Mag. Elmar Wieland: Logistikdrehscheibe für Europa

Österreich ist sicherlich nach wie vor ein guter Wirtschaftsstandort: Die hohe Produktivität, die soziale Ausgewogen­heit, die generell hohe Lebens­­­­qualität – insgesamt gesehen funktioniert das Leben in diesem schönen Land sehr gut. Wirt­schaftlich von Bedeutung ist die große Affinität zu Ost- und vor allem Süd­­ost­europa, das damit verbundene Image Öster­­reichs in diesen Ländern, eine Steuer­­politik, die es erlaubt, Verluste von Be­­­tei­­l­­igungs­­gesellschaften im Ausland ergeb­­nis­­­wirksam abzusetzen, die Mittlerrolle, vor allem auf dem Balkan, und vieles andere mehr.

Genutzt haben dieses Klima Banken, Ver­sicherungen, zahlreiche Pro­­duktions- und Handelsbetriebe und vor allem auch die österreichische Verkehrs­­wirtschaft. Sie hat sich entsprechende Marktanteile erarbeitet: In den Ver­kehren von West nach Ost sowie umgekehrt, aber auch lokal in den einzelnen Ländern. Transport­wirt­schaft­­lich gesehen war und ist Österreich in hohem Maße ein Transit­­land für Ver­­kehre von Nord- und West­europa nach Zentral- und Südosteuropa und vice versa. Die öster­­reichische Ver­­kehrs­­wirt­schaft und hier vor allem die Speditionen haben es her­­vorragend verstanden, in den Ländern Zentral- und Süd­­ost­europas Betriebe zu er­­­öffnen und Netz­­werke ent­stehen zu lassen. Diese sind mittler­­weile in deren euro­­päische und sogar globale Netzwerke voll und ganz integriert, sodass weltweit hoch­­wertige Verkehrs­dienstleistungen angeboten und abgewickelt werden. Zu dieser Qualität gehören garantierte Liefer­­­fristen, Datenkom­mu­nikationssysteme zum Aus­­tausch aller sendungsrelevanten Informa­tionen, Bar­­code- und Scanning­systeme, um stets über den Verbleib der Sen­dung­en Aus­kunft geben zu können, und vieles an­­­­­dere mehr. Natürlich wurden mittlerweile auch die notwendigen Infrastruk­turen – in erster Linie Terminals und Büros – geschaffen, für die entsprechende Investitionsmittel eingesetzt werden mussten. In dieser Hin­­sicht ist in nahezu allen Ländern Zentral- und Südost­­europas aber noch viel zu tun, denn die Unterschiede zwischen den Haupt­städten, den zentralen Orten und dem Hinterland sind noch immer enorm.

0704-393-Kopie

Österreich als „Drehscheibe“ verliert durch die zunehmenden Direktverbindungen an Aufkommen in den klassischen Sammel- und Teilladungstransitverkehren, wobei kreative und innovative Speditionen durch die Entwicklung neuer Dienstleistungen diese Verluste zumindest teilweise kom­­pensieren können. So hat DB Schenker ein ausgefeiltes Verkehrssystem für die Verteilung von Hightech-Produkten in Ost- und Südosteuropa entwickelt, das ein Höchstmaß an Sicherheit gewährleistet und es ermöglicht, dass diese Produkte, die in der Regel aus Fernost per Luftfracht in Wien eintreffen, sicher bei den End­kunden landen. Dasselbe Angebot gilt für die Verteilung der in Osteuropa produzierten Hightech-Geräte nach West- und Nordeuropa.

Eine andere Spezialität in diesem Sinne liegt in der Organisation von Ganzzügen, die DB Schenker mit Partnern ab der öster­­reichisch-ungarischen beziehungs­weise österreichisch-slowenischen Grenze nach Südosteuropa und der Türkei, aber auch vice versa, abfertigt. An bestimmten Orten, wie zum Beispiel in Sopron an der österreichisch-ungarischen Grenze, werden Waggons oder Waggongruppen aus West- beziehungsweise Nordeuropa gesammelt und dann in formierten Ganzzügen an die Bestimmungsstationen in Südosteuropa, in Griechenland und in der Türkei weiter­geleitet. Durch die Vielzahl der involvierten Bahnverwaltungen, der damit verbundenen Schnittstellen und anderer Barrieren ein nicht einfaches Unterfangen, das jedoch ­– wie die mehr als 2.000 jährlich gefahrenen Züge belegen – sehr erfolgreich gemeistert wird.

MagDer Autor (Jahrgang 1948) ist Vorstands­­­vorsitzender der Schenker & Co AG und als Regionaldirektor im weltweiten Kon­zern für die Region Südeuropa verantwortlich. Der Speditionskaufmann studierte an der Hochschule für Welt­handel in Wien mit dem Abschluss als Magister der Sozial- und Wirtschafts­wissenschaften. Elmar Wieland ist seit 1974 für die Schenker & Co AG tätig.

Andere Lösungsansätze sind dem echten Supply-Chain-Management zuzuordnen, wenn etwa Fahrzeugkomponenten aus Japan über Wien geroutet, hier zwischen­gelagert und dann „just in time“ an Pro­­duk­­tionswerke (OEMs) in der Slowakei ausgeliefert werden.

Neue Herausforderungen liegen in Öster­­reich, aber vor allem auch in Ost- und Südosteuropa im Bereich der sogenannten „Green Logistics“: Gerade hier sind Innovationen notwendig, um die immer wichtiger werdenden Umweltziele zu erreichen und auch das Image der gesamten Transport- und Verkehrswirtschaft zu heben. Neben der Verlagerung auf die Schiene gibt es hier zweifellos noch Handlungsbedarf in Verbindung mit der Benützung der Donau, andererseits wird jedoch bereits eine Fülle von Maßnahmen zur Verkehrsoptimierung, zur Treibstoff­ein­sparung, aber auch zu anderen um­­welt­­schonenden Maßnahmen, umgesetzt.

salzburg_hub_nacht_MG_5973-Kopie

Österreich und die österreichische Ver­kehrswirtschaft verfügen also nach wie vor über entsprechende Stellschrauben, um Güter- und Verkehrsströme optimal im Sinne der Kunden über Österreich oder aus Österreich heraus zu steuern. Dass all das möglich ist, ist auf die gut aus­­gebildeten und hochmotivierten Fach­­kräfte zurückzuführen. Wesentliche Grund­­lage dafür sind das duale Ausbildungs­system, die auf Logistik spezialisierten Fachhochschulen aber auch das Institut für Transportwirtschaft an der Wirtschafts­universität Wien. Darüber hinaus investieren die großen Betriebe enorme Beträge in die interne Aus- und Weiterbildung. Sie leisten damit einen wesentlichen Beitrag zur Sicherung einer erfolgreichen Zukunft.