Prof. Dr. Heinz Trasch: Technologie, Transfer, Anwendung – Brücke zwischen Wissenschaft und Wirtschaft

Analysen-und-Expertisen

Im Zuge der Globalisierung haben sich durch die Vernetzung der nationalen Öko­nomien die bisherigen Garanten für wirt­­schaftlichen Erfolg – zum Beispiel die hohe Arbeitsproduktivität in den west­­lichen Ländern – verändert. Selbst durch gewaltige Kostenreduktion in unseren Unternehmen lassen sich die international günstigeren Produktionskosten von Massen­­produkten – vorzugsweise im asiatischen Raum und Osteuropa – nicht mehr einholen. Zwischenzeitlich werden dort nicht nur „Billig-Erzeugnisse“ gefertigt, sondern auch anspruchsvolle Produkte. Die Schlüssel­­stellung zur Sicherung der Wett­­bewerbsposition unserer Unter­­nehmen liegt in erster Linie in ihrer Inno­­vations­fähigkeit.

Die Basis für diese Innovationsfähigkeit liegt in der Nutzung von Wissen, das seit einigen Jahrzehnten in einer unglaublichen Geschwindigkeit vermehrt wird. Länder, die wenig Rohstoffe aber hohe Produk­ti­vitäts­­kosten haben, müssen dieses Wissen als nachhaltigen Rohstoff mit sehr kurzer Halbwertszeit ansehen und das darin verborgene Innovationspotenzial effizient nutzen.

Es besteht die Möglichkeit, externes Wissen für innovativ agierende Unter­nehmen schnell verfügbar zu machen. Dazu wird der seit mehr als 25 Jahren erfolgreiche Wissens- und Technologie­transfer der Steinbeis-Stiftung genutzt, bei dem die Transferaktivität die zentrale Rolle spielt, ein organisatorischer Pro­zess zwischen Wissenschaft und Wirt­schaft, der nicht durch Linearität, sondern durch Interaktion und Rückkopplung zwischen den beteiligten Partnern ge­­kenn­­zeichnet ist und in dem Markt­orien­tierung und Wett­­bewerbsakzeptanz Gültigkeit besitzen. Die Steinbeis-Stiftung mit ihren vielen Trans­fer­­zentren und Tochter­gesell­schaften wird dazu von den Unter­neh­men als ein kurz- oder langfristiger externer Partner in der Bearbeitung auftretender Fragen oder Probleme durch Ein­bringung von Experten­­wissen an jeder Stelle der Wertschöpfungs­­kette eingebunden. Sie bietet den Kunden einen effizienten Wissens- und Techno­logietransfer in allen Technologie­be­reichen und Management­­feldern. Da bei Stein­beis der Prozess der Gründung und Schließung von Trans­­ferzentren ein essenzieller Bestand­teil des Systems ist, der gesteuert wird durch den Bedarf be­­ziehungsweise die Nachfrage der Kunden am Markt, ist auch gewährleistet, dass schon im Ent­­stehungsstadium neuer Techno­­logien (Zukunftstechnologien) oder Manage­­mentsysteme individuelle Transfer­leis­tungen erbracht werden können. Das gilt besonders für die an Bedeutung zunehmenden Quer­schnitts­­­techno­logien, wie beispielsweise die Nano­technologie oder die Mikro­system­technik.

Seit den Anfängen der Stiftung sind die Anforderungen, die an sie ge­­stellt werden, und die Bedingungen, unter denen Trans­ferleistungen erbracht werden, anspruchs­voller, umfangreicher und kom­­plexer geworden. Wenn früher der Wissens- und Technologietransfer als das Zu­­sammen­­führen von Wissen­schaft und Wirtschaft verstanden wurde, dann muss heute der Begriff wesentlich weiter gefasst werden. Wir verstehen aktuell darunter den Transfer von vorhandenem oder neu generiertem Wissen aus den Wissensquellen – beispiels­­weise Uni­versi­täten, Hochschulen und Forschungs­ein­­richtungen – hin zur Wirt­­schaft, zu den Anwendern, über einen Mehrwert schaffenden, eigenständigen Dienst­leis­tungs­prozess. Im Fokus steht dabei immer die effiziente und effektive Anwendung des Wissens. Die transferierenden Experten sind meist Professoren oder wissenschaft­­liche Mitarbeiter aus den Hochschulen, die ihre wissensbasierte Dienstleistung in Form von Beratung, gut­­achterlichen Tätigkeiten, Forschung und Entwicklung oder im Bereich der Aus- und Weiter­bildung anbieten.

Die operativen Einheiten des Steinbeis-Systems sind die selbstständig agieren­­den, dezentralen Transferzentren, die für den wettbewerblichen oder konkreten Wissens- und Technologietransfer hauptsächlich

die kleinen und mittleren, aber auch die gro­ßen Unternehmen als Zielgruppe haben.
Die Leiter der subventionsfreien und selbst­­finanzierten Transferzentren arbeiten dabei dezentral als Unter­nehmen im Unter­nehmen Steinbeis und sind aus­­schließlich auf den Nutzen für Kunden ausgerichtet.

Die hochschulgebundenen Transfer­zentren nutzen zur Erfüllung der Kunden­aufträge die an der Hochschule vorhandene Infra­­struktur, ermöglicht wird dies über ent­­sprechende Rahmenverträge. Neben allen Technologiefeldern werden auch nichttech­­nische Dienstleistungen wie beispiels­­weise Beratungen und Aus- und Weiter­­bildung angeboten. Die Steinbeis-Hoch­­schule bietet dazu aka­­demische Studien­­gänge nach dem Projekt-­­Kompetenz-Konzept sowie Zertifikats­lehrgänge an. Zurzeit sind mehr als 800 Transfer­zentren im Netzwerk vereint, die circa 5.500 Mit­­­arbeiter beschäftigen. Darunter be­­finden sich circa 800 Professoren, die ihre Dienst­­leistung überwiegend in Neben­­tätigkeit anbieten, außer­­­dem 1.360 fest angestellte Mitarbeiter sowie weitere projektbezogene Mitarbeiter, die temporär in die Projekt­arbeiten mit ein­bezogen werden.

Die Kunden haben nicht nur Zugang zu neuem Wissen und neuen Technologien, sie erhalten auch aufgrund der vielfältigen Experten ganzheitliche, interdisziplinäre Problemlösungen. Die Projekt­ver­ant­wortung und operative Kompetenz liegt aufseiten von Steinbeis immer beim Zentrumsleiter oder einem von ihm benannten Projekt­leiter. Letztlich steht aber hinter allen Pro­­jekten die Steinbeis GmbH & Co. KG für Technologietransfer. Sie steht als Kapital­gesell­schaft auch als Partner für Groß­projekte zur Verfügung.

Die Transferzentren sind somit definierte Anlaufstellen für die Unternehmen. Bei regional ansässigen Unternehmen er­­gänzen die technologischen Beratungs­aktivitäten in vielen Fällen die Aktivi­täten der jeweiligen Kammern. Sie wirken in eingeschränktem Maße mit bei Unter­nehmensgründungen von Hochschul­abgängern oder bei Unternehmens­aus­gründungen und wirken hin und wieder als Inkubatoren, solange bis die potenziellen Gründer ihre Geschäftsidee zu einer Reife gebracht haben, die es ihnen erlaubt, in den Wettbewerb einzutreten. Auf diese Weise unterstützen die Techno­­logietransferzentren auch Existenz­grün­­dungen und tragen somit zur regio­nalen Wirtschaftsförderung bei.

Die vielen Projekte, die von den Steinbeis-Unternehmen für ihre Kunden bearbeitet wurden, sind als eigenständige, mehrwert­­orientierte Prozesse in Form echter unter­­nehmerischer, wissensbasierter Dienst­leistung abgewickelt worden. Die Zu­­frieden­­heit der Kunden gilt als ein eindeutiges Zeichen für den erfolgreichen und nachhaltigen Wissens- und Technolo­gie­transfer.

105107-STEINport293-Versand-PortraitDer Autor ist Leiter des Instituts für Bio­chemie an der Hochschule Mannheim. Er stu­dierte nach seiner Lehre als Chemie­laborant bei der BASF AG in Ludwigshafen/Rhein zunächst Chem­ische Technik zum Ingen­ieur an der Staatlichen Ingenieur­schule in Mannheim. Er erlangte durch das Studium der Chemie an der Uni­ver­­sität Heidelberg zuerst den Ab­schluss zum Diplom-Chemiker und im Jahr 1979 seine Promotion.