Prof. Dr. Kai Simons: BIOPOLIS Dresden – Eine Vision wird Wirklichkeit

Dresden ist nicht nur das „Sächsische Si­­licon Valley“ mit einer Spitzenstellung im Bereich Mikroelektronik. Die Region Dres­­­­den arbeitet mit einem enormen Kraft­­aufwand auch an dem ehrgeizigen Pro­jekt, die Biotechnologie zu einem zwei­­ten Standbein zu machen und da­­mit die Vi­­si­on BIOPOLIS Dresden zu verwirklichen.

Der Motor für dieses Projekt war die Grün­­dung des Max-Planck-Institutes für Molekulare Zellbiologie und Genetik (MPI-CBG). Der Aufbau wurde durch 100 Millionen Euro der sächsischen Staats­­­re­gie­rung gefördert und ist mit einem 25-Millionen-Euro-„InnoRegio“ For­­schungs­­­­­pro­­jekt des Bundes­­minis­­ter­­iums für Bil­dung und Forschung be­­­willigt. Dies führte zur Schaffung eines neuen Zentrums – des Bio­­inno­­va­­tions­­zen­trum in Jo­­hann­stadt, in dem biologische Grund­­­­­lagen­for­schung und neu gegründete Bio­tech­no­lo­giefirmen un­­ter einem Dach arbeiten. Heu­­te bilden die außer­­universitären For­­schungs­­in­­sti­­­­tu­­te, einschließlich des MPI-CBG, des Max-Planck-Instituts für Physik komplexer Systeme und des Max Berg­mann Zen­­trums für Biomaterialien sowie des Biotechnologischen Zentrums (Bio­­tec) und des Medizinisch Theo­re­ti­schen Zen­­­­trums der TU Dresden, ein dich­tes Netz­­­­­­werk, sowohl in der Lehre als auch in der Forschung. Mehr als 600 Wis­­­sen­­schaft­­ler arbeiten in diesem biotechnologischen Ballungsgebiet. Dres­den wurde so rasch durch seine For­schung in den „Life Sciences“ überall in der Welt be­­kannt.
Die Attraktivität dieses For­­schungs­­um­­­fel­des wird durch den Erfolg des Dok­to­ran­den-Programms unterstrichen, wel­­ches Studenten aus über 30 Ländern aus­­bildet. Es beherbergt circa 230 Dok­toran­den und ist eines der größten des Lan­des. Ein Grund für den Erfolg ist der fächerübergreifende Ansatz in Zell­bio­lo­gie, Ge­­ne­­tik, Biophysik, Neuro­­bio­­­­lo­gie, Stamm­zel­­lenbiologie und Bio­­in­ge­nieur­­­wesen.


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Diese Ballung der Forschung ist verstärkt worden durch die Exzellenz­­ini­­tiative des BMBF – die Etablierung des „Exzellenz Clus­­ters für Regenerative Therapien-CRTD“. Die Initiative wird ak­­tuell im Bio­­­InnovationsZentrum, im Biotec der Tech­­­nischen Universität Dres­­den durchgeführt, und der Einzug in den neu zu er­­­­rich­­tenden Teil des Gebäudes wird 2010 erwartet.
Dieser Aufbau von For­­schungs­­kom­­pe­­tenzen ist begleitet worden durch eine Welle von Ausgründungen. Dresden hat heute 25 Biotech-Firmen, in der 1.547 Leute angestellt sind. Eine Reihe der Bio­­tech-Firmen ist im Bio­­Inno­­va­­tions­­Zen­­trum, in dem auch Spitzen­­wissen­­schaft­­ler der Biotechnologie der Tech­­ni­­schen Universität angesiedelt sind.
Das sind zum Beispiel die Firmen Ce­­nix BioScience GmbH, Jado Tech­­no­­lo­­gies GmbH, Ambition GmbH, Inno­­TERE GmbH, Gene Bridges GmbH, Scionics Com­­­­pu­­ter Innovation GmbH, Transinsight GmbH, NAMOS GmbH, HPC BioInno Tec GmbH und Biote(a)ch. Das sind zumeist klei­­ne Firmen, die unter anderem in der phar­­mazeutischen Diagnostik, Bio­­in­­for­­­­matik oder in Servicebereichen ar­­bei­­ten. Auch größere Pharmaunter­­neh­­men agie­­­­ren in Dresden. Glaxo­­Smith­­Kline Bio­­­lo­gi­cals eröffnete 2007 einen Er­­gänzungs­­bau zur Impf­­stoffherstellung, der im Fe­­bru­­ar 2008 voll in Betrieb genommen wur­­de. Auch in Hellerau, einem anderen Stadt­­teil von Dresden, ist ein neues Bio­tech­nologie Zen­­trum mit sechs Firmen, wie zum Bei­­spiel den Firmen Bio­­type AG, Labor­­dia­­gnos­­tik GmbH Leipzig und Qua­litype AG gegründet worden.

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Dresden investiert jedoch auch in ein wei­­­­teres Zukunftsgebiet, die Nano­­tech­­no­­­­logie. deren For­­schungs­­an­­stren­­gun­­gen aktuell stark unterstützt werden.
Unser gegenwärtiges Techno­­logie­­fun­­da­­ment beginnt zu wanken. Die fossilen Re­­­s­­sourcen und metallischen Roh­­stoffe, welche wir benutzen, um unseren Wohl­­stand sicherzustellen, unterliegen einem ansteigenden Verbrauch bei begrenztem Vorrat. Eine zentrale Aufgabe ist es deshalb, neue Technologien zu entwickeln, die nachhaltig sind und auf effizienteren Prinzipien beruhen. Die Miniatur­­i­­sier­­ung ist der Schlüssel dazu. Vom mi­­kro­tech­no­­­logischen Zeitalter müssen wir in die Na­­notechnologie über­­wechseln – unsere mikrotechnologischen Instru­­men­­te müs­­sen tausendfach kleiner werden. Für die­se technologische Revolution sind wir da­­­rauf angewiesen, von der Natur zu ler­­nen. Die biologische Forschung wird da­­­­her eine entscheidende Rolle spielen. Alle Or­­ga­­nis­­men auf diesem Planeten enthalten kleine Ma­­schinen, Nano­ma­schi­nen. Sie be­­stehen aus verschiedenen Protei­nen und sind äußerst leistungs­­fä­­hig. Zel­len ent­­halten zum Beispiel „Müll­­­ver­­ar­­bei­­tungs­­an­­la­­gen“ mit hervorragen­­den Re­­cycling­­ka­­pa­­zitäten und winzige Mo­­to­­ren, die für die Transport- und Kom­­mu­­ni­­ka­­ti­­ons­­­­­­sys­­teme verantwortlich sind. Bio­­lo­gi­­sche Systeme arbeiten nach na­­no­tech­­no­­lo­­gischen Prinzipien. Die Bio­lo­gie ist Na­­­­­­­no­­­­technologie und die Zu­­kunfts­­tech­­no­­­­lo­­gie wird die Bio­­nano­­tech­­no­­lo­­gie sein.
Was heute in der Öffentlichkeit diskutiert wird, die rote und die grüne Biotechnolo­gie, die Gentechnik und die Stamm­zel­len­for­schung, ist nur ein kleiner Teil da­­von, was Bio­­tech­­no­­logie in der Zu­­kunft ausmachen wird. Riesige Anstren­gungen wer­­­­­den notwen­­dig sein, um die­­se Neu­ent­wicklungen zu ermöglichen.
Die Ingenieure der Zukunft werden ihre Inspirationen von der Biologie erhalten. Somit müssen neue Nah­­t­­stel­­len zwisch­­en Biologie und En­­gi­­neer­­ing entwickelt wer­­den. Die TU Dresden hat dazu das Mo­­lecular Bio­­engineering Programm ZIK B-CUBE gestartet. Die neue In­­itiative ist vom Bundesministerium für Bildung und For­­schung (BMBF) finanziert und soll den weiteren Aufbau von BIOPOLIS Dres­den in diesem neuen For­­schungs­­gebiet vorantreiben.
Weiterhin wurde kürzlich das Spit­­zen­­cluster „Cool Silicon“ gegründet, dessen Zentrum Dresden bildet. Das BMBF und industrielle Quellen finanzieren das Vor­haben mit 200 Millionen Euro. Ziel von „Cool Silicon“ ist es, die technologischen Grundlagen für eine massive Steigerung der Energieeffizienz im Bereich der In­­formations- und Kommunikations­tech­no­logie zu schaffen. In der Zukunft müssen die In­­i­­ti­ativen B-CUBE und Cool Si­­li­con Tech­­nologien entwickeln und ge­­schäftlich verwerten, um Dresden in ein globales Hochtechnologie-Zentrum zu ver­­wandeln, welches von einer Forschung von Weltrang angeführt wird.

BIOPOLIS Dresden ist ein Kind des 21. Jahrhunderts. Weniger als zehn Jahre nach seiner Gründung ist diese Wis­sen­schafts­schmiede ein Name im globalen Dorf der Zukunfts­­tech­­no­­lo­­gien geworden. Wir können nur hoffen, dass die Fi­­nanzkrise von 2008 ein Zeichen für die Welt ist, in eine umweltverträgliche Zu­­kunft zu investieren anstatt in eine In­­ventur des virtuellen Geldes, welches sich nun in Rauch aufgelöst hat.

KaiSimons2008Kai Simons promovierte 1965 an der Uni­­ver­­si­­tät in Helsinki und war dort Pro­fes­sor für Biochemie. 1975 wurde er Grup­­pen­­lei­­ter am Euro­pä­ischen Mole­­kular Bio­­logie Laboratorium in Heidel­­berg und leitete bis 1998 das Zell-Biologie-Pro­gramm. Er ist Grün­dungs­direktor des Max-Planck-Insitutes für Molekulare Zell­­bio­logie und Genetik in Dresden. Seit 2002 ist er Vor­stands­vorsitzender des BioDres­den eV.