Mag. Dr. h.c. Monika Kircher & Dr. Ingrid Lawicka: Made in Villach: Innovatives Umfeld für hochqualitative Produkte

Im südlichsten Bundesland Österreichs, in der Stadt Villach, befindet sich die Öster­­­­reich-­­Zentrale des weltweit agierenden Halbleiterunternehmens Infineon mit Haupt­­sitz im deutschen Neubiberg nahe Mün­chen. Seit über vierzig Jahren ist das Un­­ter­­­nehmen, einst die Bauelemente-Sparte von Siemens, ein wichtiger Teil der Stadt Villach und größter privater Arbeitgeber Kärntens. Mehr Tradition als Innovation? Mitnichten!

Infineon leistet mit seinen Halbleiter­pro­­­dukten und Systemlösungen einen wichtigen Beitrag zu drei gesellschaftlichen Zukunftsthemen: Energie­effizienz, Mobi­­lität und Sicherheit. Als Leading Com­pe­tence Unit (LCU), also als Entscheidungs- und Kompetenzzentrum eines Global Players, ist der österreichische Standort eine wichtige Säule der Wirtschaft und für die Region von großer Bedeutung.

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In der Villacher Fabrik werden elektronische Bauteile in unterschiedlichen Techno­­logien und Komplexitäten in bis zu 400 Fertigungs­­schritten erzeugt. Eine der größten Heraus­­forderungen im Bereich der Leistungs­halb­­leiter ist die Chip-Pro­­­duktion auf dünnen Wafern. Als Wafer werden Silizium­scheiben bezeichnet, die als Substrat zur Her­­stellung von Mikro­­chips dienen. Villach hat weltweit die al­­­­­­lei­­nige Kompetenz für die Fertigung auf bis zu 40 Mikrometer dünnen Siliziumscheiben.
Zum Vergleich: Ein Blatt Papier hat zirka 100 Mikrometer. Der Einsatz der Dünn­­wafer-Technologie bewirkt bei den Pro­­duk­­ten für das Auto oder für die Industrie er­­höhte elektrische Leistung und damit nied­­­rigere Leitungsverluste, ohne dass es dabei zu höheren Schaltverlusten kommt. Das heißt, die Dünnwafer-Technologie trägt we­sentlich zur Energieeffizienz von End­­­­­geräten bei. Diese Kompetenz wurde mit dem Innovations- und Forschungs­preis des Landes Kärnten 2009 ausgezeichnet.

Insbesondere bei so genannten Energie­­­sparchips, aber auch in der Automobil­elek­­­tronik, hat sich in Villach weltweit anerkanntes Know-how etabliert und konsequent weiterentwickelt. Wir haben uns seit nunmehr drei Jahren einer Inno­­va­­­­­­tions­­ini­­­tiative verschrieben, die die Zu­­sammen­ar­beit zwischen For­­schung, Ent­wicklung und Fertigung ziel­­­gerichtet intensiviert. Die Basis bildet eine durch unterschiedliche Aktivi­täten gestützte Unternehmens­kul­tur, die das Potenzial der Mitarbeiterinnen und Mit­­arbeiter fördert und Raum für Neues schafft. So genannte „Innovation Days“ bilden die Platt­form zum Erfah­rungs- und Ideen­austausch.
Hierbei werden Themen forciert, die in Zukunft entscheidend für den Markt­erfolg sein werden. Innovationsprojekte aus dem Jahr 2008 tragen zum Beispiel schon heute in der Photovoltaik dazu bei, die Effizienz von Solar-Anlagen beträchtlich zu steigern. Des Weiteren sei eine Auto­­­­­matisierungsinitiative in der Fertigung genannt, wo der Einsatz neuer Roboter­­systeme die Zusammenarbeit zwischen Menschen und Maschinen optimiert und somit in der komplexen Wafer-Fertigung klare Qualitätssteigerungen möglich werden. Schließlich führte auch eine vor Ort durch­­geführte Machbarkeits­studie zur 300-mm-Dünnwafer-Fertigung für Leis­­tungs­­halb­­leiter zu der Ent­­schei­­dung des Konzerns, hierfür eine Pilot­­linie in Villach zu starten.

Für Elektrofahrzeuge sind Halbleiter uner­­­­lässlich. In allen Bereichen – Kosten, Reich­­­­weite der Batterie, Lade-Infrastruktur und Smart Grid mit all seinen Aspekten – können Halbleiterlösungen helfen, den technologischen Durchbruch zu beschleunigen. Elektromobilität spielt daher in mehrfacher Hinsicht eine bedeutende Rolle. Gemeinsam mit Spitzen­unter­nehmen aus Industrie, Forschung und Energie­wirt­­­­­­schaft beteiligt sich Infineon Austria an der bundesweiten Plattform „Austrian Mobile Power“ mit dem Ziel, Elektro­­mo­­­bilitäts­konzepte voranzutreiben.

Innovation ist eine wesentliche Grund­lage für uns genauso wie für das Wirt­­schafts- und Technologieland Österreich. Um auch in Zukunft innerhalb Europas als wichtiger Hightech-Standort wahrgenommen zu werden, setzen wir in Villach auf eine konsistente Strategie mit Forschung, Wissenschaft, Bildung und Innovation als tragenden Säulen. Wir inves­­tieren daher intensiv in Forschungs- und Entwicklungs­­projekte. So flossen im Ge­­­schäftsjahr 2010 etwa 15 Prozent des Gesamtum­satzes in den Bereich F&E.

Die Zusammenarbeit mit der Industrie sowie mit Universitäten, Fachhoch­schulen und Forschungseinrichtungen im In- und Ausland ist für uns ein wichtiger Er­­­folgs­­faktor. Das gemeinsame Forschen an Tech­­no­­logien von morgen oder über­­­morgen bedeutet für alle Beteiligten ein Denken in neuen Bahnen. Infineon Austria engagiert sich auch als Mitglied von Clustern. In diesen Netzwerken nutzen Betriebe ihre unterschiedlichen Fähig­­keiten und Ressourcen, um die interna­­tionale Wett­bewerbsfähigkeit zu steigern.

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Die Villacher Mikrochip-Produktion treibt einen Strukturwandel voran hin zur „Inno­­­vations­­fabrik“. Das bedeutet, dass sich die Mit­­ar­­beiterinnen und Mitarbeiter in­­tensiv mit Optimierungsthemen in der Ferti­­­­gung be­­schäftigen, und darüber hinaus auch entlang der gesamten Wert­­­­schöp­­­fungs­­­­­kette – von der Idee über die Pro­­­zesse bis hin zum Kun­­den. Damit wird ein wesent­­­­­­­licher Beitrag zur Wett­­­­bewerbs­­fähigkeit und zur Zukunfts­­si­che­rung des Produk­tions­­­­­standortes geleistet. Durch die Verwen­­­­dung neuer Halbleiter­grund­materialien wie Siliziumkarbid lassen sich besonders kom­­­pakte und schnell schaltende Netz­­teile mit hoher Zuver­lässig­­keit und geringerem elek­­­trischen Ver­brauch realisieren – ein weites Feld für For­­schung und Entwicklung.

Das Villacher Werk war weltweit die erste Produktionsstätte, die ihre Fertigungs­einheiten mit Hilfe verschiedener Funk­technologien steuerte. Die Software für dieses als „iFab“ bezeichnete Projekt kam von der Infineon-Tochter in Klagenfurt und die komplexe Chiptechnologie stammt aus dem Development Center Graz. Dafür erhielt Infineon Austria den Forschungs- und Innovationspreis des Landes Kärnten 2004. Heute wird dieses Logistiksystem bereits erfolgreich in anderen Fabriken des Unternehmens eingesetzt.

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Durch die Synergie von Forschung und Entwicklung, Produktion und Geschäfts­­­­ver­­ant­­­wortung für definierte Geschäfts­felder verfügt man am Villacher Standort über ein gesamthaftes Wissen und profi­­tiert in der Zusammenarbeit von der räum­­lichen Nähe. Um diesen Vorteil noch ef­­­fek­­tiver für das Unternehmen zu nutzen, beschreitet man auch außergewöhnliche Wege: Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wechseln im Zuge eines Experten-Entwick­­­­lungsprogramms für einen definierten Zeit­­­raum ihren Job im Unternehmen, beispielsweise von der Produktion ins Marke­­ting. Die Kompetenzerweiterung der Ex­­­­per­­t­­innen und Experten und das damit einhergehende bessere Verständnis für die Prozesse in der Wertschöpfungs­kette führen dadurch schneller zu optimalen Kundenlösungen.

Mit Motivation, Flexibilität und Know-how tragen die Mitarbeiterinnen und Mit­arbeiter grundlegend zum Unternehmens­­erfolg bei. Ihre Ideen- und Innovations­potenziale sind für das Unternehmen wertvolle Güter. Die Aus- und Weiter­bildung hat einen hohen Stellenwert – auch im Sinne der Wett­be­­werbsfähigkeit. Die langjährige fachliche Expertise in definierten Forschungs­­­­feldern oder Fertigungstechnologien ge­­paart mit der aktiven Bereitschaft, Neues zu denken, verbindet Tradition mit Inno­­­­vation auf fruchtbare Weise. Wir streben danach, die weltweit besten Köpfe für das Unternehmen zu gewinnen und sie mit ihrer Begeisterung und ihrem Wissen zu binden. Das internationale Arbeits­umfeld – bei uns sind Menschen aus 40 Nationen tätig – trägt deutlich zur Inno­­vations­­kraft des Unternehmens bei. Damit sich das volle Potenzial von Menschen, die aus Ländern mit anderer Kultur, anderen Gesetzen und anderen Sozial­strukturen kommen, ent­­wickeln kann, ist ein integratives Um­­feld für die Mit­­arbeiterinnen und Mitar­­beiter selbst wie auch für deren Angehörige nötig. Dazu bedarf es einer entsprechen­­den Infra­­struktur wie beispielsweise inter­­nationale Schulen, aber auch Beratung und Infor­mationsaustausch. Eine Plattform zur Vernetzung bietet der von Kärntner Industrie und Wissenschafts­einrichtungen ge­­gründete CIC – Carinthian International Club –, wo man den Chancen und Heraus­­­­forderungen der modernen Arbeitswelt mit so manch positiver Idee für den All­­­­tag begegnet.

Infineon-Technologies-Austria-_-Ingrid-Lawicka_1-KopieIngrid Lawicka ist seit den 1980er Jahre in verschiedenen Marketing- und Kom­muni­­kationsfunktionen innerhalb der öster­reich­­ischen Technologie­branche tätig, zum Beispiel bei Apple Computer und Siemens Nixdorf. Als Mitglied der erweiterten Geschäfts­­leitung leitete sie die Marke­­ting- und Kommuni­kations­­­abteilung bei Fujitsu Siemens Computers, seit 2004 ist sie als Leiterin der Unternehmenskommu­ni­ka­tion für Infineon Technologies Austria tätig.
Infineon-Austria_Monika-Kircher-Kohl---3-KopieMonika Kirchers beruflicher Werde­­gang startete mit der Leitung der Regional­­stelle des ÖIE (Österreichischer Infor­­ma­tionsdienst für Entwicklungspolitik). Sie war freiberufliche Beraterin sowie Lehr­beauftragte an der Universität Klagenfurt bevor sie ab 1991 für zehn Jahre als Vize­­bürger­­meisterin der Stadt Villach fungierte. 2001 wurde sie in den Vorstand der Infineon Technologies Austria berufen, seit 2007 ist sie deren Vorstandsvorsitzende.