Prof. Dr. Dr. Mario Tobias: Potenziale für Innovative in der Wirtschaftsregion Potsdam

„Ich bin die Mark durchzogen und habe sie reicher gefunden, als ich zu hoffen gewagt hatte …“, schrieb einst Theodor Fontane. Dieser Eindruck bestätigt sich bis heute – auch mit Blick auf die Kompetenzen und Potenziale des Landes Brandenburg.

 

Das Land Brandenburg wurde im Jahr 2011 von der Euro­­päischen Union als Exzellenz- und Unternehmerregion aus­­gezeichnet. Wesentlichen Anteil daran haben die Vielfalt und die Verzahnung von Wissenschaftseinrichtungen und innovativen Unternehmen. Wissenschaft und Forschung zählen zu den Stärken und Wachstumsfaktoren. Die hohe Zahl kleiner und mittelständischer Unternehmen bietet aus­ge­­spro­­chen flexible Anwendungs- und Umsetzungs­­partner. Das sind Grund­­pfeiler des Innovationsstandortes Branden­burg. Der Techno­­logietransfer von der Wissenschaft in die Wirtschaft wird aktiv praktiziert und von regionalen Wirt­­schafts­akteu­­ren und Hoch­­schulen unterstützt sowie mit Förder­maß­nahmen flankiert.

Die gesamte Region hat somit eine breite wissenschaftliche Basis für innovative Entwicklungen. Mit Deutschlands dichtester Forschungslandschaft kann die Hauptstadtregion auch im europaweiten Vergleich punkten. Allein in über 40 wissen­­schaftlichen Einrichtungen in Potsdam wird derzeit Spitzen­­forschung betrieben. Etwa 25.000 Studenten der Uni­­versität Potsdam, der Fachhochschulen Brandenburg und Potsdam sowie der Filmuniversität Babelsberg „Konrad Wolf“ bieten viel zukünftiges Potenzial. Besonders der Wissen­­schaftspark Golm bündelt Know-how und bietet speziell für junge, innovative und technologieorientierte Unter­neh­men ein geeignetes Umfeld.

Die Branche der Informations- und Kommunikations­technik ist in der Landeshauptstadt Potsdam sehr stark vertreten und gilt gar als „Innovationstreiber“. Fast 80 Prozent aller Innovationen – auch in den traditionellen Anwender­­bran­­chen – sind inzwischen IT-basiert. Sie durchdringen die In­­dustrie und spielen somit eine entscheidende Rolle beim Strukturwandel der Region und bei der Modernisierung der Wirtschaft. Die Wirtschaftsregion Potsdam kann so mit einer Vielzahl von sehr innovativen, technologieorientierten Unternehmen – die international erfolgreich und preisgekrönt sind – werben.

Das Land gilt aber auch als Wiege traditioneller Branchen: So findet im diesem Jahr das 800. Jubiläum der Stadt Rathenow – Wiege der deutschen Optik-Industrie – statt. Aus Otto Lilienthals Flugversuchen in Stölln ist mit der Haupt­­stadtregion Berlin-Brandenburg ein zentraler Standort der Luft- und Raumfahrtindustrie geworden. Mit dem Monu­­men­­talfilm „Metropolis“ bot einst das heutige Studio Babels­­berg den Drehort zu einem der bedeutendsten Werke der Filmgeschichte. Vom Oscar bis zur Goldenen Palme: Ba­­bels­­berg ist heute bei allen internationalen Filmpreisver­leih­­ungen nicht mehr wegzudenken. Mercedes-Benz, Rolls-Royce, Bombardier, MTU: Andere nam­hafte Marken wie beispiels­­weise in der Metall­ver­arbeitung haben den Staffelstab über­­nommen, die Trans­formation nach der Wiedervereinigung gut verkraftet und zählen heute zu den beschäftigungs­­stärksten Einzel­branchen des verarbeitenden Gewerbes. Auch in der holzverarbeitenden Industrie ist Brandenburg Spitze – so sitzen mit Classen Industries in Baruth und Kro­notex in Hei­ligengrabe Weltmarktführer für Parketts in unserem Bundesland.

Der im Jahr 2012 verabschiedete Aktionsplan „Pro­In­dus­­trie“ – ein durch die Ministerien des Landes Brandenburg ab­­gestimmter politischer Rahmen für die Weiterentwicklung der Industrie – war ein wichtiges, positives Signal zur Stär­­kung der Brandenburger Wirtschaft. So liegen zwei der dy­­namischsten Landkreise Ostdeutschlands, Oberhavel und Teltow-Fläming, in unserer Region. Industrielle Leuchttürme wie Takeda oder ZF Friedrichshafen bekennen sich mit ihren umfassenden Investitionen zum Wirtschaftsstandort Bran­den­­burg und stellen eine wichtige Stütze im Land dar. Die Nähe zum jeweils anderen Bundesland ist längst ein wichtiger Stand­­ortfaktor für Berlin und Brandenburg geworden. Die deutsche Hauptstadtregion wird inzwischen als einer der dynamischsten Wirtschaftsräume in Europa wahrgenommen. Die geo­­gra­­fische Lage ermöglicht einen zentralen Zugang zu allen wichtigen Verkehrsachsen zwischen Ostsee und Adria und zu Wachstumsmärkten in Mittel- und Ost­europa sowie zu Wirtschaftszentren Westeuropas. Dreh- und Angelpunkt in der Berlin-Brandenburger Logistik bilden drei Güterverkehrs­­­zentren sowie exzellente An­­bindungen zu Straßen-, Schienen-, Nah- sowie Luft- und Wasserverkehr. Sie sind wichtige Be­­standteile europäischer Transportketten. Die Verkehrsinfra­­­struktur ist in den vergangenen 25 Jahren stetig modernisiert und den Erfordernissen angepasst worden.

Während Berlin als attraktiver Absatzmarkt und internationales sowie politisches Zentrum gesehen wird, punktet Brandenburg mit strategisch guten und bezahlbaren Immo­bilien und Ansiedlungsflächen, attraktiven Finanzierungs­­angeboten und einer gut ausgebauten Infrastruktur. Seit 2013 wird das Konzept „Glasfaser 2020“ zur Errichtung einer durchgängigen Glasfaservernetzung verfolgt. Vor allem die flächendeckende Versorgung mit leistungsfähigen Breitband­­anschlüssen treibt Brandenburg massiv voran. Dies ist ein wichtiger Impuls für das wirtschaftliche Wachstum und den steigenden Wohlstand.

Brandenburg nutzt die Vorteile und arbeitet auf der Grund­­lage von rund 80 Verwaltungsvereinbarungen mit Berlin als eine Wirtschafts- und Innovationsregion zusammen. Die Basis der innovationspolitischen Zusammenarbeit bildet die Gemeinsame Innovationsstrategie der Länder Berlin und Bran­­denburg (innoBB). Etabliert wurden die fünf länderüber­­greifenden Cluster Energietechnik, Gesundheitswirtschaft, IKT/Medien- und Kreativwirtschaft, Verkehr/Mobilität/Lo­­gistik und Optik sowie die vier Brandenburger Cluster Er­­nährungswirtschaft, Kunststoffe/Chemie, Metall und Touris­mus­­wirtschaft, die alle wachstumsstarken Branchen in der Hauptstadtregion abbilden. Ziel der 2011 beschlossenen innoBB-Strategie ist es, die etablierten Cluster und damit im Zusammenhang stehende Wertschöpfungsketten länder­­übergreifend zu fördern sowie den Standort Berlin-Branden­burg auch im internationalen Wettbewerb ganz vorn zu positionieren. Weiterhin ist die regionale Inno­vationsstrategie ein bedeutender Baustein im Bezug auf die von der EU geforderte „intelligente Spezialisierung“ (Smart Specialisation). Ergänzt wurde die Clusterstrategie mit der Ein­­richtung von 15 Regionalen Wachstumskernen (RWKs), die die regionalen Disparitäten im Flächenland Bran­­denburg berücksichtigen. So sollen strukturelle Her­aus­forderungen wie die Gesundheitsversorgung sichergestellt werden.

Mit der Landeshauptstadt Potsdam hat das Land Bran­­denburg einerseits eine Ideenschmiede, die für Film und Medien, einen breiten Dienstleistungssektor sowie für High­­tech, Life Science, Gesundheitswirtschaft, Forschung und Wissenschaft steht. Auf der anderen Seite ist Potsdam aber auch Inspiration und Welterbe mit hoher Anzieh­ungs­­­­kraft für Kreative und viel Raum für Sport, Kunst und Natur. Neben der kontinuierlich wachsenden Landeshauptstadt bietet die märkische Kulturlandschaft weite Räume, die mit einer Vielzahl von Attraktionen zur Freizeitgestaltung und Entspannung einladen.

Wir wissen und nutzen das, richten unsere Arbeit danach aus, unterstützen damit unsere rund 75.000 Mitglieds­­unter­nehmen aller Branchen und vertreten deren Interessen. Für eine innovative Wirtschaft an einem starken Stand­ort Brandenburg.

Dr_Tobias_Mario_ihk_potsdam Prof. Dr. Dr. Mario Tobias
Seine berufliche Laufbahn begann Mario Tobias 1997 in der kommunalen Bauleitplanung, bevor er 2000 als Bereichsleiter Umwelt und Entsorgung zum Bundesverband Infor­mationswirtschaft, Telekommunikation und Neue Medien (Bitkom) wechselte. 2005 wurde er in die Geschäftsleitung dieses größten europäischen IT-Verbands berufen. Seit 2011 baute Tobias als Generalsekretär das von Prof. Klaus Töpfer gegründete „Institute for Advanced Sustainability Studies“ in Potsdam auf. Seit Herbst 2014 ist er Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Potsdam.