Michael Ebling – Die Wissenschaftsstadt in der Metropolregion RheinMain

In den vergangenen Monaten habe ich gemeinsam mit meinen Amtskollegen in Wiesbaden und Frankfurt unseren ge­­mein­­­samen Willen deutlich gemacht, die Regionalpolitik im Rhein-Main-Ge­­biet zu reformieren. Wir alle haben die gleichen Sorgen mit Blick auf die kommunale Finanzlage und die damit verbundene Herausforderung, das soziale Netz und das kulturelle Angebot funktions­­fähig zu halten. Über den gesunden Wettbewerb hinaus können wir aber auch gemeinsam von der Attraktivität dieses Lebensraumes und den Stärken des Wirt­­­schaftsstandortes Rhein-Main profi­­tieren. Auch in der Sorge um den wachsenden Fluglärm, den Mangel an be­­zahlbarem Wohnraum, den Ausbau des ÖPNV und in der Kultur besteht großes Interesse an mehr Gemeinsamkeit und stärkerer Zusammenarbeit als in den vergangenen Jahrzehnten. Wir teilen mit anderen attraktiven Städten der Metro­­polregion das Problem hoher Quadrat­­meterpreise und den entsprechend gro­­ßen Bedarf an bezahlbarem, familienfreundlichem Wohnraum mit ausgewogener Sozialstruktur für Menschen mit niedrigem bis mittleren Einkommen, für Alleinerziehende, für Studierende oder auch für ältere Personen. Das Thema „bezahlbarer Wohnraum“ ist daher ein brandaktuelles Kernthema für beide Städte. Die regionale Kooperation der Kommunen muss deshalb neu aufgestellt werden. Wer eine gemeinsame Identität und deren erfolgreiche internationale Vermarktung will, muss klare Struk­­tu­­ren schaffen. Die FrankfurtRheinMain GmbH bietet auch aus meiner Sicht die geeignete Plattform, um den Regio­­nal­­gedanken weiter zu stärken. Ich werde den städtischen Gremien deshalb so bald wie möglich einen Beitritt der Stadt Mainz nahelegen. Eine solche Bünde­­lung der Kräfte wird den Regional­­ge­­danken weiter stärken und uns damit nicht nur wirtschaftlich voran bringen.

Mainz ist eine Stadt, die Fortschritt schafft: ob als römische Hauptstadt, als „Goldenes Mainz“ und Haupt des deutschen Städtebundes, als wichtiges geistliches Zentrum, als Wirkungsstätte  Gutenbergs oder als Geburtsort der ersten Republik auf deutschem Boden. Unsere Stadt hat sich nicht zuletzt dank ihrer lebendigen Wissenskultur über die Jahrhunderte immer wieder neu erfinden können und dabei europäische Kultur- und Wissenschaftsgeschichte mitge­­schrie­­ben.  Wissenschaft „made in Mainz“ hat in den letzten Jahren immer mehr an Bedeutung gewonnen, auch im inter­­nationalen Maßstab. In erheblicher Dichte konzentrieren sich in unserer Stadt eine der größten deutschen Hochschulen –die Johannes Gutenberg-Universität, Fach­­hochschulen, Max-Planck-Institute, die Universitäts­medizin sowie Unter­neh­men mit hoher Forschungs- und Ent­wick­­lungs­­kom­petenz. Mainz weist schon heute eine Dichte an inter­national renommier­­ten Forschungs­einrichtungen auf, die deutsch­­landweit nur noch mit dem Raum Mün­­chen ver­gleichbar ist. In wenigen Jahren – so prophezeie ich – werden alle bedeutenden Forschungsinstitute einen Sitz in Mainz haben. Dieses Pfund, mit dem wir wahrlich wuchern können, ist neben den mittelständischen Unter­­nehmen, neben Industrie, Produktion, Dienstleistung und Medien ein gar nicht zu unterschätzender Entwicklungs­motor. Mit rund 4.000 Wissenschaft­lerinnen und Wissenschaft­lern sind die For­­schungs­­stätten in der „Mainzer Wissenschafts­allianz“ vernetzt. Sie bilden in Koope­­ration und Austausch sowie mit Wissens- und Technologietransfer in Wirtschaft und Gesellschaft das Fundament der dyna­mischen Wissenschaftsstadt Mainz. Ziel der Allianz ist die enge Vernetzung von in Mainz und Um­gebung angesiedelten Hochschulen, wissenschaftlichen Ein­richtungen und Unternehmen zur För­­­derung von Forschung und Wissen­­schaft in Mainz und der gesamten Re­­gion. Wie erfolgreich wir mit dieser Vernetzung bereits waren, zeigte die Auszeichnung von Mainz als „Stadt der Wissenschaft 2011“, hinter der ein massives, auch finanzielles Engagement der Landes­regierung steckt, Wissenschaft und Bil­­dung in Mainz zu fördern und die Stadt zukunftsfähig zu machen. Und noch etwas ist uns ein Herzensanliegen: Wissen­­schaft erfahrbar zu machen für alle Bürgerinnen und Bürger. Dazu findet alljährlich ein großer Wissen­schafts­­markt vor dem Mainzer Staatstheater statt, der regelmäßig viele Menschen in seinen Bann zieht. Wir arbeiten außer­­dem daran, in Mainz auf Dauer ein „Haus der Wissenschaft“ zu implementieren, das ein Schaufenster der Wissen­­schaft gerade auch für Nichtakademiker sein soll.



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In Mainz wurden die richtigen Pla­­nungs­­entscheidungen getroffen, um die Stadt fit zu machen für Wohnungssuchende, für Familien, Studierende wie auch für Investoren. Die Mischung macht es – und diese gelungene Mischung ist Grund genug, optimistisch in die Zukunft zu schauen. Mainz wird sich im Wett­­be­werb behaupten – und die Wissen­­schafts­­stadt liefert hier ein Stück Sicherheit in der Ausdifferenzierung. Denn eng mit dieser Entwicklung verbunden ist eine hohe Stabilität bei der Abdeckung des Fachkräftebedarfs in der Region. Auch der bevorstehende Bau des Archäo­­lo­­gischen Zentrums gehört zu den span­­nen­­den visionären Projekten, deren Um­­­­set­­zung die kommenden Jahre prägen wird.



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Ich möchte in den nächsten Jahren das Thema Stadt – Umland neu definieren, hin zu einem deutlichen Plus an regionaler Zusammenarbeit. Neben dem „Be­­wahren“ steht hier ein bewusstes „Erneuern“. Die Großstädte in der Metro­­polregion RheinMain wollen die gezogene Linie in der gebotenen Profes­­sio­­nalität gemeinsam perspektivisch fortführen. In Mainz haben wir uns dazu entschlossen, die Zukunft selbst in die Hand zu nehmen, um trotz enger finanzieller Spielräume in der Lage zu bleiben, planerisch, finanziell und wirtschaftlich eigenständige Entscheidungen für die Zukunft treffen zu können. Wo immer es geht, unterstützen uns dabei auch die Organisationen und Verbände. Und wir setzen darauf, die Wirtschaftskraft in unserer Region auf dieser Reise an unserer Seite zu wissen. Arbeitsplätze zu schaffen ist und bleibt jedoch die vornehmste Aufgabe der Wirtschaft. Die größte Verantwortung ruht gerade hier in Mainz auf den Schultern der zahlreichen kleinen und mittelständischen Betriebe – auch weil wir wissen, dass der Schritt in die Selbstständigkeit nach wie vor mit hohem persönlichem Risiko verbunden ist. Unternehmen, die sich in den nächs­­­ten Jahren hier ansiedeln oder expandieren wollen, werden wir deshalb un­­bürokratisch unterstützen und die Instru­­mente hierfür weiter schärfen. Unsere Stadt ist gut gerüstet für die Ansiedlung von neuen Betrieben. Entlang der Hechts­­heimer Straße ist mit dem Wirt­­schafts­­park Mainz-Süd ein attraktives Gewerbe­­gebiet entstanden, dass in Nachbar­­schaft des Messegeländes mit der Ansiedlung von Möbel Martin, der Deublin Company und zahlreichen weiteren Unternehmen im Cluster 1 im Augenblick gar nicht aus den positiven Schlagzeilen herauskommt. Entscheidend bleibt die Vielfalt der in Mainz ansässigen Betriebe von Indus­­trie, Gewerbe, Handwerk, Handel, Medien­­unternehmen und Logistik. Diese müssen wir bewahren, denn es ist dieser vielfältige Branchenmix, der den Arbeitsmarkt stabilisiert und dem Wirtschaftsstandort Mainz weitgehende Unabhängigkeit von möglichen Krisen einzelner Wirtschafts­­zweige garantiert. Neben dem Medien­­sektor sind wir auch auf einem guten Weg, uns bis 2023 als starker IT- und Kreativstandort zu etablieren.

Kopie_Bild-EblingDer Autor studierte in Mainz Rechts­wis­­­­senschaften. 2002 wurde er als haupt­­amtlicher Beigeordneter der Stadt Mainz für Soziales, Jugend, Gesundheit und Wohnen gewählt, ab 2006 arbeitete er als Staatssekretär im Ministerium für Bil­­dung, Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur des Landes Rheinland-Pfalz. Seit 2008 ist er Vor­­­sitzender der Mainzer SPD. Sein Amt als Oberbürgermeister der Landes­­haupt­­stadt Mainz trat er am 18. April 2012 an.