Prof. Dr.-Ing. Markus Glück: Existenzgründung – Exzellente Infrastruktur für neue Ideen

Anschubfinanziert mit Mitteln aus der High-Tech-Offensive Bayern und der EU entstand 2002 in Nördlingen das Tech­nologie Centrum Westbayern TCW. Ge­­schaffen wurde ein Gründerzentrum neuer Generation mit unternehmerischem An­­spruch und bedeutsamen Al­­lein­­stell­­ungs­­merkmalen, das deutlich über den Stand­­ardbetrieb eines klassischen Grün­­der­­zentrums hinausgeht. Vor allem in der Zusammenarbeit mit der Hochschule Augsburg wurde eine exzellente In­­fra­­struk­­tur für neue Ideen ge­­schaffen. Das am TCW angesiedelte An-­Institut der Hochschule genießt – mitten im ländlichen Raum, dem Tech­no­lo­gie­park West­­bayern – eine sehr gute Repu­tation am Markt. Dies auf Grund guter Ergebnisse und der hohen Pro­fes­­sio­na­lität der ein­­gerichteten Transfer­dienst­leistungen, der besonderen Fle­xi­bilität des Innovations- und Gründer­zen­­trums. Es ist ge­­frag­­ter Pro­jekt­­partner in ganz Süd­deutschland und bei der Einwerbung von Drittmitteln sehr erfolgreich.
Technologie- und Gründerzentren (TGZ) gelten als ein wesentliches Instrument der Wirtschafts- und Technologie­för­de­­­rung. Sie stellen eine Standortgemein­schaft von Unternehmen in der schwierigen Vorgründungs-, Gründungs- und Nachgründungsphase dar, die während einer zeitlich begrenzten Aufent­­halts­­­dau­­­­er für ihre Mieter möglichst attraktive, grün­­dungs- und entwicklungsfördernde Standortbedingungen schaffen. TGZ sind damit Brutkästen und Durch­­laufer­hit­zer für junge Unter­neh­­men, die sich so zu markt- und wett­­bewerbsfähigen und da­­mit langfristig überlebensfähigen Ein­­heiten entwickeln können.

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Speziell im ländlichen Raum, fern der Hochschulen und Ballungs­zentren, sind solche TGZ besonders wich­­tige Förderinstrumente der Regio­­nal­ent­­wicklung. Ein solcher Stand­­­­ort ist Nördlingen am Westrand der Eu­­ropäi­sch­­en Metropol­region Mün­chen im Landkreis Donau-Ries. Vier zen­­trale Auf­­gaben sind dem TCW als Ziel­setz­un­gen mit auf den Weg gegeben worden:
(1) Förderung innovativer Unterneh­mens­­­gründungen in einem Gründer­zen­trum, (2) Pro­­fil­­bildung als Technologie­zen­­trum für Prozess-, Auto­mati­sie­rungs- und Pro­­­duktions­tech­nik und die Ver­netzung mit bayerischen Hoch­­schul­en,
(3) Über­nah­me von in­­genieurtech­ni­­­sch­­en Dienstleis­tungen und die Be­­ar­­bei­­tung zukunftsträchtiger Projekte in Zu­­­­sam­­­men­­­arbeit mit regionalen Un­­ter­­neh­­men auf dem Feld an­­wendungsnaher For­­sch­­ung und Ent­wick­­lung sowie
(4) Spielen einer aktiven Rolle auf dem Gebiet der regionalen Wirtschafts- und Technologie­förderung.
Alle vier Ziele verfolgt das TCW, de­­ssen Gesellschafter der Land­kreis Donau-Ries und die Stadt Nördlingen sind, mit ho­­hem En­­gagement und unternehmerischem An­­­spruch.
Dabei setzen wir auf fünf Schwer­­punkte: die Vernetzung mit etablierten Unter­nehmen, die Gründung und An­­siedlung von Firmen, die Kooperation mit Hoch­­schulen und FuE-Einrichtun­gen, die in­­tensive Standort­vermarkt­ung für unseren Wirtschafts­raum sowie die be­­­rufliche Qua­­lifizierung im Rahmen hoch­­wertiger Se­­minar- und Bildungsan­ge­bo­­te. Jedes Geschäftsfeld wird einer jährlich aktualisierten Stra­te­gie folgend ausgebaut. Auch ein Ergebnis-Con­­trol­ling ist etabliert.
Im Bereich „Gründerzentrum“ halten wir kostengünstig mietbare Flächen frei für gründungswillige Jungunter­neh­men und technologieorientierte Firmen­part­ner. Auf über 1.800 Quadratmetern ist alles vorbereitet. Die kleinsten Einhei­ten sind 26 Quadratmeter groß, fertigungs­­tauglich und beliebig kombinierbar – Flä­­chen, die mit den Unternehmen wachsen. Grün­­der mieten und bezahlen nur die Räum­­lich­­keiten, die sie tatsächlich benötigen.


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Die Gründer profitieren zudem von ei­­nem reichhaltigen betriebswirtschaftlichen Be­­ratungs- und Qualifizierungs­an­­­­gebot so­­­­wie zahlreichen Serviceleis­tun­­­­gen wie Ko­­piergeräten, einem Stand­­ort- und Be­­triebs­­mittelmanagement sowie der Be­­reit­­stellung von Besprechungs­räumen und für einen professionellen Auftritt nötiger Infrastruktur.
Kurze Wege und der direkte Kontakt zu TCW-Mitarbeitern als Ansprechpartnern für alle Fälle lösen alltägliche Heraus­for­­derungen im Vorbeigehen.
Mieter des TCW haben Zugangsmög­lich­­­­keit zu In­­ternetan­schlüssen, interner Ver­­­­net­zung, Telefonanlage mit Ver­­mitt­lung, neuen IT-Systemen sowie vielfältigsten zentralen Diensten aus einer Hand.

Gezielte Marketingmaßnahmen sowie der hohe Bekanntheitsgrad des Stand­orts verschaffen Unternehmen Vorteile und erleichtern den Markteintritt. En­­ga­­­gierte Zuwendung und absoluter Ver­­­trauensschutz sind selbstverständlich. Darüber hinaus profitieren von unserem Service- und Beratungs­ange­bot auch Grün­­­dungswillige in der Region, selbst wenn sie nicht am Zentrum an­­ge­­sie­­delt sind und keinen Einzug in das Tech­no­lo­­gie Centrum Westbayern planen.

Das regionale Gründungsgeschehen wur­­de massiv stimuliert: 26 Gründungs­pro­­­­jekte wurden direkt am TCW realisiert. Weitere 53 externe Gründungsvorha­ben verschiedenster Sparten wurden beratend begleitet. Nordschwaben ist seit 2004 nicht mehr Schlusslicht auf dem Gebiet der Unternehmensgründungen! Seitenef­fekte aus dem Bereich „Grün­dung“ und der TCW-Arbeit wirkten in die Region: Fast 70 Mitarbeiter haben am TCW einen Arbeitsplatz gefunden. Neu­ansied­lun­gen und der Erhalt bedeut­sa­mer Unter­neh­­men führten zu weiteren circa 150 Ar­­beitsplätzen. Circa 70 Pa­­tent- und Schutz­­rechtsanmeldungen – Ausdruck der In­­novationskraft – sind im Umfeld des TCW in den letzten sechs Jahren eingetragen worden. An acht Pa­­­­tentanmeldungen war das TCW-Tech­nik­­­­team unmittelbar als Ideengeber oder Berater beteiligt.
Ein wesentlicher Erfolgsfaktor für die Wettbewerbsfähigkeit von jungen Un­­ter­­nehmen und Firmenneugründungen ist deren Fähigkeit, auf Basis zukunfts­träch­­­tiger Technologien innovative Pro­­­­­duk­­te in kürzester Zeit zu entwickeln. Das TCW hat durch agile Aufbauarbeit­en ein weit­­reichendes Kompetenz­netz­werk mit über 90 Partnern begründet. Die Ver­­bindun­gen zu Firmen, Banken, Ver­­wal­­tungs-, Bil­­dungs- und FuE-Ein­­rich­­­tun­­­­­­gen sowie zu wichtigen politischen Re­­präsentan­ten und Multiplikatoren (vor allem Kam­­mern, Wirtschaftsförder­ein­rich­tun­gen, Rechts-, Steuer- und Un­­ter­­­­­­­nehmens­be­ratern, Hochschulen, Un­­ter­­­­­­­­­nehmens­net­­­­­zen/-verbänden) werden intensiv ge­­­pflegt.
In Nordschwaben sind keine Hochschul- und FuE-Ein­rich­­tungen präsent, was auf das Grün­dungs­­geschehen auch ne­­­ga­ti­ve Auswir­kungen hatte. Dies wurde früh­­zeitig er­­kannt und in Eigen­initiative durch das TCW ausgeglichen, etwa durch die aktive Einbindung in den Lehrbetrieb und die Kooperation mit der Hochschu­le Augsburg und der Fritz-Hopf-Techni­ker­schule Nördlingen.
Dip­lom­­arbeiten und Praktika erfolgten in loser Kooperation, auch mit den Fach­­­hoch­schulen in Nürn­­berg, Aalen und Regens­burg.

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Konsequent wurde der Ausbau des TCW zu einer schlagkräftigen Tech­­nik­­ein­rich­­tung im Sinne einer Außenstelle der Hochschule Augsburg vorangetrieben. Über den Betrieb eines Gründer­­zent­rums hinausgehend, unterscheidet sich heute das Technologie Centrum West­bayern dadurch, dass gezielt In­­dustrie- und Pro­­jektkooperationen aufgebaut wer­­den. Da­­­bei werden konkrete Lösun­­gen für sich klar abzeichnende Be­­darfs­felder zur Un­­terstützung des re­­gi­­onalen Mit­tel­stan­­des entwickelt – insbesondere auf den Anwendungs­­ge­­bie­­ten Mecha­­tro­­nik, Au­­tomatisierungs- und Pro­­zess­mess­­tech­­nik, Sensorik, Con­­dition Mo­­ni­­toring, Ro­­botik und industrielle Bild­­­­­­verar­bei­tung.

Einen wichtigen Grundstein für den Auf­­bau einer Hochschulinitiative legten zehn Firmen aus der Region, die ge­­meinsam eine Stifterinitiative bildeten, um den Aufbau einer Außenstelle der Hochschu­le Augsburg in Nord­­schwa­­ben vorzube­­reiten. Mit Erfolg: Der Prä­­si­­dent der Hochschule Augsburg, Prof. Dr.-Ing. Hans-Eberhard Schurk, hat dem TCW im Jahr 2009 den Status als An-­­Institut ver­­liehen. Es ist of­­fizieller Sitz ei­­ner Pro­­fessur und Außen­­stelle der Hoch­schu­le Augs­burg für Nord­­schwa­­ben, an der Stu­­dier­ende Teile ihres Stu­­dien­pro­­gramms absolvieren können.

Unterstützt durch die Regierung von Schwaben, den Freistaat Bayern und die EU, war es nochmals möglich, kräftig in den Ausbau des TCW-In­­sti­­tuts­­um­­felds zu investieren. Eine wichtige anti­­zyk­­li­­sche Investition in Menschen, Bil­­dung und eine Region, und dies in schwieriger Zeit, zum richtigen Zeitpunkt! Beschafft wurden modernste Sensor- und Laser­technik, ein Labor für industrielle Bild­verarbei­tung, zwei Hörsäle für Wahl- und Spe­­zial­un­terrichte, und neben all diesen moderns­ten Gerätschaften wurden zwei Hörsäle sowie weitere zwölf Laborar­beits­­plätze für Studierende ein­­ge­­richtet, die im Rah­­men ihrer Fach­praktika und Ab­­schluss­arbeiten in die Projektarbeit des TCW und der Hoch­schule Augsburg ein­­gebunden werden.
Eine weitere Neuerung ging in Betrieb. Im TCW-Institutsbereich entstand ein modernes „Robotik Demo & Research Center“, das Studierenden der Hoch­schu­­le und der Fritz-Hopf-Techniker­schu­­le, aber auch industriellen Partnern of­­fen­stehen wird für Trainings, Tests, For­­­­schungs- und Entwicklungsarbeiten rund um die Ro­­bo­­tik, die Greifertechnik und die Pro­­duk­tions­­automatisierung. Ge­­bo­­­ten wird modernste Technik in Aus­bil­dung und Technologietransfer, unterstützt durch die KUKA Roboter GmbH, den Greif­werkzeuge-Hersteller Schunk (Lauf­­fen am Neckar), den Sensorher­stel­­ler Micro-Epsilon (Ortenburg) und das Stif­­terunternehmen HARTING (Es­­pel­­­kamp, NRW).

Das TCW kooperiert mit den Kammern (IHK, Hwk). Es ist in die bayerischen In­­novationscluster „Mechatronik und Auto­­mation“ (Augsburg) und „Sensorik“ (Re­­gensburg) eingebunden und unterhält Kontakte zum Carbon Composite e.V. Eine besondere Nähe zum nordschwäbischen Markt wird durch die Mitglied­schaft im Partnernetzwerk TEA (Trans­fereinrichtungen im Raum Augs­­burg) erreicht. Zudem wirkt das TCW als Ein­­richtung des Landkreises Donau-Ries aktiv an dem Wirken der EMM mit.

Heute hat sich diese modellhafte Form der Wirtschafts- und Technologie­för­de­­­rung besonders bewährt. Das Techno­lo­­gie Centrum Westbayern wurde bei mehreren Gelegenheiten überregional als mustergültiges Modellprojekt vorgestellt und mit zahlreichen Auszeich­nungen versehen. Einen Meilenstein in der Zentrumsarbeit bedeutete die Aus­zeichnung der Stadt Nördlingen und des Technologie Centrums Westbayern mit dem „Bayerischen Qualitätspreis 2006“ am 07. März 2006.

IMG_4512_Roboterlabor_GlueckDer Autor hat an der Universität Ulm Elektrotechnik studiert und ist seit dem Jahr 2002 Geschäftsführer der Techno­logie Centrum Westbayern GmbH und seit 2008 Mitglied der Fakultät für Ma­­schi­nenbau an der Hochschule Augs­burg. Ferner wirkt er als Koordinator des Regio­nalclusters Technologiepark West­bay­ern – Process Automation Cluster.