Mag. Albin Hahn: 120 Jahre und erfolgreich knusprig

Prod-Schnitten_3-KopieMit Schokoladen und Waffeln ist Manner in Österreich und weit über die Landes­grenzen hinaus bekannt. Im Interview erklärt Mag. Albin Hahn, Vorstand Finan­­zen der Manner Comp AG, das Erfolgs­re­zept der Vermarktung der kulinarischen Spezialitäten.

Herr Hahn, die Arbeit schmeckt Ihnen im wahrsten Sinne des Wortes. Gibt es ein geheimes Rezept für den langanhaltenden Erfolg von Manner?
Ein Geheimrezept gibt es in der Tat. Es setzt sich aus verschiedenen Zutaten zusammen: Da ist unser attraktives Preis-­­Leistungsverhältnis, das bis heute ein Eckpfeiler unserer Firmenphilosophie ist. Wir betreiben zudem seit Beginn einen enormen Aufwand für die eine hohe Qualität unserer Produkte, die wir ausschließlich in Österreich produzieren. Den­­noch setzen wir nicht auf Premium-Preise, das zeichnet uns aus. Wir sind der größte österreichische Süßwarenproduzent, der seine Schokolade für seine Produkte noch selbst von der Bohne weg verarbeitet. Meist wird die Schokolade bei vielen anderen Herstellern zugekauft, doch wir haben uns für Qualität und Einzigartigkeit entschieden – unsere Konsumenten schätzen das.

Was macht den internationalen Erfolg von Manner aus?
Wir sind trotz aller Innovationen und Moder­­nisierungen ein traditioneller Familien­­betrieb. Damit heben wir uns deutlich auch aus der gesichtslosen Konzernmasse der Konkurrenz ab. Wir haben zudem sehr kurze Entscheidungswege und ein flexibleres Agieren am Markt. Ganz typisch sind in solchen Strukturen natürlich die Leidenschaft für das Unternehmen, die Produkte für unsere Marken, unseren Standort und natürlich für die Mitarbeiter.

… geht das nicht auch auf Kosten der Wett­­bewerbsfähigkeit?
Nachhaltiges Wirtschaften ist bei Manner wichtiger als die schnelle Dividende. Dabei ist es wesentlich, Aktionäre zu haben, die verstehen, dass es um die langfristige Sicherung des Unternehmens geht. Das heißt aber auch, dass wir keine größeren Ausfälle haben und damit eine deutlich höhere Sicherheit bieten. Der „längere Atem“, den wir manchmal aufbringen müssen, ist typisch für einen Familien­betrieb. Wenn wir uns entscheiden, in einen neuen Markt zu gehen, dann können wir es uns nicht leisten, diesen bei den ersten Schwierigkeiten wieder zu ver­­lassen, sondern müssen Wege und Mittel finden, auf dem Markt zu bestehen. Das macht kreativ – sowohl im Marketing als auch im Vertrieb. Das würde ich auch Investoren empfehlen, die nach Österreich kommen möchten. Zusätzlich ist Cor­porate Social Responsibility bei Familien­­unternehmen wie Manner ein Teil der Firmen-DNA.
Mussten Sie für das Wachstum im Ausland Identitätsverlusten entgegenwirken?
Der Konsument in Österreich, aber auch in unseren Exportländern, schätzt die Ver­­bundenheit von Manner mit Wien. Gerade in Österreich leben die Konsumenten mit uns und unseren Marken. Für unser Mar­keting ist es entscheidend, nicht zu große Sprünge zu machen – sei es in der Wer­­bung oder der Produktaufmachung. Wir wollen vermeiden, dass den Konsumenten ein Teil der Tradition verloren geht, die sie in unseren Produkten in einer von Verän­derungen geprägten Zeit suchen.

Das ist Marketing sicherlich gefordert, noch kreativer zu agieren als der Mit­be­­werber. Dabei sind unsere Werbebudgets mit denen internationaler Konzerne sicher­­lich nicht zu vergleichen. Dennoch werden wir am Markt eben mit diesen permanent verglichen. Das heißt für unser Marketing neue Wege, innovative Produkte und andere Blickwinkel zu entwickeln.

Und wie macht man international auf sich aufmerksam, wenn man den Marketing-Gürtel enger schnallen muss?
Ein weiterer Eckpfeiler unserer Kommu­ni­­kation ist das Skisprung-Sponsoring. Wir unterstützen seit 2002 einige Athleten in diesem Sport, wie etwa Andreas Kofler. Das macht unser Familien­­­­unternehmen auch auf dem Gebiet des Sponsorings einzigartig: Denn wir setzen auch hier auf lang­fristige Partnerschaften, die selbst eine längere Durststrecke mit durchgehen. Natürlich sind wir dann umso erfreuter über eine per­­fekte Saison. Im Sponsoring sind einem Familien­­unter­neh­­men eben na­­türliche Gren­­zen gesetzt und trotz unserer Erfolge leiden wir nicht unter Größenwahn – übrigens ist das noch ein Vorteil unserer Unternehmens­struktur. Für Investoren wäre auch ein Tipp an Investoren, beim Spon­­soring die regionalen Besonderheiten zu prüfen und ge­­ge­benenfalls eher in solche Nischen zu gehen. Das ist nicht nur finanziell günstiger, sondern langfristig erfolg­­­reich.


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Was sollten Investoren noch beachten, wenn sie nach Österreich kommen?
Die Verbundenheit mit dem Land, den Leuten und der Kultur sollte authentisch sein. Wir achten deshalb bewusst auf unsere Marken und sind in unserer Marken­­führung authentisch. Authentizität ist auf dem österreichischen Markt besonders wichtig. Botschaften sollten daher im Ein­­klang mit dem Handeln stehen, sonst sind die Konsumenten irritiert. Punk­­ten wiederum kann man durch Qualität und Regio­­nalität. Die „Billig“-Schiene hat sich in Öster­­reich unseres Erachtens nicht so durch­­gesetzt wie in anderen Ländern.

Die Authentizität in der Werbung und im generellen Auftritt ist Österreichern aus unserer Sicht wichtiger als in anderen Märkten. Der Österreicher hinterfragt gerne Aussagen und Produkte. Wenn man etwas Neues am Markt etablieren möchte, muss man ausreichend und verständlich kommunizieren, warum der Österreicher genau dieses Produkt braucht und kaufen sollte. Mit Herkunft und Regionalität kann man bei den österreichischen Konsumenten aber auf jeden Fall punkten.

Hahn3-KopieAlbin Hahn absolvierte seine Ausbildung an der Wirtschaftsuniversität Wien. Nach dem Studium der Betriebswirtschaft be­­gann seine Karriere bei Unilever, zunächst bei Unifrost, dann bei Iglo. In Rotterdam war er als Finanz­­­direktor Frozen Food Europe tätig. Nach seiner Rückkehr nach Österreich war er Finanzdirektor der Austria Frost. Seit 2008 ist Mag. Albin Hahn Vorstand Finanzen und Personal.