Lars Wöhler: Tagungen, Kongresse und Veranstaltungen in Darmstadt

Deutschland ist laut dem International Congress and Convention Association Statistics Report 2010 das Kongress­land Nummer eins in Europa und liegt weltweit – hinter den USA – auf dem zweiten Platz. Mit 6.420 Tagungs- und Veranstaltungs­stätten hat der Kongress- und Veran­stal­­tungs­markt eine wichtige Bedeutung für die deutsche Volkswirtschaft. Rund 2,7 Millionen Ver­­anstaltungen mit einer durch­­schnittlichen Dauer von 1,6 Tagen wurden im Jahr 2010 durchgeführt. Im bundesweiten Länder-Ranking liegt Hessen auf dem dritten Platz der Top-Veran­stal­­tungs­­standorte. Vergleicht man die Metro­­pol­regionen mit­­einander, dann präsentiert sich das Rhein-Main-Gebiet nach Berlin sogar auf dem zweiten Rang.

Mit ihrer Lage im Rhein-Main-Gebiet sowie der Nähe zur Wissenschaft bringt die Wissenschaftsstadt Darmstadt sehr gute Voraussetzungen für eine erfolgreiche Kongress- und Veranstaltungs­destination mit sich. In insgesamt 37 Veranstaltungs­­stätten, davon sieben Veranstaltungs­zen­­tren, zwölf Tagungshotels und 18 Special Locations – außergewöhnliche Orte wie Burgen, Schlösser, Museen oder Fabrik­hallen – fanden rund 6.000 Veranstaltungen mit annähernd 500.000 Besuchern statt, die eine Aufenthaltsdauer von durchschnitt­­lich 1,79 Tagen hatten. Das Angebot reicht von der Orangerie im Süden der Stadt über die Weststadt-Bar und die Central­­station in der Innenstadt bis hin zum zentral gelegenen darmstadtium. Das Wissen­­schafts- und Kongresszentrum leistet hierbei einen entscheidenden Bei­­trag. Mit seiner avantgardistischen Archi­­tektur, einer ausgezeichneten IT-Infrastruktur und einem nachhaltigen Ökomanagement zählt das Kongresshaus zu den erfolgreichsten in Deutschland. Ob Seminare, Konferenzen, Versammlungen, Messen, Besprechungen oder Meetings für kleine oder große Teilnehmerkreise, Geschäfts­­reisende finden in Darmstadt eine ab­­wechs­­lungsreiche Auswahl an Tagungs­möglich­­keiten. Ein ebenso wichtiger Bestandteil hierbei ist die bereits bestehende Vielfalt der Tagungshotellerie in der Stadt.

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Welche Faktoren zeichnen einen idealen Veranstaltungsort aus? Die Wahl der ge­­eigneten Räumlichkeiten hängt in erster Linie davon ab, ob die Location zum ge­­­­wünschten Zeitpunkt verfügbar ist. Da­­neben stellen das Preis-Leistungs­-Ver­­hält­­nis, eine gute Verkehrsanbindung sowie ein zentraler Ansprechpartner die wesentlichen Kriterien für die Veranstalter dar. Teilnehmeranzahl und Thema des Events sollten mit dem Angebot übereinstimmen. Auch muss die benötigte Technik vorhanden sein, ebenso ein umfangreiches gastronomisches Angebot und Park­plätze. Der Veranstaltungsort sollte für die Be­­sucher zudem mit den öffentlichen Ver­­­­kehrs­mitteln leicht erreichbar sein und mit Übernachtungs­möglichkeiten in un­­mittel­­­barer Nähe aufwarten können.

Welche Vor­­teile hat Darmstadt für Ver­­anstalter? Die Stadt ist über die Metropolregionen Rhein-Main und Rhein-Neckar optimal erreichbar. Die Nähe zum Frankfurt Airport, schnelle Verbindungen über das Bahnnetz und die direkte Lage an den Autobahnen A5/A67/A661 sind ebenfalls als positiv zu bewerten. Die innerstädtische Infrastruktur sorgt dafür, dass die Tagungsstätten mit den öffent­­lichen Verkehrsmitteln gut erreichbar sind. Die Stadt ist kompakt und kann durch kurze Wege punkten. Gastro­nomie und Hotellerie tragen als „Wohlfühl­faktor“ ihren Teil dazu bei, dass das innerstädtische Ambiente als angenehm empfunden wird. In der Darmstädter Gastronomie stehen insgesamt rund 6.000 Sitz­plätze zur Ver­­fügung, von denen etwa 3.000 im Freien liegen. In den Hotels vor Ort sind über 4.200 Betten buchbar. In einer Studie des Euro­päischen Instituts für TagungsWirt­schaft (EITW) ist jedoch angemerkt worden, dass die Hotelsituation in Darmstadt Verbesserungs­­potenziale aufweist. Als interessant wurde hierbei der Neubau eines Hotels, insbe­­son­­dere in der 4-Sterne- Kategorie, an­­ge­­sehen. Infolgedessen wäre mit einer Nach­­frage­erweiterung sowohl im Tagungs- als auch im Übernachtungs­bereich zu rechnen.

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Wettbewerbsvorteile gegenüber anderen Städten bietet Darmstadt vor allem durch die enge Vernetzung von Wirtschaft und Wissenschaft. Im Kongress- und Tagungs­­bereich wird die Wissenschaftsstadt ihrem Namen gerecht. Laut Anbieter­befragung des EITW 2010 bestimmen (Wissenschafts-)Verbände einen wesent­lichen Teil der Gesamtnachfrage. 39,3 Pro­­zent der Ver­­anstalter sind Verbände und Ver­­eini­­gungen, 11,4 Pro­zent sind Univer­si­täten und Ins­­titute, 29 Prozent macht die Privat­­wirt­­schaft aus sowie 20,3 Pro­­zent sons­­tige An­­bieter. Darmstadt als Kongress- und Ver­­anstaltungsort für Wirt­­schaft und Wissen­­schaft weiter zu festigen, hat sich darmstadtcongress zur Aufgabe gemacht. Der Verbund von direkt und in­­direkt an der Um­­setzung von Ver­an­stal­­tungen betei­­l­igten Unter­­nehmen und Organi­sa­­tionen in Darmstadt berät Veranstalter in Sachen Über­nach­­tung, Gastlichkeit, Gestaltung eines Rahmen­­programmes oder zur Aus­­wahl einer Location für das abendliche Get-together. Vertreten sind Anbieter von Räumen, Hotels, Gastro­nomie- und Trans­­­­portunter­nehmen, die IHK Darmstadt und die städtischen Marketing­organi­­sationen genauso wie Event- und Kom­munika­tions­­­­agenturen oder die ortsansässige Brauerei.

Neben dem Tagungsmarkt ist die Kultur eine wichtige Säule der Tourismus- und Freizeitwirtschaft in Darmstadt.
Diese offeriert Touristen wie auch Tagungs- und Kongressbesuchern ein abwechslungsreiches Programm: Aus­­stellungen auf der Mathildenhöhe oder in der Kunsthalle, Konzerte in der Central­­station, Theater oder Oper im Staats­theater sowie Ausflüge zur Weltnaturerbestätte Grube Messel, in den Odenwald oder zu Burgen und Schlössern in der näheren Umgebung stellen weitere Pluspunkte für Darmstadt als Veranstaltungsort dar.

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Nachhaltigkeit im Veranstaltungs­bereich ist ein Trend. Das Meeting- & Event­Baro­­meter Deutschland 2011 zeigt, dass Nach­­haltigkeit für die Tagungs- und Kongress­­branche ein zunehmend wich­­tigeres Thema wird. Rund 85 Prozent der deutschen Veranstaltungsplaner sind der Meinung, dass die Bedeutung der soge­­nannten „Green Meetings“ gleich bleiben oder steigen wird. Wenn es um Nach­­haltigkeit geht, gehört Deutschland welt­­weit zu den führenden Nationen. Immer mehr Tagungshäuser sind ressourcen- und klimaschonend organisiert und erwerben das Gütesiegel „Green Globe“. Die Zerti­fi­zierung besitzt in der Tourismus- und MICE-Branche („Meeting, Incentive, Congress, Event“) einen hohen Stellenwert. Es wird unter anderem vom Europäischen Ver­­band der Veranstaltungs-Centren (EVVC) unterstützt. „Green Globe“-Auflagen sind neben der Energieeffizienz der Einkauf regionaler Produkte und Dienst­­leis­­tungen sowie Mitarbeiterschulungen zu ökolo­­gischen, ökonomischen und sozialen Frage­­stellungen. Diese Bedingungen erfüllt in Darmstadt das darmstadtium und ge­­hört damit zu den ersten 25 deutschen Tagungs­­häusern, die dieses Gütesiegel verwen­­den dürfen. Durch die umfangreiche Nutzung von Erdwärme, Biomasse und Solar­energie erreicht das Wissen­schafts- und Kongress­­zentrum eine nahe­­zu vollständige Ver­­sorgung des Gebäudes durch erneuerbare Energien. Nicht nur in Fragen der Nach­­haltigkeit gilt das darmstadtium als Flagg­­schiff des Kon­­gress- und Ver­­anstaltungs­­­standortes. Das Zentrum ist – als Teil des Campus – mit der TU Darmstadt eng verbunden und hat dadurch ein eindeu­­tiges Allein­­stellungs­merkmal gegenüber in anderen Städten liegenden Tagungs­­stätten. Damit fun­­giert das darmstadtium als ent­­schei­­dende Plattform für den immer wichtiger werdenden Wissen­schafts-Praxis-Transfer.

Sowohl in Darmstadt als auch in Deutsch­­land kann die Tagungs- und Veranstaltungsbranche optimistisch in die Zukunft blicken: Alle Arten von Ver­­anstaltungen sind laut Meeting- & Event­Barometer im Aufwind. Neben Semi­naren, Tagungen und Kongressen (64 Prozent) legen Ausstellungen und Präsen­ta­tionen zu und erreichen zehn Prozent im bun­­des­­weiten Vergleich. Dies kommt nicht zu­­letzt durch die Erhöhung der zur Ver­­fügung stehenden Budgets bei über 60 Prozent der Veranstalter zum Aus­­druck. Das Rhein-Main-Gebiet gilt dabei – nach Berlin – als Standort mit der höchsten Attraktivität. Diese Statistik bescheinigt auch dem Tagungs- und Kongressmarkt der Wissen­schafts­stadt Darmstadt große Chancen. Das Angebot an Veranstaltungsstätten ist im Ver­­gleich zu anderen Städten absolut wett­­bewerbsfähig. Das enorme Potenzial wurde bereits erkannt. Nun gilt es, dieses auch zukünftig kontinuierlich auszubauen.

woehler_MG_8837_01c_XDer Autor (Jahrgang 1973) hat Wirt­­schafts­­geografie an den Universitäten in Marburg, Bayreuth und Birmingham studiert. Von 2006 bis 2010 war er als Geschäftsführer der Kongress- und Touristikbetriebe sowie des Fördervereins Stadtmarketing der Stadt Aschaffenburg tätig. Seit Dezember 2010 ist Lars Wöhler Geschäftsführer der Wissen­­schafts- und Kongresszentrum Darmstadt Verwaltungs-GmbH – darmstadtium.