Onno Faller & Nadine Krämer: „Tierisch attraktiv“ – Erlebnisvielfalt zwischen Kultur und Natur

Museum Jagdschloss Kranichstein
„… das ist einfache Natur würdest du bei seinem Anblick sagen, und doch ist es ein Meisterwerk der Kunst. Pappeln, Obstbäume und Sträucher aller Art bilden dichtes Grün. Die Alleen sind mit Kies bestreut. Die Rasenflächen sind von kleinen Kanälen durchbrochen, die Hühnern, Puten und Fasanen, von denen der Park bevölkert wird, zur Tränke zu dienen …“

So beschreibt um 1792 die Erzieherin der Nichten von Landgraf Ludwig IX von Hessen-Darmstadt die Umgebung des Jagdschlosses Kranichstein. Auch wenn heute die kleinen Kanäle stattlichen Buchen gewichen sind und an­­statt des Federviehs eher Wild- und Nilgänse herum­spa­­zieren, kann man bei einem Gang durch den Schlosspark oder um den Backhausteich immer noch Spuren dieser und sogar noch weiter zurückliegender Zeiten entdecken.


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Kranichstein diente über 400 Jahre den Landgrafen und Großherzögen von Hessen-Darmstadt als Jagdschloss. Es ist eines der wenigen ehemaligen Anwesen des Hauses Hessen-Darmstadt, die seit Beginn der Landgrafschaft im 16. Jahrhundert bis jetzt kontinuierlich genutzt und dem jeweiligen Zeitgeschmack entsprechend verändert wurden. Seine große Zeit hatte das Jagdschloss im 18. Jahr­­hundert, als Landgraf Ludwig VIII, bekannt auch als der große Jagd-Landgraf, seinen Wohnsitz nach Kranichstein verlegte und von dort aus große, repräsentative Jagden veranstaltete. Eine Reihe fürstlicher Salons im Stil des 18. Jahrhunderts zeugen von dieser umtriebigen Zeit.
Jagdgemälde Darmstädter Maler, wertvolle Tapisserien sowie Möbel im Stil des Barock und Rokoko geben einen Einblick in das damalige höfische Leben. Von der Jagd­leiden­­schaft der Landgrafen kündet die Galerie imposanter Hirschtrophäen sowie eine authentische Waffen­sammlung, die sämtliche Jagdwaffen der Landgrafen von Hessen-Darmstadt vereint. Wer sich darüber hinaus für die Bedeutung der Jagd in der Kulturgeschichte der Mensch­­heit interessiert, dem bietet der „Rundgang zur Geschichte der Jagd von der Vor- und Frühzeit bis heute“ ausführliche Informationen.

Bioversum Kranichstein-Museum biologischer Vielfalt

Biodiversität und biologische Invasionen – denken Sie dabei auch an den Regenwald des Amazonas, der mit seiner Buntheit und Exotik unser Bild von unschätzbarem Artenreichtum bestimmt? Niemand zweifelt daran, wie wichtig die biologische Vielfalt für uns alle ist. Aber kann man Biodiversität und biologische Invasionen auch vor der eigenen Haustür erleben?
Das bioversum ist Teil der Schlossanlage Kranichstein, eines Ensembles aus Jagdschloss, Schlosspark, Buchen­wald mit artenreichen Waldrändern sowie Teichen, Wiesen, Bachläufen und Feldern. Es ist ein lebendiges Beispiel dafür, wie eng Kulturgeschichte mit Naturgeschichte verwoben ist.

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„Der Besucher ist Forscher“ ist das Motto, das sich durch die beiden 200 Quadratmeter großen Ausstellungsräume zieht. Forschungsgegenstand in der Ausstellung ist der Buchenwald, hier jedoch in Form eines großen inhaltlich verdichteten Waldbodendioramas, das diesen in allen vier Jahreszeiten zeigt und mit optischen Tricks Einblicke auch unter die Erdoberfläche ermöglicht.

17 Werkstattstationen bieten den Besuchern die Möglich­keit, unterschiedliche Aspekte der Biodiversität dieses Wald­­aus­schnittes zu untersuchen. Ob es um biologische Invasionen geht oder die Arten- und Lebensraumvielfalt im Wald, immer gibt es Details zu erkunden, Aufgaben und Quizfragen zu lösen, die den detektivischen Spürsinn reizen.
Die Vitrinen und Schaukästen, Wissensecken und Schub­läden beherbergen kein ein für allemal feststehendes Wissen. Sie regen an, sich eigenes Wissen anzueignen, seine Beobachtungen zu teilen, gemeinsam Neues zu entdecken. Die Entdeckungen sind dabei so vielfältig wie die Besucher selbst.

Mit der Umgestaltung des Museumsgartens wird sich der Spaß am Entdecken auch in den Außenbereichen fortsetzen. Für diejenigen, die das nicht auf eigene Faust tun wollen, bietet das Museum regelmäßig betreute Werk­­stätten und Besucherlabore an, für Familien, Erwachsene, Jugendliche und Kinder.

IMG_0018-KopieOnno Faller hat von 1986 bis 1989 eine Ausbildung zur Holzbildhauerin absolviert und anschließend „Film und Kochen als Kunstgattung“ an der Hochschule für Bildende Künste Städelschule Frankfurt studiert. Im Jahr 1997 war sie Meisterschülerin. Von 1995 bis 1997 studierte sie Ausstellungsdidaktik und Kulturpädagogik in Braunschweig. Seit 2008 ist Onno Faller Kuratorin von bioversum und Jagdschloss Kranichstein.

 

 

IMG_0332Nadine Krämer hat von 1996 bis 2002 Geografie an der Justus-Liebig-Universität in Gießen studiert. Von 2004 bis 2006 hat sie sich zur Immobilienfachwirtin TÜV weiter-gebildet. Seit April 2010 ist Nadine Krämer als Stiftungs-geschäftsführerin des Jagdschlosses Kranichstein tätig.