Markus Böhme & Nadine Böhme: Werkschutz – Qualität macht sich bezahlt

Aufgaben in den Bereichen Sicherheit und Kriminalprävention sind längst nicht mehr nur Sache der Polizei. Private Si­­cher­heitsunternehmen leisten einen er­­heblichen Beitrag zum Schutz von Per­­so­­­­nen und Unternehmen. Wer da­­bei je­­doch an das klassische Bild des Wach­­manns oder gar grobmotorischen Tür­stehers denkt, könnte nicht falscher lie­­gen. Per­­sonen im Werk­schutz sind hoch­­qua­­li­fi­­zier­­te und technisch versierte Mitar­bei­­ter. Integrität, Souve­ränität und Kompe­tenz sind in der Si­­cherheitsbranche absolut erfolgs­entscheidend, da das Thema Si­­cherheit auch in der öffentlichen De­­bat­te immer mehr in den Vordergrund rückt.


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Zunehmend entschließen sich immer mehr große- und mittelständische Unter­­nehmen sowie Betreiber öffent­­licher An­­lagen dazu, Aufgaben in den Be­­rei­chen Objekt- und Personenschutz an externe Anbieter zu vergeben. Für Kun­den, die beispielsweise firmeninterne Kontroll-, Pforten- und Empfangsdienste auslagern, ist es in erster Linie von Be­­deu­tung, einen Dienstleister mit entsprechendem Know-how und kompeten­tem Fachpersonal zu finden. Wer sich als Sicherheitsdienst­leister hier auf Dau­­er durchsetzen will, muss in die Weiter­bildung und beruf­liche Qualifikation seiner Angestellten in­­vestieren, da es oft an befähigtem Personal mangelt.
Der Sicherheitsmarkt in Deutschland umfasst heute einen Umsatz von 10,25 Milliarden Euro und wächst seit Jahren. Mehr als 173.000 Beschäftigte waren 2008 im Wach- und Sicher­heits­ge­­wer­­be tätig. Hinzu kommen rund 30.000 Aushilfskräfte. Durch Abweichungen im Gehaltsgefüge aufgrund von Dum­ping­­löhnen kommt es in Teilbereichen zu hoher Per­­so­nalfluktuation.
Destruktive Prozesse präventiv zu un­­ter­binden, durch die Präsenz qualifi­zier­­­ten Personals, in enger Abstimmung mit dem Einsatz technischer Sicherungs­sys­­teme, ist eine wesentliche Auf­gabe des Personen- und Objektschutzes. Das Leistungsbild im privaten Sicherheits­bereich ist dabei relativ deutlich durch drei Kernbereiche bestimmt. Diese glie­­dern sich zu 85 Prozent in einen privaten Auftrags- und privatrechtlichen Haus­­haltsbereich ohne öffentlichen Zugang.
Dazu zählen unter anderem der Werk- und Ob­­jektschutz, aber auch Notruf- und Ser­­vicedienststellen.
Ungefähr zehn Prozent entfallen auf den Bereich privat- und öffentlich-rechtlicher Aufgaben mit öffentlichem Zugang. Da­­zu zählen zum Beispiel Anlagen­si­che­rung der DB, Einkaufszentren oder Mes­­sen.

Lediglich fünf Prozent erfolgen in staat­­lichem Auftrag im öffentlichen Raum. Darunter fallen Liegenschaften der Bun­­­deswehr, Flughäfen oder die Ver­­kehrs­­überwachung.
Grundsätzlich dienen alle dieser Auf­ga­­ben der Vermeidung oder Minimie­rung von physischen, wirtschaftlichen Schä­­den und der Verhütung von Rechts­­­brü­chen.


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Grundvoraussetzungen für Arbeitneh­mer, die im privaten Sicherheitsbereich be­­ruflich erfolgreich sein wollen, sind ne­­ben einem souveränen Auftreten und physischen Voraussetzungen auch eine ausgeprägte Affinität zu elektronischen Sicherheitssystemen. Da viele international tätige Unternehmen fremdsprachige Besucher empfangen, sind auch Kom­­munikationsfähigkeit und Fremd­spra­chenkompetenz ein wichtiges Qu­a­­li­­täts­merkmal. Für Sicherheitsunter­neh­­men und ihre Mitarbeiter bedarf es dabei stets der Berücksichtigung der individuellen Ge­­gebenheiten des jeweiligen Auftrag­ge­­bers. Die Überwachung technischer Einrich­tun­gen wie Brand­meldeanlagen oder Gebäudeleittech­nik, die der Si­­che­­rung des Gebäu­des dienen, ist ebenfalls wichtiger Bestand­teil.

Frauen und Männer, die sich diesen Auf­­gaben widmen, müssen über be­­son­­de­re Qualifikationen verfügen. Die Grund­­voraussetzung in diesem Berufsfeld ist die Teilnahme am Unterrichtungs­ver­fah­­ren nach § 34a GewO, mit oder ohne Sachkundeprüfung vor der IHK. Eine duale Ausbildung erfolgt in den Berufen Servicekraft- und Fachkraft für Schutz und Sicherheit. Für Quereinsteiger mit bereits vorhandener Berufsausbildung ist der Abschluss IHK-geprüfte Schutz- und Sicherheitskraft möglich.

Grundsätzlich erhöhen diese Qualifika­tionen die Entwicklungsmöglichkeiten im Unternehmen. Hinzu kommt, dass qua­­lifiziertes Personal entsprechend ent­­lohnt wird. Nach der Berufs­ausbildung stehen weitere Fortbildungs­maßnah­men zur Verfügung. Eine Weiterbildung zum IHK-geprüften Meister für Schutz und Sicherheit ist dabei ebenso möglich wie der technische Betriebswirt und fachbezogene Studiengänge zum Sicher­heits­­­fachwirt oder -manager.

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Eine Reihe weiterer Dienstleistungen, die spezielle Qua­­lifikationen erfordern, sind zum Bei­spiel Aufgaben in der Avi­­ation Se­­curity. Luftsicherheits­assis­ten­­­ten über­­­­­nehmen Aufgaben wie die Flug­­­gast-, Per­­­­­sonen-, Gepäck- und Fracht­kon­­trol­le. Im öffent­lichen Personen-Nah­­­ver­kehr bieten Si­­cherheitsdienstleister Schutz für Fahr­gäste und Betriebs­an­ge­hörige und über­­nehmen weitere Serviceaufgaben.
Um letztendlich Sicherheitskonzepte in großflächigen Anlagen oder Ge­­bäu­de­komplexen sicher zu gestalten, be­­darf es speziell ausgebildeter Sicher­heits­fach­kräf­te. Diese führen regelmäßig Be­­triebs­­be­geh­ungen durch und erstellen in Zu­­sammenarbeit mit dem Auftrag­ge­ber eine Bedarfsanalyse, die speziell auf dessen Sicherheitsbedürfnis abgestimmt ist. Im Objektschutz müssen dabei bautechni­sche Merkmale, Elek­­tronik, Schließ­an­la­­gen oder Inven­tar­schutz beurteilt werden.

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Immer stärker wird auch auf hochspezialisierte Überwachungsausrüstung ge­­setzt. Gerade an weitläufigen öffentlichen Plätzen, Bahnhöfen oder Flug­häfen ist eine umfassende Sicherheit ohne tech­­ni­­sche Hilfsmittel kaum mehr zu ge­­währ­­leisten. Auch kleinere Unter­nehmen in­­vestieren verstärkt in elektronische Si­­cherheitslösungen, um sich zeitgemäßen Sicherheitspraktiken anzupassen.
Die 2007 durchgeführte Studie „Euro­pean Electronics Security Barometer“ zeigt jedoch, dass Firmen zur Ab­­si­che­rung nicht nur auf Technik setzen. 37 Prozent der befragten Unternehmen wollen ihre Ausgaben auch beim Wach­personal er­­höhen, und immerhin über 45 Prozent planen in diesen Bereichen keine Kür­zun­­gen. Technische Hilfs­mit­tel haben das Berufsfeld in den letzten Jahren ohne Frage bereichert und führen zu mehr Sicherheit. Ent­schei­dend ist aber immer das Fachpersonal, welches Bedienung, Wartung und Aus­­wer­tung durchführt.

Berufe im privaten Sicherheitsbereich umfassen letztendlich eine Reihe von anspruchsvollen Serviceaufgaben. Es sollte nicht vergessen werden, dass pri­­vate Sicherheitsunternehmen nicht nur eine Unterstützung der staatlichen Kri­minalprävention sind, sondern auch zur Schaffung von neuen Arbeitsplätzen bei­­tragen.

Farbe_2291Der Autor wurde 1964 geboren. Markus Böhme ist Meister für Schutz und Sicher­­heit. Von 1987 bis 1996 arbeitete er un­­ter anderem als Objektleiter in zwei Si­­cherheitsunter­nehmen. 1996 gründete er die ATG Si­­cherheitsgesellschaft mbH, de­­ren ge­­schäftsführender Gesellschafter er ist. Zudem ist er Mitglied im Vorstand des Regionalkreises Südbayern im Ver­­band „Die Familienunternehmer-ASU e.V.“.

 

 

Farbe_2335Die Autorin wurde 1977 geboren und ab­­solvierte eine Ausbildung zur Bank­kauf­frau. Von 1999 bis 2001 arbeitete sie als Vorstandsassistentin einer Hypothe­ken­bank. Seit 2002 ist Nadine Böhme Mit­inhaberin und Prokuristin der ATG S­­i­cher­­heitsgesell­schaft mbH. 2008 trat sie in den „Verband deutscher Unter­neh­me­rinnen e.V.“ ein und ist Mitglied des Vor­­stands im Lan­desverband Bayern-Süd.