Prof. Dr. Georg Unland: Bürgschaften des Staates beleben die Wirtschaft

Der Freistaat Sachsen hat eine lebendige Wirtschaft. 61,9 Prozent des Industrieumsatzes in Sachsen wurde in 2014 von den fünf umsatzstärksten Industriebranchen erwirtschaftet. Dazu gehören neben dem Maschinen- und Anlagenbau die Herstellung von Kraftwagen und Kraftwagenteilen, Nahrungs- und Futtermitteln, Metallerzeugnissen, sowie DV-Geräten, elektronischen und optischen Erzeugnissen.

Die Unternehmer sind innovativ und die Fachkräfte quali­­fiziert. Daher werden viele Produkte sächsischer Unter­­nehmen weltweit geschätzt.

Die Finanzierung Erfolg versprechender unternehmerischer Vorhaben muss nicht daran scheitern, dass bankübliche Sicherheiten nicht in ausreichendem Maße vorhanden sind. Denn in diesem Fall greift der Freistaat Sachsen Unter­­nehmen im Rahmen des Landesbürgschaftsprogramms unter die Arme. Der Freistaat ermöglicht – meist zu­­sam­­men mit dem Bund – mit der Übernahme von Rückbürg­­schaften und Rückgarantien die Vergabe von Bürg­schaften und Garantien durch die Bürgschaftsbank Sachsen GmbH (BBS). Diese stehen dann als Sicherheiten für Bank­­kredite und stille Beteiligungen der Mittelständischen Beteili­­gungs­­gesellschaft mbH (MBG) zur Verfügung. Größere Vorhaben können mit einer Bürgschaft der Sächsischen Auf­­bau­­bank – Förderbank – oder mit parallelen Bundes- und Landes­bürg­­­­schaften begleitet werden.

Staatliche Bürgschaften stellen ein sehr flexibel einsetz­­bares Instrument der Wirtschaftsförderung dar. Sie kommen u. a. zum Einsatz bei Existenzgründungen und Unter­­nehmens­­nachfolgen, wenn durch Investitionen Wachstum und Innovation erzeugt werden sollen oder wenn mit der Ausweitung der Um­­sätze eines Unternehmens sein Bedarf an Betriebsmitteln steigt.

Ein Beispiel für eine gelungene Nachfolgefinanzierung bietet das traditionsreiche Unternehmen Halbmond Teppich­werke GmbH in Oelsnitz im Vogtland.

Das Unternehmen ist heute auf Objektteppichböden und kundenspezifische Unikate spezialisiert. Weltweit sind Halb­­mond-Teppichböden zu finden. Dazu gehören namhafte Projekte wie die Ausstattung der Hotelneubauten der Olympiastadt Sotschi mit gut 100.000 m² Teppich­­böden, Auf­­träge für Holly­woodfilme („Grand Budapest Hotel“) sowie Kunstinstalla­­­tionen (2010 Berliner National­galerie, Rudolf Stingel).

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Die heutigen Gesellschafter erwarben das Unternehmen im Jahr 2007. Die Finanzierung des Management Buy Outs unterstützte und begleitete der Freistaat durch Ge­­währung langfristiger Bürgschaften und Garantien für eine stille Beteiligung der Mittelständischen Beteiligungs­ge­sell­­schaft mbH. Ohne sie wäre die Übernahme des Unternehmens durch die heutigen Eigentümer nicht zu stemmen gewesen.

Mit dem Freistaat Sachsen im Rücken gelang es den Ge­­sellschaftern, die Halbmond Teppichwerke GmbH durch die Wirtschaftskrise der Jahre 2008/2009 zu steuern und nicht nur den Standort und Arbeitsplätze zu halten, sondern auch die positive Entwicklung der letzten Jahre zu beschleunigen. Heute verfügt das Unternehmen über eine sehr moderne, leistungsfähige und flexible Chro­­mojet-Spritzdruckanlage. Bis zu 24 Farben können für die individuellen Dessins angemischt und gleichzeitig mit 1 Million Druckpunkten pro Quadratmeter gedruckt werden.

Den Nutzen staatlicher Bürgschaften bei der Finanzierung unternehmerischen Wachstums belegt auch die in Heins­­dorfergrund beheimatete thermofin GmbH.

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Die thermofin GmbH produziert lamellierte Wärmeüber­trager und beliefert Kunden in der ganzen Welt: Geräte des Unter­­nehmens sind in kälte- bzw. klimatechnischen An­­lagen im Be­­reich der Lebensmittellagerung und -verarbei­­tung in Super­­märkten, Gefrieranlagen und Logistik­zentren im Ein­­satz. Außerdem finden die Wärmeübertrager des vogtländischen Unternehmens Anwendung in der Klima­­tisierung großer Rechenzentren sowie in Eissporthallen und Indoor-Skipisten. Seit dem Jahr 2007 ist die thermofin GmbH auch in der Turbinen- und Motorenkühlung tätig. Erste Pro­­jekte in diesem für das Unternehmen neuen Geschäftsfeld wurden bereits in Indien, Saudi-Arabien und den Niederlanden realisiert.

Der kontinuierlich gestiegene Auftragseingang und die Aus­­weitung des Angebotsspektrums machten im Jahr 2010 eine Vergrößerung der Produktionskapazitäten und den Bau einer zweiten Fertigungshalle erforderlich, deren Finanzierung mit Hilfe einer staatlichen Bürgschaft ermöglicht wurde..

Ein Beispiel für die Stärkung des Eigenkapitals durch den Ein­­satz von stillen Beteiligungen der MBG bei großen In­­vesti­­tionen wie der Übernahme der Geschäfte anderer Unter­­nehmen bietet die ELASKON Sachsen GmbH & Co. KG in Dresden. Das Unternehmen produziert Spezialschmierstoffe, Kor­­ro­­sions­­schutzstoffe sowie Formen- und Trennmittel und vermarktet diese weltweit in insgesamt 58 Ländern. Die z. B. mit Elaskon behandelten Seile kommen sowohl in tro­­pischer Hitze als auch in klirrender Kälte zum Einsatz. Der jeweils verwendete Schmierstoff hat höchsten Anforde­r­ungen zu entsprechen, ob im Safari-Express in Kitzbühel oder bei der Seilbahn auf den Tafelberg in Kapstadt/Südafrika.

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Was die drei beispielhaft herausgegriffenen sächsischen Un­ternehmen auf einzelbetrieblicher Ebene zeigen, bestätigen Untersuchungen auf gesamtwirtschaftlicher Ebene: Der Einsatz staatlicher Bürgschaften steigert das Brutto­­inlandsprodukt und schafft Arbeitsplätze, wie eine Studie des Instituts für Mittelstandsökonomie an der Universität Trier (Inmit) zum gesamtwirtschaftlichen Nutzen der deutschen Bürgschaftsbanken zeigt.

Auch bei der Bewältigung gesamtwirtschaftlich herausfor­­dernder Situationen wie der Finanz- und Wirtschafts­­krise ab dem Jahr 2008 hat das staatliche Bürg­schaftsins­tru­mentarium einen wichtigen Beitrag zur Kreditversorgung gerade kleinerer und mittlerer Unternehmen geleistet. So stieg im Krisenjahr 2009 die Anzahl der Bürgschaften gegenüber dem Vorjahr um das 1,9-Fache.

Heute befinden wir uns in einer ausgeprägten Niedrigzins­phase. Trotz der damit verbundenen günstigen Finanzierungs­­­be­­din­g­ungen für Unternehmen hat der Freistaat Sachsen auch im Jahr 2014 noch in immerhin 251 Fällen Bürg­schaften und Garantien mit einem Bürgschafts-/Garantievolumen von rund 62,9 Mio. EUR neu bewilligt. Damit wurden Kredit­­aus­­reichungen der Hausbanken und Beteiligungen in Höhe von rund 81,6 Mio. EUR und 5.784 Arbeitsplätze geschaffen bzw. gesichert.

Das Landesbürgschaftsprogramm wird auch künftig ein unverzichtbarer Bestandteil des förderpolitischen Instrumen­­tariums im Freistaat Sachsen sein.

unland014-kopierenProf. Dr. Georg Unland
Der Autor ist sächsischer Staatsminister der Finanzen. Er studierte und promovierte in der Fachrichtung Maschinenbau. Von 1980 bis 1993 hatte er verschiedene berufliche Positionen inne, u.a. bei der Krupp Polysius AG in Neubeckum/Westfalen sowie als Geschäftsführer der amerikanischen Tochtergesellschaft, der Polysius Corp. 1993 wurde er zum ordentlichen Professor für Maschinenbau an die TU Bergakademie Freiberg berufen. Ab April 2000 Rektor der TU Bergakademie Freiberg. Von 2003 bis 2007 war Prof. Unland Vorsitzender der sächsischen Landeshochschulkonferenz.