Markus H. Michalow: Mezzaninkapital – Innovative Finanzierungsmethoden für den Mittelstand

Die innovativste Finanzierungsmetho­de für mittelständische Unternehmen liegt im ganzheitlichen Beratungs­an­satz. Denn gerade bei inhabergeführten Unternehmen besteht eine enge Ver­­­bin­dung zwischen privaten und ge­­schäft­lichen Finanzen. Gemeinsam mit seinem Berater klärt der Kunde, welches F­i­nan­zierungsinstrument am besten zur eigenen Situation und den lang­fristigen ge­­schäftlichen Zielen passt. Individuelle Wünsche und ge­­schäftli­che Ziele werden so aufeinander abgestimmt.

Neben dem Eigenkapital als vermögensbildender Substanz ist vor allem die private und geschäftliche Risiko­situ­ation des Unternehmens von zentraler Bedeutung. Die Interdependenzen, die hierbei auftreten können, begründen auch die Notwendigkeit eines ganzheitlichen Risikomanagements.

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Unternehmensanalyse in zwei Schritten
Nachdem der erste Kontakt zu den kapitalsuchenden Unternehmen etab-liert wurde, werden diese potenziel­­len Portfoliounternehmen in einem mehr­­stu­­figen Prozess mit den Kriter­ien des Kreditinstituts abgeglichen. Da­­durch soll ein genauer Einblick in das Unter­nehmen bezüglich aller Stärken und Schwächen geschaffen werden, um so die Chancen und Risi­ken einer Betei­li­gung genauer erfassen zu können. Be­­vor die wirtschaftliche Lage des Unter­nehmens im Detail erfasst wird, kommt es zu einer Grobprüfung. Dabei werden die Markt- und Absatzchancen sowie die geschäftlichen Rahmen­be­dingun­gen für das Unternehmen analysiert. Die Grobprüfung ist als eine Art Vor­prüfung zu sehen. Im Rahmen dieser Vorprüfung soll festgestellt werden, ob das Unternehmen grundsätzlich die Anforderungskriterien für eine mögliche Kreditvergabe erfüllt. We­­sentlicher Bestandteil dieser Prüfung ist ein Busi­nessplan, auf dessen Basis die Finan­zier­ungs­mög­lich­keiten ge­­prüft werden. Entscheidende Prüfmerkmale beziehen sich hierbei auf den Absatz­markt des Unternehmens und auf das Ma­­nage­ment. Diese Grob­prü­fung erfordert ein in hohem Maß strukturiertes Vorgehen, um den Aufwand zu minimieren und kei­­ne Erfolg versprechenden Möglich­kei­ten zu übersehen.

In einer zweiten, detaillierteren Prüfung verschiebt sich der Schwerpunkt auf die gesellschaftsrelevanten, steuerrecht­lichen und finanzierungstechnischen Fra­gen. Diese Prüfung verfolgt im We­­sent­lichen drei Hauptziele:
1. Offenlegung von Unternehmens­in­for­­mationen
2. Analyse und Prüfung des Unter­neh­mens
3. Schaffung einer Entscheidungs­grund­­­­lage und Unterstützung der Preis-/­Kon­­ditionsfindung

Eine integrierte Beratung soll nicht nur das Vermögen eines Unternehmens schütz­en und optimieren, sondern auch prüfen, ob das Unternehmen in der Eigenkapitalausstattung noch eine Lü­­cke zu schließen hat. Gerade die man­­gelhafte Ausstattung mit Eigen­ka­pital von Unternehmen stellt ein zen­trales Problem vieler mittelständischer Unter­­nehmen dar. Denn häufig ist der Ei­­gen­kapitalanteil der Unternehmen gering und der Anteil der Bankfinan­zierung hoch. Zudem erodiert der Wert vieler Sicherheiten. Damit wird für diese Unter­­nehmen die Frage der Außen­finan­zie­rung mit Eigenkapital immer mehr zum zentralen Thema. Die Be­­schaf­fung von Eigenkapital durch die Emis­sion von Anteilspapieren an der Börse ist jedoch nur Aktiengesellschaften vorbehalten. Dieser Weg der Eigen­ka­pital­beschaf­fung scheidet somit für die Mehrzahl kleiner und mittelständischer Unternehmen aus. Gerade aus diesem Grund sind alter­­­­native Finanz­ierungs­modelle gefragt.

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Mezzaninfinanzierung
Da der deutsche Mittelstand für künftiges Wachstum mehr Risikofinan­zie­run­­­­gen benötigt, setzen Banken mit neu­­­en innovativen Konzeptionen an die­ser Stelle an. Um die Eigen­ka­pital­ba­­sis von Unternehmen zu stärken, bieten Ban­ken vermehrt standardisierte Mezza­­nin­­­­produkte an, die auch kleineren Un­­­­ter­­neh­­men den Weg zum Kapitalmarkt öffnen.

Mezzaninkapital bietet situationsspe­zi­­fische, maßgeschneiderte, externe Fi­­nan­­zierungslösungen. Es lässt sich kei­ner der beiden idealtypischen Katego­rien des reinen Eigenkapitals respektive des reinen Fremdkapitals eindeutig zu­­ord­nen. Für den Begriff der Mezza­nin­fi­nan­­zierung lässt sich weder in der Öko­­nomie noch in der Rechts­wis­sen­schaft eine eindeutige Definition ausmachen. Das Wort Mezzanino ent­stammt der Ar­­chitektur und steht im Italien­isch­en sinnbildlich für ein Zwischen­ge­schoss zwischen Erd- und Oberge­schoss. Wirt­schaftlich gesehen handelt es sich bei diesem „Zwischen­geschoss“ um eine hy­­bride Struktur zwischen Fremd- und Ei­­gen­kapital. Allerdings können diese hy­­briden Ins­tru­mente im Rahmen einer rechtlichen Betrachtung je nach Aus­gestaltung eindeutig dem Eigen- oder Fremdkapital zugeordnet werden. Trotz seiner rechtlichen Einstufung in Eigen- oder Fremd­kapital besteht die Beson­der­heit darin, dass es doch Eigen­schaf­­ten der jeweils anderen Art besitzt. So kann diese hybride Finanzierungsform bei­spiels­­weise derart ausgestaltet werden, dass das investierte Kapital steuerliche Vorteile (zum Beispiel durch Ab­­­zugs­fä­higkeit der Zinsen) gewährleistet und au­­ßerdem gegenüber dem Eigen­kapital vorrangig ist, aber trotzdem Ei­­gen­schaf­ten von Eigenkapital aufweist.

Bei einer Mezzaninfinanzierung beteiligt sich der Kapitalgeber mit einem Nach­­rang­­­­darlehen wirtschaftlich am Unter­­neh­­­­men. Dabei kann es sich um ein reines Darlehen (Gesellschafts­dar­lehen, partiarisches Darlehen), aber auch um eine Stellung als stiller Gesell­schafter oder Genussrechtsinhaber han­­­­deln. Mezza­­nin­­kapital lässt sich also je nach Nähe der Konstruktion zu reinem Eigen- oder Fremd­­kapital in Equity Mezza­­­nine und Debt Mezzanine unter­schei­den.
Vom Risiko her nimmt die Mezza­nin­finanzierung eine Mittel­stel­lung zwi­schen dem klassischen Dar­lehen gegen Sicherheiten und dem Eigen­kapital ein. Charakteristika dieses Finan­zie­rungs­kon­zepts sind Nach­ran­gigkeit, steuerliche Abzugsfähigkeit, Künd­barkeit, Flexi­bili­tät, ein breiter Anlegerkreis und vielseitige Anwen­dungs­­­möglichkeiten. Bei der Bereit­stel­­lung von Mezzanin­finan­zierungen ist für den Kapitalgeber nicht allein die Bo­­ni­tät des Unter­neh­mens entscheidend: Er ori­­entiert sich zu­­meist an den erwarteten Cashflows oder an Verpflich­tungs­erklärungen des Kapital­nehmers, mittels derer bestim­mte In­­formations-, Mitwirkungs- oder Kon­­troll­­rechte eingeräumt werden. In der Re­­gel erfolgt die Tilgung erst nach sieben bis zwölf Jahren, was eine – im Vergleich zu sechs bis neun Jahren bei sonstigen Bank­kre­­diten – recht lange Laufzeit be­­­deutet.
Für sein Darlehen erhält der Nach­­rang­kapitalgeber mangels Sicher­heiten eine um mindestens zwei Pro­zent­punkte höhere Verzinsung als der herkömmliche Darlehensgeber. Mezza­nin­finanzie­rungen bieten sich an, wenn haftendes Eigenkapital nicht hinreichend be­­schafft wer­den kann und her­kömm­liche, kommerzielle Kre­dite aufgrund mangelnder Sicherheiten nicht oder nur begrenzt gewährt werden.

Mezzaninkapital gewinnt an Bedeutung
Darüber hinaus kann eine solche Fi­­nan­zierung, bei richtiger Strukturie­­­­­­r­ung, durch die Zurechnung des Mezza­nin­kapitals zum Eigenkapital des Unter­nehmens zu einer entsprechenden Ver­­­besserung des Ratings bei der Bank führen. Es ist davon auszugehen, dass solch innovative Finan­zie­rungs­metho­den in den nächsten Jahren an Bedeu­tung gewinnen werden. Dieses steigende Angebot wird schließlich Druck auf die aktuellen Konditionen ausüben. Darum dürften aus Sicht der mittelstän­dischen Unternehmen kapitalmarkt­­na­he Finanzierungen in den nächsten Jah­­ren tendenziell günstiger werden, was das erwartete Ansteigen des allgemeinen Zinsniveaus teilweise kompensieren könnte. Eines ist damit klar: Al­­ter­native Finanzierungs­metho­den wer­­den auch in Zukunft deutlich attraktiver.

porträtDer Autor ist Gebietsleiter für das Per­sonal, Private & Business Banking der Dresdner Bank AG in Dresden. Er hat eine Ausbildung zum Devisenhändler und im Bereich Kre­ditwesen bei der Deutschen Bank AG in Frankfurt absolviert und wirkte zuletzt in verschiedenen leitenden Funktionen bei der Deutschen Bank, den Dresdner Stadt­werken sowie der Dresdner Bank.