Michael Garvens: Internationale Drehscheibe – Von Köln/Bonn in die ganze Welt

Mit einem Einzugsgebiet von 15,5 Millionen Menschen in einem Radius von
einhundert Kilometern, einer hervorragenden Infrastruktur und einer
24-Stunden-Betriebsgenehmigung gehört der Airport zu den wenigen Flughäfen in Europa mit großem Entwicklungspotenzial.

Mit dem technischen Fortschritt und der Globalisierung hat der weltweite Luftverkehr im Passagier- wie im Fracht­bereich in den vergangenen Jahrzehnten einen rasanten Aufschwung erfahren. 2014 nutzten rund 208 Millionen Passagiere einen deutschen Flughafen, es wurden 4,5 Millionen Tonnen Fracht per Luftfracht transportiert. Diese Zahlen unterstreichen die Rolle des Luftverkehrs als Schlüsselbranche für Mobilität und unsere international vernetzte Wirtschaft.

Der Köln Bonn Airport hat vom Aufschwung des Luftver­­kehrs in besonderer Weise profitiert. Er nimmt in Nord­rhein-Westfalen eine exponierte Stellung als Wirtschafts­faktor, Mobilitätsgarant, Jobmaschine und Stand­ort­faktor ein.

Im vergangenen Jahrzehnt hat sich die Passagierzahl in Köln/Bonn dank des Low-Cost-Booms nahezu verdoppelt, in der Spitze auf über zehn Millionen. Über 30 Flugge­sel­lschaften verbinden Köln/Bonn mit 115 internationalen und nationalen Zielen. Die großen deutschen Airlines Lufthansa mit ihren Töchtern Germanwings, Austrian Airlines und Swiss sowie Air Berlin und Condor heben hier genauso ab wie die Low-Cost-Branchenführer Ryanair, Easyjet und Norwegian. Komplettiert wird das Airline-Portfolio von touristischen Carriern wie Turkish Airlines und SunExpress. Aus dem Regierungsflughafen ist ein Tor zur Welt geworden. 2014 und 2015 wurde Köln/Bonn zweimal in Folge mit der weltweit wichtigsten Branchen-Auszeichnung, dem Skytrax World Airport Award, als bester europäischer Regionalflughafen prämiert.

2014 war für den Köln Bonn Airport ein sehr erfolgreiches Jahr. Der rheinische Airport hat sich besser entwickelt als der deutsche Passagiermarkt, die Zahl der Flug­gäste stieg auf 9,5 Millionen (+ vier Prozent). Allein 350.000 Passagiere nutzten Köln/Bonn als Umsteige-Flughafen – ein Plus von 25 Prozent und ein neuer Umsteiger-Rekord.


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Highlight des Jahres war die erfolgreiche Bewerbung um die Ansiedlung der neuen Low-Cost-Langstrecken­flotte des Lufthansa-Konzerns. Unter dem Markennamen „Eurowings“ werden ab Ende 2015 günstige Interkonti­nentalverbindungen zu zehn Zielen ab Köln/Bonn angeboten, nach Asien, in die Karibik und die Arabischen Emirate. In einem für Deutschland bislang einmaligen Konzept wird das Low-Cost-Modell auf die Langstrecke übertragen. Mit der Heimatbasis der neuen „Eurowings“ eröffnet sich für Köln/Bonn die historische Chance, künftig im internationalen Luftverkehr eine noch größere Rolle zu spielen und seinen Fluggästen mehr interkontinentale Flugverbindungen anbieten zu können. Ende 2015 geht zudem in Köln/Bonn ein neuer Fernbus­bahnhof in Betrieb. Passagiere können dann mit dem Fern­bus günstig zum Flughafen kommen und, ebenfalls günstig, auf einen Low-Cost-Langstreckenflug umsteigen. Ein Mobi­litäts­­konzept, dass es so in Deutschland noch nicht gibt.
Auch das Luftfracht-Aufkommen hat in den zurückliegenden zehn Jahren mit einem Plus von gut 50 Prozent überdurchschnittlich zugelegt – und das trotz des Um­­zugs von DHL und Lufthansa Cargo nach Leipzig 2008, wodurch ad hoc gut 200.000 Tonnen Fracht verloren gingen. Seit 2006 sind über 400 Millionen Euro in den Ausbau des Frachtbereichs investiert worden: für die Errichtung und Erweiterung des UPS-Sortierzentrums, den Neubau des FedEx-Hubs sowie für das Cologne Bonn Cargo Center. Pro Jahr werden über eine Dreiviertelmil­lion Tonnen Waren umgeschlagen (2014: 754.000 t), über­wiegend Expressfracht. Damit liegt Köln/Bonn deutsch­landweit an dritter Stelle, rangiert in Europa unter den Top 10 und gehört zu den 30 größten Fracht-Airports weltweit. Die Global Player UPS und FedEx betreiben wichtige Europa-Drehkreuze und verteilen ihre Sendungen binnen 24 Stunden über den gesamten Erdball.

Das duale Geschäftsmodell in Köln/Bonn mit Passa­gierverkehr und Luftfracht ist ein Alleinstellungsmerk­mal. Kein anderer deutscher Airport bietet Airlines auf­grund der Rahmenbedingungen derartig gute Entwick­lungschancen. Zumal die nahen Drehkreuze Frankfurt und Düsseldorf durch Nachtflugverbote und Kapazitäts-engpässe gebremst werden. Köln/Bonn dagegen verfügt über drei Start- und Landebahnen, die größte ist mit 3.815 Metern Länge die einzige echte Interkontinen­talbahn in NRW. Der Airport ist ideal über Autobahnen und Schnellstraßen zu erreichen, ein unterirdischer Bahn­hof verbindet die Terminals 1 und 2. Täglich halten dort 170 Züge, unter anderem Intercity, Regional- und S-Bahnen. In drei Parkhäusern stehen zudem 12.600 Stellplätze zur Verfügung.

Flughäfen sind gleichsam wichtige Wirtschafts- bzw. Dienstleistungs- und regionale Beschäftigungszentren. In der Standortentscheidung von Unternehmen spielt die Airport-Anbindung eine gewichtige Rolle. Das European Center of Aviation Development hat für den Bundes­verband der deutschen Luftverkehrswirtschaft herausgefunden, dass Flughäfen für 86 Prozent der in ihrer Nähe tätigen Unternehmen ein wichtiger, wenn nicht sehr wichtiger Standortfaktor sind. 57 Prozent gaben an, dass sie bei unzureichender Luftverkehrsanbindung an einem anderen Standort investiert hätten. Und jedes vierte Unternehmen würde bei wegfallenden Flugstrecken den Standort verlagern.

Für die Unternehmen im Rheinland und die Menschen, die bei ihnen arbeiten, ist der Köln Bonn Airport von herausragender Bedeutung: Rund 13.500 Menschen arbeiten direkt am Standort, etwa nochmal so viele sind in umliegenden Firmen beschäftigt, die vom Flug­hafen abhängen. Unterm Strich sind das über 26.000 Jobs. Damit ist Köln/Bonn einer der größten Arbeit­geber in der Region – mit einer Brutto-Wertschöpfung von insgesamt rund 1,3 Milliarden Euro pro Jahr.


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Köln/Bonn setzt sich für fairen Wettbewerb ein. Eine Studie des Handelsblatt Research Institute zeigt, dass die Standortbedingungen in Deutschland durch staatliche Restriktionen für die Airlines und Flughäfen Wett­bewerbsnachteile im internationalen Vergleich darstellen. Bekanntestes Beispiel ist die Luftverkehrsteuer, die seit Anfang 2011 erhoben wird. Aber auch die Aus­­gestaltung des EU-Emissionshandels und vor allem die Betriebszeitenbeschränkungen (Nachtflugverbote) von Flughäfen in Deutschland sind eklatante Wettbe­werbs­nachteile.

Köln/Bonn ist einer der letzten großen Verkehrsflughäfen in Deutschland, wo nachts geflogen werden darf. Damit der deutsche Export-Motor nicht ins Stottern gerät, müssen bestimmte Flughäfen nachts geöffnet bleiben. Deutschland braucht daher ein nationales Luftverkehrs­konzept, das diese Airports als industrielle Leistungs­zentren anerkennt und den Nachtbetrieb garantiert. Für die exportorientierte nordrhein-westfälische Wirt­schaft ist der Nachtflug in Köln/Bonn, speziell die Fracht, un­­abdingbar.

Ausgleich zwischen wirtschaftlicher Notwendigkeit und Anwohnerinteressen. Die Geschäftsführung des Flug­hafens betrachtet es als ihre Pflicht und Aufgabe, für einen angemessenen Ausgleich zwischen wirtschaftlicher Notwendigkeit und Anwohnerinteressen zu sorgen. Der Köln Bonn Airport braucht die Akzeptanz seiner Nach­barn. Die Flughafenanwohner vom Lärmaufkommen noch stärker zu entlasten, ist ein wichtiges Ziel. Der Köln Bonn Airport hat ein umfangreiches Lärmmin­derungs­pro­gramm umgesetzt. Allein 85 Millionen Euro wurden für passive Schallschutzmaßnahmen zur Ver­fügung ge­­stellt. Mit dem „Continuous Descent Approach“ wurde ein lärmärmeres Anflugverfahren für die Nacht verbindlich vorgeschrieben. Besucher der Flughafen Homepage können jeden Flug live mitverfolgen und die an den Messstellen des Flughafens ermittelten Einzel­schallpegel ablesen. Das schafft maximale Transparenz.

Ein elementarer Bestandteil des Lärmschutzkonzeptes und wirkungsvolles Steuerungsinstrument zur Redu­zierung von nächtlichem Fluglärm ist die Gebühren­ordnung. Der Flughafen setzt durch die Ausgestaltung der Start- und Landeentgelte starke finanzielle Anreize, um Airlines zu motivieren, Nachtflüge zu vermeiden und leises Fluggerät einzusetzen. Um eine bestmögliche Lenkungswirkung zu erzielen, sind Starts und Landungen in der Nacht wesentlich teurer als am Tag.

In den vergangen drei Jahren hat der Flughafen Köln/Bonn seine Gebührenordnung zweimal geändert und die Gebührenunterschiede zwischen Nacht, Tag, laut und leise nochmals signifikant vergrößert. So sollen durch steigende Gebühren langfristig laute Flugzeuge aus der Nacht verbannt werden. Die größten Entlastungs­effekte entstehen, wenn die lautesten Flugzeuge durch leisere ersetzt werden. Mit erheblichen finanziellen An­­reizen beschleunigt die Flughafengesellschaft diesen Prozess, indem der Einsatz leiserer Flugzeuge, z.B. der Boeing 777 statt der lauteren MD-11, mit Gebührenrabatten von knapp einer Million Euro honoriert wird.

Erste Erfolge sind bereits zu verzeichnen: So ist die Zahl der Flugbewegungen der als besonders laut geltenden Frachtmaschine MD-11 seit Einführung der Rabatte um gut ein Drittel gesunken. Die Zahl der Flüge mit der rabat­tierten Boeing 777 hat im selben Zeitraum um über 60 Prozent zugenommen. Mehr als die Hälfte der Flugbe­wegungen mit den großen Frachtern findet inzwischen am Tag statt. Ein deutlicher Beleg für die Wechselwirkung von Gebührenerhöhungen einerseits und Preisnachlässen für leises Fluggerät andererseits. Darüber hinaus werden Maßnahmen zum passiven Schallschutz weiterhin unbüro­kratisch umgesetzt. Das 85-Millionen-Euro-Programm und die umfangreichen aktiven Maßnahmen zur Lärm­reduzierung haben sich bewährt.

Auch der Klimaschutz ist ein Unternehmensziel. Lang­fristiger Erfolg lässt sich nur durch nachhaltiges und klimafreundliches Wirtschaften erzielen. Wir haben uns verpflichtet, künftig CO2-neutral zu wachsen. Ziel ist es, die Emissionen bezogen auf das Jahr 2005 langfristig min­­destens konstant zu halten. Bis 2020 soll die Marke von jährlich 55.000 Tonnen Kohlen­­dioxid nicht mehr überschritten werden. In Köln/Bonn gibt es fünf große Photovol­taikanlagen. Sie er­­zeugen jährlich zirka 2.380.000 kWh klimaneutralen Strom, mit dem sich 680 Drei-Personen-­Haushalte versorgen und 1.330 Tonnen C02 vermeiden lassen. Der Flughafen hat über sieben Millionen Euro in diese Anlagen investiert. Diesen Weg werden wir weitergehen.

Der Luftverkehr bleibt eine Wachstumsbranche. Passa­gierzahlen und Frachtvolumen werden dank des grenz­überschreitenden Handels und der Mobilitätsbedürf­nisse der Menschen weltweit weiter zunehmen. Der Köln Bonn Airport ist bereits heute eine wichtige Drehscheibe. Und er wird es für die Menschen und die Unternehmen in Nordrhein-Westfalen auch in der Zukunft sein – als Wirtschaftsfaktor, Mobilitätsgarant, Jobmaschine oder Standortfaktor.

Garvens-0-kopierenMichael Garvens
Der Autor hat Betriebswirtschaft an der Wirtschaftsakademie Hamburg studiert. Er ist seit 2002 Geschäftsführer und seit 2004 Vorsitzender der Geschäftsführung der Flughafen Köln/Bonn GmbH. Michael Garvens war vorher u.a. Geschäftsführer der Globe Ground Berlin GmbH und gehörte über zehn Jahre dem Lufthansa-Konzern an, nachdem er erste Berufserfahrungen bei der Hapag Lloyd Flugge­sell­schaft in Hannover gesammelt hatte.