Minister für Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur Prof. Dr. Konrad Wolf: Gute Bildung als Voraussetzung für ein selbstbestimmtes Leben und erfolgreiche Fachkräftesicherung

Laut einer aktuellen Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) steuert Deutschland auf einen gravierenden Fachkräftemangel im Bereich MINT (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) zu. Allein in Rheinland-Pfalz fehlen in den nächsten Jahren rund 25.000 qualifizierte Fachkräfte in diesem Bereich. Was tun wir dagegen? Die rheinland-pfälzische Landesregierung hat eine MINT-Initiative gestartet, um die zahlreichen bereits bestehenden Maßnahmen und Programme noch besser zu verknüpfen und weiterzuentwickeln.

Zur Prüfung der bestehenden und Entwicklung neuer An­­sätze haben wir alle Beteiligten zu einem runden Tisch MINT eingeladen. Gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern aus Wirtschaft, Gewerkschaften, Arbeits­agen­­turen und Verbänden werden wir konstruktiv über erfolgreiche Wege zur Fachkräftesicherung beraten. Dieser dia­­logorientierte Ansatz hat sich beim Ovalen Tisch der Minister­­präsidentin sehr bewährt. In diesem Rahmen erörtern Expertinnen und Experten aus den genannten Bereichen seit einigen Jahren Wege zur Fachkräfte­­siche­­­­rung und haben zahlreiche praktische Maßnahmen in der Landesstrategie zur Fachkräftesicherung 2014 – 2017 zu­­sammengefasst. Diese Strategie wird im Laufe des nächsten Jahres weiterentwickelt und für die nächsten Jahre fortgeschrieben.

In Rheinland-Pfalz sind wir uns einig: Wesentliche Grundlage für erfolgreiche Fachkräftesicherung ist ein leistungsfähiges, durchlässiges und sozial gerechtes Bildungssystem, das allen Kindern und Jugendlichen gute Bildungschancen garantiert. Zugleich ist gute Bildung auch zentrale Vor­aus­­setzung für ein selbstbestimmtes Leben.
Eine ganz zentrale Weichenstellung für den weiteren Lebens- und Berufsweg findet nach dem ersten Schulabschluss statt. Was passt für mich? Eine berufliche Ausbildung im dualen System? Oder doch lieber studieren? Oder eine Mischung von beidem? Welches ist der richtige Weg? Um Jugendliche und junge Erwachsene in dieser Phase möglichst gut zu unter­­stützen, haben wir in den letzten Jahren die schulische Be­­rufs- und Studienorientierung weiter ausgebaut. An allen Real­­schulen plus, integrierten Gesamtschulen und Gym­nasien werden Tage der Berufs- und Studienorientierung durch­­ge­führt, bei denen Expertinnen und Experten aus Wirtschaft, Hoch­­schulen und Agentur für Arbeit die unterschiedlichen Aus­bil­­dungswege gleichberechtigt darstellen. So werden Schüler­innen und Schüler am Gymnasium über die Chancen einer be­­ruflichen Ausbildung ebenso informiert wie Gleich­altrige an der Real­­schule plus über die Möglichkeiten eines Hochschulstudiums.

Nicht zuletzt geht es auch darum, deutlich zu machen, dass die Entscheidung für eine berufliche Ausbildung keines­­wegs die endgültige Absage an ein Studium bedeutet. Denn in Rheinland-Pfalz haben wir den Hochschulzugang schon seit vielen Jahren für beruflich Qualifizierte geöffnet und liegen bei der Öffnung der Hochschulen für beruflich Qualifizierte bundesweit in der Spitzengruppe. Wer eine berufliche Ausbildung erfolgreich abgeschlossen hat und mindestens zwei Jahre Berufserfahrung vorweisen kann, dem steht der Weg in ein Studium offen – an Fachhoch­schulen uneingeschränkt und an Universitäten fachgebunden. Eine unmittelbare Hochschulzugangs­be­rech­ti­gung für alle Hochschulen gibt es darüber hinaus für Meister und die Absolventinnen und Absolventen vergleich­­barer Fortbildungsqualifizierungen.

Daneben gibt es für alle, die eine starke Praxis- und Berufs­­orientierung mit einem Hochschulabschluss verbinden möchten, mit dem dualen Studium ein attraktives Angebot. Praxis­­orientiertes Lernen im Betrieb wird mit einer akademischen Ausbildung auf hohem Niveau verknüpft. Die Ausbildungsorte Betrieb und Hochschule stimmen sich miteinander ab, damit organisatorisch alles reibungslos funktioniert und die Bau­steine Praxis und Theorie sich optimal ergänzen können.

Duale Studiengänge sind sowohl für Studierende als auch für Betriebe und Unternehmen attraktiv, die hoch qualifizierte Fachkräfte schon während der Ausbildung an sich binden und von den Kontakten mit der jeweiligen Hochschule zusätzlich profitieren können. Die Entwicklung der dualen Studiengänge in Rheinland-Pfalz zeigt, dass dies ein Erfolgs­­modell ist. So ist die Zahl der angebotenen Studiengänge von 17 im Wintersemester 2008/2009 auf 67 im Wintersemester 2015/2016 gestiegen und hat sich damit nahezu vervierfacht. Die Zahl der dual Studierenden ist im selben Zeitraum von rund 800 auf über 2.600 gestiegen. Diese Dynamik wollen wir auch in Zukunft erhalten.

Beruflich Qualifizierte und dual Studierende – zwei Beispiele, die zeigen, wie bunt und vielfältig die Welt auch an den Hoch­schulen geworden ist. Damit Studienangebote noch flexibler auf unterschiedliche Lebenssituationen und Zielgruppen reagieren können, unterstützt die Landesregierung die Hochschulen bei der Erprobung innovativer Studienformate im Rahmen des Hoch­­schulpakts. Die rheinland-pfälzischen Hochschulen erhalten von 2016 – 2020 für Programme zur Verbesserung der Qualität in der Lehre, der Teilhabe von Frauen in der Wissenschaft und der Er­­höhung der Durchlässigkeit zwischen akademischer und beruflicher Bildung Mittel in Höhe von 53,5 Mio. Euro. Daraus werden fast 100 Einzelprojekte gefördert, die von der Digitali­sierung bis zur MINT-Förderung reichen und großes Potenzial für die Identifikation erfolgreicher Maßnahmen bieten, die auf alle Hoch­­schulen und Fächer übertragen werden und damit zu Ver­b­ess­erungen in der Breite führen können. .

All dies zeigt: Bildung und Wissenschaft haben in Rhein­­land-Pfalz hohe Priorität. Sie sind entscheidend für die gesell­­schaftliche und ökonomische Leistungs- und Zukunftsfähigkeit unseres Landes.

Prof. Dr. Konrad Wolf
Nach Tätigkeiten am Max-Planck-Institut für Plasmaphysik in Garching und am Fraunhofer- Institut für Mikroelektronische Schaltungen und Systeme erhielt Konrad Wolf 2001 eine Professur für Mikroelektronische Bauelemente und Halbleitertechnologie an der Hochschule Kaiserslautern, die er ebenfalls als Vizepräsident für Lehre und Forschung in den Jahren 2005 bis 2009 vertrat. 2009 wurde er zum Präsidenten der Hochschule Kaiserslautern gewählt. Von 2010 bis 2012 war er Stellvertretender Vorsitzender, von 2012 bis 2014 Vorsitzender der Landeshochschulpräsidentenkonferenz (LHPK). Seit dem 18. Mai 2016 ist er Minister für Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur des Landes Rheinland-Pfalz.