Markus Frank: Das internationale Frankfurt und die Region Frankfurt RheinMain

Kaum jemand wird die Identität Frankfurts als internationalen Standort in Frage stellen. Sie tritt auf den ersten Blick in Gestalt der Europäischen Zentralbank und der mehr als 9.500 ausländischen Unternehmen zutage, die heute in Frankfurt ansässig sind. Und sie manifestiert sich hörbar nach wenigen Schritten auf der Zeil oder entlang des Mainufers in der Mehrsprachigkeit im öffentlichen Raum. Diese Strukturen und damit die Grund­­lagen für die In­­ter­­nationalität Frankfurts sind historisch gewachsen. Bereits im Mittelalter kreuzten sich in Frankfurt die Handelswege und die Stadt stieg zu einem bedeutenden Wirtschafts­­zen­­trum auf. Damit wurde das Fundament für die Ein­­wan­­der­­­­ungsregion Frankfurt RheinMain geschaffen. Die Region verfügt heute über ein überdurchschnittliches Bevöl­­ker­­­­­­ungs­­potenzial, eine enorme In­no­­­­va­­tions­­­­kraft und eine Exportstärke, die den Wirt­­schaftsstandort international hervorragend positionieren und vernetzen. Frankfurt RheinMain hat sich zu einem internatio­­nalen Dreh- und Angelpunkt entwickelt, in dem Menschen aller Na­­tio­­nal­­i­­täten ar­­bei­­ten und sich heimisch fühlen. So bilden gegenwärtig die Ameri­­­­kaner die größte ausländische Business Community, ge­­­­folgt von rund 6.800 Chinesen, 6.000 Indern sowie Koreanern, Japanern, Franzosen und Briten. Allein 497 Unternehmen aus Großbritannien haben sich im Bezirk der Industrie- und Handels­­kammer Frank­­furt niedergelassen, davon 353 im Stadt­­gebiet Frankfurt. Aus Frank­­reich sind 307 Unternehmen im Frankfurter Stadt­­­­ge­­biet vertreten. Auch die russische Business Community wächst kontinuierlich und zählt mittlerweile 285 Firmen im IHK-Bezirk. So eröffnete die größte Bank Russlands, die Sberbank, ihre erste Aus­­lands­­re­­präsentanz in Frankfurt am Main.

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Das Museumsuferfest zählt zu den größten europäischen Kulturfestivals: An beiden Ufern und auf dem Main werden neben Selbstdarstellungen der Museen auch Kleinkunst, Varieté, Musik und Spezialitäten aus aller Welt präsentiert.

Frankfurt und die Region sollen aber nicht nur Arbeitswelt und Wirt­­schafts­­standort sein, sondern vor allem durch eine sehr hohe Lebensqualität bestech­­en. Daher richtet sich der Fokus der Standort­­politik ganz besonders auf die Opti­­mier­­ung der infrastrukturellen Vor­­aus­setzungen für die hier lebenden Arbeitnehmer und ihre Familien. So zählt alleine Frankfurt heute 13 in­­ter­­nationa­le beziehungsweise ausländische Schulen, hinzu kommen zahlreiche deutsche Schulen, die mit einer internationalen Ausrich­tung und um­­fang­­reichen Sprachangeboten eine schnelle Eingewöhnung der Kinder aus Familien mit Migrationshintergrund ermöglichen und eine international ausgerichtete Aus­­bildung aller Kinder sicherstellen. Die Hochschulen und Fachhochschulen der Region bieten internationa­le Ab­­schlüsse an und pflegen Kooperationen mit ausländischen Ein­­richtungen. Dies schlägt sich deutlich in den Studieren­­den­­zahlen nieder.
Auf dieser Grundlage können hochqualifizierte, auf der ganzen Welt gefragte Fachkräfte ausgebildet werden. Im euro­­päischen Vergleich der Regionen liegt Frankfurt RheinMain an der Spitze. An­­dere Regionen bieten kaum einen so optimalen Zugang zu Menschen, Wissen und Märkten oder sind im Hinblick auf Know-how und wirtschaftliche Innovation so gut aufgestellt.

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Eine der bedeutendsten Grundlagen für den wirtschaftlichen Erfolg der Region Frankfurt RheinMain ist die zentrale Lage im Herzen Europas und ihre Ein­­bettung in ein beispielloses Infra­struk­­turnetz. Dazu zählt, neben einem der größten Flughäfen der Welt, auch eine ideale Anbindung an das Hoch­­geschwin­­dig­­keits­­­netz von Straße und Bahn. Dies ermöglicht einen schnellen und vor allem flexiblen Zu­­gang zu den weltweiten Schlüssel­­märkten. Gleichzeitig ist die Erreich­­bar­­keit Frank­­furts und der Region ein zen­­traler Standortvorteil. Nahezu 300 Ver­­bindungen nach Großbritannien bietet der Flughafen Frankfurt zurzeit wöchent­­lich an. Der dichte Flugplan und die kurze Flugdauer von etwa 1,5 Stunden machen den Weg über den Kanal zum Katzensprung. Und auch nach Frank­­reich sind die Wege vielfältig und schnell: Weit über 200 Passa­gier­­flug­­zeuge fliegen pro Woche französische Städte an. Paris ist von Frankfurt aus mit dem ICE und seinem französischen Pendant, dem TGV, in weniger als vier Stunden zu er­­reich­­en. Mit über 600 Flügen nach Osteuropa und etwa 400 nach Nord­­amerika bie­tet Frankfurt die Funktion eines zentralen Hubs im globalen Geschäftsverkehr. Daher verwun­dert es nicht, dass Frank­furt heute nicht nur einen zentralen Standort für die Finanz- und Versiche­rungswirtschaft darstellt, sondern mit der IT- und Tele­­kommuni­­ka­­tions-­Branche, der Kreativ­­wirtschaft und der Logistik- sowie der Transport­­branche über eine Unter­­neh­­mens­­­­konzen­­tration von grundlegen­der nationaler und gleichermaßen eu­­ro­­pä­­i­­scher Bedeu­­tung verfügt.

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Ganz besonderes internationales Gewicht erlangt Frankfurt selbstverständlich in seiner Funktion als Sitz der Euro­­päi­­schen Zentralbank (EZB) und somit als Hauptstadt des Euro. Hier werden die währungspolitischen Entscheidungen für „Euroland“ und damit für rund
330 Millionen Menschen getroffen.
269 Kreditinstitute, über die Hälfte davon Auslandsbanken, und die zehn größten deutschen Kreditinstitute sind in der Stadt am Main vertreten. Auch Akteure der Versicherungswirtschaft wissen die Standortbedingun­gen zu schätzen: Der Marktzugang und die Nähe zur internationalen „Financial Community“ gaben für mehr als 100 Unternehmen den Ausschlag, Sitz oder Niederlassun­gen in Frankfurt zu eröffnen. Die An­­sied­­lung des EU-Aufsichtsgremiums für das Versicherungswesen und die betrieb­­liche Altersvorsorge CEIOPS (Committee of European Insurance and Occupational Pensions Supervisors) gibt dem Ver­­sicherungsstandort zusätzliche Ent­­wick­­­lungsimpulse.

Die in Frankfurt ansässige Deutsche Börse AG rangiert hinter New York, London und Tokio auf dem vierten Platz weltweit, die Terminbörse EUREX hat als größte „Fu­­tures and Options Exchange“ sogar die Terminbörse in Chicago überflügelt. Durch die Über­­nahme der US-Options­­bör­­se Inter­­na­­ti­­onal Securities Exchange Holdings (ISE) entstand der größte trans­­atlantische Marktplatz für Finanz­­derivate. Etwa 90 Pro­zent des gesamten deutschen Börsen­­umsatzes werden in Frankfurt getätigt. Die Deutsche Börse AG, Trägerin der Wertpapier- und Terminbörse, ist eine der modernsten elek­tronischen Börsen der Welt. Die EUREX ist die weltweit größte Terminbörse für Finanzderivate und gleichzeitig das führende Clearing­­haus Europas.

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Der Finanzplatz hat auch zu einem er­­heblichen Ausbau der IT-Infrastruktur und einer hohen Konzentration von Dienstleistern geführt.
Heute kreuzen sich in Frankfurt die nationalen und internationalen Daten­­netze, alle international führenden Tele­­­­fon­­­gesell­­schaften sind hier mit Nieder­­las­­s­­ungen vertreten und bieten eine perfekte, zukunfts­­­­orientierte Infra­­struk­­tur. 90 Tele­­kom­­muni­­­­ka­­tions­­infra­­struk­­tur-An­­bieter haben ihren Hauptsitz in der Stadt; damit verfügt Frankfurt über die größte Ansammlung dieser Un­­ter­­neh­­men in Hessen. Frankfurt ist in Europa der Standort mit der zweithöchsten Rechen­­zentrumsdichte. Über 85 Pro­­zent des deutschen und mehr als 35 Prozent des europäischen Internetverkehrs werden über Frankfurt abgewickelt.

Werbehauptstadt, Stadt des Buches, begehrter Drehort, Zentrum für Pre- und Postproduktion, Geburtsstätte des Techno, Heimat der Games-Industrie, Austra­­gungs­­ort des ADC Gipfels: Frankfurt wartet auch im gesamten Medien- und Kreativbereich mit Superlativen auf. Das Entscheidende ist jedoch: Als Medienstandort deckt Frankfurt mit seiner Wirtschaftsstruktur die gesamte Wertschöpfungskette in der Medien­­wirt­­schaft ab. Abgerundet wird diese auf Internationalität abgestimmte Infra­­struktur und Bran­chenvielfalt durch die 60 ausländischen Wirt­­schafts­­ver­­tre­­tungen und rund 100 Konsulate in Frankfurt. Die Internationalität und Inter­­kulturalität Frankfurts und der Region RheinMain reichen von der Wirtschaft über die Diplomatie und die Kultur bis in den Alltag hinein und sind bedeutende Standortfaktoren. Im globalen wie na­­­­tionalen Standortwettbewerb werden sie zukünftig ein immer stärkeres Ge­­wicht einnehmen.

Markus-Frank-copyright-WeisDer Autor (Jahrgang 1969) absolvierte eine Lehre zum Kfz-Mechaniker mit anschließender Meisterprüfung. Er gründete 1992 ein Unternehmen im Kraftfahrzeug-Handel mit Standorten in Frankfurt und Kronberg/Taunus. Unter anderem als Fraktions­­vor­­sitzender und Geschäftsführer der CDU ist er seit 2009 als Stadtrat, Dezernent für Wirtschaft, Personal und Sport der Stadt Frankfurt am Main aktiv.