Michael Burchardt & Stefan Schneider: Bürgschaften oder Beteiligungen als Finanzierungs- und Fördermittel für den Thüringer Mittelstand

fotolia_83616851_xxlDie positive Entwicklung der Wirtschaft in Thüringen braucht neben qualifizierten Arbeitnehmern vor allem eines: eine solide Finanzierung. Doch Firmenwerte sind für die Banken oft keine hinreichend werthaltigen Sicherheiten. Für Start-ups und kleine Unternehmen sind Bürgschaften daher oft unentbehrlich.

Thüringen ist ein Land der Vielseitigkeit, Freundlichkeit und Lebendigkeit. Eine geschichtsträchtige Vergangen­heit, reizvolle Landschaften, innovative internationale Forsch­­ung und die regionale Küche prägen den Frei­staat. Durch gute Arbeit Werte schaffen – dafür werden die Thüringer ge­­schätzt. Egal ob großes oder kleines Unternehmen, der Ehr­­geiz innovative Spitzenprodukte anzubieten, verbindet sie alle.

Die Branchenvielfalt steht für den wirtschaftlichen Er­­folg. Maschinen- und Fahrzeugbau, Metall­verarbeitung, Optik und Feinmechanik, Medizintechnik, Kunststoff­industrie, Soft­­ware­­entwicklung, Handwerk, Handel und Logistik – hier ist vieles vertreten. Durch diesen Mix und die zentrale Lage ist Thüringen als Wirtschafts­standort attraktiv für Investoren aus aller Welt.

Zugleich ist es aber auch ein Land des Mittelstandes. 99 Pro­zent der Unternehmen haben weniger als 250 Mit­­arbeiter. Ge­­nau diese Betriebe tragen die Wirtschaft. Seit fast 25 Jahren unterstützen die Bürg­­schaftsbank Thürin­gen GmbH (BBT) und die Mittel­ständische Beteiligungs­gesell­schaft Thüringen mbH (MBG) kleine und mittlere Unternehmen durch Bürg­­­schaften und Beteiligungen für Investitionen in Thüringen.

Kein wirtschaftlich sinnvolles Vorhaben sollte an der Finan­­­zierung scheitern, wenn bankübliche Sicherheiten fehlen oder nicht ausreichen. Dafür stellt die BBT bestehenden Firmen und Be­­trieben sowie Gründern mit ihren Aus­­fall­­bürg­­schaften wert­­haltige Kreditsicherheiten bereit. Im Interesse der Mittel­standsförderung werden sie von der Bundesrepublik Deutsc­hland und dem Land Thüringen rückverbürgt. Durch die Über­nahme von Garantien ge­­gen­­über der Mittelständischen Be­­teil­­­­igungs­­gesellschaft Thürin­gen können zudem typisch stille Beteiligungen zur Eigen­­kapitalstärkung abgesichert werden.

typoAusfallbürgschaften werden für ein einzelnes Unter­neh­­men auf der Grundlage europäischer Beihilferegelungen bis zu einer Gesamthöhe von 1,25 Mio. Euro und einer maximalen Verbürgungshöhe von 80 Prozent übernommen. Gewerb­liche Unternehmen und Freiberufler beantragen eine Bürg­­schaft über ihre Hausbank oder direkt bei der Bürg­schafts­bank Thüringen (je nach Programm).

Nach der Wiedervereinigung 1990 wurden durch den Weg­­fall vieler Arbeitsplätze bei den ehemaligen staatlichen Betrieben neue private Unternehmen gegründet. Ein schwie­­riger und risikoreicher Prozess für viele Thüringer. Mit der Aufnahme ihrer Geschäftstätigkeit 1991 begleitete die Bürgschaftsbank Thüringen diese Herausforderung und ermöglichte mit ihren Bürgschaften zahlreiche Gründungen.

Heute – nach 25 Jahren – stehen bei diesen Unternehmen zahlreiche Nachfolgeregelungen an, die 2015 mehr als die Hälfte des Neugeschäftes in den Branchen Handwerk, Industrie, Handel und Freiberufler darstellten. Seit Bestehen der Bürgschaftsbank Thüringen wurden für hiesige kleine und mittlere Unternehmen sowie Freiberufler 9.100 Bürg­schaften übernommen. Das entspricht einem Ge­­samt­volumen von 1,7 Milliarden Euro. Damit konnten Kredite in Höhe von 2,15 Milliarden Euro und ein da­­hinter stehendes Investitions­volumen von 7,7 Milliarden Euro abgesichert werden. Durch diese Finan­zierungen respektive Investitionen, wurden in Thür­ingen in den letzten 25 Jahren 42.049 Arbeits­­plätze neu ge­schaffen bzw. 108.740 gesichert.

Die Schwestergesellschaft MBG wurde 1993 gegründet und vergibt als neutraler Partner auf Zeit wirtschaftliches Eigen­­kapital in Form von typisch stillen Beteiligungen. Sie arbeitet bankenneutral, branchenunabhängig und übt keinen Einfluss auf die unternehmerische Tätigkeit aus.

fotolia_56019582_l-kopieDie MBG unterstützt kleine und mittlere erfolgversprechende Unternehmen sowie Existenzgründer aus der gewerblichen Wirtschaft. Beteiligungen gibt es schon ab 50.000 EUR bis max. 1,25 Mio. EUR (in Ausnahmefällen bis zu 2,5 Mio. EUR). Da­­mit stärkt die MBG die Eigenkapitalbasis der Betriebe in Thüringen und sichert Investitionen und Wachstum. Das Rating ver­­bessert sich und die Chancen auf neue Kredite steigen. Der Unternehmer bleibt „Herr im Haus“, da sich die Mittel­­­­ständ­ische Be­­teil­­­­igungs­ge­­sell­­­schaft nicht in das Tages­­ge­schäft einmischt.

Gut nutzen lassen sich Be­­teiligungen für Wachstums- und In­­no­­vationsvorhaben, eben­­so wie zur Finanzierung von Unter­­­neh­­mens­­nach­­fol­­gen und Ex­­is­tenz­­­gründ­un­­gen. Die MBG ist dabei auf keine Branche festgelegt, sondern wendet sich an den gesamten Mittelstand.

Neben den klassischen stillen Be­­teil­­igungen vergibt sie außer­­dem Kapital ab 10.000 bis 50.000 EUR aus dem Mikro­­mez­­zaninfonds Deutschland – heraus­­ge­­geben vom Bundes­minis­­terium für Wirtschaft und Energie – speziell für Gründer, junge und kleine Unternehmen. Gerade Kleinst­­unternehmer haben oft keinen Zugang zu Eigen­­ka­­pital. Mit dem neuen Kapital aus den Mitteln des Europäi­schen Sozialfonds können In­­vestitionen und Betriebs­mittel finanziert werden.

Beide Gesellschaften arbeiten eng mit allen Banken und Spar­­kassen in Thüringen zusammen, die Finanzierungs­­lösungen für die mittelständische Wirtschaft anbieten. Da­­rüber hinaus stehen BBT und MBG mit der IHK und HWK, Wirtschaftsver­bänden sowie Steuerberatern, Wirt­­schafts­­prüfern und Unter­­neh­­mensberatern in Kontakt. Sie verstehen sich als Selbst­­hilfe­­einrichtung der Wirtschaft, da sie nicht auf Gewinn­erzielung sondern auf Wirtschaftsförderung orientiert sind und auch in Zukunft wichtige wirtschaftspolitische Förderziele für den Freistaat Thüringen umsetzen werden.

gf_buergschaftsbank-thueringenMichael Burchardt
Michael Burchardt war bis zum Eintritt in die Bürgschaftsbank Thüringen GmbH als Referent und Gruppenleiter für das Firmenkundenkreditgeschäft Thüringen/NBL bei der Landesbank Hessen-Thüringen tätig. Mit Wirkung zum 1. Oktober 2003, trat er als Leiter der Kreditabteilung in die Dienste der Bürgschaftsbank Thüringen GmbH ein und wurde durch den Verwaltungsrat am 23.11.2006 zum Geschäftsführer bestellt. Seit 2007 ist er gleich­­zeitig auch Geschäftsführer der Mittelständischen Beteiligungsgesellschaft Thüringen mbH.

gf_buergschaftsbank-thueringen2Stefan Schneider
Stefan Schneider wurde zum 01.07.2013 zum Geschäftsführer der Bürgschaftsbank Thüringen GmbH und der Mittelständischen Beteiligungsgesellschaft Thüringen mbH bestellt. Nach Stationen im zentralen Firmenkundengeschäft und im Risikocontrolling wechselte er zu einer öffentlichen Bank. Er war dort zunächst zuständig für die Steuerung des Fördergeschäfts. Zuletzt verantwortete er den Betriebsbereich der Förderbank. Herr Schneider ist stellvertretendes Mitglied im Vorstand der europäischen Bürgschaftsbanken und Mitglied im IT-Strategieboard der deutschen Bürgschaftsbanken.