Prof. Dr. Christopher Jahns: Jüngste Uni-Stadt Hessens bietet Chancen für Profilierung

In der Geschichte der European Busi­ness School wird das Jahr 2009 immer ein be­­deutender Meilenstein sein: Ge­­mein­sam mit der Stadt Wiesbaden und dem Land Hessen haben wir in den zurückliegenden Wochen und Monaten die entschei­den­den Weichen für die Expansion un­­se­rer Hoch­schule zur Universität gestellt. Im Laufe dieses Ent­schei­dungs­pro­zes­ses hat man mich – zu Recht – immer wieder gefragt, was die neue Uni konkret für Wiesba­den bringt, wie die Stadt davon profitiert, und welche Bedeutung Wies­ba­den neben den traditionellen hessischen Uni­ver­si­täts­städ­ten Marburg, Frankfurt, Gie­ßen, Darm­­stadt und Kassel überhaupt erlangen kann? Meine Antwort darauf ist: Wiesbaden mag vielleicht die jüngste Universitätsstadt Hessens sein, aber ge­­nau dies gibt uns die Chance, unseren Standort, innerhalb unserer Fach­be­rei­che, zu einem der modernsten und in­­no­vativsten auf internationalem Niveau zu machen und als erste deutsche Wirt­schafts-Uni in der internationalen Top-Liga mit­zuspielen.


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Universität soll Wirt­schafts­fak­tor und Wachstumsmotor sein
Der Ausbau zur Universität ist dazu wich­tigste Voraussetzung: In Deutschland zäh­len wir zu den Top 5 BWL-Fakultäten und sind nicht nur die älteste staatlich anerkannte, private, wissenschaftliche Hochschule für Betriebs­wirt­schafts­leh­re, sondern wir stellen, mit 70 Professoren, auch die größte BWL-Fakultät des Lan­des. Damit sind wir jedoch definitiv noch zu klein, um im internationalen Spit­zen­segment konkurrenzfähig zu sein. Die zweite, juristische Fakultät gibt uns die Möglichkeit, uns als Universität auch im internationalen Wettbewerb unter den Besten zu profilieren.
Bisher spielt keine deutsche Business School in dieser Liga mit. Eine solche Universität, davon bin ich fest überzeugt, ist nicht nur für angehende Juristinnen und Juristen hoch attraktiv, sondern wird sich für Wiesbaden als ein zusätzlicher, attraktiver Wirtschaftsfaktor erweisen und zusätzliches Wachstum bringen. Ich denke da speziell an den großen Be­­reich der Professional Services. Wirt­schafts­kanz­leien, Beratungsunterneh­men, Invest­ment­banken – für sie alle wird unsere Universität ein höchst interessanter Part­ner sein. In Forschung und Weiterbildung ebenso wie im Recruiting. Hier werden wir von Wiesbaden aus neue Impulse set­zen und die Attraktivität des Business-Platzes Wiesbaden um einen weiteren Standortfaktor ergänzen.

Attraktive Möglichkeiten in der Spitzenbildung schaffen
Man hat mich oft gefragt, ob Hessen nicht schon genug Universitäten hat und war­um wir meinen, dass es noch eine wei­tere braucht.
Die Antwort darauf gibt der deutsche Bildungsmarkt: Während wir in der Brei­ten­bildung schon sehr gut aufgestellt sind, haben wir, für ein G-8 Land, im Spitzen­seg­­ment im Bereich Wirtschaft und Recht so gut wie keine Bedeutung. Genau das ist die Lücke, die wir mit unserer Uni­ver­sität besetzen wollen. Einer Universität, die in Forschung und Lehre höchste Stan­dards setzt und die sich mit mehr als 100 Professoren auch im internationalen Größen­vergleich messen kann. Das ist es, was unser Konzept einzigartig macht, und was die Uni-Stadt Wiesbaden positiv von den anderen abheben wird.
Wir wollen nicht den staatlichen Unis Kon­­kurrenz machen, sondern, hier bei uns in Hessen, zusätzliche attraktive Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten schaf­­fen, in­­dem wir innerhalb des Jura­stu­di­ums vor allem wirtschaftliche Schwer­punk­te setzen. Das heißt, wir qualifizie­ren in al­­­­len Grundfächern, die laut Ju­­ris­­ten­aus­­­­bil­dungs­gesetz notwendig sind, aber eben im­mer vom wirtschaftlichen Schwer­­­­punkt aus.

Übersetzt ins Curriculum bedeutet das Schwerpunkte in: internationalem Wett­bewerbs- und Gesellschaftsrecht, Kapital­marktrecht, Marken- und Trans­port­recht, um nur einige Beispiele zu nennen. Hin­zu kommen intensives Sprachtraining, vor allem in Legal English, ein Studium Uni­ver­sale mit Ethik, Per­sön­lich­keits­ent­wick­­lung und Wissenschaftstheorie sowie min­­des­tens ein Pflichtsemester im Aus­land. Großkanzleien, Banken und Kon­zer­ne haben enormes Interesse an sol­­chen her­­vorragend ausgebildeten Ju­­ris­ten. Ge­­­zielt für diesen Markt bildet in Deutsch­­land bisher nur die – ebenfalls private – Bucerius Law School aus; mit entspre­­chen­­dem Run auf ihr Angebot. Wir se­­hen hier für uns eine Riesen-Markt­lücke, zu­­mal wir mit den vielfältigen Synergien, die sich zwischen betriebswirtschaftlicher und juristischer Fakultät ergeben, einen klaren Wettbewerbsvorteil haben, der uns die Möglichkeit gibt, uns einen Spit­zen­platz im internationalen Bil­dungs­markt zu sichern und Wiesbaden als Wis­sens­standort auf internationalem Niveau zu etablieren.

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Neue Qualifikationsmöglichkeiten mit internationaler Perspektive
Für die künftigen Juristen, die zu uns nach Wiesbaden kommen, sind speziell die zu­­sätzlichen Quali­fika­tions­mög­lich­kei­ten interessant, die unsere Law School bie­­tet.
Zwar ist auch bei uns das erste juristische Staatsexamen nach neun Semes­tern pri­märes Aus­bildungsziel. Zusätz­lich je­­doch erwerben unsere Stu­­die­renden den Grad des Bachelor of Laws (LL.B.) nach dem sechsten Se­­mes­­ter und die Option, den Master of Laws (LL.M.) an einer unserer internationalen Partneruniversitäten zu erlangen. In Vorbereitung auf eine in­­ter­nationale Karriere profitieren sie zudem von den bestehenden Stärken und vom Netz­werk der EBS mit Career Service Cen­ter, Center für Wirtschaftssprachen – mit 31 Fremd­sprachentrainern in neun Sprachen – 200 Coaches und 154 Part­­ner­­universitäten auf allen Konti­nen­ten.

Wir freuen uns, Wiesbaden etwas zu­­rückgeben zu können
Ich möchte an dieser Stelle die Ge­­le­gen­heit nutzen, der Stadt Wiesbaden und dem Land Hessen dafür zu danken, dass sie, ebenso wie wir, an den Erfolg dieses Projektes glauben und ohne deren Un­­ter­stützung wir unsere Pläne nicht realisie­ren könnten. Umso mehr freue ich mich, wenn wir – unabhängig von den oben ge­­nann­ten Standort­fak­­toren – Wiesbaden et­­was zurückgeben können und mit dem Einzug ins alte Landgericht unser Ver­sprechen einlösen, hier ein lebendiges Universitäts-Viertel entstehen zu lassen.

Jahns_3Der 1969 geborene Autor wurde an der Technischen Universität München im Be­­reich Wirtschaftswissenschaften promo­viert und habilitierte sich dort 2004. Er war seit 2006 geschäfts­führen­der Rek­tor der European Busi­ness School, In­­ter­na­­ti­onal University Wies­baden/Oestrich-Win­­kel. Seit April 2009 ist Christopher Jahns deren Präsident.