Nina Prigge & Sören Mohr: IT in Schleswig-Holstein – Eine Branche formiert sich

Ob an der nordfriesischen Küste oder in den Städten des Landes – in Sa­­chen In­­ternetnutzung sind die Schles­­wig-Hol­­steiner ganz vorne mit dabei. Gut 70 Prozent der Bevöl­ke­rung nutzen mitt­­lerweile das virtuelle Netz. Im bundeswei­­ten Ranking belegt Schleswig-Holstein damit den dritten Platz bei den Flä­­chen­­ländern, Platz sechs insgesamt. Die­­se Sta­­tistik deutet an, was weitere Zah­­len belegen: In Schles­­wig-Hol­­stein wächst und gedeiht nicht nur der Raps, sondern auch eine le­­ben­­dige IT- und Me­­dienbranche. Von 1990 bis heute hat sich die Zahl der IT- und Medien­un­ter­­nehmen hier glatt verdrei­­facht und ist auf rund 15.000 angestie­gen. Mit ei­­nem Anteil von 20 Prozent am Dienst­­­­leis­tungsbereich gehören sie in­­zwi­­schen zu den wichtigsten Bran­chen im Land.

Aber nicht nur die Quantität, auch die Qualität überzeugt: Aktuell entwickelt das schleswig-holsteinische IT-Unter­neh­­men c.a.r.u.s. HMS GmbH eine neuartige Software mit dem Namen „ViSoR – Virtual Screening optimizing the Reali­­ty“ und wird bei diesem Vor­­haben aus dem Zukunftsprogramm Wirt­­schaft des Landes gefördert. Durch com­­puterunterstützte Rechen­opera­tio­nen wird „ViSoR“ die zeit- und kos­­ten­­in­ten­­sive Labor­ar­­beit bei der En­t­­wick­­lung neuer Medi­ka­­men­­te in Zu­­­kunft er­­heb­-lich vereinfachen und be­­­­schleu­nigen.
Die b+m Informatik AG aus Melsdorf sorgte Ende des Jahres 2008 auf der „Medica“, der weltgrößten Messe in der Medizinbranche, mit seinem Produkt „b+m op manager“ für großes Interesse. Die Software unterstützt ambulante OP-Zentren, das Termin- und Res­sour­cen­­management zu optimieren und Über­­kapazitäten abzubauen – in Zeiten des zunehmenden Kostendrucks im Ge­­sundheitswesen unumgänglich.

b+m-health

Die IT-Firma b+m Informatik AG entwickelt innovative Software für die Medizinbranche.

Ein anderes schleswig-holsteinisches IT- Unternehmen ist dagegen erfolgreich im Banken- und Versicherungswesen: Über 600 deutsche Banken haben den VISOR-Computercheck der Firma Coro­nic aus Kiel bereits in ihr Online-Bank­ing-An­­ge­bot integriert. Mithilfe dieses Checks kön­­nen Kunden vor der Ab­­wick­­lung ih­­rer Geldgeschäfte sicherstellen, dass die In­­ternetverbindung sicher ist. Das Wis­­sen um die Mängel und Po­ten­­ziale des Me­­diums Internet hat auch der schleswig-holsteinischen Firma Cliplis­ter zum Er­­folg verholfen. Mittlerweile gilt das 2007 gegründete Unternehmen als Markt­­­­füh­­rer in Europa für die Distribu­tion von Videoclips für Online-Shops.

Ob im Gesundheitswesen, in der Fi­­nanz­­branche oder auch im Handel – moderne In­­formations- und Kommuni­kations­tech­­nologien werden überall eingesetzt. Als Querschnittstechnologien haben sie das Potenzial, auch in anderen Branchen In­­novationstreiber zu sein und die Wett­­be­­werbsfähigkeit der Region nachhaltig zu unterstützen.

Beratungsbild

Die IT- und Medienlandschaft Schles­wig-Holsteins ist von vielen innovativen, aber eher kleinen und mittelständischen Fir­­men geprägt. Networking ist daher einer der wichtigsten Bausteine zum Erfolg. Bereits Ende der 1990er Jahre kamen Unterneh­mer der IT- und Medienbranche zusammen und gründeten die beiden Vereine „SH://MIT – Schleswig-Hol­stei­ni­­scher Verband für Multimedia und In­­­formations­tech­no­lo­gie e.V.“ und „Com­mu­­nity Treff – För­der­­kreis Digitale Wirt­­schaft e.V.“ Im Jahr 2005 fu­­sio­­nierten sie zu „DiWiSH – Di­­gi­­tale Wirtschaft Schles­­wig-Holstein e.V.“ Mit zahlreichen Networking-Ver­an­stal­­­tun­­gen, Seminaren und Workshops sorgte die neue In­­te­­res­­senvertretung der Bran­­che für einen re­­gen Wissens­transfer und gegenseitigen Austausch. Die Zahl der Mitglieder wuchs beständig. Auch die Landesregierung Schles­wig-Holstein er­­kannte bald das Po­­ten­zial der Branche und ihrer organisatorischen Strukturen. Seit 2006 fördert sie die IT- und Me­­dienbranche durch Ein­richtung des Clus­­termanagements Di­­­­gi­­tale Wirt­schaft Schles­­wig-Holstein.

ViSoR_Imagebild
Oberstes Ziel des Clusterman­age­ments ist die Förderung der Wettbewerbs­fä­hig­­­­keit der beteiligten Unternehmen und Einrichtungen sowie die Schaffung zu­­kunftsgerichteter Arbeitsplätze. Im Ein­­­­zelnen bedeutet dies eine verbesserte Zusammenarbeit zwischen Wirt­­schaft und Wissenschaft, die Inten­si­vie­­rung des Wissens- und Tech­no­lo­gie­­trans­fers so­­wie die Förderung von In­no­va­­tio­­nen durch Kooperationen. Trä­ger des Clus­­ter­man­­­­agements ist die WTSH – Wirt­­schafts­förderung und Techno­lo­gie­­­trans­­fer Schles­­­wig-Hol­­stein GmbH. Durch die Ein­bin­dung in die WTSH bietet das Clus­­­­ter­man­­agement besten Zugang so­­wohl zu anderen Bran­­chen und tech­­nologischen Schwer­punkt­­­bereichen als auch zu den För­der­mög­­lichkeiten des Lan­des. Das Clus­­ter­­man­­agement wird im Rahmen des Zu­­kunfts­­pro­gramms Wirt­schaft durch das Land teilgefördert. Die restliche Fi­­nanzie­rung basiert auf den Beiträgen der Cluster­un­ter­neh­­men als Mitglieder des Vereins Digitale Wirt­­­schaft. Nicht zu­­letzt deswegen ist die Zusam­men­ar­beit zwischen dem Ver­­ein Digi­tale Wirtschaft Schleswig-Hol­­stein e.V. und dem Clustermanage­ment sehr eng. Ge­­­meinsam programmieren sie die di­­gitale Wirtschaft Schleswig-Holsteins auf Höchstleistung!

Nina-Prigge_version2Die Autorin wurde 1971 geboren und stu­­dierte in Hamburg und Irland. Nach dem Staatsexamen arbeitete sie bei Double­­Click International Techsoultions in Dub­­lin. 2005 wechselte sie zur Digital Hub Development Agency, die für den Aus­­bau des in Irland größten digitalen Me­­­­­dien­clusters zuständig ist. 2009 übernahm sie die Projektleitung im Clus­­ter­­manage­­ment der Digitalen Wirtschaft Schleswig-Holstein.

 

 

soeren_portrait_2_18x20Der Autor wurde 1968 geboren und studierte Betriebswirtschaftslehre in Kiel. Von 1993 bis 1994 war er Pressesprecher im Han­sa­park Sierksdorf, bis 1997 Mar­ket­ing­­leiter des­­­selben. Anschließend übernahm er die Leitung der Kundenberatung der fluxx AG und gründete 2000 die Kieler Werbe- und Marketingagentur New Com­­mu­ni­ca­tion. Seit 2005 ist er im Vorstand des Ver­­eins Di­­gitale Wirt­­schaft Schles­­wig-Hol­stein e.V., seit 2007 dessen 1. Vor­­­­sitzender.