Prof. Dr.-Ing. Gerd Zimmermann: Digital, experimentierfreudig und weltoffen – Das Bauhaus des 21. Jahrhunderts

Die Bauhaus-Universität Weimar verfügt über ein klar umrissenes, markantes Profil, das einzigartige Studien- und Forschungsergebnisse hervorbringt. In­­nerhalb unserer Universität arbeiten sonst getrennt agierende Disziplinen wie Kunst, Technik und Geistes­wis­sen­schaf­­ten eng zusammen. Diese symbiotische Beziehung schafft völlig neue Arbeits­felder, aus denen ungewöhnliche und zu­­kunftsorientierte Lösungs­ansätze ent­­stehen.

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Walter Gropius gründete 1919 das Bau­­haus in Weimar – vier Jahre später for­­derte er, die „neue Einheit von Kunst und Technik“ zu suchen. Das hieß, eine Avantgarde der Kunst und der Ge­­stal­tung mit der modernen Industrie zu ver­­knüpfen. An die experimentelle, offe­ne Arbeitsweise, die das Staatliche Bau­haus der frühen 1920er Jahre pflegte, knüpft die Bauhaus-Universität heute an. Unter Einbeziehung modernster, zeit­ge­­nössischer Techniken und Arbeitsmit­tel versteht sie sich im Gropius’schen Sinne als ein Bauhaus des 21. Jahrhun­derts, als ein digitales Bauhaus. Alle Fa­­kultäten begreifen es als ihre Aufga­be, an der Konzeption, Konstruktion und Gestaltung gegenwärtiger und zukünfti­ger Lebens­räume mitzuarbeiten – analytisch, kreativ und innovationsfreudig. So spielt in allen Bereichen die Praxis­nähe eine große Rolle.
Das interdisziplinäre Projektstudium ist ein wesentliches Qualitäts- und Allein­stellungsmerkmal des Studiums an der Bauhaus-Universität. Es unterstützt die ausdrückliche Praxisorientierung der Lehre durch lebens- und alltagsnahe Aufgabenstellungen. Gegenwärtig verfügt die Bauhaus-Universität über fast dreißig Studiengänge in vier wesentlichen Disziplinfeldern: der Architektur, insbesondere der Stadtplanung und -forschung; des Ingenieurwesens, von der Materialwissenschaft über den kons­truk­­tiven Ingenieurbau bis hin zum Bau­­management und der Um­­welt­technik; der Kunst und des Designs, speziell der freien Kunst, der visuellen Kommunika­tion und des Produktdesigns; sowie auf dem Feld der Medien in der Me­diengestal­tung, der Medien­wissen­schaft und der Mediensysteme.

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Die intensive Zusammenarbeit mit der Wirtschaft und die Ankopplung der uni­­versitären Arbeit an den Alltag der Men­­schen ist ein zentraler Anspruch für die Bauhaus-Universität. Sie versteht sich als ein Partner auf allen Gebieten der ge­­stalteten Umwelt und zugleich als Part­ner für die Region, national und international.

So gehen aus dem Projektstudium jähr­­lich zahlreiche Ideen für Existenz­grün­dungen hervor. Sowohl junge Ingenieure als auch Designer, Mediengestalter, Ar­­chitekten und Bauingenieure nutzen die Chance, sich bereits aus der Uni­versität heraus eine eigene Existenz aufzubauen. Unter­stützt werden sie dabei von der Existenz­gründerwerkstatt der Bauhaus-Universität „neudeli“. Seit der Einwei­hung der Werk­­statt im Jahr 2001 bis zum Sommer 2007 betreute das neudeli-Team über 100 Grün­dungs­vorhaben, von denen sich heute noch etwa 40 am Markt be­­finden, davon allein 30 ansässig in Wei­mar. Weitere Impulse erhalten die Jung­­gründer von der Ko­­operation mit der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Mit dem Konzept eines Gründer- und Inno­vationscampus Jena-Weimar fließen im Rahmen einer Bundesförderung in den Jahren 2007 bis 2009 nahezu eine Million Euro För­der­gelder an die beiden Hoch­schulen, um studentische Ausgründun­gen noch stärker zu unterstützen und die Zusammen­arbeit mit der regionalen Wirtschaft nachhaltig auszubauen.

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Der Transfer von Forschungsergebnis­sen aus der Universität in die Wirtschafts­praxis ist ein erklärtes Ziel der Material­for­schungs- und -prüfanstalt (MFPA) und der internationalen Transferstelle für Um­­welt­bio­tech­­nologie in der Abfall­wirt­schaft (Knoten Weimar), beides An-Ins­titute der Bau­haus-Universität. Mit dem im Frühjahr 2008 fertiggestellten Cent­rum für In­­tel­li­gentes Bauen (CIB) erhalten die in der Weimarer Coudraystraße ansässigen Institute zusätzliche Im­­pulse.

Im Sommer 2007 ging die Bauhaus-Uni­versität mit dem Aufbau des Trans­fer­zentrums Design, das die Zusammen­ar­beit zwischen Hochschule und Wirt­schaft intensivieren und professionalisieren soll, einen weiteren Schritt in Richtung Wissenschafts- und Forschungstransfer. Wirtschaftskommunikation, Standort­mar­­keting, Transfer von Dienstleistungen, Designforschung und die Entwicklung von Weiterbildungsformaten sind nur einige der Aufgaben des Transfer­zentrums. Mit dem Aufbau verbunden ist auch das Ziel, den Designstandort Weimar durch Netzwerkbildung zu etablieren und internationale Kooperationen auszubauen. Die offizielle Gründung des Transferzentrums Design erfolgt Anfang 2008.

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Internationale Kontakte zwischen Wis­sen­schaftlern und Studierenden sind in Weimar universitärer Alltag. Die Uni­versität arbeitet in einem weit reichenden Netz internationaler Beziehungen, die sich auf Partnerschaften innerhalb des europäischen Programms ERASMUS oder auf bilaterale Vereinbarungen be­­ziehungsweise lehrbasierte Koopera­tio­­nen stützen. Namhafte Partner sind etwa die ETH Zürich, die Oxford Brookes Uni­­versity, das Illinois Institute of Tech­no­logy in Chicago, das Pratt Institute, New York sowie die Waseda University in Tokio. Auch die ausländischen Stu­dierenden gestalten das Leben an der Bauhaus-Universität und ihr Bild we­­sent­­lich mit: Bis zu 30 Prozent beträgt der Ausländeranteil in einigen Studien­gängen, 14 Prozent sind es an der ge­­samten Hochschule.

Rektor1Der 1946 geborene Autor studierte in Wei­mar Architektur und wur­de 1974 pro­mo­viert. Zunächst wissen­schaft­­lich in Ber­lin und an der Hoch­schule für Archi­tektur und Bauwesen (HAB) Weimar tätig, wurde Zimmermann 1992 Professor an der HAB für „Entwerfen und Architek­­tur­theo­­rie“. Der Rektor der Bau­­­haus-Uni­­versität ist Vor­sitzen­­der der Landes­rektoren­kon­fe­renz Thüringen.