Norbert Steiner: Deutschland braucht eine langfristige Rohstoffsicherung

Eine nachhaltig funktionierende Volks­­wirtschaft ist auf Rohstoffe angewiesen. Wirtschaftlicher Erfolg und Wohl­­stand beruhen in hohem Maße auf der Nut­­zung von Rohstoffen. Beein­­träch­­ti­­gun­­­­gen bei der Verfügbarkeit von Roh­stoffen können schwerwiegende Aus­­wir­­kungen auf die industrielle Wert­­schöpf­­ung und damit auch auf Be­­schäftigung, Wachs­­tum und Investi­­tio­­nen am Standort Deut­­sch­­land zur Folge haben.

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Die sichere Versorgung und ein freier Zugang zu Rohstoffen sind entscheidend für die Wettbewerbsfähigkeit des Pro­­duk­­tionsstandortes Deutschland. Da­­bei wird schnell übersehen, dass es nicht nur um den Abbau von Lager­­stätten in Asien, Südamerika oder Afrika geht. Deutschland bietet selbst eigene Rohstoffe. Für die Gewinnung dieser Ressourcen ist die Unterstützung aus Gesellschaft und Politik notwendig.

In der aktuellen Dis­­kus­­sion über die Roh­­stoff­­versorgung der deutschen Wirt­­schaft stehen neben den Energie­­roh­­­­stof­­fen vor allem metallische Roh­­stoffe, die weit­­gehend importiert werden müssen, im öffentlichen Fokus. Die Not­­­­wen­­dig­­keit des Zugangs zu heimischen Roh­­stoff­­­­quellen wird dagegen kaum be­­achtet. Dabei ist die Rohstoff­­wirt­­schaft Deutsch­­lands eine tragende Säule der Volkswir­­t­­schaft.

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Für die sichere Versorgung mit Roh­­stoffen ist die deutsche Industrie auf geeignete und faire Rahmen­­be­­ding­­un­­gen angewiesen. Dies gilt zum einen für den Bezug von Rohstoffen aus dem Aus­­land, zum anderen aber eben auch für die Nutzung von in Deutschland ge­­winn­­baren Rohstoffen. Die Wert­­schöp­f­­­­ungs­­tiefe ist vor allem in der deutschen Kali- und Salzindustrie enorm. Aus den in Deutschland unter Tage ge­­won­­nenen Salzen ent­­steht eine breite und un­­ver­zichtbare Palette von Produkten für private, gewerbliche und industrielle Anwendungen. Die Vielfalt dieser Pro­dukte, die zu­­gleich elementare Be­­stand­­­­teile unseres Lebens sind, ist dabei außerordentlich groß: Kali- und Magne­­si­­umdüngemittel, die für gesundes Pflan­z­­enwachstum un­­verzichtbar sind, helfen dabei, die Er­­träge in der Land­­wirt­­schaft signifikant zu steigern, um eine stark wachsende Welt­­be­­völkerung künftig ernähren zu können.

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Die Produkte der deutschen Kali- und Salzindustrie werden weltweit stark nachgefragt.
Ob Salz für das Frühstücksei, als Kon­­ser­­­­vierungsstoff oder als Pharma­­salz in hoch­­reiner Qualität für In­­fu­­s­­ions­­lö­­sun­­gen, In­­dus­­trie- und Gewer­­be­­salze, die unter anderem für die Wasser­­ent­­härtung sowie für die Kunststoff-, Aluminium- oder zur Glasher­stellung benötigt werden, und Auftausalz für die Sicherheit auf winterlichen Straßen.

Neben Stein- und Kalisalzen gehört Deutschland auch bei anderen Roh­­­­s­t­­offen wie Braunkohle und Kaolin (für die Herstellung von Ton- und Porzell­­an­­­­pro­­dukten notwendig) zu den weltweit größten Produzenten. Auch bei Sand, Kies, Ton, Kalk- und Gipsstein können wir unseren Bedarf selbst decken. Jährlich werden in Deutschland rund 1,2 Milliarden Tonnen an Rohstoffen verarbeitet. Die heimischen Rohstoffe machen uns un­­abhängiger von Im­­por­­ten, sind zum Teil Exportschlager und schaffen Ar­­beitsplätze: Mit 200.000 Beschäftigten in mehr als 6.000 Be­­trieben, die zu­­sammen einen Umsatz von etwa 43 Milliarden Euro erwirtschaf­­ten, leistet die deutsche Roh­­stoff­­­in­­­­dus­­trie einen wichtigen Beitrag zur volkswirtschaftlichen Gesamt­­rech­­nung. In der gesamten Roh­­stoff­­wert­­schöpf­­ungs­­­­kette bis zum fertigen Produkt sind hierzulande sogar bis zu sechs Millionen Men­­schen be­­schäftigt.

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Die hohe Aufmerksamkeit auf Energie- und wichtige Industrierohstoffe, bei denen Deutschland nicht über ausreichende Vor­­kommen verfügt, ist richtig und wichtig. Aber wir brauchen wieder das Wissen darüber, dass Deutschland sich glücklich schätzen kann, über heimische Rohstoffe zu verfügen, die unabhängig machen und im Ausland gefragt sind. Daher sollte der heimische Roh­­stoff­­markt die entspre­ch­­en­­de politische und gesell­­schaftliche Auf­­merksamkeit sowie Für­­sprache erhalten.

steinerDer Autor (Jahrgang 1954) studier­te Rechtswissenschaften an der Uni­­versität Heidelberg. Er ist Vorstands­vorsitzender der K+S Aktiengesellschaft und Mitglied im Ausschuss Rohstoffpolitik des Bundes­­verbandes der deutschen Industrie (BDI).