Nikolaus Berlakovich: Mehr Aufschwung in Österreich durch erneuerbare Energie

Die Atomkatastrophe in Fukushima hat deutlich gemacht, dass die europä­ische und weltweite Energiepolitik umdenken muss. Diese Katastrophe wird auf Men­schen und Umwelt noch Jahrzehnte bis Jahrhunderte Auswir­kungen haben. Atom­­­kraft und auch Öl und Gas sind von gestern, der Ausstieg daraus der einzig vernünftige Weg. Die Zukunft im Energie­sektor muss nachhaltig, effizient und mit erneuerbarer Energie sein. Meine Vision für unser Land ist die Energie­autarkie Österreichs, mit 100 Prozent Energie „Made in Austria“.

Der Energieverbrauch steigt weltweit massiv an. Beim Ölpreis werden hohe Preis­steig­erungen erwartet, die Res­sourcen werden knapper. Die OPEC und das Deutsche Institut für Wirtschafts­for­schung prognostizieren einen Ölpreis­anstieg von 200 Dollar pro Barrel in den nächsten Jahren. Das sind jähr­liche Mehrkosten von 3.360 Euro für eine durchschnittliche Familie mit Haus und Auto. Mein Ziel ist klar: Österreich soll unabhängig von Öl- und Gasimporten werden. Das ist machbar. Bis 2050 können wir Österreich zu 100 Prozent mit sauberer heimischer Energie versorgen. Davon profitieren die Umwelt und die Wirtschaft in Österreich. Um dieses Ziel zu erreichen, wurden drei Schwerpunkte gesetzt: Energieeffizienz, erneuerbare Energie und green jobs.
Wir müssen unser Energiesystem ändern und unabhängig werden. Wir benötigen ein Energiesystem, das für morgen und nicht von gestern ist. Alle Verant­wort­ungs­­träger und jede und jeder Einzelne müssen mittun. Vor allem unsere Ge­­mein­­den und Regionen sind dabei wichtige Motoren. Ich habe daher ein Förder­­pro­­gramm im Rahmen des Klima- und Energiefonds gestartet, das Gemeinden und Regionen in Österreich auf ihrem Weg in die Ener­gieautarkie begleitet. Bereits 66 Gemein­den haben den För­­derzuschlag schon bekommen und damit ist schon ein Fünftel der Öster­reicherinnen und Öster­­reicher in Rich­­tung Energieautarkie unter­wegs und heuer werden noch weitere Regionen dazu­kommen.


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Wirtschaftsmotor green jobs. Kein Bereich ist so gut durch die Wirtschaftskrise gekom­­men wie der Umweltsektor. Mit einem Plus von 3,7 Prozent an green jobs in der Um­­welt­­­wirtschaft liegt die Anzahl der Beschäf­­tigten heute bei rund 200.000. Es ist uns in den letzten Jahren gelungen, diese Entwicklung mit gezielten För­­derungen maßgeblich zu forcieren. Jede Investition in den Aus­bau von green jobs bringt mehr Klima­schutz, Energie­sicher­heit, Wirtschafts­wachstum und Auf­schwung. Besonders stark entwickelt sich der Bereich der erneuerbaren Energie und Energie­ein­sparung.
Rund 40 Prozent der Beschäf­tigten erwirt­­schaften in diesem Bereich die Hälfte des gesamten Umweltumsatzes. Hier greift maß­­geblich unsere Förderung der thermischen Sanierung sowie zur intensiveren Energieberatung und -planung. Mit der 400-Millionen-Euro-Sanierungs­offen­sive können wir bis 2014 mit einer Einsparung an Treibhausgasen von vier Millionen Ton­­nen und einem Zuwachs von 10.500 green jobs jährlich rechnen. Das zeigt: Jeder investierte Euro in die Umweltwirtschaft bringt Vorteile für die Menschen, den Klimaschutz und die Wirtschaft.

Die green jobs und das Wirtschafts­wachs­­­tum sind eng miteinander verbunden. Bereits jetzt wird in Österreich jeder zehnte Euro mit der Umwelt verdient. Bis 2020 können 100.000 neue green jobs in den Schlüsselbereichen entstehen. Daher forcieren und fördern wir auch weiterhin den Ausbau dieses Arbeits­marktes. Es geht darum, den Menschen in Österreich Zuversicht zu bieten. Und ich möchte ganz besonders junge Men­schen motivieren, diese Option zu wählen und in den Umweltsektor einzusteigen.

Das Lebensministerium kann dazu bereits viele Erfolge vorweisen: Mit dem Master­­plan green jobs, mit der Förderoffensive zur thermischen Sanierung und der Um­­welt­­förderung im Inland genauso wie mit den Programmen im Klima- und Energie­­fonds, der Klimaschutzinitiative klima:aktiv, der green-jobs-Qualifizierungsoffensive und gezielten Förderaktionen zum Ein­satz erneuerbarer Energie setze ich punkt­genaue Maßnahmen. Neben den Arbeits­­plätzen durch die Sanierungsoffensive haben wir mit den klima:aktiv-Mobilitäts­projekten bereits rund 2.700 green jobs und mit der Umweltförderung (UFI) 7.300 green jobs geschaffen und gesichert. Aber auch die Klima- und Energie-Modell­re­­­gionen sowie die Elektromobilitäts-Modell­regionen helfen bei der Schaffung und Sicherung regionaler Wertschöpfung und Arbeitsplätze.


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Um die Energieautarkie im Mobilitäts­bereich umzusetzen, ist es notwendig, auf alternative Antriebe, Biokraftstoffe und Elektromobilität zu setzen, damit unser Land unabhängig von Rohstoff­importen wird. Wir fördern daher mit der Klimaschutzinitiative klima:aktiv mobil den Umstieg auf Elektrofahrzeuge mit unterschiedlichen Angeboten, um den Anteil der Elektromobilität bundesweit zu steigern. Mit dem „10-Punkte-Aktions­­programm zur Elektromobilität“, das gemeinsam mit der Wirtschaftskammer Österreich ins Leben gerufen wurde, haben wir ein klares Ziel vor Augen: Bis 2020 möchte ich 250.000 Elektrofahrzeuge auf Österreichs Straßen bringen und damit eine CO2-Einsparung von 430.000 Tonnen erzielen. Mit Elektrofahrzeugen wird Mobilität zukünftig nahezu ohne Emissionen und Schadstoffe möglich sein.


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Das ist ein Meilenstein in der klimaschonenden Antriebstechnologie und ein Ge­­winn für die Umwelt und die Gesundheit unserer Bürgerinnen und Bürger. Wir arbeiten auch an der Bereitstellung von ausreichenden Ladestationen. Strom aus erneuerbaren Ressourcen ist genug in Österreich vorhanden. Dabei spielen die Modellregionen zur Elektromobilität als Multiplikatoren eine ganz wesentliche Rolle. In Eisenstadt, Graz, Linz, Wien und Vorarlberg wird Elektromobilität bereits erfolgreich in der Praxis getestet. Hier werden zum Beispiel bereits Leasing-Modelle, E-Car-Sharing und E-Ruf-Taxis eingesetzt.

Für die Energieversorgung von 250.000 Elektrofahrzeugen ist nur rund ein Pro­­zent an zusätzlicher Stromproduktion erfor­­derlich, ein Ausbau der bestehenden Kraftwerkskapazitäten ist damit nicht erforderlich, denn der Strombedarf kann zur Gänze aus erneuerbaren Energien aus Österreich – Wind- und Wasserkraft, Photovoltaik oder Biomasse – bereitgestellt werden. Beim Ausbau des Strom­tank­­stellennetzes geht die realistische Planung davon aus, dass es bis 2020 etwa 4.000 öffentliche Ladestationen gibt, für die ein Investitionsvolumen von 150 Millionen Euro benötigt wird. Dem stehen positive Nettoeffekte sowohl für die Volkswirtschaft als auch für die Inves­ti­tionen von 300 Millionen Euro gegenüber. Die Elektromobilität zeigt damit, dass aktiver Klimaschutz ein ganz wesent­­­­­­­­licher wirtschaftlicher, aber auch arbeits­­marktpolitischer Faktor der Zukunft ist.

Für ein lebenswerteres Österreich. Um für Österreich und unsere Bürgerinnen und Bürger ein zukunftsfähiges und leist­­bares Energie­­system aufzubauen, müssen wir so rasch wie möglich auf erneuerbare Energie und Energieeffizienz umstellen. Das braucht aber einen gemeinsamen Schulterschluss aller Verantwortlichen. Anders werden wir es nicht schaffen. Durch moderne Umwelttechniken und Effizienz­­­techno­logien ist mittlerweile vieles mach­­bar, was gestern noch Utopie war.

Eine sichere, saubere und unabhängige Energieversorgung ist eine der wichtigsten Fragen unserer Zeit. Der Ausbau der erneuerbaren Energien und der Energie­­effizienz verbunden mit den vielfachen Vorteilen für Aufschwung, Wachstum und neue green jobs für Österreich sichert uns und unseren Kindern Lebensqualität und gibt wichtige wirtschaftliche Perspek­tiven für die Zukunft.

HBM-hellblau-rechts-hochDer Umweltminister (Jahrgang 1961) ist Landwirt und Politiker der Österreichischen Volkspartei (ÖVP). Er gehört der burgen­land­­kroatischen Volksgruppe an. Berlakovich war Abgeordneter im Burgenländischen Landtag und Agrar- und Umwelt-Landesrat in der Burgen­ländischen Landesregierung. Seit Dezember 2008 ist Berlakovich Bundes­­minister für Land- und Forst­wirt­schaft, Umwelt und Wasserwirtschaft.