Prof. Dipl.-Ing. (FH) Gerd Finkbeiner: Durch regionale Kooperation stärker im globalen Wettbewerb

Eines der innovativen Tra­­ditions­unter­neh­men in der Metro­pol­re­­gion Mün­chen ist manroland. Der Druckma­schi­nen­­her­­steller aus Augsburg ist weltweiter Marktführer im Rollenoffset­druck. Um globale Herausforderungen wie steigen­­den Wettbewerbs- und Kos­tendruck bes­­ser zu bewältigen, forciert er die Ko­­ope­ration mit Partnern aus regionalen und branchenübergreifenden Clustern.

Medienvielfalt, höhere Qualität, schnellerer Ausstoß, variable Formate und fle­­xible Produktion – die gestiegenen An­­­­­­forderungen an den Druck von Print­­me­­dien sind vielfältig. Als weltweit größ­­­ter Hersteller von Zeitungs- und Illu­stra­­­tions­­drucksystemen stellt sich manroland täglich diesen Herausforderun­gen. Um die internationale Wettbe­werbs­fäh­­ig­keit zu stärken, gewinnen Wissens­­aus­tausch und Kooperation in Clustern und regionalen Netzwerken kontinuierlich an Bedeutung.

Cluster stärken im Wettbewerb
Die Entwicklung und der Ausbau von Clustern ist ein essenzieller Bestandteil von Standortförderung. Cluster liefern eine nachhaltige Kommunikations­platt­­form, um Informationsaustausch und Brancheninitiativen, aber auch branchen­­übergreifende Aktivitäten besser zu ver­­netzen und umzusetzen. Gegenseitiges Lernen zwischen Unternehmen, Hoch­schulen, Forschungsseinrichtungen und weiteren Akteuren der Wertschöpfungs­kette spielt dabei eine entscheidende Rolle. Unterstützt werden diese Cluster durch Personen aus der Privatwirtschaft, aus der Politik oder aus dem akademischen Bereich, die in traditionellen Wirt­­schaftsverbänden oder Interessen­grup­­pen eine führende Rolle spielen.

Regionale Cluster bieten eine effiziente Kommunikationsplattform, informelle We­­g­­e zum schnellen Informationsaus­tausch, kreative Räume für Koopera­tions­­pro­jek­­te und Ansatzpunkte für gemeinsame Aktivitäten. Darüber hinaus können sie auch die finanzielle und logistische För­­derung von Forschungs- und Ent­wick­­lungsprojekten mit dem Ziel umfassen, die Wirtschaftskraft einer Region zu stärken. Branchenspezifische Cluster sollen dagegen die Wettbewerbs­vorteile einzelner Industriezweige besser zur Geltung bringen.

Allen Clustern gemein ist, dass ihre Platt­­formen die gesamte Wertschöp­fungs­ket­­te einer Branche besser aufeinander ab­­stimmen und in der Summe verbessern. Für die Druckindustrie be­­deutet das ein engeres Zusammen­spiel etwa von Farben-, Papier- und Vor­­stufenherstellern wie auch von Druck­maschinenher­stel­lern und Einkaufs­ver­­bänden.

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Cluster-Initiativen von manroland
In der Praxis manifestiert sich eine struk­­turierte Zusammenarbeit in regionalen, nationalen oder internationalen Clus­tern. Wichtigste Ziele sind branchenüber­grei­fender In­­formationsfluss sowie die Ent­­wicklung und Förderung von gemein­­sa­men Pro­­jekten und vielseitig qualifi­zier­­ten Fachkräften. Diese sollen an die je­­weilige Region gebunden werden.

Deshalb ist manroland unter anderem Förderer des Weltverbandes der Zei­tungen (WAN) und engagiert sich seit 1999 im Projekt „Shaping the Future
of the Newspaper“. Dabei werden In­­novationen und Trends analysiert, von denen positive Impulse für die globale Wettbewerbsfähigkeit der Zeitungen ausgehen. Hier liefert manroland Input für branchenspezifische Trends, was Ge­­schäftsmodelle, Maschinen, Anlagen sowie den gesamten Workflow angeht, und profitiert vice versa vom internationalen Netzwerk der WAN.
Die Druckindustrie unterliegt einem ra­­piden Strukturwandel. Sie muss sich innerhalb eines multimedialen Marktes neu positionieren und einer stärkeren Marktsegmentierung mit verbes­­serten Geschäfts- und Produktionspro­zessen stellen. Die 1998 gegründete Branchen­initiative Print City, zu deren Initiatoren manroland zählt, hat sich zum Ziel ge­­setzt, Antworten auf Ver­än­de­run­­gen im Verbraucher- und Kun­den­be­dürf­­nis sowie auf neue technische Anfor­de­run­gen zu entwickeln. Inzwi­schen ar­­beiten mehr als 30 Firmen der grafischen In­­dustrie an gemeinsamen Mes­se­­auf­trit­­ten, verbesserten Workflow­­lösungen oder an der Weiterentwicklung von Druckver­fahren und -produkten.

Um den branchenübergreifenden In­­for­­mationsaustausch für die Druckin­dus­trie zu beschleunigen, engagiert sich manroland im Cluster Druck und Print­medien, der vom Freistaat Bayern durch die Initiative „Allianz Bayern innovativ“ ins Leben gerufen wurde. Dieses Netz­werk umfasst mehr als 500 Partner und soll die lokalen Potenziale besser nutzen, indem es Informationsaus­tausch und Kooperation von Unternehmen, Hoch­­schulen und Forschungseinrichtungen stimuliert. Die gemeinsame Förderung von qualifiziertem Nachwuchs an Hoch­­schulen und Ausbildungsstätten steht dabei auf der Prioritätenskala ganz oben. Kleine und mittelständische Unterneh­men werden dabei ebenso angesprochen wie Hochschulen und Forschungs­institute.

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manroland und die Europäische Metropolregion München (EMM)
Seit vielen Jahrzehnten stärkt manroland den Wirtschaftsstandort Augsburg und die Metropolregion München, der neben München und Augsburg vier wei­­tere kreisfreie Städte sowie zahlreiche Großkonzerne in der Region angehören. Die Europäische Metropolregion Mün­chen umfasst rund 5,5 Millionen Men­schen und erwirtschaftet mehr als die Hälfte des bayerischen Bruttoinlands­produkts.

Sie ist das Zentrum des Me­­dienstand­orts Bayern mit Druck- und Verlags­we­sen, Fernsehen und Hörfunk, der Film­pro­duk­­tion sowie Internet und Multi­me­­dia. Für manroland ein idealer Nährboden, um Trends aufzugreifen und erfolgreich in Innova­tio­nen und Projek­te umzusetzen.

Ein Musterbeispiel für die Umsetzung einer lokalen Co-Produktion ist der Ein­­satz von Robotertechnik im Zeitungs­druck. Bei Automatic Plate Loading (APL) handelt es sich um einen vollautoma­tischen Druckplattenwechsel, der eine Zeit­­ersparnis von 90 Prozent gegenüber dem manuellen Handling verspricht. Ent­­­­wickelt wurde das System zusammen mit der KUKA Robot Group, einer wei­­te­­­­ren Industriegröße im Großraum Augs­­burg. manroland integrierte das Ver­fah­­­ren in die komplexen Druckprozes­se. Mit APL kommt manroland dem langfris­­­ti­gen Ziel nahe, eine stetig produzie­ren­de Druckmaschine anzubieten, die nach dem „One-Touch“-Prinzip ohne Rüst- und Stillstandzeiten vollautomatisch läuft.
manroland und der Cluster Mechatronik
Ausgehend vom Standort Augsburg und mit initiiert von manroland gilt der Bran­­chencluster Mechatronik & Automation als großer Erfolgsfall regionaler Clus­ter­strategien. Ansatzpunkt war die fort­­schreitende Elektronisierung des Ma­­schi­nen- und Anlagenbaus, welche ein neues Profil der Facharbeiter und Nach­­wuchsausbildung in den mechanischen Berufen erforderte. Mecha­tro­nik ist das Bindeglied zwischen dem Maschinen­bau, der Elektronik und der Informatik.

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Der bayernweite Cluster Mechatronik & Automation forciert den Informations- und Wissensaustausch zwischen For­schung und Wirtschaft. Gerade für mit­­telständische Unternehmen und akade­­mische Institute sind die organisierten Netzwerke, Workshops und Jobbörsen eine ideale Grundlage, um gemeinsame Projekte in die Wege zu leiten. Bislang war dieser Cluster der Ausgangspunkt für mehr als 40 Gemeinschaftsprojekte in so unterschiedlichen Bereichen wie Robotik, Automation und intelligente Materialien.

Darüber hinaus begleitet und finanziert manroland seit Herbst 2007 in Ko­­ope­ration mit der IHK Schwaben und der Fachhochschule Augsburg das Ver­bund­­studium Mechatronik mit dem Studien­abschluss des Bachelor of Engineering. Die Mechatronik-Absolventen aus Augs­­burg sind in der gesamten Region als hochqualifizierte Fachleute geschätzt und gesucht.

Garanten für erfolgreiche Clusterarbeit
Ob Forschungsprojekte, Nachwuchs­för­­derung, Fachkonferenzen oder Bran­­chen­­marketing – die Druckin­dustrie muss vereint an einem Strang ziehen, um sich im Wettbewerb der Me­­dien zu stär­­­ken. Das gilt umso mehr für ein export­orientiertes Unter­nehmen wie manroland, das rund 80 Prozent der Konzern­umsätze im Aus­land generiert.

Damit Cluster im Sinne von aktiver Wirt­­schaftsförderung erfolgreich agieren, ist es notwendig, die entsprechenden Platt­­formen mit Themen und engagier­ten Teilnehmern stabil zu besetzen. Ba­­sis dafür sind offene und möglichst struk­­turierte Informationsflüsse zwischen Un­­ternehmen und Clustern, dann lassen sich konkrete Vorhaben wie Forschungs­pro­jekte auf regionaler oder brancheninterner Ebene erfolgreich umsetzen. Dabei müssen sämtliche brancheninter­nen Wertschöp­fungsstufen integriert werden – vom Design über die Pro­dukt­­entwicklung bis zur Logistik und den Service-Leistun­gen. Des Weiteren kommt es auf die Außen­wirkung an. Um diese positiv in Szene zu setzen, gilt es für die Cluster-Mit­glie­­der, ein effektives Net­­working in Me­­dien, Politik und bei an­­deren Entschei­dungs­­trägern des öffent­­lichen Lebens zu be­­treiben. manroland sieht sich in der Pflicht, weiterhin ge­­meinsame Ini­tiati­ven für die Druckin­dustrie zu un­­ter­­stüt­­zen, sei es branchenübergreifend oder im Rahmen der Metropolregion München.

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manroland und der Standort Augsburg
Seit der Firmengründung im Jahr 1845 gestaltet manroland die technologische Entwicklung der Druckindustrie. Der Standort Augsburg nimmt dabei eine Schlüsselstellung ein. Dort wurde 1845 von Carl August Reichenbach die Schnell­­presse ins Leben gerufen. Wei­tere High­­lights folgten, wie die erste Rol­lenoff­set­­maschine im Jahr 1921. Be­­reits 1960 wurden drei Viertel der Gesamtauflage aller deutschen Tageszeitungen auf An­­lagen aus Augsburg hergestellt.

Heute ist die manroland AG ein Unter­neh­men mit weltweit 8.700 Mitarbei­tern, davon allein in Augs­burg rund 3.000 Mit­ar­beiter, inklusive 450 Auszubil­den­de überwiegend für die Berufe Mecha­tro­niker und Industrie- und Zer­spa­­nungs­mechaniker. Damit ist manroland einer der größten Arbeit­geber in der Re­­gion Augsburg.
Das Unternehmen ist in der Welt zu Hause, aber sein Herz schlägt in Deut­­schland.

manroland-GFinkbeiner_1Der 1957 in Baiersbronn geborene Autor hat an der Fachhochschule für Druck in Stuttgart Druckingenieur­wesen studiert. Gerd Finkbeiner ist seit 1999 Vorsit­zen­der des Vorstands der manroland AG. Er wirkt seit dem Jahr 2000 darüber hinaus auch als Hono­rar­pro­fessor an der Hoch­­schule der Medien in Stuttgart und ehren­­amtlich als stell­vertretender Vorsitzen­der der Euro­pä­ischen Metro­pol­region München EMM.