Peter Dobler: Jeder baut seine Stärken aus – Ausschreibung von Gewerbegebieten

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München verfügt über den Zugang zu zahlreichen Autobahnen.

Die Landeshauptstadt München ist po­­litisches Zentrum und wirtschaftlicher Fixpunkt des Freistaates Bayern und der Europäischen Metropolregion Mün­­chen EMM. Der sogenannte Speck­­gür­­tel, begrenzt auf die Endbahnhöfe der S-Bahn, fügt sich eher kleinstädtisch und dörflich ein.
Die gesamte Region München, wie auch die EMM selbst, braucht München als Zen­­trum mit weltweitem Bekannt­­heits­­grad. Fatal wäre, Ansätze dieses Zen­­trums zu schwächen beziehungsweise Auf­­ga­­ben in die Region zu verlagern, denn nur ein starkes München eröffnet auch für die Region neue Chancen und Per­­spek­­ti­­ven. Überhaupt profitiert das gesamte Ein­­zugsgebiet Münchens von den weit aus­­strahlenden kulturellen, sport­­lich­­en, bil­­dungs­­relevanten und sonstigen zentralen Einrichtungen, deren Lasten die Me­­tro­­po­­le größtenteils selbst zu tra­­gen hat. Die Re­­gion bleibt davon ver­­schont und kann un­­ter anderem auch deshalb günstigere Gewerbe­­steuer­­he­­be­­sätze an­­­­­­­­bie­­ten.

Investoren entscheiden sich bei der Stand­­ortsuche nicht nur nach der Aus­­strah­­lungs­­kraft des Standortes, sondern vielmehr nach Kriterien wie Immobilien- und Infrastrukturkosten, Verfügbarkeit von Arbeitskräften, Verkehrsanbindung und eben auch nach dem Ge­­werbe­­steu­­erhe­­be­­satz. Bisher sind die Gemeinden zu sehr bemüht, metropolitane Erfolgs­­mo­­delle zu an­­tizipieren und sich gegenseitig Stand­­ortsuchende abzuwerben. In schönem Einklang kontaktieren alle die gleichen expandierenden und standortsuchenden Firmen. Die Folge: Es beginnt eine Preis­­spirale nach unten, wertvolle Grund­­stücke werden immer kostengün­­s­­tiger angeboten. Für den Käufer und In­­vestor mag dies durchaus positiv sein, für die Regionen hat dies inflationäre Aus­­wir­­kungen, da Grundstücke nicht re­­pro­­duzierbar sind. Ganz zu schweigen von der „Nach­­haltigkeit“ im ökologischen und ökonomischen Sinn.

Potenziale für Flächen
Was kann das Erfolgsgeheimnis sein? Die größten Potenziale hat sicherlich der, dem es gelingt, seine Stärken zu festigen und Schwächen zu vermeiden. Mün­­ch­­en muss deshalb die Zentralität weiter ausbauen, insbesondere die na­­tionalen und internationalen Verkehr­­s­­an­­­­bin­­dun­­gen, um im wachsenden Wett­­bewerb zu be­­stehen. Repräsentative Konzernzentralen wie auch mittelständische Unterneh­­men, die in­­ter­national tätig sind, müssen ihren Sitz in München haben. Gleiches gilt für Ban­­ken, Versicherungen und Firmen, für die hohe Büromieten keine beziehungswei­­se nur eine geringe Rolle spielen – für sie ist der Standort „City München“ richtig. Im Zentrum von München sollten zusätzlich alle universitätsnahen Ein­­rich­­tun­­gen, Aus­­gründungen et cetera verbleiben.
Nur das Zusammenspiel zwischen For­­schung und Lehre auf der einen und den forschungslastigen Unternehmen auf der anderen Seite bringt den notwendigen Erfolg. Ein Abwerben in die Region ist in der Regel kontraproduktiv; For­­schungs­­zentren benötigen kur­­ze Wege und die Ballung von Know-how.
Die Region kann dagegen den potenziel­len Investoren größere und günstigere Grundstücke zur Verfügung stellen. Hier müssen allerdings, abgestimmt auf die Stärken des jeweiligen Standorts und abgestimmt mit den weiteren Ge­­wer­­be­­ge­bieten, Schwerpunkte gebildet werden, die in sich schlüssig sind und keine Kon­­kur­­renz zu benachbarten Kör­­per­­schaf­­ten dar­­stellen. So bieten sich zum Bei­­spiel an Au­­­­to­­bah­­nen verkehrslastige Be­­triebe wie Lo­­gis­­­­tikunternehmen an. Die wenigsten Kom­­munen wollen heute zwar Lo­­gis­­tik­­­­zen­tren, die Erfahrung jedoch zeigt, dass diese Zentren auch weitere Firmen und Dienstleister anziehen. Gleiches gilt, wenn ein Magnetunternehmen, wie etwa Roche in Penzberg, bereits vor Ort ist. Die Kom­munen sollten hier die Vor­­aus­­set­­zun­­gen für die Ansiedlung von Zuliefer- und Dienstleistungsunternehmen schaf­­fen. Nicht zu vergessen sind auch mög­­liche Ausgründungen, Buy-outs und so weiter. Ein nicht zu unterschätzender Vor­­teil der Region ist die höhere Bin­­dung und Identifikation der Mitarbeiter mit den Unternehmen.
Um Ressourcen zu schonen, sollten nur interkommunale Gewerbegebiete in­­ner­­halb von Landkreisen beziehungsweise Regionen ausgewiesen werden. Dies ver­­meidet darüber hinaus den unerbittlich­­en Konkurrenzkampf zwischen den ein­­zel­­nen Gemeinden.

Ausblick
Um die Potenziale noch besser nutzen zu können, sind koordinierte Maß­­nah­­men erforderlich. Für den weiteren Aus­­bau und die langfristige Zu­­kunfts­­fähig­­keit des Ansiedlungsstandortes Euro­­päische Metropolregion München ist es erforderlich,
1. dass die EMM sich zunehmend stärker als Einheit sieht und alle Be­­tei­­lig­­ten daran mitwirken, den Flächen­­ver­­brauch bei Gewerbegebieten res­sour­­cen­­scho­­n­­end einzuschränken. Dies ge­­­­lingt un­­ter anderem auch dadurch, dass be­­­­stehen­­de Industriebrachen re­­vitalisiert werden, Produktion in Dienst­­leistung um­­struk­­turiert wird und sich ein ar­­bei­­t­­s­­teiliger Denk­­an­­satz der EMM-Partner durchsetzt.
2. dass gewerbliche und industrielle Schwerpunkte in der Region gemeinsam definiert werden. Es sollte bis auf die Kleinstgewerbeflächen für die hei­­mischen Handwerksbetriebe keine unkoordinierten größeren Ge­­wer­­be­­ge­­biete mehr geben.
Die Gewerbesteuer könnte zudem über einen Schlüssel verteilt werden, um Aus­­gleiche zu schaffen.
Im Ergebnis solcher gemeinsamer An­­strengungen wird es für Firmen und An­­siedlungswillige klare Ansätze für die Standortentscheidung geben, festgelegt von den EMM-Partnern und nicht ge­­­­trie­­ben durch defizitäre Grund­­stücks­­­­preise.

Die Europäische Metropolregion Mün­chen gilt zu Recht als ein in Europa führender Stand­­­­ort. Es gibt allerdings auch viel Po­­ten­­zial, um die Situation im Sektor In­­dus­­trie- und Gewerbeflächen­immo­bi­lien wei­­terhin langfristig nach ökonomisch­­en und ökologischen Grundsätzen zu verbessern.

Dobl319Der Autor führt in der vierten Ge­­ner­­a­­tion das 130 Jahre alte Kaufbeurer Fa­­mi­­­­lien­un­ternehmen als geschäftsführen­­der Ge­­sell­­schafter. Peter Dobler ist Grün­­­­dungs­­mit­­glied der Allgäu Initiative, Mit­­glied des IHK-­­Gremiums sowie Ini­­tiator und Be­­treiber der Allgäuer Grün­­der­­zen­­tren. Er engagiert sich besonders für die Ver­­netz­­ung der heimischen Wirt­­schaft.