Matthias Reinhold: Für eine sichere Stromversorgung – Service mit Tradition

So groß wie ein Einfamilienhaus, das Gewicht einer Boeing 747 und konstant der Geräuschpegel eines röhrenden Motorrads – im Vergleich mit beispielsweise einem modernen Handy sehen Transformatoren aus wie eine technische Entwicklung aus den An­­fängen der industriellen Revolution. Aber der Anblick täuscht: Auch wenn sich äußerlich am Design der Geräte seit Jahrzehnten kaum etwas verändert hat, braucht es doch viel Fin­­ger­­spitzengefühl und technischen Sach­­verstand, um diese Ungetüme zu reparieren. Und von beidem gibt es im ABB-­­Werk in Halle mehr als genug: Rund 200 Ingenieure, Facharbeiter – mehrheitlich Industrieelektroniker – sowie Chemielabortechniker stellen um­­­­fangreiches Transformatoren-Know-­how, Flexibilität und technische Krea­­tivität bereit.

Innovative Lösungen zur Optimierung der Lebensdauer und zur Leistungs­steigerung von Trans­­for­­ma­­toren werden hier geboten. Das Werk ist sogenannte Fo­­cu­­sed Factory im weltweit aktiven ABB-­Konzern, also das Kom­­pe­­tenz­­zen­­­­trum für den Service von Trans­­­­for­­ma­­toren. Halle überarbeitet und wartet Geräte mit einer Spannung von bis zu 800 kV, pro Jahr gehen rund 400 geprüfte Trans­­formatoren zu ihrem Einsatz in eines der über 50 Länder auf allen Kon­­ti­­nen­­ten, in denen der Standort bereits er­­folgreich tätig war. Halle deckt dabei den gesamten Be­­darf ab rund um Dia­­gnose, Wartung und Reparatur von Trans­­formatoren. Tech­­nisch anspruchsvolle Mo­­di­­fik­­a­­tionen sind eben­­so möglich wie die schnelle und zuverlässige Er­­satz­­teil­­lieferung für alle Trans­­for­­matoren­­typ­en und reichen von der prä­­ventiven Diagnose bis zu Um­­bau- oder Auf­­rüst­­­­arbeiten.

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Und da zeigt sich die Spezialisierung des Standorts: Seine Ingenieure und Wissenschaftler entwickeln ihre Ser­­vice­­verfahren orientiert am Kundenbedarf und lassen aktuelles Forschungswissen zeitnah in ihre Arbeit einfließen. Daher ist Halle mittlerweile ein An­­sprech­­part­­ner für alle Servicefragen und Geräte­­arten – herstellerunabhängig. Das heißt, während andere Trafohersteller fast aus­­schließlich die Reparatur und Wartung von Geräten eigener Herstellung übernehmen können, bietet ABB in Halle den kompletten Service bei Trans­­for­­ma­­toren aller Produzenten.

Die Spezialisierung auf Service ist dem Standort sozusagen in die Wiege gelegt und wird kontinuierlich weitervererbt: Seit 1919 konzentrieren sich die Mitarbeiter größtenteils auf den Ser­vice.
Oft entstehen Service-Ein­­hei­­ten in dieser Branche lediglich als Bei­­werk zum Kerngeschäft, dem Neubau von Trans­­formatoren. Nur eben nicht in Halle. Da ging es mit wenigen Aus­­nah­­men immer schon um Service als wesentliche Ertrags- und Ein­­kom­­men­­squelle.

Ein Garant für Erfolg im Service ist der Ausbildungsgrad der Mitarbeiter und die Kontinuität im Beschäftigungs­ver­­hältnis. Viele der Kollegen im gewerblich-technischen Bereich haben auch im ABB-Werk gelernt. Es ist keine Selten­­heit, dass Mitarbeiter 30 oder 40 Jahre für das Unternehmen arbeiten. Die Ausbildungsstruktur, -inhalte und -titel – früher Transformatoren­bau­­er, heute Mechatroniker – haben sich zwar im Lauf der Jahre geändert, aber eines ist gleich geblieben: Die Neu­­ein­­steiger bekommen ein breites Wissens­­spektrum mit hohem Praxis­­bezug vermittelt, sodass jeder Service-Mitar­­bei­­ter nicht nur in der Lage ist, einfach Pro­­jekte abzuarbeiten, sondern mitdenken und auch Teile der Lösung mitentwickeln kann.

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Diese allgemeine Ausbildung ist ein Grund dafür, dass sich ABB in Halle erfolgreich am Markt behaupten kann. Die Mitarbeiter kennen alle Tricks und Kniffe, sodass sie vor Ort flexibel sind, Lösungen kreieren und umsetzen können. Das Thema Aus- und Weiterbildung steht daher hoch im Kurs: Fast jeder vierte Mitarbeiter bekommt Sprach­­un­­terricht bezahlt. Regelmäßig werden einzelne Mitarbeiter zur Meister- oder Technikerschulung entsandt. Wer weiterkommen will, soll die Chance be­­kommen.

Zahlreiche Verfahren, die heute in der Branche als Standard gelten, stammen daher von ABB-Mitarbeitern. Be­­sonders in der Entwicklung sogenannter Vor-Ort-Lö­­sungen zeigten sich Kollegen in Halle besonders kreativ: Mittlerweile kann ABB das gesamte Leis­­tungs­­port­­­folio beim Kunden vor Ort anbieten, also dort, wo der Trafo steht – und sei es in den entlegensten Regionen. Von Dia­­­­gno­­se über Re­­paratur unter an­­spruchs­­vollen Werk­­be­­dingungen bis hin zur Prü­­fung und Inbetriebnahme: Alles kann mobil angeboten werden.

Gesamte Prozesskette einer Reparatur mobil angeboten
Engineering Solutions, der auf die Un­­ter­suchung von Transformatoren spe­­­­­­zi­­a­­­­li­­sier­­te Fachbereich, gibt Trans­­for­ma­­­­­­­to­­ren­­­­be­­treibern eine solide Ent­­schei­­­­­­­­dungs­grund­­lage für Reparatur­­ar­­bei­­ten. Die ABB-In­­­­ge­­­­­nieure leisten wissenschaftlich fun­­dierte De­­tektivarbeit am Trans­­­­for­­ma­­tor, die be­­reits früh im Un­­ter­­such­­­­ungs­­­­prozess hilft, effektiv und ver­­läss­­lich Ressourcen und Ka­­pa­­zi­­tä­­ten einzuteilen.
Sämtliche notwendigen Unter­­such­­un­­gen und Mess­­verfahren können angeboten werden, bei­spielsweise die Öl­­un­­tersuch­­ung in einem eigenen Labor mit dem entsprechend ge­­schulten Fach­­per­­sonal.

Trafo

Entscheidend ist, dass Engineering So­­lutions sowohl für einzelne Trans­­for­­ma­­toren als auch für ganze Trans­­for­­ma­­torenflotten angewendet werden können: Die Zustandsbewertung einer Flotte erlaubt die Erstellung eines Investitions- und Instandhaltungsplans je Einheit – abhängig von der funktionalen Be­­deu­­tung im betreffenden Stromnetz sowie dem individuellen Zustand des Trafos.
Mancher Transformator ist nur eingeschränkt transportfähig. Dafür hat das Unternehmen eine anspruchsvolle technische Lösung parat: TrafoSiteRepair­™. Das Ver­­fah­­ren erlaubt umfangreiche Reparaturen am Ak­­tivteil des Transfor­mators vor Ort. Dabei ist die Ausführung sämt­­licher Arten von Ar­­bei­­ten – zum Beispiel Wicklungstausch, Kerntausch oder -re­­paraturen – mit höchsten Quali­­täts­­stand­ards möglich. So werden auch außerhalb des Werks verwen­­de­­te Ma­­te­r­­ialien nach strengsten Maß­­stä­­ben geprüft. Natürlich stellen die Mitar­bei­­ter aus Halle die kontinuierliche Über­­wach­­ung kritischer Prozesse sowie die fach­­män­­ni­­sche Ausführung der Repara­turen sich­­er. Deren Qualität wird mittels Hoch­­span­­nungs­­prüfung vor Ort zertifiziert. ABB ist mit über 200 erfolgreich durch­­ge­­führten TrafoSite­Repairs­™-Re­­­­pa­­ra­­tu­­ren Weltmarktführer in diesem Be­­reich.

Der Neubau in dieser Branche folgt Routinen, Service hingegen muss sich immer neu erfinden. Eine Fähigkeit, die auch beim letzten Schritt in der Pro­­zesskette einer Trans­­for­­ma­­toren­­re­­pa­­ra­­tur unter Beweis gestellt wird: bei der Prü­­fung. ABB Halle ist das erste Werk, das ein mo­­biles Hoch­­span­­nungs­­prüf­­feld auf Basis eines Fre­­quenz­­um­­rich­­ters ent­­wickelt hat und einsetzt. Mög­­lich sind da­­­durch jegliche Routine-, Typ-­­ und Son­­­­­­­­der­­prü­­fun­­gen nach internationalen Stand­­­­­­ards, die bisher nur in stationären Prüf­­­­fel­­dern durch­­ge­­führt werden konnten.

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Darüber hinaus haben die Entwickler aus Halle im vergangenen Jahr den ersten mobilen Stoß­­spannungs­­gene­­rator im 40-­­Fuß-Container in Betrieb genommen – unter großem Beifall der Fach­­pres­­se.

Service zeichnet sich also aus durch Innovation, die Tradition hat – und auch eine Zukunft. Trotz weltweiter Kon­­junk­­turkrise stehen die Zeichen für ABB in Halle gut, denn Unternehmen profitieren hier vom Know-how erfahrener Spe­­­­zia­­listen.

m_rheinholdMatthias Reinhold, 1971 in Hannover geboren, studierte Wirtschafts­­ingenieur­­wesen mit der Fachrichtung Maschi­nen­bau an der Technischen Universität in Braunschweig. In den ABB-Konzern ist er 1997 eingetreten und hat nach ver­­schiedenen Funktionen im Juni 2007 die Leitung des ABB-Werkes für Trans­­for­­matoren-Service in Halle übernommen. Er ist verheiratet und hat drei Kinder.