Michael Kiesewetter: Wettbewerbsfähigkeit des Mittelstands fördern

 „Unsere Zeit ist so aufregend, dass nur noch Langeweile schockieren kann“, for­­­mu­­lierte der Ende der 80er Jahre ver­­stor­­­­­­­­bene Dramatiker Samuel Beckett. In der Tat ist Niedersachsens Mittel­stand wohl nur mit Langeweile zu scho­­­­cken, so ra­­­­sant wechseln von einem Tag zum an­­de­­ren die Wett­bewerbs­bedin­gun­gen auf den in­­ter­­­­na­­tiona­len Märkten. Auch wenn sich Unter­neh­men selbst gar nicht interna­­tio­­nal en­­ga­­­gieren, sind sie doch einer im­­mer schärferen in­­ter­­na­tio­na­len Konkur­renz aus­­­­­­­­­ge­­setzt, so verflochten ist die Welt­­wirt­­schaft mittlerweile. Um die Wett­be­­werbs­­­­fähig­keit der nieder­­säch­­­si­­­schen Unter­­­­­neh­­­­men zu steigern, hat das Land wesentliche Teile sei­ner För­de­­rung der NBank anver­­­traut, der Inves­­­­ti­tions- und Förderbank Nieder­­sach­sen.

 Angebot auf jeweilige Unter­neh­mens­­­si­­tu­­ation angepasst. Das Haupt­augen­­­merk liegt auf der Förderung von In­­ves­­­ti­tio­nen bei kleinen und mittleren Unter­­nehmen. Da­­­bei geht es um die Bereit­­stellung des erforderlichen Kapi­­­­tals für den Betriebs­­mittelbedarf, für Personal­­kosten oder um die Liqui­di­tät sicherzu­­stellen. Ziel ist es, op­­timale Gesamt­finan­­zierungs­pakete aus ­­zins­­­­verbilligten Dar­­­­lehen, Zuschüssen oder auch Bürg­­schaf­­ten für das Unter­­neh­­men zu schnüren.

 Vor allem Betei­­li­­gungen gewinnen über die klassischen Förderinstrumente hinaus an Bedeutung. Sie decken insbeson­­dere ei­­nen höheren Kapitalbedarf für die Wachs­­­­­tums­­­­­finan­­zierung ab. Sie verbes­sern darüber hi­­naus die Bonitäts- und Ra­­ting­­si­­­­tu­­­­­a­­­­tion eines Unternehmens, die Finan­­zie­­­­­rung kann sich flexibel und recht­­zeitig an die Unter­neh­menssituation an­­passen. Das un­­ter­­nehme­­rische Risiko aber verteilt sich auf mehrere Schul­­tern. Über ihre Toch­­ter Kapital­betei­­li­­gungs­gesell­­schaft mbH (NKB) hat die NBank einen mit Mitteln des Lan­­­­des und der EU ausgestatteten Fonds auf­­­­­gelegt. Über ihn stärkt sie die Kapi­­tal­­­­basis kleiner und mittlerer Unter­nehmen, um wachsen zu können. Die In­­vest­­ments ver­­­­­­folgen keinen Branchen­­­­fokus.

 Gerade im Transitland Niedersachsen be­­­darf es einer funktionierenden Infra­­­struk­­­­­­­­tur. Sie zu fördern ist für eine Volks­­­­­­wirt­­­­­­schaft, die wettbewerbsfähig sein will, un­­­­­ab­­­­­ding­­bar. Nicht nur von Groß­pro­jek­­­ten wie dem Jade-Weser-Port gehen Impulse für wirt­schaft­­liches Wachs­­tum aus. Auch die vie­­len klei­­­nen Förder­­pro­­jekte unter­­stüt­­­­­­­zen unternehmerisches Handeln: In­­dem sie klei­­ne und mittlere Unter­neh­men mit aus­­­­reichend Wasser und Energie ver­­sor­­gen, sie an den Ver­­kehr anbinden oder ihre An­­­­sied­­lung erlei­­chtern, schaffen sie neue Arbeitsplätze.

 Innovationen sind der Schlüssel für wirt­­­­­­schaftlichen Erfolg. Ein Schlüssel für die kleinen und mittleren Unter­neh­­­­­men, um sich angesichts der sich rasant ver­än­­dern­­den Wett­­bewerbs­bedin­gun­­­­gen zu be­­­­haup­­ten, sind Innovationen. Gerade bei der Finan­­­­­zierung von Inno­­vationen stoßen diese Un­­ternehmen auf Hürden. Zu Beginn lässt sich die Markt­­­­ak­zep­tanz einer Idee schwer ab­­schätzen. In der Regel erfordern Inno­­­­­vationen einen hohen Kapital­bedarf, weil vor dem po­­ten­­­­­­ziellen Erfolg hohe Personal- und Mate­­­rial­­kosten an­­fallen, ohne dass die­­ser Erfolg gesichert wäre. Die Kre­­dit­­­­vergabe ist für Banken und Sparkassen da­­­her mit schwer kal­ku­­lier­­baren Risiken ver­­bunden. Kleine und mittlere Unter­­neh­­­­­­men sind aber von Fremd­­kapital stark ab­­­­hängig, weil es ihnen an finanziellen Res­­­sourcen mangelt und ihnen der di­­rekte Zugang zum Kapi­­tal­­markt kaum möglich ist. Eine opti­mierte Inno­­va­­tions­­­­­förderung hilft einige dieser Hürden zu nehmen und Risiken zu verringern. Kleine und mitt­­lere Unter­neh­men wer­­­­den mobi­­­­li­­siert, neue Pro­­­­dukte, Ver­­­­fahren und Dienst­­­­­leis­­tun­­gen zu entwickeln, statt nur vor­­­­­­handene Pro­­­dukte zu verbessern.
 

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Unternehmen durch Förderung zu Inves­­­­­­­­­­­­­­ti­­tionen in Mitarbeiter motivieren. Inno­­­­­­va­­tionen setzen qualifiziertes Per­­so­­nal voraus. Den Grundstein legen Wissen und Krea­­ti­­vität. Mit den Pro­­grammen des Lan­­des zur Arbeitsmarkt­­för­­de­­rung er­mu­­tigt die NBank Unter­­nehmen, in die Aus- und Weiter­­bil­­dung ihrer Beschäf­­­­­tigten zu inves­­­­tie­­ren. Solche Inves­ti­tio­nen sichern drin­­gend be­­nö­­tig­­ten Fach­­­­kräfte­­nach­­wuchs. Einen be­­son­­­­deren Schwer­punkt legen die Programme auf die bessere Qualifi­­ka­­tion von Älteren, Zu­­wan­derern und Frauen, um vorhan­­dene Potenziale auszuschöpfen. Ge­­nau­so unterstützt werden kleine und mittlere Unternehmen dabei, sich von einem pro­­fessionellen Berater in ent­­schei­­­­­­denden Unternehmens­situa­tio­nen be­­­glei­­ten zu lassen. Oft fehlt es diesen Unter­­­­nehmen an ausreichenden perso­nellen und orga­­nisatorischen Res­­sour­cen. Der Berater hilft Management- und Infor­­­ma­­­tions­­defi­­zite zu beheben.

 Unternehmen, die ihr Innovations­po­ten­­­­­­­zial gerade erst entdecken, besitzen spezi­fische Bedürfnisse. Um eine Idee um­­­­zu­­­setzen, benötigen sie Struk­­tu­­ren und qua­­lifizier­­tes Personal. Sie suchen nach einem Zugang zu Ressourcen in den Bereichen For­­schung und Ent­wick­­­­lung. Zunehmend wird es des­­halb darauf an­­kommen, For­­schungs­­er­geb­­nisse aus den Hoch­­schulen in die Unter­­­neh­­men zu trans­­ferieren. Schon heute för­­dert die NBank mit Mitteln des Landes und des Euro­­pä­­ischen Fonds für Regio­­nale Entwick­­lung (EFRE) die Zu­­sammen­arbeit zwischen Uni­­versität und Unter­­neh­­men, aber auch die Aus­grün­dungen aus der Hochschule. Auf einmalige Weise fin­­det diese Zusam­­men­­arbeit von Wirt­­schaft und Wissen­schaft im „Innovations-Inku­­ba­tor“ der Leuphana Universität Lüne­­burg statt. Das Groß­pro­jekt mit seinen zahlreichen Inno­­vations­­projekten zielt neben der Schaf­­fung und Sicherung von Arbeits­­plätzen darauf ab, das For­­schungs- und Ent­­wick­­lungs­poten­­­zial ins­­besondere kleiner und mittlerer Un­­ter­­nehmen zu stärken. Es werden neue Ideen und Ver­­f­­ahren ent­­wickelt sowie hoch­­qualifizierte Absol­­­ven­­ten bereit­­gestellt.

 Beratung verschafft Transparenz über Fördermöglichkeiten. Transparenz über die Förderungen von Land, Bund und EU, die in Niedersachsen in An­­spruch ge­­­nom­­men werden können, erhal­­ten Un­­ter­­­­neh­­mer über die NBank-Beratung. Je in­­ten­­siver Unternehmen sie in An­­spruch nehmen, umso passgenauer kann ge­­­för­­­­dert werden und umso nach­­hal­ti­ge­ren Er­­folg verspricht die För­­de­­rung am Ende. Land und Unter­­­­neh­­men profitieren gleichermaßen.


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 Das Verständnis von Beratung geht da­­­­bei über eine allgemeine Förder­bera­­tung hi­­naus. Bei komplexen Anträgen, zum Bei­­­­­­­­­­spiel in der EU-Förderung, wer­­­­den Unter­­­­­­­­­­­neh­men von der ersten Idee bis zum An­­­­­­trag be­­gleitet. Bei Bedarf wer­­den außer­­­­­­dem Finan­­zierungs­ge­sprä­­che mit Haus­­­­­banken ange­­­boten und Kon­­takte zu Inves­­­­toren über die Business Angels in Nie­­dersachsen oder über die Eigen­kapital-Plattform NCapital bereitgestellt. Die Kompetenz regionaler Part­­ner wie bei­­spielsweise der kommunalen Wirt­­­schafts­­förderungen, Industrie- und Han­­dels­­­­kam­­­mern, Hand­werks­kam­mern oder der Ban­­ken und Sparkassen vor Ort ist wichtiger Eckpfeiler für eine erfolgreiche Zusam­men­­arbeit. Kammern und Wirt­­schafts­­för­­de­­rer kennen die regio­na­­­len Märkte, deren Gege­­­benheiten und Vor­aus­­­­setzungen. Banken und Spar­kas­­sen sind sowohl der erste Kontakt bei Finan­­zie­­rungs­­­­fragen als auch Partner bei der dauerhaften Finanzierung. In die Zusam­­­­­­menarbeit sind ebenfalls die Wirtschafts- und Sozial­­verbände eingebunden.

 Wohl zu kaum einer Zeit ist der nie­­der­­­säch­­­sische Mittelstand so gefordert ge­­­­­­wesen wie heute. Mit Innovation und Qua­­li­­­fi­zie­­rung kann er sich den Heraus­­­­­for­­de­­rungen, wie sie beispielsweise die Globalisierung und der demografische Wandel hervorbringen, stellen, und er kann sich dabei stets auf starke Part­­ner ver­lassen.

Kiesewetter-KopieMichael Kiesewetter (Jahrgang 1969) ist seit Ende 2010 Vorstandsvorsitzender der NBank, der Investitions- und Förder­bank Niedersachsen. Zuvor ist er seit 1995 in der NORD/LB tätig gewesen. Zuletzt leitete er dort die Konzern­ent­wicklung der Landesbank. Davor war er Abteilungsleiter für Nordosteuropa sowie Vorstand einer Bankentochter der Nord/LB in Lettland.