Lucia Puttrich: Energieland Hessen – mit der Kraft der Natur

Hessen ist ein modernes Land im Herzen Europas und in der Mitte Deutschlands. Weltbekannt ist das Bundesland durch das Finanzzentrum Rhein-Main, die kul­­tu­relle Metropole Kassel, seinen Reichtum an sehr alten Buchenbeständen und seine qualitativ hervorragenden Weine des Rheingaus und der Bergstraße. Hessen hat aber auch eine moderne, auf die Zukunft ausgerichtete Energie- und Umwelt­­politik zu bieten.

Die hessische Energiepolitik richtet sich an drei Grundbedingungen aus: Ver­­sorgungs­­sicherheit, Preis­günstig­keit sowie Umwelt­­freundlichkeit. Ver­sorgungs­sicher­­heit bedeutet, für die Energie­­nachfrage jederzeit ein ausreichendes Angebot an Energieträgern sicherzustellen. Preis­günstigkeit und damit Wirtschaftlichkeit können nur über marktwirtschaftliche Strukturen und funktionierenden Wett­bewerb erreicht werden. Dies sind die besten Voraus­setzungen für eine effiziente Energie­bereitstellung und -nutzung. Hierin steckt zudem eine soziale Verant­wortung: Energie muss für alle bezahlbar bleiben – für unsere produzierenden Unter­nehmen genauso wie für die privaten Ver­braucher. Zum Zieldreieck der hes­­sischen Energie­­politik gehört schließ­­­lich auch die Umwelt­­ver­träg­lichkeit, verstanden als möglichst schonende Nutzung der natürlichen Res­­sourcen und Erreichung eines bestmöglichen Klimaschutzes.

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Hauptansatzpunkte unserer Energie­politik sind die Optimierung der Energie­­­­effizienz, das heißt die Minimierung des Primärenergie­einsatzes und die rationelle Energie­nutzung, sowie der Ausbau der erneuerbaren Energieträger. Wir haben uns das Ziel gesetzt, 20 Pro­zent des End­­­­energieverbrauchs (ohne Verkehr) bis zum Jahr 2020 aus erneuerbaren Energien zu decken. Hessen hat eine hohe Kom­petenz beim effizienten Einsatz von Energie. In Süd­hessen, im Herzen Europas, begann bereits in den 1980er Jahren der „Siegeszug“ der Passivhaus­technologie in die Welt. Nachdem die Wichtigkeit der Energie­­effizienz schon damals in Hessen erkannt wurde, wird diese nach wie vor vorangetrieben, denn nachhaltige Ge­­bäude sind wirtschaftlich effizient, um­­­­welt­­­­freund­­lich und ressourcen­­sparend. Energie­­­effizienz stellt das bedeutendste Potenzial dar, um Primärenergie­ein­sparung und Klima­schutz zu realisieren. Sie ist Voraus­­setzung für die breite Nutzung der erneuer­­baren Energien und erbringt rund 70 Prozent der notwendigen Reduzierung der Treibhaus­gase­mis­sionen. Die Steigerung der Energie­­effizienz ist, mit dem Ziel der Reduzierung des End­­energie­ver­brauchs in allen Bereichen, ein zentraler Baustein in der hessischen Energie- und Klimapolitik.
Um den Energieverbrauch im Gebäude­bereich und damit CO2-Emissionen dauer­­­­haft zu senken, ist neben der Er­­for­­schung innovativer Technologien auch die Quali­­­fizierung von Planern, Bau­­wirtschaft und Handwerk erforderlich. Eine Förderung in diesem Bereich ist daher selbstverständ­­lich. Ein spannendes und einmaliges Pro­­jekt ist das Leit­projekt „HIER!“ („Hessen für Innovation in Energie- und Res­sourcen-Effizienz“). Hierfür haben sich namhafte Unternehmen mit der Uni­­versität Kassel zusammengetan. Das Projekt beinhaltet einen neuen Kommuni­­kationsansatz und bezieht die Kom­­ponenten Aus- und Weiter­­­­bildung sowie Innovation mit ein. Im Kern zeichnet sich das Projekt durch eine inte­­grierende Betrachtung der Bereiche Energie­bereit­­stellung, Infrastruktur und Pro­duktions­prozesse aus. Unter­nehmen werden bei der Entwicklung von Pro­dukten zur Minderung des Energie­ver­­brauchs unterstützt. Gleichzeitig sollen Beiträge zur Steigerung der Energie­pro­­duktivität in Produktions­prozessen ge­­leistet werden. Die Zusammenarbeit von Unter­nehmen, Hochschule und einem gemein­­nützigen Institut birgt eine enge Kopplung von Wissenschaft und Wirt­schaft und sorgt für eine zügige Über­­mittlung der wissen­­­­­schaftlichen Erkennt­­nisse in die Praxis. „HIER!“ wird neben den Praxis­er­kennt­nissen für kleine und mittlere Unter­­nehmen einen wichtigen Beitrag zur Belebung des Wachs­tums­­marktes für Energie­effizienz leisten.

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Es ist eine Tatsache, dass rund 40 Prozent des Endenergieverbrauchs für Raum­heizung und Warm­wasser­bereitung ver­­­wen­det werden. Dem müssen wir uns stellen, um mit dem Einsatz moderner Gebäude- und Anlagentechnik diesen Ver­­­­brauch ohne Komfortverlust zu halbieren. Um das vorhan­­dene Einspar­potenzial aus­­­­zuschöpfen, hat die Hessische Landes­­­­­regierung die „Hes­sische Energiespar­Aktion“ ins Leben gerufen. Denn mehr als eine Million Ent­­scheider – wie beispiels­­weise Haus­eigen­tümer, Mieter und Energie­­­­berater – benötigen Informationen, um zu handeln. Diese stellt die „Hessische Energiespar­Aktion“ bereit. Wir haben uns aber auch vorgenommen, die Energie­­effizienz im Strombereich zu steigern. In allen Anwendungs­be­reichen können 30 bis 50 Prozent des Strom­ver­­brauchs ohne Komfort- oder Produktions­­­einschränkungen eingespart werden: zum Beispiel durch die Mini­mierung der Um­­­­wandlungs­verluste bei der konventionellen Stromer­zeugung, den Einsatz von Ge­­räten mit standardmäßiger Stand-by-Ab­schal­tung, den Ein­satz moderner Straßen­­­­­be­­leuch­­tungs­­technik sowie den Einsatz von Mo­­toren der höchsten Effizienz­klasse für Pumpen, Ventilatoren und Kom­­pres­­soren. Hier liegen die Chancen für Investoren in Hessen.
Denn: Energieeffizienz ist einer der Motoren für Innovationen. Das gilt für die Bereitstellung der End- und Nutz­energie und für alle energieverbrauchenden Pro­zesse und Geräte. Effizienztechnologien entwickeln sich zu unserem wichtigsten Exportfaktor und zudem erhöht Energie­­einsparung natürlich die Wett­bewerbs­­fähigkeit des Unternehmens.

Besonderes Augenmerk wird in Hessen auf den Ausbau der erneuerbaren Ener­gien gelegt. Die Biomasse ist dabei ein beson­­­­derer Schwerpunkt. Für die Wärme- und Stromerzeugung sowie für Kraftstoffe aus nachwachsenden Roh­­stoffen stehen in Hessen, einem der wald­­reichsten Bundes­­­­länder Deutschlands, die Biomasse aus der Forstwirtschaft und aus der Land­wirt­­schaft, die speziell angebauten Energie­­­­pflanzen sowie die organischen Abfälle zur Verfügung. Die Biomasse ist ökologisch nachhaltig und CO2-neutral. Sie ist gut speicherbar und schafft Wert­­schöpfung im ländlichen Raum. Seit 1999 fördert die Hessische Landes­regierung die Nutzung der Bio­rohstoffe. Es werden Zuschüsse für Maß­­nahmen und Vor­haben, die der umwelt­­verträglichen Energie­gewinnung durch nachwachsende Roh­stoffe aus der Land- und Forstwirtschaft dienen, gewährt.

Die Energieversorgung in einem hoch­industriellen Land wie Hessen kann aber nicht von heute auf morgen alleine mit den Trägern der erneuerbaren Energien sicher, preisgünstig und umwelt­­freund­lich realisiert werden. Aber wir sind davon überzeugt, dass wir mit Unter­stüt­­zung aller gesell­schaft­lichen Gruppen das Ziel erreichen werden.

Puttrich_EB08-0006_72_60Die 1961 geborene Autorin hat ihr Betriebs­­wirtschaftsstudium an der Fachhoch­schule Gießen absolviert. Von 1995 bis 2009 war sie Bürgermeisterin der Stadt Nidda. Seit 2002 ist sie Mitglied im Präsidium der hessi­schen CDU und seit 2006 Kreis­tags­­­ab­­ge­­­ordnete der CDU im Wetterauer Kreistag. Am 31. August 2010 trat Lucia Puttrich ihr Amt als Hessische Ministerin für Umwelt, Energie, Landwirtschaft und Verbraucher­­­schutz an.