Prof. Dr. Björn P. Jacobsen: foodRegio – Innovation in der Ernährungswirtschaft

Kaum jemand kann ihnen widerstehen – den Exportschlagern Marzipan, Marmelade, Müsli und anderen Lebensmitteln aus dem Norden. Sie verführen mit einer starken Kundenbindung, Tradition und Potenzial. Der Norden ist gut ­aufgestellt im Bereich der Ernährungswirtschaft. Als zweitgrößte Branche des ­verarbeitenden Gewerbes stellt sie einen der wichtigsten Wirtschaftsbereiche in Schleswig-Holstein dar. Mit 15 Prozent Umsatzanteil in dieser Kategorie
liegt sie darüber hinaus über dem Bundesdurchschnitt.

Die Ernährungswirtschaft ist nicht nur aufgrund ihrer Größe, sondern vor allem auch aufgrund ihres stabilen Wachstums und Innovationspotenzials für die wirtschaftliche Entwicklung Norddeutschlands und spe­ziell Schleswig-Holsteins eine Schlüsselbranche. Der Norden beweist eindrucksvoll, dass sich Tradition und der unternehmerische Wille, ständig neue, bessere Produkte zu kreieren, nicht ausschließen – ganz im Gegenteil: Seit Jahrzehnten hat sich zwischen Nord- und Ostsee ein dichtes Netzwerk von Produzenten, Veredlern und Anbietern herausgebildet, das in den vergangenen Jahren kräftige Umsatzzuwächse möglich machte. Mit den großen Herstellern H. & J. Brüggen, Continental Foods, J.G. Niederegger, Schwartauer Werke und anderen namhaften Unternehmen hat sich die Lebens­mittelwirtschaft im Großraum Lübeck besonders stark entwickelt. Dort haben sich über 50 Unternehmen und Institutionen im foodRegio Branchennetzwerk der norddeutschen Ernährungs­wirtschaft einem wichtigen Ziel verschrieben – der Produkt- und Prozessinnovation. „Jedes Unternehmen der Lebensmittelwirtschaft macht jedes Jahr hunderte Innovationen – sonst wären wir heute nicht dort, wo wir sind: industrieller Kern und Wertschöpfer im Norden“, sagt foodRegio Vorstands­vorsitzender Jochen Brüggen vom Cerealien­hersteller Brüggen. Diese erreichte Position wird durch das im Jahr 2005 gegründete Branchennetz­werk foodRegio nachhaltig abgesichert und ausgebaut.

Das Branchennetzwerk der norddeutschen Ernährungs­wirtschaft mit Ursprung in Lübeck, gilt als positives Exempel für ein aktives Ernährungscluster in Deutschland. In aktuell neun Arbeitskreisen, mit rund 150 Mitarbeitern aus den Mitgliedsunternehmen, zu Themenschwerpunkten wie zum Beispiel „Qualität & Zertifizierung“, „Prozess & Innovation“ oder „Personal & Ausbildung“, wird die überbetriebliche Kooperation und Zusammenarbeit gelebt und aktiv gestaltet. Ausgehend von der Region Lübeck setzt sich foodRegio neben der Fachkräfte­entwicklung auch mit verschiedenen anderen gemeinsamen Projekten dafür ein, der Ernährungswirtschaft im Norden einen wirklichen Mehrwert zu bieten – unter anderem in den Bereichen Logistik, Qualifizierung, Produktion oder Absatz und Produkt. Die foodRegio Akteure konzentrieren sich praxisnah auf konkret umsetzbare Projekte, deren Ergebnisse unmittelbar ablesbar sind.

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Ein Augenmerk gilt hierbei dem Bereich „Innovation“. Ein weites Feld, das alle Beteiligten betrifft und ein Garant für die Zukunftsfähigkeit eines Unternehmens ist. In den Unternehmen der Ernährungswirtschaft hat das Thema Innovation schon von jeher eine herausragende Bedeutung, denn Innovationen sind der Weg in eine erfolgreiche Zukunft. Angesichts der Dynamik im Lebensmittelmarkt kommt dem Innovationsmanage­ment, das heißt dem Prozess von der Ideenfindung bis zur Produkt-/Prozesseinführung eine immer ­größere Bedeutung für den Erfolg der Ernährungswirtschaft zu. Für ein erfolgreiches Innovationsmanagement gibt es keine Patentrezepte. Die foodRegio Akteure sind jedoch davon überzeugt, dass Kooperationen und Zusammenarbeit im Netzwerk dazu beitragen, das volle Potenzial der Innovationsfähigkeit der einzelnen Unternehmen auszuschöpfen. Die Branche verfügt über ein enormes Innovationspotenzial: Sei es in den Trendmärkten Convenience, Genuss und Gesundheit oder im Bereich neuer Technologien für eine nachhaltige Produktion. Daher hat foodRegio im Jahr 2012 die Roadmap „Innovation“ entwickelt, die in Zukunft dazu beitragen soll, Potenziale früher zu erkennen, besser zu nutzen und damit die Wettbewerbsfähigkeit der foodRegio Mitglieder zu stärken. Die gemeinsam erstellte Innovationslandkarte identifiziert dazu potenzielle kooperative Projekte, die Zukunftsthemen der Ernährungswirtschaft widerspiegeln, und formuliert einen Fahrplan zur Umsetzung der Innovationsaktivi­täten innerhalb des Netzwerkes. Zu den definierten Innovationsthemen gehören zum Beispiel „Ressourcen- und Energiemanagement“, „Innovationsorganisation“ oder auch das Feld „Nachhaltigkeit“. Im Zuge des Innovationsmanagementsprozesses des foodRegio Branchennetzwerks wird die Innovationslandkarte laufend fortgeschrieben und weiterentwickelt.

Das foodRegio Branchennetzwerk ist nicht nur Galionsfigur im Norden, sondern hat sich bereits bundesweit einen Namen in Sachen Innovation gemacht. Im Januar 2014 zeichnete das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie foodRegio als TOP 5 der innovativsten und effizientesten Regionen Deutschlands aus. Die Initiative wird über das Landesprogramm Wirtschaft des Landes Schleswig-Holstein – mit Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) gefördert. Die gemeinsamen Ziele: Durch unternehmensübergreifende Kooperationsprojekte Potenziale weiter ausschöpfen, Synergien besser nutzen, Wissen gezielter austauschen, Innovationen weiter vorantreiben, Wettbewerbsfähigkeit deutlich stärken und Wachstum besser unterstützen.

Autorenfoto_Björn_JacobsenProf. Dr. Björn P. Jacobsen
Der 1968 geborene Autor hat Betriebswirtschaftslehre und Regional­entwicklung studiert. Seit 2005 leitet er die Geschäftsstelle des foodRegio Branchennetzwerkes, er ist zudem Mitglied im Vorstand des foodRegio e.V.. Prof. Dr. Björn P. Jacobsen lehrt an der FH Stralsund Internationales und Interkulturelles Management.