Mag. (FH) Peter Kuen: Die Automobilindustrie ist dank zukunftsträchtiger Entwicklungen auf dem Vormarsch

Einer der bedeutendsten Industrie­zweige in Österreich ist die Fahrzeug- und deren Zulieferindustrie. Mehr als 700 Unter­nehmen mit 170.000 Mitarbeitern und einem Gesamtumsatz von über 40 Mil­li­­arden Euro zeigen die Stärke des Lan­des im automotiven Sektor. Die Krisenjahre sind überwunden und Fahrzeugteile und Dienstleistungen „made in Austria“ sind gefragter denn je. Die Hauptgründe dafür sind Qualität, Zuverlässigkeit und Inno­vation auf dem heimischen Markt.

Ein entscheidender Antriebsfaktor dieser Entwicklung sind die österreichischen Mobilitätscluster: Der Automobil-Cluster Oberösterreich, der ACstyria und der Mobilitätscluster Wien vernetzen Unter­­nehmen, F&E- und Bildungs­ein­rich­tun­gen und bringen Wirtschaft und Wissen­schaft an einen Tisch. Das fördert Koope­ra­tionen zwischen Akteuren verschiedener Branchen und erhöht die Wettbewerbs­fähigkeit der Partnerunternehmen. Mit dem Tochterunternehmen Austrian Auto­motive Association werden die Kräfte der Cluster gebündelt und Österreichs Unternehmen bei internationalen Auf­tritten unterstützt. Ende 2010 waren mehr als 500 Unter­nehmen und For­schungs­­einrichtungen Mitglieder bei den automotiven Clustern in Österreich.

Top-Standort im Herzen Europas. Öster­­reich bietet Mobilitätsunternehmen beste wirtschaftliche Rahmenbedingungen: Neben der zentralen Lage in Europas Mitte und den engen wirtschaftlichen Verbin­dun­gen zu den Wachstums­märk­ten in Mittel- und Osteuropa ist auch die Spra­chen­­vielfalt am Standort ein absolutes Asset für international agierende Betriebe. Über 60 Prozent der Top 20 Fahrzeughersteller produzieren in Central Eastern Europe (CEE) und Österreich ist in dieser Region bestens vernetzt.


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Im Umkreis von 400 Kilometern um Wien finden sich 14 Produktionsstätten von Herstellern und machen damit diese Region zu einer mit der höchsten Dichte weltweit. Dies und die Verfügbarkeit von höchst qualifiziertem Personal sind die Gründe, warum namhafte internationale Unternehmen Wien als Drehscheibe für die Aktivitäten im boomenden Markt Zen­­tral- und Osteuropa ausgewählt haben.

Erfolgsgeschichten made in Austria. Österreich verfügt über eine Vielzahl von kleinen und mittleren Unternehmen, welche sich mit Innovation und Qualität im globalen Wettbewerb täglich erfolgreich behaupten können und in einigen Be­­rei­­chen sogar Weltmarktführer sind.

Einer der Leitbetriebe in Österreichs Zu­­lieferindustrie ist Magna. Der weltweit am stärksten diversifizierte Auto­mobil­zulieferer zeichnet sich unter anderem dadurch aus, dass er wesentliche Ent­wick­­lungen in der Industrie schon sehr früh erkennt und sich entsprechend da­­rauf einstellt. So hat Magna auch schon früh­­zeitig den Megatrend alternative Antriebe erkannt und im Unter­nehmen platziert. Magna hat das Ziel, zu den weltweit führenden Entwicklungs- und Ferti­gungs­partnern für Hybrid- und Elektro­fahr­zeuge zu zählen. Von der Kon­­zeptentwicklung über die System­inte­gra­tion bis hin zur Entwicklung und Pro­duk­­tion von Speicher- und Batterie­systemen wurde in Österreich For­schungs-, Entwick­lungs- und Produk­tions­kom­pe­tenz aufgebaut.


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AVL, das weltweit größte private Unter­nehmen für die Entwicklungs- und Prüf­­technik von Antriebssystemen, ist auch außerhalb der Welt der Verbren­nungs­motoren ein starker Partner. 12,5 Pro­zent Anteil am Umsatz beträgt die Forschungs­­quote des 4.500 Mitarbeiter starken Unternehmens. Daran ist deutlich zu erkennen, wofür AVL steht: für eine Höchst­­leistung an Innovation. Neueste Produkte wie Range Extender, Brenn­stoffzellen, Elektronik und vieles mehr werden durch die Spezialisten von AVL entwickelt, und das Unternehmen ist mit einem Exportanteil von 96 Prozent global erfolgreich.

Die Entwicklung zur Elektrifizierung von Fahrzeugen ist in vollem Gange. Neue Antriebssysteme erfordern noch mehr Sicherheit in Bezug auf die Elek­tro­nik­vernetzung. TTTech Automotive in Wien steht für die Implementierung von Elek­tronik und Software in Automobilen. Das Unternehmen verfolgt das Ziel, die Leis­­tung und Kosten von Auto­mobil­netz­wer­ken durch zuverlässige Kommuni­kations­lösungen zu optimieren. Unter anderem ist TTTech derzeit an einem Projekt zur Realisierung eines elektrischen Allrad­antriebs, basierend auf einer elektrisch angetriebenen Hinterachse, beteiligt. Diese Lösung soll 2013 in Serie gehen und entspricht den höchsten Sicher­­heits­anforderungen der Automobil­branche.


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Was wäre die Forschung in Österreich ohne AIT? Das Austrian Institute of Tech­­nology ist das größte außeruniversitäre Forschungsunternehmen mit über 1.100 Forschern. Das Mobility Depart­ment kon­­zentriert sich auf die Ent­wick­­lung von Lösungen für effiziente, sichere sowie umweltverträgliche Mobilität. Die Kom­pe­­tenz steckt in der umfassenden Betrach­­tung des gesamtheitlichen Mobi­­li­­täts­systems: Trans­portsystem, Infra­struk­­tur und Fahrzeug werden gleichermaßen berücksichtigt. Durch die hervorragende nationale und internationale Vernetzung des Departments ist ein Aufgreifen von Emerging Technologies möglich. Das AIT unterstützt seine Kunden, Business-Modelle zu entwickeln und schließlich Inno­va­tio­nen erfolgreich auf den Markt zu bringen.

Ein wichtiger Baustein für die Energie­effizienz im Fahrzeug und für den Erfolg von Elektrofahrzeugen ist der Leichtbau. Österreich hat mit der voestalpine einen europäischen Top-Player für Spezial­kom­ponenten. 41.000 Mitarbeiter weltweit erwirtschafteten zuletzt einen Umsatz von elf Milliarden Euro. Fast 50 Prozent davon entfallen auf den Mobilitäts­be­reich. An die 100 laufende Kooperationen mit wissenschaftlichen Partnern bestätigen den innovativen Ansatz im Unter­neh­men. Eines der neuesten Produkte ist phs-ultra­­form®: Damit können sicherheitsrelevante und stark korrosionsbelastete Bauteile noch leichter gemacht werden. Mit die­sem patentierten Produkt wird eine neue Dimension in der Leicht­bau­weise hinsichtlich Designfreiheit, Maß­genauig­keit und Prozesssicherheit erreicht.

Wien als der Standort für Osteuropa­akti­­vitäten wird schon seit Langem von Robert Bosch genutzt. Aber nicht nur der Ver­trieb, auch die Steuergeräte für das Motoren­management und für Elektro­­fahrzeuge werden von 400 Mitarbeitern in Wien ent­wickelt. Das Entwicklungs­zentrum für die Diesel-Common-Rail-Injektoren in Linz und Fertigungen für Großdiesel- und DeNox-Systeme runden das Österreich-Bild ab. Die aktuellste Kooperation mit Mahle wird mit der Produktion von Abgasturbo­ladern „made in Austria“ gestartet.

Innovative Ansätze in der Fertigung und weltweiter Benchmark im General-Motors-Konzern zeigen, dass der Produktions­standort Wien jedem Vergleich standhält. Opel Wien ist das größte Motoren- und Getriebewerk von General Motors weltweit und paart seine Wettbewerbs­fähig­­keit mit enormem Variantenreichtum und höchster Qualität der Produkte. Die leis­­tungsfähigen Benzinmotoren entsprechen der aktuellen Nachfrage nach verbrauchs­günstigen, emissionsarmen Fahrzeugen, und unzählige Getriebevarianten stellen vielfältige Einsatzmöglichkeiten sicher. So konnte die Kundenstruktur inter­na­tio­­nal ausgeweitet und damit der Bestand des Werkes gesichert werden. Die Rah­men­­bedin­­gungen für diesen Produk­tions­stand­­ort sind ideal. Politische und wirt­schaft­liche Stabilität, hohe Ausbildungs­stan­dards und flexible Arbeitszeitmodelle unter­stüt­zen die Möglichkeit, Kosten zu optimieren und zu konkurrenzfähigen Preisen zu pro­­du­­zieren. Opel Wien hat am Stand­ort bereits mehr als 2,2 Milliarden Euro investiert.

Wenn wir von Licht sprechen, dann meinen wir im automotiven Österreich Zizala ZKW. 2,5 Millionen Scheinwerfer und eine Exportquote von 99 Prozent sprechen für sich und werden von fast 2.000 Mitarbeitern in Österreich hergestellt. Die Techno­logie­­innovationen beim Lichtsystem-Spezia­listen gehen weiter. AFS Voll-LED-Haupt­­scheinwerfer für den aktuellen 6er BMW sind ein aktuelles Beispiel der Fähig­kei­ten der Entwickler. Auch andere Premium-Marken wie Audi, BMW, Daimler und Porsche zählen zu den Kunden des Wieselburger Unternehmens.
Ein weiterer Beweis für Erfolg durch Koope­­ration ist der Verein Austrian Mobile Power. 2009 startete der Ver­bund gemeinsam mit den Leit­unter­nehmen Siemens Öster­­reich, Magna, AVL, AIT und KTM diese Platt­form, um die Ent­wicklung und Inte­­gra­tion zukunfts­­wei­sen­der Mobilitäts­konzepte unter Nut­zung erneuerbarer Energien in Österreich vor­­anzutreiben. AMP verfolgt eine klare Vision: 2020 gehört Öster­reich zu den Leitmärkten für Elektromobilität und ist weltweiter Maßstab für die Inte­gration modernster Mobilitätskonzepte. Als Land der erneu­er­­baren Energiequellen bietet Öster­reich die besten Voraus­set­­zun­gen für ein um­­welt­­freundliches, auf erneuer­baren Energie­­quellen beruhen­des, zu­­kunfts­­fähi­­ges Verkehrssystem.

Innovation, Produktivität, Qualität, Flexi­­bilität, Kooperation und Präzision zeich­­nen den Standort Österreich aus. Pro­dukte aus Österreich genießen weltweit höchste Anerkennung. Unsere Unter­neh­men reagieren rasch auf die Verände­rungen in der Automobilindustrie und sind bereit für die Herausforderungen von morgen.

kuen20111018_004-KopieDer Autor ist seit 2006 Geschäftsführer der Austrian Auto­mo­tive Association. Nach langjähriger Tätig­­­keit für Bombardier hat er 2005 die Lei­­tung des Automobilclusters in Wien und Nieder­­österreich übernommen. Seit 2011 ver­­ant­wortet er die Ab­­teilung Clus­­ter der Wirtschaftsagentur Wien mit den Berei­chen Mobilität, IKT und Umwelt­technologie.