­fungs- und Beschäfti­gungs­effekte der Tech­­­­­nischen Universität Graz zeigt, dass durch die TU Graz zwischen 1996 und 2007 ein zusätzlicher Wert­schöp­fungs­effekt von rund 2,4 Mil­liar­den Euro und ein Beschäftigungseffekt von rund 19.100 Personen (gesicherte und/oder geschaffene Arbeitsplätze), zu­­sätzlich zu den von der Universität selbst bereitgestellten Arbeitsplätzen, bewirkt wurde.

Die Gründung von Fachhochschulen an neu­en Standorten leistete einen weiteren wertvollen Beitrag zur Regional­ent­­wick­lung und bewirkte den verbesserten Zu­­gang neuer Unternehmenskreise zum Wis­sen, das an diesen Einrich­tun­gen generiert wird.

Kooperation von Wissenschaft und Wirt­­­schaft weiter stärken. Das Bun­des­mi­­nis­­­­terium für Wissenschaft und For­schung fördert verstärkt Wissens- und Tech­nolo­­gie­transfer an den öster­reichi­schen Uni­versitäten und öf­­fent­lichen For­schungs­ein­richtungen, wo­­­­bei erfolg­­reich Strukturen aufgebaut wer­den konn­­ten, die nunmehr eine we­­sen­t­­liche Vor­aussetzung für weitere Un­­ter­stützungs­maßnahmen darstellen.

uni:invent. Im Rahmen des begleiten­­den Impuls­programms uni:invent (2004-2009) konn­­ten durch Awa­reness-­­­Maßnah­men und durch den Aufbau eines professionel­len IPR- Managements nachhaltige Ver­wer­­tungs­­­­strukturen an den Uni­versi­tä­ten etabliert werden. Durch uni:invent wurden 38 neue Arbeits­plätze für Erfinder­bera­ter­In­nen an den Universitäten ge­­schaf­fen, 410 neue Forschungs­koope­ra­tionen und Ver­trä­ge ab­­geschlossen so­wie rund zehn Spin-off-Unternehmen pro Jahr aus uni:invent-Projekten gegrün­det. Allein zwi­­­schen 2007 und 2009 generier­ten die ein­­gesetzten För­der­mit­­tel das 2,8-Fache an Zahlungs­strömen beziehungsweise Rückflüssen.
IP-Verwertungsstrategien der Univer­­si­täten. Als Stärkung der etablierten Pa­­­­­ten­tie­rungs- und Verwertungs­struk­tu­ren der Universitäten wurde die Ausar­bei­tung von professionellen Schutz­rechts- und Ver­­­­wer­tungsstrategien in die Leis­tungs­ver­ein­ba­rungen mit den Univer­si­täten über­nom­men, um damit das Pro­fes­si­o­nali­­sie­rungs­niveau im Wissens­trans­fer der öffentlichen Forschungs­ein­rich­tun­gen noch weiter auszubauen.



Nationale Kontaktstelle (www.ncp-ip.at).
Zusätzlich wurde eine nationale Kon­takt­­­­stel­le im Bundesministerium für Wis­sen­schaft und Forschung einge­richtet, wel­che durch zielgerichtete Maß­nahmen die Zu­­­sam­­men­arbeit von Wissenschaft und Wirt­schaft wei­­­ter stärkt, öffentliche For­­schungs­­ein­rich­­tungen beim professi­­o­­nel­­­len Um­­gang mit geistigen Eigentums­­­rech­ten un­­ter­stützt (Workshops, Schu­lun­gen, Ver­­­­­­­­tragsmus­ter et cetera) und Öster­reich in euro­­­päischen Gremien vertritt.

Phönix 2012 – Gründungen mit Zukunft.
Verwertungs-Spin-offs sind Zeichen eines gelungenen Wissenstransfers und wichtige Impulsgeber für den Wirtschafts­standort Österreich.
Um die Verbindung zwischen Wissen­schaft und Wirtschaft noch stärker bewusst und öffentlich zu machen, werde ich junge, innovative Un­­ter­­­neh­mer­Innen mit dem Unter­neh­mens­preis „Phönix 2012 – Gründungen mit Zu­kunft“ auszeichnen.

Wissenschaft und Wirtschaft – gemeinsam in eine gute Zukunft. Wir stehen vor der entscheidenden Frage, wie wir unsere Zukunftsfähigkeit sichern und den Wohlstand für nachfolgende Ge­­ne­­rationen weiter ausbauen können. Die Ant­wort liegt in einer verstärkten Zu­­sammen­arbeit von Wissenschaft und Wirtschaft. Gerade in wirtschaftlich schwie­­­­rigen Zeiten beziehungsweise bei unsi­cheren Zukunfts­­­­erwartungen bringen Forschung und Innovation das Land vor­­wärts, schaffen Arbeitsplätze und Wertschöpfung.

Österreich befindet sich in der Ko­­ope­­rationsintensität von Wissenschaft und Wirtschaft in internationalen Ver­gleich­en im Spitzenfeld. Es besitzt ein mo­­­­der­nes und leistungsfähiges For­schungs- und Innovationssystem. Um die erreich­­ten Erfolge nicht zu gefährden, hat sich die Bundes­re­gie­rung in ihrer FTI-Stra­tegie das Ziel ge­setzt, die bisherigen Maß­nah­men fort­­­­zusetzen und zu verbes­­sern, an sich ändernde Rahmen­be­ding­ungen an­­­zupassen und insbesondere die stra­­­te­gisch orientierte Zusam­men­arbeit mit besonderem Fokus auf Exzel­lenz und Nachhaltigkeit zwischen Wissen­schaft und Wirtschaft zu stärken.

BM_Toechterle_2Der 1949 geborene Autor pro­movierte nach dem Studium der Phi­­lo­lo­­gie und Germa­nistik mit einer Dis­­­ser­ta­tion in Klas­­­sischer Philologie. Es folgten der Ab­­schluss der Lehramts­prü­fung für Deutsch, La­tein und Spon­sion zum Mag. phil. sowie die Habi­­­li­tation für Klassische Philologie. Seit April 2011 ist Prof. Dr. Karlheinz Töchterle Bundes­mi­nis­ter für Wis­sen­schaft und For­schung der Republik Österreich.

Eine zentrale Botschaft der FTI-Stra­te­gie ist es, die Ausgaben für Grund­lagen­forschung bis 2020 zu verdoppeln. Ein eindrucksvolles Beispiel stellt in diesem Zusammenhang Israel dar, das dank seiner hohen Investitionen in die Grund­lagenforschung und einer funk­­tionie­ren­den Kooperation zwischen Wissenschaft und Wirtschaft zu den forschungsstärk­sten Ländern dieser Welt zählt.

Mein Ziel ist es daher, den Lehrenden, Forschenden und Studierenden an den österreichischen Hochschulen und For­schungseinrichtungen entsprechende Rahmenbedingungen zur Verfügung zu stellen, um auch weiterhin den nationalen und internationalen Herausfor­derungen gerecht zu werden. Dazu zählen neben mehr Mitteln von öffentlicher und privater Hand vor allem strukturelle Maß­nahmen, die im Rahmen des öster­rei­chischen Hochschulplans festgelegt werden, um einen effizienten Mit­tel­ein­­satz zu gewährleisten, Infra­struk­turen besser aufeinander abzustimmen und ne­­ben Kooperationen zwischen Uni­versi­täten und anderen Forschungs­­ein­­rich­­tungen insbesondere die Koope­ra­tion mit der Wirtschaft weiter auszubauen und zu stärken.

Investitionen in die Hochschulen und Forschungseinrichtungen rechnen sich und schaffen Werte. Ohne ausreichende finanzielle Mittel werden mittel- und langfristig keine Innovationen stattfinden. Die Forcierung dieser Zukunfts­in­vestitionen ist daher eine wesentliche Voraussetzung, um unsere ambitionier­ten Ziele in Wissenschaft, Forschung und Innovation g­emäß der FTI-Strategie des Bundes zu erreichen und Österreich bis 2020 zu einem in Bezug auf die Inno­­vationsleistungen führenden Land in Europa zu machen.