Karl-Martin Pfenning: Starke Industrie braucht leistungsfähige Logistik

Über 100.000 Quadratmeter Fläche umfasst  das neue Multi-User Logistikzentrum der  Pfenning-Gruppe am Standort Heddesheim.

Über 100.000 Quadratmeter Fläche umfasst das neue Multi-User Logistikzentrum der Pfenning-Gruppe am Standort Heddesheim.

Manche Dinge begegnen uns im Leben auf Schritt und Tritt, und dennoch denken wir im Alltag wenig über sie nach: Wir setzen einfach voraus, dass es sie gibt und erwarten, dass sie jederzeit funk­­tionieren. Mehr als auf fast jeden anderen Zweig unserer Wirtschaft trifft dies auf die Logistik zu. Branchen über­grei­fend sorgt sie dafür, dass Güter und Waren stets dort sind, wo sie gebraucht werden. So benötigen Industrie­unter­neh­­­men beispielsweise Massen­gut­liefe­rungen für ihre Produktion, während die Ver­­braucher wiederum von einer reibungs­losen Distribution der Enderzeugnisse zu den Geschäften abhängig sind. Die Lo­­gistik ist damit eine zentrale Säule unserer arbeitsteiligen Wirtschaft und unseres Wohlstands. Um sicherzustellen, dass diese Säule auch in Zukunft stabil bleibt, ist es notwendig, ihr Fundament – die Rahmenbedingungen für die Lo­­­gis­­tik in unserem Land beziehungsweise in unserer Re­­­gion – sorgfältig abzusichern und langfristig weiter zu stärken.

Welch immense Bedeutung die Logistik besitzt, wird bereits an den Zahlen deutlich: So hat die Branche im Jahr 2011 in Deutschland mit einem Jahresumsatz von rund 220 Milliarden Euro einen neuen Spitzenwert aufgestellt und das bisherige Rekordjahr 2008 übertroffen. Mit circa 2,8 Millionen Beschäftigten ist sie zudem inzwischen nach der Auto­­mobil­­industrie und dem Handel Deutschlands drittgrößter Arbeitgeber. Möglich wurde dies durch zwei eng miteinander verzahnte ökonomische „Megatrends“ – die zu­­neh­­­­mende Ausdifferenzierung der Wert­schöp­­fungskette sowie das Zusammen wachsen der regionalen Märkte im Zuge der so genannten Globalisierung.

Der Innenhof des Logistikzentrums mit  insgesamt 110 Verladetoren.

Der Innenhof des Logistikzentrums mit insgesamt 110 Verladetoren.

Diese Entwicklungen haben sich mit großem Tempo vollzogen und sind keineswegs abgeschlossen. Ihre Anfänge liegen erst wenige Jahrzehnte zurück: So war die Logistik als Unternehmensfunktion noch in den 70er und frühen 80er Jahren stark konzentriert auf die physischen Ab­­­­läufe des Material- und Warenflusses. Im Mittelpunkt standen damals eine möglichst effiziente Zeit- und Raum­über­win­­­­­dung sowie die Optimierung grundlegender logistischer Arbeitsvorgänge, wie Transport, Umschlag, Lagerung sowie Ver­packen und Kommissionieren. In den späten 80er Jahren begann sich die Lo­­gistik als Wirtschaftszweig immer mehr zu entwickeln. Zugleich veränderte sich das Verständnis von der Be­deu­tung der Branche im Wirtschaftsgeschehen: War die Logistik zuvor im Wesentlichen als ein normaler Dienstleistungszweig wahr­­genommen worden, so wurde sie nun zunehmend als branchenübergreifende Schlüsselfunktion in einer immer komplexer werdenden Wertschöp­fungs­ket­­te betrachtet. Nicht mehr einzelne Transportvorgänge, sondern kontinuierliche Distributionsprozesse zur Sicher­stellung einer jederzeitigen optimalen Waren- und Güterverfügbarkeit standen nun im Zentrum der Aufmerksamkeit. In den 90er Jahren und nach der Jahr­­tausendwende setzte sich dieser Trend fort, wobei sich die Steuerungsaufgabe der Logistik – nicht nur im Zusammen­spiel mit den Kunden, sondern bereichsüber­greifend entlang der gesamten Wert­­sch­öp­­fungskette beziehungsweise „Supply Chain“ – noch stärker herausbildete.

Die Hochregallager ermöglichen eine effizientere Nutzung der Lagerflächen.

Die Hochregallager ermöglichen eine effizientere Nutzung der Lagerflächen.

Parallel hierzu wurde die Logistik entscheidend begünstigt durch die Auf­he­bung traditioneller Grenzen. Gewaltige Fortschritte im Bereich der Mikro­elek­tro­nik vereinfachten die Telekommuni­ka­tion sowie die Speicherung und Über­tra­gung großer Datenmengen und ermöglichten so die Überwindung von Zeit und Raum mit einer bis dahin nicht gekannten Ge­­schwindigkeit. Hinzu kamen eine außen­­wirtschaftliche Liberalisierung in vielen westlichen Industrienationen sowie die Erschließung neuer Teile der Welt durch die Öffnung der Ostmärkte. Diese unter dem Begriff der „Globalisierung“ bekann­­t­en Vorgänge haben zu einem gewaltigen Anschwellen der Warenströme geführt und der Logistik Wachstumsraten be­­schert, die deutlich größer waren als der Anstieg der wirtschaftlichen Gesamt­leis­­tung. Zugleich haben sie die Entstehung weltumspannender Zulieferketten er­­­mög­­licht, über die sich die Industrie im Rahmen globaler Beschaffungsstrategien mit Waren und Rohstoffen für den Produktions­pro­zess versorgt.

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So hat sich die Logistik innerhalb weniger Jahrzehnte immer wieder entscheidend ver­­­ändert und im Rahmen unseres Wirtschafts­­­gefüges eine Schlüsselfunktion erlangt: Der Waren­­­­austausch ist heute stärker als jemals zuvor. Und jenseits ihrer ange­­stam­­mten Transport-, Distributions- und Lager­be­wirt­schaftungsaufgaben wachsen die Logis­tiker zunehmend in neue Aufga­­ben­­­be­rei­che hinein. Denn der Trend zu fort­­­w­­ährenden Effizienzsteigerungen zwingt die Unternehmen zu einer immer stärkeren Konzentration auf Kernkompetenzen und ermöglicht es so den Logistikern, im Rahmen von „Outsourcing“-Pro­gram­men eine Vielzahl von Mehrwert­dienst­leis­tung­en zu übernehmen (zum Beispiel Vor­fer­­tigungs- und Montagearbeiten), was sie letztendlich zu einer „verlängerten Werk­­bank“ der Industrie macht.

 

Vieles spricht dafür, dass sich diese Ent­­wicklungen künftig fortsetzen werden: Aktivitäten wie „Supply Chain-Manage­­ment“, „Just-in-Time“-Lieferung und „Out­­sourcing“ werden aller Voraussicht nach an Bedeutung noch weiter zunehmen. Vor diesem Hintergrund ist auch damit zu rechnen, dass der Straßengüterverkehr seinen Marktanteil weiter ausbaut. Denn nach wie vor kann er besser als die Bahn oder die Binnenschifffahrt auf steigende beziehungsweise sich ändernde Anfor­­derungen reagieren.

 

multicube rhein-neckar ausgezeichnet mit Gold für 128.000 Quadratmeter von der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB e.V.).

multicube rhein-neckar ausgezeichnet mit Gold für 128.000 Quadratmeter von der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB e.V.).

Obwohl die Logistik ihr Wachs­tums­po­ten­zial noch nicht ausgeschöpft hat, ist doch schon jetzt erkennbar, dass sie sich in den kommenden Jahren auf neue Herausforderungen einstellen muss: Ne­­ben immer komplexeren Sicherheits­an­for­­derungen gehören hierzu vor allem der Energiekostenanstieg sowie das Zu­­kunfts­­thema „Umwelt- und Ressourcenschutz“. Neue Liefer- und Waren­bewirtschaftungs­­strategien – vor allem Konzepte für eine ökologisch nachhaltige, „grüne“ Logistik – werden vor diesem Hintergrund immer mehr ins Bewusstsein rücken.

Damit diese Entwicklung erfolgreich ver­­läuft, benötigt die Logistikbranche positive Rahmenbedingungen, die sich jedoch nur mit aktiver Unterstützung durch Poli­­tik und Verwaltung erreichen beziehungs­­weise ge­­­­­währleisten lassen. Hierzu gehören vor allem eine zukunftsgerechte und solide fi­­­nanzierte Verkehrsinfrastruktur, die Ver­­­­fügbarkeit von gut ausgebildeten Fach­­kräf­­ten sowie wettbewerbsfähige Steuern und Abgaben. Nicht unerwähnt bleiben sollten auch wichtige „weiche Standortfaktoren“, wie zum Beispiel Büro­­kratieabbau und eine verbesserte Ak­­­zep­­tanz in der Öffent­­lichkeit. Sich hierfür einzu­­setzen, ist aller Mühen wert. Denn die Er­­fahrung zeigt: Eine leistungsfähige Logistik­­­­­branche stärkt Wohlstand und Beschäftigung. Sie ist gut für das ganze Land. Und sie ist gut für die Menschen in der Region – dort, wo Logistik­unter­nehmen zuhause sind.

Karl-Martin-Pfenning-Portrait-KopieDer Autor studierte Betriebswirtschafts­lehre in München und trat 1975 in das Management des elterlichen Unternehmens ein. Ab 1996 entwickelte K.-M. Pfenning das Familienunternehmen zu einem mo­­dernen Logistikanbieter, der sich unter anderem als Frischelogistiker eine führende Marktposition gesichert hat. Heute ist Pfenning geschäftsführender Gesell­­schafter in zweiter Generation der Pfenning- Gruppe mit Sitz in Heddesheim.