Matthias Platzeck & Klaus Wowereit: Berlin und Brandenburg – Wirtschaftliche Dynamik und hohe Lebensqualität

Mit knapp sechs Millionen Menschen bilden Berlin und Brandenburg die deut­­sche Hauptstadtregion. In den letzten gut zwei Jahrzehnten seit der friedlichen Revolution und dem Fall der Mauer hat sie einen rasanten Wandel durchlaufen. Die Region ist nach jahrzehntelanger Teilung zusammengewachsen. Sie hat sich wieder zum Zentrum des politischen Geschehens und der medialen Auf­merk­samkeit entwickelt.

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Dank Milliarden­inves­­titionen konnte die Infrastruktur – Schiene, Straße, Telekom­munikation – von Grund auf modernisiert werden. Durch eine enge Verzahnung von exzellenter Wissen­schaft und zahlreichen, vor allem jungen Unter­­nehmen, hat sich die Hauptstadtregion zu einem dynamischen und innovativen Standort im Herzen Europas entwickelt. Mit ihren Hochschulen zieht sie Talente aus aller Welt an, die nicht nur die Welt­­offenheit der Region und ihre wirtschaft­lichen Pers­­pektiven schätzen, sondern auch die hohe Lebensqualität. Sie ist durch die brodelnde Großstadt­atmos­phäre in der weltoffenen Metropole, durch eine Vielzahl von kulturellen Angeboten und durch die Schönheiten der erholsa­men märkischen Landschaft geprägt.

Starke Zukunftsbranchen. Die Bundes­hauptstadt Berlin und Brandenburg ha­­ben die Weichen in Rich­­tung Zukunft gestellt. „Stärken stärken“: Diese Devise und eng auf­­einander ab­­gestimmtes Handeln der maß­­geb­­lichen Akteure aus Wirtschaft, Wi­­ssen­schaft und Politik haben sich als rich­­tig erwie­­sen. Vier Branchen stehen exem­­plarisch für bereits erzielte Erfolge und hervorragende Zukunftsperspektiven: Ge­­sund­­heit, Mobi­­lität, Energie und Kreativwirtschaft.

Gesundheitsregion Berlin-Branden­burg. Die Gesundheitsbranche gehört mit ihren rund 350.000 Beschäftigten zu den wich­­tigsten Wirtschaftszweigen der Region, die im länderübergreifenden Inno­vations­­cluster Gesundheits­wirt­schaft eng kooperiert. Zu diesem bedeutenden Life-Science-Standort zählen rund 250 Medizin­­technik- und fast 200 Bio­tech­no­­logieunternehmen, über 20 Pharma­unter­­nehmen und rund 80 Kliniken, darunter international renommierte Einrich­tun­gen wie die Charité, Europas größtes Uni­ver­­sitätsklinikum, das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin und das Deutsche Herzzentrum Berlin. Prägend für den Standort, der die gesamte Wertschöpf­ungskette in den modernen Life Scien­ces abdeckt, ist die starke Präsenz von über zwanzig großen Forschungs­ein­rich­tun­gen und Universitäten mit einschlägigen Forschungs­­schwerpunkten. Die Chance eines solchen Umfeldes liegt in extrem kurzen Wegen zwischen Unter­­nehmen und Forschungseinrichtungen und in einem dichten Geflecht von Netz­­werken, die den Wissenstransfer ständig opti­mie­ren. In der gemeinsamen Inno­va­tions­­stra­­tegie der Länder Berlin und Brandenburg spielt die Gesund­heits­wirtschaft eine Schlüsselrolle.

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Vorreiter für eine neue Mobilität. Am 3. Juni 2012 öffnet der neue Flughafen Berlin Brandenburg Willy Brandt seine Pforten. Dies ist das bedeutendste Infra­­strukturprojekt für ganz Ostdeutschland. Mit dem Bau des neuen Flughafens wird der gesamte Luftverkehr der Region an einem Single Airport gebündelt. Der Flug­­hafen Berlin Brandenburg, einer der moderns­­ten Europas, ist für die Haupt­stadtregion das neue Tor zur Welt. Durch zahlreiche internationale Direkt­ver­bin­dungen verkür­­­zen sich Reisezeiten erheb­­lich und die ge­­samte Region rückt näher an Partner auf allen Kontinenten heran. Schon in den Zei­­ten von Pionieren wie Siemens, Benz und Lilienthal kamen aus Berlin die Impulse für eine neue Mobilität. Und auch heute bündeln sich in der Haupt­­stadtregion wieder Stär­­ken auf dem Feld der Mobilität. Sie rei­­­chen von Unter­­neh­men im Bereich der Luft- und Raum­­fahrt­­­in­dus­trie über die Auto­­motive-Industrie (Daimler und BMW) und Schienen­verkehrs­­technik (Bombar­­dier, Stadler) bis zur Verkehrstelematik. Mit Rolls-Royce Deutschland und MTU Main­­tenance Berlin-Brandenburg verfügt die Region über zwei Systemführer mit be­­achtlichen Wachs­tums­­potenzialen. Wei­tere Kernkompetenzen bestehen im Bereich der Entwicklung und Produktion von Kleinflugzeugen, im Bereich Maintenance, Repair und Overhaul sowie im Bereich Testing. An drei der derzeit vier europäischen Großprojekte sind in Branden­burg ansässige Unter­nehmen und Forschungs­­einrichtungen beteiligt. Dazu zählen das Satelliten­navi­­gationssystem Galileo und die Groß­raum­flugzeuge A380 und A400 M. Den Rhyth­­mus der Hauptstadtregion bestimmen nicht zuletzt moderne U-, S- und Regional-Bahnen, die auch in Berlin und Branden­burg produziert werden.

Darüber hinaus ist die Region Berlin/Potsdam mit ambitionierter Forschung im Bereich von Batterie- und Speicher­technologien sowie mehreren Modell­ver­­suchen Vorreiter neuer Mobilitäts­kon­zepte und auf dem Weg zum nationalen Schau­­platz für die Chancen der Elektro­mobi­lität. Mit der Agentur für Elektromobilität haben Wissenschaft, Industrie und Politik eine zentrale Agentur geschaffen, um die Elektromobilität in der deutschen Hauptstadtregion zu fördern. Ziel ist es, Berlin zum Leitmarkt und Leit­an­bie­­ter für Elektromobilität zu entwickeln und dabei die komplette Wert­schöp­fungs­­­kette für alle Elektrofahrzeuge abzudecken – von Forschung und Ent­wicklung über die Produktion bis zur Erprobung und Anwendung.

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Energie- und Umwelttechnik. Brandenburg und Berlin sind in den modernen Energie­­technologien ganz vorne und bilden einen gemeinsamen länderübergreifenden Inno­­vationsverbund Energietechnik. Die Haupt­­stadtregion bringt in dieses Cluster tradi­­tionelle Stärken ein, wie die Produktion von Turbomaschinen, Schaltanlagen oder Stromrichtern, aber auch die neuen dyna­­misch wachsenden Branchen der erneuer­­baren Energien, die stark von der engen Vernetzung mit Forschung und Wissen­schaft in der Region profitieren.

Rund 42.000 Beschäftigte in rund 450 Unternehmen der Region unterstreichen die wirtschaftliche Bedeutung der Ener­­gie­­branche für Berlin und Brandenburg. Nahe­zu jedes zweite Solarmodul stammt aus den Solarfabriken Berlins und der „Solar­­hauptstadt Frankfurt (Oder)“. Mo­­­­derne Energietechnologien befinden sich in Berlin-Brandenburg in einem hochwertigen wissenschaftlichen Umfeld. Ins­gesamt 35 wissenschaftliche Einrich­­tun­­gen befassen sich mit energiebezoge­­ner Forschung und Lehre.
Dazu zäh­­len insbesondere die Tech­nische Universität Berlin und die BTU Cottbus. Unter den außeruniversitären Forschungs­einrich­tungen sind unter ande­­rem das Helm­­holtz-Zentrum für Mate­ria­lien und Ener­­­­gie sowie das Deutsche Geo­Forschungs­Zentrum in Potsdam beson­­ders prominent, das sich nicht nur durch die Ent­­­wicklung eines Tsunami-Warn­sys­­tems in aller Welt einen Namen gemacht hat. Hinzu kommen renommierte Fach­hoch­­­schulen in der Region, deren Fokus auf der Aus­bildung von qualifiziertem Nach­wuchs liegt – ein wichtiger Stand­ort­­vorteil für die rasch wachsenden Unter­nehmen der Region.

Kreativmetropole. Die deutsche Haupt­­stadtregion zählt zu den Top-Kreativ­metro­­polen Europas. Rund 150.000 Menschen arbeiten in über 15.000 Unter­­nehmen, die das ganze Spektrum der Kreativ­wirt­­schaft abdecken. Gemein­­sam betreiben die beiden Länder Berlin und Branden­burg mit der Medienboard GmbH ein ziel­­gerichtetes Marketing für den Stand­­ort und die Förderung der Kreativ­wirt­schaft.

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Rund 50.000 Beschäftigte in 5.000 Unter­­nehmen bieten von hier aus IT-Lösungen für Handel, Industrie und Verwaltung an und erwirtschaften in der Region einen jährlichen Umsatz von 11,3 Milliarden Euro. Mehr als 300 Filme werden jährlich in der Hauptstadtregion produziert. Dabei werden die Filmstudios Babels­berg in Potsdam mit ihrer 100-jährigen Tradi­­tion mehr und mehr von Hollywoods Film­­industrie genutzt. Location-Scouts haben Berlin und Brandenburg entdeckt. Bei der Berlinale trifft sich alljährlich die Welt des Films. Eine lebendige Musik­szene strahlt inzwischen weit über die Region hinaus. Und auch die Internet­wirt­­schaft gewinnt zunehmend internationale Bedeutung. Rund 130 Spieleentwickler sind in der Hauptstadtregion tätig und prägen den dichtesten Games-Cluster Deutschlands. International bedeutende Modemessen und eine junge, innovative Designszene runden die Qualitäten der Kreativmetropole ab.
Am Beginn des 21. Jahrhunderts: Berlin-Brandenburg im Aufwind. Die Haupt­stadtregion Berlin-Brandenburg ist gut ins 21. Jahrhundert gestartet. Die Zukunfts­­branchen entwickeln sich dynamisch und können dabei auf exzellenten Nach­wuchs aus den Hochschulen der Region bauen. Gleichzeitig bietet die Region zahlreiche Entwicklungsräume und Techno­logie­parks für neue Ansiedlungen. Als Messe- und Kongressplatz gewinnt sie seit Jahren an Bedeutung und internationaler Aus­strahlung. Immer mehr wird die deutsche Hauptstadtregion zum Touristen­magnet.

Beide Länder, Berlin und Brandenburg, arbeiten eng zusammen, um die Chan­cen der Region auch in Zukunft auszuschöpfen. Das Symbol für die Bünde­lung der Kräfte ist der neue internationale Flughafen: Über drei Milliarden Euro wer­­den von Bund, Berlin und Brandenburg in dieses Projekt investiert. Die deutsche Hauptstadtregion schlägt damit ein neues Kapitel des Luftverkehrs auf und der neue Flughafen Berlin Brandenburg wird zur Visitenkarte einer Region im Aufwind.

 

platzeckDer 1953 in Potsdam geborene Autor studierte bio­medi­­zinische Kybernetik an der TH Ilmenau. Von 1982 bis 1990 war Matthias Platzeck Abtei­­lungs­leiter Umwelthygiene bei der Hygiene­­inspektion Potsdam. Von 1990 bis 1998 war er Minister für Umwelt, Natur­­­­schutz und Raumordnung des Landes Branden­­burg und von 1998 bis 2002 Ober­bürger­­­­meis­ter der Landeshauptstadt Potsdam. Seit 2002 ist Matthias Platzeck Minis­­ter­­­präsident des Landes Brandenburg.

 

110225-Wowereit1-(c)-Senatskanzlei-KopieDer 1953 in Berlin geborene Autor ist Jurist. Von 1984 bis 1995 war er Volks­bildungs und Kulturstadtrat in Tempel­hof. 1995 wurde Klaus Wowereit ins Berliner Abgeordnetenhaus gewählt. Von 1999 bis 2001 war er Vorsitzender der SPD-Fraktion. Seit 2001 ist Klaus Wowereit Regierender Bürgermeister von Berlin.